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Rheinisches Wörterbuch 
 
reiben bis Reibknudel (Bd. 7, Sp. 265 bis 269)
 
  NRhWB  PfWB  ElsWB  LothWB reiben das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk raiwə, –ęi-, Part. gerīp, –rip; Mosfrk ręiwən, –ei-, Part. gərīwən (uMos -iw-); Siegld rīwə, Prät. rēb (rēw), Part. gərēwə; Rip rī:və [Ahr im diphthong. Geb. -e·i.-], Prät. ref, mir refən, –ftə, Prät. jərevə, –iv-; Berg -īv-, -īw-, Prät. rēf, Prat. jərīəwən, –ēw-; SNfrk rīvə, du rifs, h rif(t), Prät. rīəf, –ē-; Part. jərīəvə, –ē-; Klevld rīwə, ge rift, Prät. rēf, Part. γərēwə [das Rip u. Nfrk hat neben rīvə auch frīvə < wrīwen; letzteres mehr von solchen Gegenständen, die beim R. mehr Schwierigkeiten machen] st.: 1.a. etwas, einen r., drehend zwischen den Fingern r.; ein Glied r., das gestossen oder geschlagen wurde; do hot er gerieb wie er die Hiebe weg hatte Saarbr, Allg.; sich de Hänn (Hände) r. wie nhd.; do reibt er sich die H. wedder, der alt Schlauberger Saarbr, Allg.; de Kopp met Fürlop, de Hor met Fett r. oder enr. Gummb, Allg. RA.: Kümmt der Dokter alt an et Hus, dann riff sech Aptheker on Schrenger (Schreiner) de Fus (Faust) Grevbr. Wer nit schweiss (schwitzt), muss mer r.; wer nit arbeit, muss mer drive Köln-Stdt. Wenn ener Patt (Pate) wiərd, dann weren em met em Strohwisch de Runzele gerieb Birkf-Herrst. Rif je den Buck (Bauch) met Schmärgel! zu dem, der über Leibweh klagt MülhRuhr. Eich hon em de Kimmel gerieb ihm die Wahrheit gesagt, ihm eine Strafpredigt gehalten Rhfrk, Kobl, Siegld. Enem de Fras r.

[Bd. 7, Sp. 266]
Schläge auf den Kopf geben Waldbr-Wildbg. Se enem r. ihn prügeln Eusk-Dirmerzh. Enem öm de Bart r. ihm schmeicheln Altk-NFischb, Bo. Ech han em et im (um) de Nos geriewe es ihm vorgeworfen May, — unger (unter) de N. g. Rip, Allg. Dat heww ik mich schon dur de Bucks (Hose) geriewe das ist eine alte Sache, Geschichte MülhRuhr. — Im bes. rohe Kartoffeln r., auf der Reibe zu Brei zerkleinern Allg., mit Ausnahme das Geb., wo rappen gilt (s. Wk. VII 2); märges gerieft, middags gestieft (mit Sausse), owends met de ganze Mondor (gequellt) Dinsl-Gahlen; die Wäsche r., nachdem sie eingesetzt oder früher gebaucht ist, am andern Tage mit Seife waschen; auch ohne Obj.: mer r. heit schunn Mosfrk; Äpfel r., mahlen, beim Vizmachen Mosfrk; Stroh r., nach dem Dreschen zu Bauschen aufbinden Daun-Strohn. — De Duve send an't r. sie girren Geilk-Lindern. — b. sich r. α. sich (an etwas) r., z. B. sech de Knöchele r. beim Gehen die Fussknöcheln aneinander reiben; sech an jet r. Rip, Allg. RA.: Wer sich an al Keissele rif, mät sech schwarz Eusk-Friedh, — der beschmert sich gän (gern) Köln-Stdt. — β. die r. sech (anenander) streiten sich Allg.; sich an enge (einen) r. Zwist, feindliche Berührung mit jmd. suchen; Pastur rif sech gern am Lihrer MüEif, Rip. RA.: En Rövesch (Reifferschd) r. se sich Neckspr. Schleid-Hellenth. — γ. wetteifern, bes. in der Ackerwirtschaft, wenn von zweien der eine dasselbe leisten will wie der andere Zell-Altstrimmig. — δ. der N. hät sich an dem Hus gerevve hat es zu kaufen gesucht MüEif. — 2. Part. a. der es gerevve mit allen Schlichen vertraut, gerieben; en geriewene Kerl, Bruder Allg.; ene gerewene Donder(t) Klevld. RA.: He es eso gerieəwen wie en alen Hosefoss (Strumpffuss) Gumb-Nümbrecht. — b. ongerīwən grob; en o.ə Kerl Bitb-NWeis. — Abl.: die Reiwerei (auch = Zank, Streit), dat Gereiw(s).

ab- reiben: etwas a. 1. wie nhd.; Flecken mit em Lappen afr.; Dreck mit Sangd afr. Gummb, Allg.; eich hon schunn alles abgerieb, et is awer nit alles blank wor Simm, Allg. — 2. übertr. en Schnett Brut afr. unordentl. abschneiden Schleid-Hellenth.  PfWB an -reiben: Farwen o(n)r. Trier.auf -reiben: 1. etwas a. a. wie nhd.; du häs der den Schwären (den Fenger) opgerivve Rip, Allg. — b. den Teig a., mit Schrotmehl u. Wasser durcheinanderarbeiten MülhRh-BGladb. — 2.a. sich a., nach dem Nhd.; de reibt sich ach (auch) uf vor der Zeit Rhfrk, Allg. — b. ufgerieb Part. streitsüchtig, mürrisch Saarbr. aus -reiben: etwas a., wie nhd.; Flecken usr.; de Wäsch urr.; sich de Oge usr. Rip, Allg.be -reiben: 1. etwas b., bewerkstelligen Aach-Merkst. — 2. einem de Mul b., ins Maul schlagen Sieg-Ägid.  PfWB  ElsWB durch -reiben: etwas d., z. B. eine Schnur, einen Schuhriemen d.; den Fenger beim Waschen d. Rip, Allg.ein -reiben: 1. etwas e., z. B. Wäsche met Sef enr.;

[Bd. 7, Sp. 267]
einem ein Glied u. einen e., einen mit Salben, Alkohol udgl. e., wie nhd. Allg. Zu dem, der angebl. Branntwein zum E. holt: Gell, de Branndewein trenkener on mem Fläsch-che (Budellge) reiwener en! Saarbr-Sulzb. En kriet dat Maul met Rust (Russ) engeriew um bessere Esslust zu bekommen Saarbg. Den Bart e. Mannsleute machen sich einen Spass daraus, Jungen u. Mädchen den B. enzer. sie reiben ihren Stoppelbart an den frischen Gesichtern derselben hin u. her, eine schmerzh. Prozedur Rip. — 2.a. einem etwas e., etwas heimzahlen; dat werd eich dir a(n)r. Bitb; dat kres de engeriwwe Kobl, Mosfrk, Sol. — b. die (Hiebe) konsche der enr.! Saarbr, Simm; den mosst mol mat ongebrannten Äschen ageriewen gen mit einem Stock verprügelt werden Bitb. nach -reiben: 1. wie nhd. — 2. nachwaschen, nachputzen. ver -reiben: etwas v., durch Reiben auflösen; die Salb muss de ganz v., dat se in die Haut eninzieht Simm, Allg.zer -reiben: etwas z., wie nhd, Allg. (nicht Rhfrk hier ver-).

 PfWB  ElsWB Reibe das Wort ist nach Wk. VII 2 geschlossen im Westerw, Rip, Nfrk verbr., wobei ins lrhn. SRip ein Repp-Geb. hineinreicht; ausserdem weist ganz vereinzelt das ö. Rhfrk u. an der uMos R. auf im Reibeisen-Geb., u. zwar im Hauptgeb. rę·i.f im westerw. Diphthongierungsgeb.; rī:f Rip, Nfrk [-ī- wo nicht geschärft wird] [ręip Altk-Emmerzhsn; rīb NSchelderhütte; rif Gummb-Marienhg, Düss-Hilden, Sol, Mettm-Haan, Neuss-Zons; rī:p Neuss-Stürzelbg, Heinsb-Schalbr]; die Orte im Reibeisen-Geb., die raip, –ęi- aufweisen, sind Meis-Meddersh (u. -eisen), Kreuzn-Allenf Weiler; rę·i.f Kobl-Arembg Weissenthurm, Koch-Urschmitt, Pl. selten -wə(n), –v- [-fən u. -bən Waldbr-Hespert] f.: 1.a. wie nhd., blechernes Reibgerät in der Küche, bestehend aus der Umrahmung, dem Viergespann (OBerg), dem Blech mit Zacken, Spitzen u. Löchern, zum Zerreiben von rohen Kartoffeln (Toffels-, Eərpelsr.) u. Muskatnüssen, Zucker (bes. kleine R. u. deshalb meist Rifchen) Allg.; zum Zermahlen des Obstes Kreuzn-Langenth. Bei den Kartoffelkuchen aus geriebenen rohen Kartoffeln unterscheidet man die Bläts schlechthin, mit Mehlzusatz Sauerteig oder Hefe, von denen hönner der R. dannen ohne diese Zusätze Westerw; im übrigen werden aus dem so gewonnenen Kartoffelteig Rifkochen in der Pfanne, Digelsknall im Kessel in Öl gebacken u. Knudele (Kart.klösse) gekocht. RA.: So ruh (rauh) wu en R. Selfk. Der hät en Gesech wie en R. ein rauhes Gesicht Rip. Der hät en Stemm (so rauh) wie en al R. Sieg-Sieglar, — als wenn e en R. em Hals hätt MülhRh-Ensen. De hät en R. em Gesech ein rauhes Gesicht Sieg-Rhönd. Ich muss lachen, wann ich dran denken, use Kesselbank, wat würd se blenken; mir han en neu R.! Gummb-Marienhg. — Rätsel. Et heckt

[Bd. 7, Sp. 268]
(hängt) an der Wand, hät Röwen (Wundkrusten) am Buch (Bauch)? OBerg, — dat hot en kritzig Hand Westerw. — b. rīf Waschbrett Siegld. — 2. übertr. a. sachl. α. -ī:- grobe Schürze Kemp-Dilkr. — β. -ī- Fettgeschwulst am Halse der Schweine Emmerich. — γ. Pflanzen im Getreidefeld. αα. -ę·i.- klebriges Labkraut Siegld-Freudenbg, Altk-Bachenbg, Neuw-Datzeroth, Sieg-Leuschd. Durt un Rad de Mann wat bat (nutzt) Klät un R. de M. verdreift.ββ. -ę·i.- schmalblätterige Wicke convolvulus arvensis, haarige W., vicia hirsuta Wittl-Neuerbg, Bernk-Lieser Noviand, Koch, May, Aden, Daun-Strotzbüsch, Prüm-Steffeln; -ī:- Sieg-Honnef, Düss-Benr, SNfrk. R. on Rad, deht dem Bäcker genne Schad, ävvel der Dort, de lott (lasst) mech drut, — dat scheut he en et Bruət SNfrk. Wenn et Pengsdag rent (regnet), dann geht de R. op Kref-Osterath, Kemp-Dülken. Wenn völl R. en't Feld es, es v. Ärmot en de Schür Geilk-Honsd. — γγ. -ę·i.- Kleeseide Kobl-Urmitz. — δδ. -ęi:- Zittergras, brize media Aden-Hanneb Wollschd. — εε. -ī- Rainfarn Grevbr-Kuckum. — ζζ. -e·i.- Quecke, triticum repens Aden-Herresb; -ī:- Neuw-Oberschd. — δ. -ę·i.- Spreu von der Gerste Koch-Lutzerath. Getraudendag, Licht von der Bach, Perd von den Zock (Zügel), Beien von de Flock (Flug), Schofen (Schafen) hirt de R. op (sie werden nicht mehr im Stalle gefüttert) Merz-Bachem. — b. persönl. α. rīb, rīw verächtl. böses Weib Siegld. — β. rī:f scherzh. Igel Sieg-Hänschd.

Reib-ahle rīwāl Siegld f. u. n.: Werkzeug des Schlossers, um gebohrte Löcher weiter u. glattwandig zu machen. Reib-birne ręiwəbīər Bernk-Hottenb f.: B.sorte, gut für B.wein. Reib-brei rī:və(n)- Berg m.: Milchsuppe mit Kartoffelklössen als Einlage oder Brei mit Milch, in der die R.klösse gekocht sind. PfWB Reib-brett (s. S.) n.: 1.a. Waschbrett, auch Wäschrif Verbr. — b. Kartoffelreibe Sol-Wieschd. — 2. Werkzeug des Verputzers beim Verputzen der Wände Verbr. Reib-brot rī:fbrū:t Sieg-Fussh (veralt.) n.: Br. aus geriebenen Kartoffeln, Roggen- u. Weizenmehl, mit Sauerteig angesetzt, im Backofen zwischen den Roggenbroten gebacken. Reib-busch Rheinschiff m.: Fender aus dicken Tauenden. PfWB  ElsWB Reib-eisen das Wort ist nach Wk. VII 2 im Süd. gegenüber westl. Rappeisen u. Rappe verbr. als ręiw-, raiw- in Wend-Ausw Baumholder Dörrenb Grumb Leitersw Sien (u. ręib-); rēw- Meis [ręib- Meddersh]; rēw- Kreuzn-Bockenau Boos Burg Sponh; ref- (-w-) Stdt Langenlonsh Laubersh; rw- Schlossböckelh; ręiw- Dörreb Daxw Münchwald Roth Waldlaubersh; ręib- Braunw Dorsb Genh Hahnenb Oberhsn Nussbaum Sobernh Spabrücken Staudernh Rümmelsh Schönb; rīw- Hoppstädten Pferdsf Winterbg (rī(w)-); vīb- Hochstetten Winterb; ręib, –aib- Simm [ręiw- Dorw Frankw Gehlw Hasselt Heinzenb

[Bd. 7, Sp. 269]
Kellenb Laub Riegenr Rheinböllen]; ręiw- Goar [ręw- Morshsn; -w- Weiler; -ī- Manneb; ręib- Biebernh Gondershsn Neud]; rīb- Bernk-Lückenbg; ręif- Zell-Hesw; ręif-, ryf- Koch [ręib- Ellenz]; ręif- Kobl [rw- Metternich] May; sonst im Reif-, Rif-Geb. vereinzelt: ręif- Neuw-Gladb Weis; rī:f- Unkel; rīf- Gummb-Berghsn Dieringhsn Linge Stromb, Waldbr-OElling, Bergh-Pütz, Aach-Merkst (u. rap-) Walh, Dinsl-Stdt n.: 1.a. Kartoffelreibe. RA.: E Gesicht wie e R. Rhfrk (s. o.), ausserdem Ottw-Stennw, May-Mörz, MGladb. Der hat en Stemm (sengt) wie en R. MülhRh, Ess-Kupferdreh. Dei Mudder hot der uf em R. gepiff! sagt man scherzh. einem Kinde, das nach Hause gehen soll Simm-Horn. — Rätsel. Was vor e Eise es aus Blech? Rhfrk (s. o.). — b. Schusterfeile Ottw. — 2. übertr. e alt R. altes zanksüchtiges Weib Neuw-Datzeroth, Sieg-Ägid. Reib-eisengesicht Kobl, Mettm-Dornap n.: rauhes, pockennarbiges G. Reib-feile ręipfęil Ottw f.: Schusterfeile. Reib-gesicht -zeit MGladb n.: rauhes, pockennarbiges G. Reib-holz n.: 1. weiches H., zwischen zwei nebeneinanderliegenden Fahrzeugen gehangen, um das Reiben derselben unschädlich zu machen Rheinschiff. — 2. Schusterglätter Birkf. Reib-kloben -klovə Köln-Stdt m.: Schmiedewerkzeug, –ahle. Reib-kloss rīvəklōs Berg m.: Kartoffelkloss. Reib-knudel rī:fknūdəl Sieg, MülhRh; rīvə- Gummb-Dieringhsn Elbf; Wiedenest f.: dass.