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Rheinisches Wörterbuch 
 
schwinden bis Schwingstuhl (Bd. 7, Sp. 2076 bis 2078)
 
  PfWB schwinden das Wort ist allg., doch die Zs. ver- häufiger; auch sind Umschreibungen geläufiger, wie weggohn, afkommen; Prät. fehlt meist; Rhfrk -inə, –e-, Part. gəwun; Mosfrk -e·n.-, –i-, Part. jəwo·n.də(n), –o·n.ə(n); Eup -ę·i.nd-; SNfrk, Klevld nur fərwe·n.də, –ē- [Dinsl -ēnən], Part. -o·n.də, ō- st.: wie nhd.; de Sinn duhn äm schw. Simm; so al Gewonnheten schw. immer meh Gummb, Allg.; de Schwols (Geschwulst) schwend alle Dag mih Rip, Allg. RA.: Kömmt der Somer, schwęnd der Jomer Eup.

ver- schwinden: von lebenden Wesen u. Sachen; dis Nach sen de Äppel all vom Bom verschwonde; er däht et bes on v.; ech moss ens v. auf den Abort gehen Rip, Allg.; er es of ämol verschwonn gewen (gewesen) Saarbr, Allg. RA.: Se sen verschwonn wie e Reif vor der Sonn Saar, — de Nut (Not) Saarbg-Nittel; der es verschwonden wie en Hermelchen (Wiesel) Gummb. — Hokuspokus, im Verschwindibus, wer net sieht, es blend Birkf.

 PfWB Schwind-sucht -ntsuxt, –zōx (usf.) [Rhfrk auch -insuxt; Elbf -en-] nach dem Nhd. Allg. gegenüber veraltendem Zehrung, Aus- Sg. t. f.: 1. vom Menschen, wie nhd.; de galoppierende (blöhnege) Schw.; de Schw. han; sech de Schw. an de Hals (of et Leif) rache (rauchen); sech noch de Schw. an de H. ärgere uMos, Allg. Die Glocken von Goar-Osterspay läuten: Die Schw. am Hals!2. übertr. meng Portmanee hät de Schw. es ist kein Geld drin; de Koche (Kuchen) hät de Schw. ist ohne Ei u. Milch gebacken; dat Hus hät de Schw. ist alt u. baufällig Rip, Allg.  PfWB schwind-süchtig Allg. Adj.: die Schwindsucht 1, 2 habend.

Schwing s. folg.
 
 
 NRhWB  PfWB  LothWB schwingen das Wort ist allg., u. zwar -iŋ-, –e-, –e·ŋ.-, –əę-, –a-, –ę-, –u-, –ǫ-, –o-, –-, –ø-; s. schwimmen; die Selfk hat -o·ŋ.- s. schwungen; Prät. (Rip, Nfrk) -o·ŋ., Conj. -ø-; Part. gəwung-, –o- Rhfrk; -wo·ŋ. Mosfrk; sonst -wo·ŋ.ə(n) st.: 1. trans. a. etwas schw. α. Flachs, Hanf schw., mit der Schwinge (s. d.) auf den Schw.stock streichen, kämmen u. schlagen, um die nach dem Brechen noch anhaftenden

[Bd. 7, Sp. 2077]
Schewen (Oneln, Döllen) zu entfernen; die dabei abfallenden Flachsfasern sind die Hoden, etWerch (s. d. W.); s. Schwing-abend, –tag, Schwingerei. RA.: Wo besser (den Flachs) gebroch, wo leichter et Schw. Trier-Mehring; wie heller (stärker) gebrackt, wie gemäcklicher schw. SNfrk. — β. Getreide schw., mit der Schwinge 1 b, der Wanne von Spreu reinigen Schleid, Monsch. — γ. Niss schw. die reifen Baumnüsse mit einer Stange herunterschlagen Saarl, Hunsr, uMos. — δ. die Wäsche schw., ein ausgewrungenes Wäschestück mit starkem Ruck von beiden Enden aus recken u. schw., teils um noch Flüssigkeit auszuscheiden, teils um es zu glätten; es gehören dazu zwei Personen Mü-Eif (sonst recken). — ε. nach dem Nhd. en Stock dörch de Lucht schw.; en Lineal am Kördchen (Kordel) rongd schw. öm den Kopp eröm Gummb, Allg. (mdl. schwenken u. Umschreibungen: met enem St. dorch de L. fahren); et Kichenzepter schw. Köchin sein, seine Herrschaft bekunden Trier-Stdt; die schwengk de Besem em Hus Bo. — b. einen schw. α. prügeln, bes. Kinder; du wiərsch von mir geschwonge; du kris se g.; du moss se g. han kurköln. Neuw, Altk, OBerg, Sieg, MülhRh, Prüm-Steffeln, Eusk-Zülp, Erk, MGladb, Heinsb. RA.: Nemm der en Ale (einen alten Mann), da wiərschde got (wert) gehale; n. der en Jonge, da w. geschwonge! Siegld (nur in dieser RA.), Altk. — β. sich schw.; sek hoh in de Lucht schw., — üəver de Mur schw. Gummb, nach dem Nhd.; de Bam schwengt sich von Last ist schwer beladen Trier-Thomm, Zell-Briedel. — 2. intrans. mit »haben«; der Pendel (Steg, de Bröck usf.) schwengk (hin on her) nach dem Nhd. Rip, Allg.; der schwengk gern prahlt gern Sieg-Schmitten. — Abl.: die Schwingerei, dat Geschwing(s).

Ab-schwing Bernk-Berglicht, :fwaŋ Wittl Sg. t. m.: der Abfall vom Flachs beim Schwingen.

Schwing-abend (s. S.) Berg (veralt.) A. nach dem Schwingen des Flachses, an dem die Mädchen, die dabei geholfen hatten, zu Spiel u. Tanz zusammenkamen, zu dem sich auch die Burschen gesellten. Schwing-agen -āγə Kemp, Geld Pl. t.: die beim Flachsschwingen abfallenden Stengelteile. Schwing-bänder Ottw-Schiffw, Saarbg-Greimerath Taben Pl. t.: Eisenbänder, die Achsenstock u. Bett des Wagens miteinander verbinden. Schwing-bock Bernk-Merschd, Koch-Lutzerath m.: -stock (s. d.). Schwing-brett Schleid-Udenbreth, Dür-Gürzenich n.: Flachsschwinge (s. d.). Schwing-dung -doŋ Siegld f.: der nach dem gemeinsamen Flachsschwingen dargebotene Kaffee mit Wecken, Butter und Honig. Schwing-eisen n.: 1. Flachsschwinge Bernk-Hochschd. — 2. im Mahlgang (Kännel) sich bewegendes E., das verhütet, dass er verstopft wird Goar-Leining. Schwing-haus -eŋhyskə u. -eŋəs SNfrk n.: besonderer, neben dem Backes befindlicher Raum, in dem der Flachs geschwungen wurde. RA.: Mak net, dat ech dech en et Schw. hoəle mott! um dich zu prügeln MGladb. Schwing-hotchen Meis-Otzw Pl. t.: Stengelteil des Flachses, beim Schwingen abfallend. NRhWB Schwing-hust -hos Sieg-Leuschd f.: -abend (s. d.).

[Bd. 7, Sp. 2078]
Schwing-kirmes Prüm-Malm f.: das Schwingen des Flachses, wozu die Mädchen des Dorfes erscheinen; nach dem Schw. gibt es Kaffee, danach erscheinen auch die Burschen mit Bier oder Branntwein; sie tanzen mit den Mädchen. Wir wollen dem Herrn die Schuhe putzen zu unserm Nutzen, so fein u. so blank, dass das Geld in der Tasche klang. Das ist so der Schwängeschen Manier, sie trinken lieber Wein als Bier, doch Branntwein ist auch gut! (Schleid-Berk) sagen die Mädchen, die den vorbeikommenden Jungen mit Werg die Schuhe putzen (Dir zu Ehr un mir zum Nutzen will ich dir de Schuhe putzen, so blitz un so blank, dat et Geld in der Täsche klangt!); am Sonntag nach dem Schwingen gibt die Bäuerin, bei der geschwungen wurde, noch einmal einen Kaffee für die Mädchen u. Jungen, die sich abends eingefunden hatten. Schwing-maschine (s. S.) f.: M. zum Flachsschwingen (den älteren Schw.stock ersetzend), bes. von reichern Bauern, die viel Flachs zogen, verwandt; sie bestand in der Hauptsache aus einem auf einem Untergestell befestigten Schwungrad, an dessen Radkranz eine ganze Anzahl Schwingmesser in der Weise befestigt waren, dass sie senkrecht zum Kranz nach aussen abstanden; das Rad wurde durch ein Göpelwerk in Bewegung gesetzt, auf die Weise wurde das Schwingen in viel kürzerer Zeit erledigt, so im Hunsr; im SNfrk wurde das Schwungrad durch das Auf- u. Niedertreten zweier Bodenbalken in Schwung gesetzt; das Rad hatte auf seiner Felge viele hervorstehende Penn (Holznägel). PfWB Schwing-messer -męs Simm n.: Flachsschwinge; ein ziemlich dünnes, flaches Brett mit einem Griff. Die untere Kante des Brettes war der Länge nach von beiden Seiten so abgeschrägt, dass sie eine stumpfe Schneide bildete, mit der der Flachs bearbeitet wurde; war die eine Hälfte des Flachsbündels genügend bearbeitet, so wurde dieses umgedreht, damit die andere Hälfte gleicherweise zubereitet werden konnte. Schwing-packe Gummb f.: eine Handvoll Flachs. soviel, als man zum Schwingen packte; 8 Schw.ən = 1 Busel; 3 B. = 1 Bürd. Schwing-pflug -blo·u.x Saarbg-Nennig m.: Haubitzenpflug (s. d.). Schwing-stapel -āp- MGladb, Kemp, Mörs m.: -stock (s. d.). Schwing-stecken Simm-Argenth, Dür-Gürzenich m.: St., mit dem der Flachs geschwungen wurde. PfWB Schwing-stock Rhfrk, Mosfrk, Siegld, Rip, OBerg, MGladb m.: der Schw. bestand aus einem in einen hölzernen Fuss (einem kurzen, vierkantigen, zieml. schweren Holzstück) eingelassenen kräftigen Brett, das oben abgerundet und an der einen Seite unter dem abgerundeten Kopf mit einer ziemlich breiten, ovalen Einbuchtung versehen war; hierhinein legte man der Quere nach ən hāfəl (eine Handvoll) Flachs, so dass er je zur Hälfte rechts u. links herabhing; die linke Hälfte wurde mit der linken Hand gefasst, während die rechte Hälfte mit der Schwinge geschlagen wurde. Schwing-stuhl (s. S.) Altk m.: dass.