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Rheinisches Wörterbuch 
 
schneuzen bis Schneuzenmäulchen (Bd. 7, Sp. 1614 bis 1616)
 
  PfWB  ElsWB  ElsWB  LothWB schneuzen das Wort, mhd.  Lexer sniuzen, mnd. snüten, ndl. snuiten entsprechend (s. auch Schnott »Nasenschleim«), ist allg., u. zwar im Diphthong-Geb. -aits-, –ęits-, –eits- entrundend [-ēts- Birkf-Idar; -its- Saarbr-Monophthong-Geb.], -øyts- nicht entrundend (Ahr); Siegld -its-, –y- (aber östl. -ibə, –y-) [Freier Grund -ǫits-] n. der L. im Rip (u. NPrüm), OBerg; in beiden Geb. über die Benr.-L. hinaus bis einschl. Geilk, SErk, MGladb-Giesenk Korschenbr, Neuss, rrhn. in Gummb-Schwarzenbergisch (-øyts-, früher -ȳt-), in Wippf hinein -yts-, im sndfrk. Teil -ø- [OWaldbr, Wippf-Wipperf Thier -ȳts-; Köln-Stdt -øytz- u. -y-]; n. dieses Geb. -øt- [Eup-Stdt -ȳt- (Ld. -yts-); NBerg -yt-; Elbf auch -yd-] schw.: 1.a. die Nase schn., ohne Taschentuch, mit den Fingern streichend, die N. putzen, den Nasenschleim von sich schleudern; mit dem Taschentuch laut putzen; he schneuzte sek un schmit den Schnuddel weg; sek met der bloən Schörze (de Nas) schn.; en de Sch. schn. Gummb-Berghsn (alt -yt-), Allg. (doch abgesehen vom Rhfrk, Mosfrk heute mehr butzen); hos de kä Säckelduch, vor die Nas ze schn. Hunsr, Allg. RA.: Schnütt dek on säg »gon Dag«, du Swinegel! zu einem vorlauten Menschen, einem Prahler Barm; schneiz deich, botz deng Kändel (Rinne), da has de kän Hudel (Last) mat der Schnudel! Bitb. En kotte (kurze) Nas es hell (bald) geschnütt kurze Pein ist bald vorüber Remschd. Iəm (einem) den Nüəsel schn. ihm einen Verweis geben ebd.; se enem schn. Prüm-Mürlenb. Der Röckstrangk schn. scheissen (derb) Eup-Stdt; hei hät enen de R. higeschneizt Trier-Welschbillig. Do hot sich awer äne geschneizt er hat gefurzt Bitb-Seimerich. Do host de dich awer mol g. geirrt Bitb. Et hat sich en Stere geschneizt gesagt bei Sternschnuppenfall Mos, May, Daun, Aden, Ahrw, Neuw. — b. den Docht (die Kerze, das Licht) schn., mit der Lichtputzschere das verkohlte Ende des Dochtes abschneiden (veralt.) Allg. — c. einen Baum, eine Stange schn., entästen Neuw-Datzeroth, Remschd, Sol (auch eine Hecke schn., scheren), Mettm (auch die Flügel), MGladb-Rheydt, Klev. — d. Bohnen schn., die Spitzen abschneiden u. die Seitenfasern abziehen Zell-Sohren,

[Bd. 7, Sp. 1615]
Goar-Liesenf. — e. -yts-, etwas (bes. Leckereien), an etwas schn., naschen, bes. von Kindern, Katzen; dat Kengk schnütz gern; schn. gohn; jet fort-, wegschn. Malm, Schleid, Monsch, Eup, Aach, Jül, Dür, Bergh, Erk (rip.), Geilk (rip.), Grevbr-OZeer; aus fremdem Hause Kleinigkeiten stibitzen, verschleppen Schleid-Hellenth; -øyts- vorwegnehmen; de Maiblome han de Frembde all geschneuz Sieg-Rhönd. RA.: Et Fett va jen Zupp (de Raum va jen Melch) schn. sich zum Nachteil dritter den besten Anteil verschaffen, das Beste vorwegnehmen Aach. Se hät em Wichs geschnütz sie hat sich mit einem Manne eingelassen Aach-Eschw. Absol. schnüffeln, vom Schweine Malm-Montenau (-øks-). Ene schn. einen trinken, sich einen genehmigen Jül-Hasselsw, Gummb-Berghsn (-øyts-, -ȳt-). Ein Mädchen schn., küssen Aach-Münsterbusch. — -øts-, –øt-, –yt- absol. u. einen schn., schnauben, grob anfahren Heinsb, MGladb, Elbf, Düss. — 2. in weiteren Bed., etwas schn., rütteln, schütteln, ruckweise u. stark durch die Luft bewegen, z. B. ein feuchtes Tuch, wie es die Wäscherinnen tun; etwas ruckweise wegschleudern, z. B. den Regen von den Kleidern, den Staub aus dem Rock; etwas mit der Hand, dem Fusse, Kopfe wegschleudern; ech schnött mech dat Water va jen Häng (Händen); et Bett schn. die Federn des Bettes durcheinanderschütteln; möt der Kopp schn. schütteln; der Hongk schnött met de Stert, –øt- SNfrk, Geld, Mörs, auch -yts- Jül, Aach, NBergh; -yt- Mettm, Sol, Düss. RA.: Ech sen van dem N. geschnött wuərde sagt das Mädchen, das von dem Bauernjungen gedrängt wurde, mit zum Tanzboden zu gehen MGladb. Enen düchtig schn. kräftig zurechtweisen Allg. Do schnött dat et weər (wieder) das Verdienst ist gut Geld-Hinsbeck. Enen Ongeschnöttenen ein Grobian Kemp-Süchteln, Mörs-Rheinbg. — Abl.: die Schneuzerei (Leckerei, Pl. -e·i.əle), dat Geschneuz.

ab- schneuzen: einen a., grob anfahren Verbr. wie schn. 2.an -schneuzen: einen a., dass. ebd.aus -schneuzen: 1.a. die Nase a., Allg. — b. einen Baum, eine Hecke a., ausästen Verbr. wie schn. 1 c. — 2. etwas (etwa Wäsche) a., ausschwingen Verbr. wie schn. 2. be -schneuzen: einen b., grob anfahren OWaldbr.ver -schneuzen: 1. etwas v., Geld u. Gut durch Leckereien vertun Verbr. wie schn. 1 e. — 2. dat Kengk hät e verschnitz Mülche, — es v. nascht gern, ist leckermäulisch, wählerisch im Essen ebd. [-nuts Dür-Gey].

schneuz -yts Monsch-Mausb, Jül-OMerz, Aach Adj.: wählerisch im Essen, naschhaft.

schneuz-achtig -ytsətəx Eup Adj.: wählerisch im Essen, leckermäulisch, naschhaft. Schneuz-fahne -ytsfā:n Gummb-Ründeroth f.: verächtl., scherzh. Taschentuch. Schneuz-gabel frnytsxafəl MülhRuhr-Ickten f.: G. zum Hinaufreichen von Stroh, Heu. Schneuz-hans -yts- Aach-Eschw m.: verächtl. im Essen wählerischer, naschhafter Knabe. Schneuz-hörnchen -ȳts- Wippf-Wipperf n.: Kerzenlöscher an langer Stange, in der Kirche. Schneuz-kleid

[Bd. 7, Sp. 1616]
-ytsklēt Malm; -øts- Burg Reuland; -its- Recht n.: Taschentuch. Schneuz-märgel Dür n.: verächtl. im Essen wählerisches Weib, Mädchen. Schneuz-maul -ytsmū:l, –mu·l. Verbr. wie schneuzen 1 e [-uts- Monsch-Zweifall, Aach-Alsd] f.: verächtl. 1. Mund, gerne naschend; dat Kengk hät en Schn.2. übertr. im Essen wählerisches, naschhaftes Kind, auch von Erwachsenen. Schneuz-melde -tsm:l Altk-Fluterschen f.: Schissmelde (s. d.). Schneuz-messer -øtmęts MGladb-Rheydt n.: M. an langem Stiele, zum Herabziehen dürrer Äste. Schneuz-nase -ytsnā:s Monsch, Aach, Dür [-yks- Monsch-Höfen] f.: verächtl. –maul 2. Schneuz-pride -ytspri: Aach-Alsd f.: dass. Schneuz-schere (s. S.) -øt-, –yt- im nfrk. Geb. von nøtən, –y- f.: Lichtputzschere (veralt.). PfWB Schneuz-tuch (s. S.) -aits-, –ęits-, –eits- Rhfrk, Mosfrk; -øyts- Ahrw-Neuenahr, Altk-Betzd; -ȳts- Ahrw-OWinter, Neuw-Ohlenbg n.: verächtl. Taschentuch.

Schneuze -ts, Pl. -tsə(n) f.: 1.a. -eits Sternschnuppe Trier-Butzw, Bitb-Speicher, Daun-Darschd Udler. — b. -ęits verkohltes Ende des Dochtes Goar-Norath; -øyts Mülh-Rh-Lüghsn. — c. -eits Lichtputzschere, auch Kerzeschn. (veralt.) Saarbg, Trier, Bitb, Prüm; -yts NPrüm, Malm, Monsch, Eup, Aach, Jül, Dür, Eusk. — d. übertr. α. -eits toller Streich; en hot noch emol en Schn. gemach Bitb-Mettend. — β. -eits Verweis; en Schn. kreən Bitb, Prüm; -øt Grevbr-Wickr; -ȳtən Pl. Gummb-Stdt. — γ. -øuts, al Schn. verächtl. alter Schuh Düss-Stdt. — 2. -yts verächtl. a. schleckerhafter Mund, Schnauze der Tiere, Mund des Menschen, s. Schnüsse Monsch, Eup, Aach, Geilk (rip.), Erk (rip.), Jül, Dür, u. abseits nach N. Heinsb-Myhl, Kemp-Hüls; sech de Schn. verbrenne sich verplappern. — b. übertr. α. der (die) wählerisch im Essen ist, Leckermaul, naschhaftes Kind (Frau) [abseits -its Wittl-Piesport; -e- Aden-Drees Welcherath]. A Bi Bütz, et Kendje es en Schn. Eup. — Schnützche naschhaftes Kind, Kosew. für K. Aach. — β. vorlautes, schnippiges Weib; en Schn. van em Mädche Rheinb-MüEif Queckenbg, Monsch-Vossenack. — γ. -øuts Kuss MülhRh.

schneuzen-faul -øtəvūl  Kemp-Süchteln Adj.: ganz verfault, von Früchten. Schneuzen-korb -krəf(kə) Eup-Lonzen Raeren m. (n.): Naschkorb. Schneuzen-kützchen Monsch-Fringshs n.: verächtl. Feinschmecker, Schleckermaul. Schneuzen-mäulchen -my·l.χə Aach n.: dass.