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Rheinisches Wörterbuch 
 
ver-schwenden bis Schwenk (Bd. 7, Sp. 2054 bis 2058)
 
  PfWB  ElsWB ver-schwenden -ęnd-, –ęn-, im Geb. der Schärfung -ę·n.d- [Eup-Stdt -ęind-] nach dem Nhd. verbr. schw.: Geld u. Gut v., wie nhd.

 PfWB Ver-schwender Sg. u. Pl. m.: nach dem Nhd. RA.: Keine V. werd rich un keine Riche werd V. Köln-Stdt.

schwendig -ę·n.d- LRip in Bergh-Caster Adj.: gerne verschwendend.

Ver-schwendung Sg. t. f.: nach dem Nhd.

Schweng -e-, –ę- = Schwein (s. d.).

[Bd. 7, Sp. 2055]

 
  PfWB  LothWB Schwengel das Wort ist allg., u. zwar -ęŋ-, im Geb. der Schärfung -ę·ŋ.- [WBitb -e-, –i-; Mülh-Ruhr -e-; Rees-Schermbeck -i-, –e-], Pl. -ələ, –əln [NNfrk, Klevld -əlts] m.: 1. Schwingendes. a. Kurbel, zum Drehen an einer Achse, z. B. an der Welle des Ziehbrunnens (Pötzeschw.), an der Orgel (Urgelschw.), an der Drehkirne (Butterfass), am Rad des Spulrades, an der Bremse des Wagens, an der Häckselmaschine, an dem Schleifstein, an der Pumpe (Pompenschw.) Allg.; Türklinke Saarbr-Guichenb Riegelsbg; de Schw. drehne (drehen) Rip, Allg., — driwen Gummb-Schwarzenbergisch; am Schw. drehne Rip, Allg., — urgele (orgeln) verächtl. Aden. RA.: He kann den Schw. nit fengen (finden) er bringt die Arbeit nicht fertig Barm. Wenn de Pompeschw. schwett (schwitzt), don göft et Reəgen Kemp, Allg. An dem Schw. lit et nit, dat de Pomp (Pötz) ken Wasser git das hat eine andere Ursache; an dem Mann liegt es nicht, dass die Frau kein Kind kriegt Rip, Nfrk, — nit, dat et Fass ken Botter git Monsch-Ruhrbg. Schw. wi de Wengel op en Mostertspott (Senftopf)! Kehrreim im Volksld. Barm. Hen get met de Schw. en de Wettquast (Weiss-, Tünch-) dran! n. Ruhr. — b. Hebel, u. zwar der in einem Pflock bewegliche Balken, zum Verschliessen von Toren Rip; der Stab, durch den bei alten Fenstern dieses verschlossen wurde Allg.; Bindstecken, mit dem die Bindekette vor allem über eine Holzladung festgekurbelt wird Siegld, Sieg, MülhRh; Hēăwəlāschwängəl eiserner, am Greifende leicht gebogener Hebel, oft um etwa 80° verstellbar, um ihn dem Gelände und der Körpergrösse anpassen zu können Siegld. — c. Zugscheit aus Holz oder Eisen an Pflug oder Egge, Walze, Plog-, Eden-, Blochschw., unmittelbar vor dem Zugtier, am Kutschwagen; eine (es sind deren zwei) Schale, befestigt an der Wog (Waage), dem Zugscheit des Leiterwagens, woran das Doppelgespann zieht, die Zugstränge des D. werden an den Sch.n festgemacht NOSiegld, MülhRh, uWupp, Berg, Ruhr, Dinsl-Gahlen, Neuss, Erk-Beeck. — d. drehbare Stange in der Stube, an der der Lampenhahl (s. d.) hing. — e. Uhrpendel Allg. (neben Perpendickel). — f. Tragholz mit einem vordern Ausschnitt für den Hals, über beide Schultern gelegt, an dem an Ketten zwei Eimer mit Wasser (Milch) getragen werden, auch Waterschw. Berg, MülhRh, Neuss-Rheinf. — 2. mehr übertr. a. sachl. α. m. u. f. Hängeschaukel der Kinder Verbr. nach Wk. VII 22 Trier-Heidenbg Lorschd, Wittl-Arrenr Dierschd, Bernk-Rapperath, Zell-Aldegund, Koch-Beuren Kliding Urschmitt, May-Löf, Daun-Steining, Siegld-Ringsd; węŋə f. Altk-Herdrf, Siegld-Eiserf Würgersd. — β. scherzh. αα. das Schwänzchen des Schweines Sol-Ohligs, Dür-Merzenich, Kemp. — ββ. das männl. Glied; den Schw. (ut der Butzen) trecken um zu pissen Gummb. — γγ. Hängepfeife; de hät de ganze Dag de Schw. en der Mul Sieg, MülhRh. — δδ. Henkeltopf, zur Mitnahme des Essens auf die Arbeitsstätte Meis-Abtw. — γ. der zugebundene Sackzipfel;

[Bd. 7, Sp. 2056]
der Schw. am Sack Gummb-Schwarzenbergisch. — b. verächtl. Ladeschw. Ladenbedienter, –mädchen Verbr. in den Städten; Galgeschw. nichtsnutziger Bube Simm.

Schwengel-beschlag Gummb-Berghsn m.: B. der Zugscheite des Wagens. Schwengel-born -bōrə Hunsr m.: eine jetzt völlig veraltete Brunnenform. Der Brunnen war kreisrund gemauert, aber höchstens bis zu halber Mannshöhe und oben offen. Daneben befand sich ein hohes Holzgerüst (in der Regel ein hoher, gerader Baumstamm), das am oberen, etwas ausgeschnitzten Ende einen Querstab als Welle trug, um die sich ein Querbaum als zweiarmiger Hebel bewegte, dessen Kraftarm nur etwas länger als der Lastarm war, dafür aber am Ende mit einem grossen, befestigten Klotz beschwert war. Am Ende des Lastarms war eine lange Stange beweglich befestigt mit einem Haken am unteren Ende, in den der Eimer eingehängt wurde. Mit den Händen zog man die Stange herab, bis der Eimer ins Wasser tauchte und sich füllte, worauf man die Stange mit den Händen umgekehrt in die Höhe bewegte, bis man den Eimer fassen u. auf die Brüstung ziehen konnte. Das Wasser war für menschliche Zwecke (Brunnen offen), d. h. zum Trinken und Kochen, nicht brauchbar; es diente nur zum Tränken des Viehs, wie auch noch zum Waschen oder Besprengen von Gärten. — Diese Schwengelbrunnen sind im Hunsrück seit längerer Zeit fast ganz verschwunden. Meines Wissens findet sich nur noch ein einziger im Dorfe Raversbeuren Kr. Zell, am nördl. Ende nach der »Briedeler Hecke« zu. Benutzt wird er schon lange nicht mehr. Schwengel-butter -əltsbotər Bo, Köln, Bergh, Dür, Jül f.: B., die sich aus einigen Sahnetropfen äusserlich am drehenden Schwengel oder am Butterrad bildet. Schwengel-eisen -īsər Gummb n.: E. des Schwengels der Wagenbremse. Schwengel-fass n.: Drehbutterfass MGladb-Rheindahlen. Schwengel-haken -hx Siegld n.: H., in den die Bindekette einer Holzladung eingehängt wird. Schwengel-kette -əltskęt MülhRh-BGladb f.: K. am Zugscheit der Egge. Schwengel-leite -le·i. Gummb-Rheind f.: Vorrichtung an der Pumpe, die beim Pumpen das Hin- u. Herschaukeln des Schwengels verhütet. Schwengel-schraube NBerg f.: Schraubstock mit einem Schwengel im Gegensatz zur Klebschraube, veralt. Schwengel-stein -ē- Bergh-Kerpen m.: Schleifstein. Zum Rothaarigen: Fuss (Fuchs), F., Haseben, setz dich op de Schw., rof (rufe) de Füss-chere all beiənen!

schwengelieren -əlī:rə  Sieg-Mülld schw.: herumlaufen u. die Zeit vertrödeln.

schwengeln OMosfrk in Koch-Urschmitt, geschlossen Berg in Gummb, Wippf, Lennep, Barm, Düss, uWupp u. Kref-Lank schw.: 1. sich auf- u. abbewegen; der Steg schwengelt; dat Sel schwengelt hin on her; dat S. herafschw. loten; met den Armen schw. Berg, Allg. (s. o.). — 2. absol. u. einen, sich schw., auf der Hängeschaukel schaukeln Verbr. wie Schwengel 2 a α.

schwengen -e-, –ę- = schwingen (s. d.).

[Bd. 7, Sp. 2057]

Schwenk(e), schwenkeln s. folg.
 
 
 PfWB  LothWB schwenken das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk, Mosfrk -ęŋg- [WBitb -i-, –ø-]; sonst -ęŋk- schw.: in bestimmtem, gleichbleibendem Rhythmus hin- u. herschwingen. 1. absol. u. trans. a. absol.; met den Armen, den Ben, met dem Sterz (Schwanz) schw. diese Gliedmassen hin- u. herschwingen; auch met dem Hot (Hut), der Fahn, dem Sackdoch (Taschentuch) schw. Rip, Allg. — b. trans. α. etwas schw., z. B. et Döppen (den Pott) met den gekochten Eərpeln (Kartoffeln) schw., dat der Damp rutkümmt (-geht); Schlot (Salat) in der Seih schw. dass das Wasser herausfliegt; Gemüs (Eərpel) im Kasteröllchen (Kasserolle) mit Ölk (Zwiebel) im Fett schw. daß das Fett darüber kommt; den Hut (et Sackduk udgl.) schw. OBerg, Allg.; en Duch in der Luft schw. Rhfrk, Allg.; de Fahn (et Fähndel; s. d.) schw. in bestimmten Figuren, um den Leib, den Kopf, die Beine schw., bei feierlichen Aufzügen der Reihjungen; jet durchənenschw.; den Wage erömschw., — no der anger Sitt (Seite) schw.; den Arsch schw. geziert gehen Rip, Allg.; Honig schw. schleudern Saarbg-NLeuken; mer geihn noch änen schw. einen tanzen Saar, Allg. RA.: Der Lämpes schw. den Penis schw., seichen, scherzh. von Männern Bergh-Buir. De kann et schw. sich's leisten, damit fertig werden Barm, Elbf. — Im bes. etwas im Wasser schw., z. B. de Wäsch schw. beim Auswaschen gut im Wasser hin- u. herschleudern; die enthaarten Häute schw., eine halbe Stunde lang in einem Wasserbade, in der Spr. der Gerber; Gläser, Tassen schw., nur oberflächlich im Wasser abspülen; eine Flasche, Bütte, Fass schw., reinigen, indem man Wasser, Kieselsteine, Bleikugeln darin rundschwenkt u. so den Schmutz mit dem W. ausschüttet Allg.; drink noch en Schluck Wasser druf un schwenk et domit emmer! Rhfrk, Allg. RA.: De Gorgel schw. eins trinken Simm, Saarl-Berus. En hat de Panz (Wanst) näs (noch einmal) geschwenkt kriet er hat wieder frei zechen können, sich satt getrunken auf Kosten anderer Trier-Mehring, Saarbg-Wellen. He hat sich einen in de Jacke geschwenkt ein Gläs-chen getrunken Gummb-Stdt. Et geht nicks üvver de Reinlichkeit, sät de Frau, do schwenk se de Kessel em Mestepuddel MülhRh. — β. einen schw., etwa ein Kind unter die Arme fassen u. im Kreise herumschw.; ein Mädchen schw. u. herumschw., tüchtig mit ihr tanzen, dass die Röcke fliegen Allg.; einen (sich) schw., auf der Hängeschaukel schaukeln (auch absol.) Verbr. wie Schwenke 1 d. — γ. sich schw., sich wenden, drehen; sech öm de Eck schw.; der Wend hät sech geschwenk Rip, Allg.; sich schaukeln Verbr.wie Schwenke 1 d. — c. übertr. einen aus der Stellung, dem Amte entlassen, bes. einen Schüler aus der höheren Schule wegjagen; de Hannes is ach (auch) geschwenkt wor Rhfrk, Allg. — 2. intrans. mit »haben«. a. die Richtung ändern beim Gehen; öm de Eck schw.; links schwenkt, marsch! Kommando beim Marschieren Rip, Allg. — b.α. torkeln; geschwenkt kommen; de schwenkt, als wann e besoff wär; de

[Bd. 7, Sp. 2058]
kimmt om de Eck geschwenkt wie en Hollänner Mosfrk; hen as esu domm, dat en schwenkt Trier-Ehrang. — β. eine nicht feste Masse schwenkt (hin on her) schwabbelt Mosfrk, Rip. — c. geziert gehen, schwänzeln, dabei den Hintern drehend; de alt hufferdig Madamm schwenkt, — kemmt geschwenkt, — herang. May, Allg. — d. die Schule schwänzen Jül-Inden. — Abl.: die Schwenkerei, dat Geschwenk(s).

ab- schwenken: Schmutz, der nur oberflächlich an einem Gegenstand haftet, a., abspülen Allg. PfWB  ElsWB  LothWB aus -schwenken: ein brennendes Streichholz a., damit es erlischt; Wäsche, ein Gefäss a., ausspülen Allg.; de Gorgel a. tüchtig trinken Allg.um -schwenken: ein Gefäss u., ausspülen Allg.

Schwenk Rip Sg. t. m.: das Schwenken, Wenden; he krig den Schw. net die Wendung nicht, ändert sich nicht.