Wörterbuchnetz
Rheinisches Wörterbuch 
 
schnell bis Schneppengürtel (Bd. 7, Sp. 1611 bis 1613)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB schnell das Wort ist im Rhfrk, Mosfrk, Rip, Berg allg. (doch im Rhfrk mehr dabber, ficks, hurtig, schwinn, ebenso Mosfrk u. sehr, im Rip, Berg mehr sehr, flink, flott, flück, gau, rasch, schwenn (frei Berg); Nfrk gau, sehr), u. zwar -ęl [Trier-Mos -ă-; Sieg auch --]: 1. Adj. wie nhd. RA.: He es su schn. wie en Katz Köln, — e Dippche Saarbr (s. weiter bei den Synon.). — De schnell Katherin scherzh. Durchfall, Diarrhöe Saarbr, Saarl, Gummb; der schn.ə Pitter Wippf. — 2. Adv. a. in schneller Weise Allg. RA.: Das geht so schn., wie mer lut (lugt) Saarbr, — de Blitz Allg., — wie siwwenzig (1870) ebd.; der g. so schn., wie e Gäss (Ziege) trett Nahe. So schn. schiesse de Preisse nit gesagt, wenn einer es gar zu eilig hat Kreuzn, Allg. Do es mer schn. am Enge (Ende) Gummb, Allg. Es et klor on hell, dann könnt der Lenz net esu schn. Dür-Lucherbg. — b. in kurzer Zeit, bald; he wiərd schn. widder he sen kurköln. Neuw, Sieg, Waldbr, Gummb-Homburgisch, Altk-Wildenbg u. abseits Trier-Mehring. — c. nachher, später; komm schn. es no os! komm nachher, später mal zu uns! ebd. (nicht Trier-Mehring; in Gummb-Homburgisch fehlt Bed. 1). — d. bis schn. bis nachher; nu jo, dann b. schn.! ebd.

Schnell-bützer Dür-Nideggen, Heinsb-Arsbeck m.: scherzh. Schnurrbart. Schnell-ficker MGladb-Rheind m.: scherzh. Hosenlatz, insofern er beim Wasserabschlagen schnell geöffnet werden muss, PfWB Schnell-läufer (s. S.) m.: 1. wie nhd. eilender Bote. der Bestellungen ausrichtete (veralt.). RA.: En Schnäigel (Schnecke) kömmt so woll an'n Maidag as en Schn. Ess. — 2. übertr. a. Radfahrer (veralt.) Wend, Ottw. — b. Fahrrad (veralt.) Ottw-Eppelborn, Saarbr-Sulzb. — c. ein Kinderspielzeug, ein (blecherner) Dosendeckel mit durchgezogener Kordel. Die Knaben nehmen das eine Ende der K. in die Hand u. lassen den Deckel neben sich herlaufen Kemp-Süchteln. — d. eine Topfpflanze, die in Ranken aus dem aufgehängten Topf herunterhängt Gummb-Berghsn. Schnell-wuchs -ūks ebd., Heinsbg m.: ligustrum vulg., Tintenbeerenstrauch, Rainweide. PfWB Schnell-zug Allg. m.: nach dem Nhd. RA.: En all Frau es doch käne Schn. Saarbr.

 PfWB Schnelle zu schnellen, -ę·l., Pl. -·l.ə(n), Demin. -ę·l.χə(n), –kə f.: 1.a. Schnellade (s. S.) des Webers Kref. — b.Schlagbaum an einer Weide MGladb. — c. durch Regen in den Boden gerissene Rinne Heinsb-Kempen. — 2.a. zylinderförmiges, schlankes Steingutgefäss, ½ l fassend, auch aus Blech, als Trinkgefäss, Becher, ohne Deckel u. Verzierung, oft mit Griff, für Wein, Fiz (s. d.), u. zum Wasserschöpfen in der Küche; en Schnellche Trinkgefäss, ¼ l fassend, bes. für Most u. Apfelwein Zell-Merl, Bitb, Daun, Prüm, Malm, Schleid, Ahrw, Aden, Neuw (Rheinorte), Rheinb-Meckenh, Monsch, Eup, Aach, Geilk [urkdl. snellen Siegbg

[Bd. 7, Sp. 1612]
1516]. RA.: Heə kennt geng (keine) Letter (Buchstaben) op en Schn. er ist sehr dumm (auf der Schn. war vielfach die Raumgrösse durch Zeichen angegeben) Aach. Et wor ens (einmal) e Männtje, dat krup en e Schnelltje; do kr. et wer erut, nou es et Vertällske (Erzählstückchen) ut! Eup. — b. übertr. Schnellchere va Hüsjere verächtl. kleine, armselige Häus-chen Aach-Stdt.

 PfWB  ElsWB schnellen -ę- vereinzelt schw.: 1.a. absol. mit den Fingern schnalzen; einen schn., mit schnellendem Finger den Kopf treffen Eusk-Zülp. — b. absol. u. den Klicker schn., mit untergelegtem Daumen voranschieben Saarbr-Völkl, Saarl-Differten (u. -lern); Schnellches spiele Ottw, Birkf-NBromb. — c. etwas schn., erwähnen; de Sach wuərd kan Wort geschnellt Bernk-Wintrich. — 2. intrans. mit »sein«, eilen, geschwind laufen Aach-Stdt. — Abl.: die Schnellerei, dat Geschnell.

Schnell-klüppel -øp- Elbf, Kref, MGladb m.: 1. Handhabe, Holz, mit dem der Schneller beim Weben, bes. beim »Breitwirken« hin- u. hergeworfen wird. — 2. übertr. scherzh. längliches Brötchen Kref, MGladb.  PfWB Schnell-kraut Berg n.: Springwurz, impatiens. Schnell-lade (s. S.) Siegld, Kref, MGladb f.: L. am Webstuhl, die den Spulfaden beim »Breitwirken« festdrückt.

 PfWB  ElsWB  LothWB Schneller -ę- Sg. u. Pl. (Pl. auch -lərə) m.: 1. Geräte. a. Vorrichtung, in der sich eine kreisförmige Bewegung ausführen lässt, bes. der Wippgalgen, eine Lederschleuder, ein Kinderspielzeug Ottw, Saarbr (hier auch f.). — b. der kleine, von oben einfallende Riegel zum Verschluss eines Fensterflügels Ottw, Saarbr, Saarl-Hüttersd Lebch; der mit einem Lederriemen aufziehbare Riegel am alten Türschloss Wend, Birkf, Kreuzn, Merz-Erbring, Bernk-Horath Maring, Altk-Witthecke, Waldbr-Eckenhg, Sieg-Siegbg. — c. Griff (Holz) mit Kordel, mit dem das Webschiffchen hin- u. herbewegt (-geschlagen), durch die Kettenfäden getrieben wird, Schnellade Elbf, Aach, SNfrk. — d. Verschluss bei der Schlagkarre Erk-Örath. — e. Vorrichtung am Hundspfluge, mit der der Riester umgestellt wird Grevbr-Belmen Garzw. — 2. der Klicker, mit dem geschnellt wird Saarbr.

 PfWB schnellern schw.: 1. absol. mit den Fingern schnalzen; einen schn., mit schnellendem Finger an den Kopf treffen Kobl-Mallendar. — 2. etwas schn., fortschleudern, z. B. einen flachen Stein über eine Wasserfläche werfen, dass er mehrfach aufhüpft (absol.) Wend, Trier; das Schlagholzsp. spielen Saarbr-Göttelborn; eine Bohne, Erbse, einen Klicker schn. (u. absol.), mit dem untergelegten Daumen u. Zeigefinger schnellen, auch Schnellerches spiele Ottw, Saarbr, Saarl-Differten, Trier-Karthaus. — Abl.: die Schneller(er(ei, das Geschneller.

ab- schnellern: wegschnellen Saarbr-Güding Heusw.

Schneller-klickert Saarbr-Heusw m.: Klicker, mit dem man gewöhnlich schnellt. Schneller-schlinke -leŋk Wend-Wiesw f.: altes Türschloss.

[Bd. 7, Sp. 1613]

 PfWB Schnelligkeit nach dem Nhd. verbr. Sg. t. f.: wie nhd.

Schnelper -e- = schnippiges Mädchen s. Schnilper.

Schnep -ē- = Schnabel s. Schnipe II; Schnepfe s. Schneppe II.

Schneppe I -e- = Spitze, Zipfel s. Schnippe II.
 
 
 PfWB  PfWB  ElsWB  ElsWB  LothWB  LothWB Schneppe II das Wort ist allg., u. zwar -ęp [Siegld -bə; Berg -pə], Pl. Rhfrk, Mosfrk -bə(n), sonst -pə(n) f.: 1. Schnepfe, Waldschn.; klen Schn. Sumpfschn., Bekassine, im Rhfrk auch Himmelsgäss (-geiss) genannt. Jägerspr.: Reminiscere, putzt de Gewehre; oculi, da kommen sie; lätare, dat is dat wahre; judica, se sind schon da; palmarum, trallarum! Berg, Verbr. RA.: Den es voll (bezecht) wie en Schn. Daun-NWinkel, MGladb, — satt (bezecht) as en Schn. Geld-Straelen. — 2. übertr. verächtl. a. persönl. α. feile Dirne, Hure Verbr. in den Städten u. auf dem Lande bekanntes Wort; dat es en Schn.; der hält sech en Schn.; de Schn. geht op de Strich sie sucht Anschluss Rip, Allg. — β. neugieriges, vorlautes, schnippiges Weib Goar-Weiler, May-OMendig, Klev-Goch. — γ. schnatteriges, klatschsüchtiges W. Wend-Linxw Werschwb. sachl. α. Schnauze, Ausflussrohr an Kannen, Eimern udgl. Prüm-Ihren. — β. schnabelförmige Spitze eines Kleides bei der Frauenkleidung Simm-Laub, Siegld, Mettm-Cronenbg. S. Schnippe.

Schneppen-blume (s. S.) Neuw-Wollend f.: Seidelbast, daphne mezereum. PfWB  ElsWB Schneppen-dreck (s. S.) Allg. m.: wie nhd. RA.: Wat de Bur net kennt, dat friss e net, söns fröss e och Schn. Rheinb-Meckenh. Schneppen-flug (s. S.) Allg. m.: nach dem Nhd. Schneppen-gürtel Ahrw-Remag m.: G. der Frauen, der nach unten in der Mitte eine Spitze hat.