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Rheinisches Wörterbuch 
 
schnausen II bis schnäuseln (Bd. 7, Sp. 1570 bis 1572)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB schnausen II das Wort, in die Gruppe schnauben, schnauken gehörig, auf ein snûsen zurückgehend, ist Rhfrk allg., Mosfrk anschliessend an die rhfrk. Saar in Saarl, Merz, im Hochw, dann an der uMos von einschl. Bernk an u. in May (hier in beiden Geb. mit schnäusen durchsetzt); vereinzelt noch Wittl-Cröv Binsf, Bitb-Kyllbgw, Daun-Strohn; rrhn. in Neuw (nicht kurköln.), Altk-Sörth, Sieg-Ägid, u. zwar Rhfrk -aus-, –ǫu- [im Monophthonggeb. von Saarbr, nach Saarl hineinreichend -ū-]; Mosfrk -ǫuz-, –ǫ·u.- [Saarl auch -ä·u.-; Neuw-Dattenbg, Sieg-Ägid -ū:-; Saarl-Wallerfang -usd-] schw.: 1.a. absol. kurz, kräftig u. hörbar durch die Nase pusten, schnauben, bes. nach grosser Anstrengung, in der Erregung (Wut) keuchend atmen; den Naseninhalt aufziehen; der schnaust wie e Jochperd, — Ewert (Eber), — e Schosseewalz; eich muss e biss-che schn. verschnaufen; de Kih schn. losse sich verschnaufen, rasten lassen Allg.; doch herrscht an der uMos 1 b vor. — b. absol. u. in etwas (einem Behälter) schn., herumstöbern, schnüffeln; et Schwein schnaust schnüffelt; er schnaust iwerall erum; dorem-, loremschn.; dat (Mädchen) schnaust schunn de ganze Dag in de Schublade; überall vorwitzig sich umschauen; bei änem schn. jmd. auszuhorchen suchen, herumschnüffeln Allg. (s. o. Bem. zu 1. a.). — 2. absol. wählerisch im Essen sein; verbotenerweise, heimlich

[Bd. 7, Sp. 1571]
an Speisen naschen u. stibitzen (auch etwas schn.), von Kindern, Tieren; eich mecht nore wisse, wer wiere an der Worscht schn. war; dar es ebbes, vor se schn. Allg. [essen, nur von kleinen Kindern; hos de weil alles geschnaust? Bernk (Mos)]. RA.: Der kann schn. wie en Katz Allg. En Hause (Bernk-Hausen) es neist ze schn. Neckspr. (ebenso von Kreuzn-Wallhsn). Schweppehause (Kr. Kreuzn), wo de Katze schn., wo de Hinkel (Hühner) krehe, wo de Hahne leə (legen). Dau kannst mer geschnaust were! abschl. Antw., du kannst mir gestohlen werden Simm-Laufersw; schnell vonstatten gehen. en Arwet schnust Siegld — Abl.: die Schnauserei, dat Geschnaus, der Schnauser, die Schnausersch(e).

aus- schnausen: etwas a., ausschnüffeln, ausspionieren Allg. PfWB  ElsWB durch -schnausen: einen Behälter d., durchstöbern Allg.ver -schnausen: 1. absol. u. sich v., verschnaufen, rasten Saarbr. — 2.a. etwas v., Geld u. Gut v., durch Naschereien vertun Allg. — b. verschnaust sein wählerisch im Essen sein Bernk-Bruchw, Neuw-Heimb Weis.

Schnaus -ū- Sg. t. m.: keuchender Atem, das Keuchen.

Schnaus-düppchen -eb- Daun-Strohn n.: kleines irdenes Kaffeetöpfchen, das zwei Tassen voll enthält; in dieses schütten sich die Frauen gern für sich allein einen recht dicken Bohnenkaffee auf. Schnaus-grundbirnen -grumbērə Simm-Laub Pl.: verächtl. die Kartoffelsorte Wetzsteine. Schnaus-maul Allg. f., n.: verächtl. im Essen Wählerischer, Leckermaul, Näscher. Schnaus-plack -ūs- Heinsb m.: Lappen, in den man Speise einschlägt.

Schnause Rhfrk -aus, –ǫu- [Goar-Braunshorn Pfalzf -ęi-], Pl. -sə; Mosfrk -ǫ·u.s [Zell-Altstrimmig Pünderich -·y.-], Pl. -zə(n) f.: eine(r), die (der) schnaust, Feinschmecker.

 PfWB  ElsWB Schnauser m.: 1. -ū:zər, Pl. -rə Schlammbeisser, der Fisch cobitis fossilis Dür-Gürzenich (abseits). — 2. -y- gut laufender Förderwagen, in der Bergmspr. Altk.

schnausern -ǫusərə Saarbr-Brebch (auch -usələ) schw.: schnüffeln, durchstöbern.

schnauserig -aus- Kreuzn-Hergenf Schönebg Adj.: wählerisch im Essen, naschhaft.

Schnausert -ǫ·u.zərt, Pl. -dən Hochw, Bernk-Hundh Merschd; -ęis-, –ę·i.z- Simm-Buch, Goar-Morshsn NGondershsn, Koch-Mörsd; -·y.z- Daun-Hillesh m.: 1. verächtl. einer, der wählerisch im Essen ist, sich das Beste vorwegnimmt, Näscher. — 2. -ū- Vorwitznase, Schnüffler Saarl-Roden.

schnausig Allg. Adj.: 1. wählerisch im Essen, naschhaft; der es schn., — isst schn., — hot e schn. Maul; schn. wie en Katz Allg.; schn. sess sehr süss Bernk-Gonzerath. — 2. vorwitzig Hochw.
 
 
schnäusen dem Wort, zu dem die Paare: schnauben/schnäuben, schnauken/schnäuken zu vergleichen sind, liegt nie snöusen zugrunde, das sein -öu- nicht aus wgerm. ou erhalten hat (es müsste dann mdl. -ī:-, –ē:-, –ȳ:- entwickelt haben); es scheint vielmehr, dass das -öu-, das sich wie das -öu- in Bäume entwickelt, aus schnäuben,

[Bd. 7, Sp. 1572]
schnäuken stammt; es ist verbr. Mosfrk in Merz, Saarbg, Mos von Trier bis Kobl, Rheinorte von Goar, Eif über Wittl-Minh OÖffl Eisenschmidt Meerf nach N. über der WGrenze von Daun, u. nach W. noch Prüm umfassend (also Bitb ausschliessend, doch -:z- Speicher); rrhn. noch Kobl, Rheinorte von Neuw; dann Rip anschliessend n. einschl. Malm, Schleid, Aden in Ahrw, Eusk, Rheinb, Bo, Köln, Bergh, Dür, Jül, vereinzelt Monsch-Zweifall, u. anschliessend Erk (rip.), MGladb (Odenk jənzə); rrhn. anschliessend an die Rheinorte von Neuw in Sieg, u. zwar Mosfrk -ā:z-, –:- [Kobl-Stdt Bend Vallendar -a·i.-, in Daun, Prüm vielfach -ę·i.-, in Wittl, Daun -ē:-]; Rip -:- [uAhr, Sieg-Honnef Rhönd ODollend, Köln-Stdt -ø·y.-] schw.: 1. absol. selten a. herumstöbern, schnüffeln May, Aden-Herschb; herömschn. Eusk-Euenh. — b. in alles hineinsehen, neugierig, vorwitzig sein, neugierig Umschau halten Koch-Lutzerath, Kobl, May, Neuw(Rheinorte) — 2.a. etwas schn., Leckereien naschen, von Kindern, Katzen, von Ziegen an Zweigen Allg. (dies die Hauptbed.); wenn de nomol de Schmand schnäs, da wersch de geseihn! Bernk-Neumag, Allg.; vill Schn. fihrt zum Stehlen Saarbg; schnuppen on schn. Rip. RA.: En Katz, die net schnös, dog (taugt) net Sieg-Troisd. — Im LRip Obst von den Bäumen stibitzen; schn. gohn; sonst »naschen« schnuppen.b. etwas schn., plündern, ausräumen Goar-Weiler. — Abl.: die Schnöserei (die Schn.ən Leckereien), dat Geschnös, der Schnöser, die Schnösersch.

aus- schnäusen: einen Topf a., ausschlecken Allg.ver -schnäusen: 1.Geld u. Gut v., durch Leckereien vertun Allg. — 2. fərnø:st leckermäulisch, wählerisch im Essen Schleid, Bo-Küdinghv.

Schnäus-büchse -bigs Koch-Illerich f.: verächtl. Leckermaul, Näscherin. PfWB Schnäus-katze Sieg-Ägid f.: dass. Schnäus-maul (s. S.) Allg. f., n.: dass. Schnäus-nase Düss-Stdt f.: dass. Schnäus-sack Allg. m.: dass.

Schnäuse -ā:s, –:- usf., Pl. -zə(n), Demin. -sχə(n) [-āts, Pl. -tsə Goar-Alken] Allg. f.: verächtl. 1.a. vorwitzige Person Koch-Lutzerath, Kobl, May, Schleid-Hellenth, Neuw (Rheinorte). — b. schnippiges, eingebildetes Mädchen Saarl-Berus, Kobl, Goar, May, Neuw (Rheinorte). — 2.a. Leckermaul, Näscherin, auch von der Katze, Ziege; en al Schn. Kuh, die fressgierig in die Fruchtfelder rennt, trotz Hüter u. Hund Allg. — b. en dorr Schn. mageres Weib, m. Kuh Kreuzn-Strombg Simm, Goar [-ts Simm-Laub].

Schnäusel -ø·y.z-, Pl. -ələ Schleid-Hellenth f.: verächtl. naseweise Person.

schnäuseln -ā:z- May-Löf schw.: tadeln.