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Rheinisches Wörterbuch 
 
Schnauze bis Schnäz II (Bd. 7, Sp. 1573 bis 1575)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB Schnauze das Wort ist im rhfrk., mosfrk., rip. Diphthongierungsgeb. allg., reicht aber auch in nhd. Form durch das rip., oberg., sndfrk. Monophthonggeb., u. zwar Rhfrk -auts, -ǫu- [Birkf-Idar -ō-]; Mosfrk -ǫu-, –ou-, sonst -ou- [OBerg -tsə], Pl. -tsə(n), Demin. -aitsχə(n) usf. mit Umlaut; SNfrk -tskə [am rip. WRand, Eup, Selfk auch Schnütz (zu schneuzen); s. auch Schnüsse, Schnute] f.: 1.a. Maul des Hundes, von andern Tieren: Kuh, Pferd Maul, Schwein, Ziege, Hase udgl. Schnüsse, von allen Schnute.b. verächtl. Mund, freches Mundwerk des Menschen; halt deng (de) Schn.! schweige; ech hauen dech op deng (de) Schn.! Rip, Allg. RA.: Halt de Schn. en de Erd, da schnappste honnen (hinten) net on (in) de Hih (Höhe)! Daun-Strotzbüsch. Haut se, h. se, h. se op de Schn.ə! Gummb-Berghsn. Mider (Koch-Müden) Keiz (Kauze) met de lange Schneiz (dieser Pl. des Reimes wegen), met de rude Räck (Röcken), met de Spengelskäpp (Nadelköpfen)! Neckspr. — 2. übertr. a. sachl. α. Ausflussröhre einer Kanne Saarbr (s. Schnute). — β. Sackzipfel Meis, Simm. — γ. Spitze der grünen Bohnenschote, die beim Abziehen der Seitenfasern abgeschnitten wird Simm. — δ. verkohltes Ende des Dochtes Birkf, Meis, Kreuzn, Simm, Bernk (Hunsr); s. Schnäuze bei schnäuzen. — ε. Backwerk, Ölkrappel zu Fastnacht Goar-Salzig. — b. persönl. α. verächtl. Grossmaul, einer, der nichtssagende Reden führt, vordringlich in alles hineinredet Wend. — β. Kosew. für kleines Kind, Liebling Altk-Horhsn; mei Schnauzche Wend; Schnauzchen Plappermäulchen Prüm-Mürlenb 1860. — S. Schnute.

Schnauz-stück -ø- MülhRh-Overath n.:

[Bd. 7, Sp. 1574]
Fleischstück von der Schnauze des geschlachteten Schweines. Schnauz-tier -dī:ə Rheinb-Wald n.: Heuschrecke.

 PfWB  ElsWB  LothWB Schnauz, Schnäuz -ǫuts Bernk-Allenb, Saarl-Diefflen, Trier, Bitb, Daun-Wallenborn, Monsch-Rohren, Eup-Raeren, Aach, Grevbr-Gustorf Neuenhsn; -ęibsχə Saarbr-Völkl, Saarbg-Kanzem, Koch-Lutzerath Poltersd, May-Trimbs; -ęits Bernk-Neunk, Trier-Pelling, Bitb-Rittersd; -øyts Ahrw-Hain, Malm-Büttgenb, Monsch-Lammersd Hammer, Bo-Alfter, Dür-Hastenr, Aach, SNfrk, Geld, Mörs, Klev-Grieth Keppeln Wissel, Meiderich, Dinsl-Möllen Gahlen, Düss, Mettm, Demin. -øytsχə, –tskə [Aach-Stdt -ytsχə] Sg. t. m.: 1. Schnurrbart, in dem Geb. das gewöhnliche Wort neben Schnurrbart, das auch sonst immer mehr eindringt, die mdl. Bildungen Schnarres, Schnorres, Schnurres, Schnorritz in die mehr scherzh. Bed. verweisend; der hät ene schüne (feine, staatse) Schn. RA.: En Schn. wie e Fuchsschwanz so lang Bitb-Wiersd. Der Verstangk (-stand) könnt net för de Johre en der Schn. net för de Hore Aach, Monsh. Der Bart es af, der Schn. lick (liegt) noch en de Kes (Kiste)! Heinsb-Roerkempen. — 2. übertr. a. sachl. scherzh. -øyts Stiefel, grosser Schuh; -øytskəs Ballschuhe Düss-Stdt. — b. persönl. α. -øyts scherzh. Polizist, Gendarm Düss-Stdt. — β. -ęitsχə scherzh. Mann mit kurzem Schnurrbart Koch-Lutzerath. — γ. -outs Rufn. für einen männl. Hund Wend-Weiersb, Trier-Clüsserath, Wippf-Thier, Geilk-Oidtw. — δ. -outs Schlammbeisser, der Fisch cobitis fossilis Wippf; -øytskə Erk-Körrenz.

 PfWB  ElsWB Schnauz-bart Rhfrk, Mosfrk, Rip [-yts- Saarbg-Wellen; -uts- Altk-Birken] m.: scherzh. Schnurrbart. Schnauz-vogel -fūrəl Bitb-NWeis m.: scherzh. Mann mit grossem Schnurrbart.

Schnauzel -auts- Wend-Offenb m.: Rufn. für einen männl. Hund.

 PfWB  LothWB schnauzen -auts, –ǫu-, –ou- Allg. im ganzen Geb. bis einschl. Geld, Mörs, Ruhr [-ūts- Waldbr-Eckenhg] schw.: 1. absol. barsch anfahren; der kann der ävver schn. Rip, Allg. — 2. trans. a. einen schn., übertreffen, z. B. beim Turnen, Kartoffelhacken, bes. ich hon ne um e Wan (Wagen) geschnauzt sagt ein Schlepper in der Grube, wenn er einen W. mehr geladen hat als ein anderer Ottw, Saarbr; er hat mich geschnauzt ist mir zuvorgekommen Merz-Bardenb. — b. ein Holz schn., etwas von ihm weghauen, dass es besser aufsitzt, in der Bergmspr. Ottw-Eppelborn. — c. sich schn., schneuzen; der Stern schnauzt sich beim Sternschnuppenfall Kobl-Kobern. — Abl.: die Schnauzerei, dat Geschnauz, der Schnauzer.

 PfWB  ElsWB ab- schnauzen: 1. einen a., ihn grob u. kurz abfertigen Verbr. wie schn. 1. — 2. -ęi-. Bohnen a., die Spitzen an ihnen abziehen Simm.  PfWB an -schnauzen: einen a., barsch anfahren Verbr. wie schn. 1.be -schnauzen: einen b., dass. Waldbr-Eckenhg.

Schnauz-affe -āp Dür-Ellen f.: verächtl. einer, der einen barsch anfährt. Schnauz-bär Köln-Stdt,

[Bd. 7, Sp. 1575]
Geilk-Gillr m.: dass. Schnauz-berger Dür-Echtz m.: dass. Schnauz-kolben -o·l.w- Trier-Schweich m.: dass. Schnauz-maul -ū- Dinsl-Sterkr f., n.: dass. Schnauz-tuch (s. S.) n.: 1. Taschentuch Merz-Stdt; s. Schneuz-. — 2. Kopftuch der Frauen Trier-Kenn, Aden-Rodder; s. Schnaup-. Schnauz-wagen (s. S.) Saargeb., in der Bergmspr. m.: W., den der Schlepper in der Grube mehr lädt als die andern; W., ausserhalb der Reihe aufgestellt.

 PfWB  ElsWB  LothWB Schnäuzer -ǫuts- Birkf-Stdt; -aits- Kobl-Mallendar NWerth, May (-ǫuts- Kollig), Altk (-ȳ- Hommelsbg), Bitb-Meckel, Prüm-Stdt (-ou- Nimsreuld); -ǫutsərt Meis-Schweinschd, Saarl-Wadgassen; dann geschlossen -øytsər, Pl. -rə Rip, Berg, Eup, Geilk-Randerath, Heinsb-Hillensbg Porselen Stdt, MGladb, Mörs-Alpen, Rees-Stdt, Duisb; -tsərt, Pl. -tən Gummb-Berghsn Dümmlinghsn Harschd Hesselb m.: 1. Schnurrbart, das gewöhnliche Wort, Schnurres leicht scherzh. RA.: Sech de Schn. striche vergnügt sein in Erwartung einer guten Sache Sieg, Allg. Enem de Schn. ren hale einen nicht mitgeniessen lassen, nicht mit jmd. teilen LRip. Enem de Schn. frisiere auf den Mund schlagen MüEif. Bäcker, B. Bäutser, hät am Arsch ne Schn., wollt he sech rasiere, schnett he sech en de Niere! Spottr. auf einen Bäcker, der den Spottn. Bäutser hatte Rheinb-Meckenh. — 2. übertr. persönl. a. Schlammbeisser, cobitis fossilis Aach-Horb. — b. ein Terrier, Hund Mörs-Orsoy.

Schnäuzer-klavier Köln-Poulh n.: scherzh. Mundharmonika.

Schnauzert -ərt (neben -tsər), Pl. -də(n) m.: 1.a. einer, der barsch anfährt Rhfrk, Mosfrk vielfach. — b. scherzh. Mann mit grossem Schnurrbart Neuw-Datzeroth. — 2. Regenschauer Wittl-Krinkhf.

schnauzig Adj.: 1. gerne barsch anfahrend, redend Allg. wie schnauzen. — 2. -y- schnippig, ungehörig Saarbr-Wellen.

schnaven -ā:v- = heftig zuschlagen s. schnaben.
 
 
Schnawitt , Pl. -dən Wittl-Olkenb f.: Ziege, in der Kundenspr.

Schnäz I -ts = mageres Weib s. Schnäuse bei schnäusen; Schnäz II -- = Waldschneise s. Schneise II.