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Rheinisches Wörterbuch 
 
Schmacht bis Schmack I (Bd. 7, Sp. 1419 bis 1421)
 
 Schmacht das nd. Wort ist im Berg u. anschliessend an der uWupp u. in MülhRh u. im Klevld, rrhn. n. einschl. Ruhr, lrhn. n. einschl. Geld-Sevelen Winnekendonk, Mörs verbr. (in der Zs. Schm.lappen geht es weiter nach Süd.), u. zwar OBerg in Gummb-Schwarzenbergisch, nfrk. Wippf -āxt, –a-; Gummb-Homburgisch, Waldbr (hier auch -χt) -t, dies auch uWupp; NBerg -ęit; Sol (rip.), MülhRh -āx; MülhRuhr -āx; sonst n. Ruhr -ax, –axt; Klev -axt; Mörs -āx, –a- Sg. t. m.: starker Hunger (weniger st. Honger); Schm. (op wat) häbben; Schm. no wat h. starkes Verlangen Allg. RA.: Den hät Schm. wie en Wolf, — en Hond (Jagdh.), — en Lus Allg., — för dri (sess) Klevld, — bes onger de Ärmen Wippf, Allg., — Schm. langes de Backe MülhRuhr. Den löpp van Schm. de Wänn (Wände) herop Meiderich, — flög van Schm. tege (gegen) de Wänd an Mörs-Wallach, — süht va Schm. grad ut Sol-Höhschd, — kann för Schm. nich grade ut kiken Barm. Schm. es en Meit (Macht) Barm. Fischen un Jagen gif Schm. im Magen MülhRuhr. Wenn den Bur düht Schenke schnije (schneiden), mott de Börger Schm. lije (leiden) Mörs. Op de Schm. lope zu andern Leuten gehen, um da etwas zu bekommen Geld-Schravelen. Enen met Schm. fūəren (füttern) hungern lassen Gummb.

Schmacht-balg uWupp, Sol m.: verächtl. 1. Hungerleider. — 2. Schmarotzer. Schmacht-band Mörs-Wallach m.: scherzh. Leibgurt; den Schm. enger trecke. Schmacht-dreck -ǫut- Heinsb-Hillensbg m.: verächtl. an Körperteilen, Kleidern klebender Kot. Schmacht-kamp Klev-Warbeyen m.: verächtl. Hungerweide fürs Vieh. Schmacht-korn Klev-Donsbrüggen n.: verächtl. dünnes Getreidekorn; de decke en de blanke Körn sin de beste, de andere sin mar (nur) Schm.körn. Schmacht-lappen -lap(ən) (s. S.) Verbr. wie Schmacht u. -ax(t)- Kemp, Kref, MGladb, Aach-Stdt; -āx- Dür-Stdt; -ax- Bo-Bechlinghv Walberbg, Eusk-Friesh, Ahrw-Brohl; -āx- Sieg, Mülh-Rh [Sieg-Fussh -χ-]; -axt- Altk-Wissen, Siegld, Kobl, Koch, Bernk u. Trier (Mos) [-āxt-] Trier-Mehring, Wittl-Spangdahlem, Prüm-Mürlenb Waxw, Bitb-Hütting Mettend Rittersd Wolsf, Saarbg-Wellen, Merz-Saarhölzb Nunk Stdt, Saarl-Dilling Hostenb, Ottw-Schiffw, Saarbr, Nahe, Simm-Laub m.: verächtl. 1. Hungerleider, der sich

[Bd. 7, Sp. 1420]
gerne traktieren lässt, der unverschämt um etwas bettelt; magerer Mensch, Schwächling Allg. — 2.a. Schmarotzer Allg. — b. einer, der andere bei jmd. anklatscht, um sich bei diesem einzuschmeicheln Mosfrk (s. o.). — c. verliebtes Mädchen, -axt- im Gegens. zu -āxt- 1 Gummb-Berghsn. — d. Santesche Schm.läpp Pl. Neckn. derer von Mörs-Xanten.  PfWB  LothWB schmacht-lappen -axtlabən Bernk-Neumag, Trier-Köwerich Welschbillig, Wittl-Dreis Neuerbg, Merz-Stdt schw.: bei jmd. über andere klatschen, um sich bei diesem einzuschmeicheln u. zu schmarotzen. Schmacht-lapperei f.: verächtl. 1. Hungerleiderei Klevld. — 2. das Antragen, das Umschmeicheln, Schmarotzen Verbr. Mosfrk wie schm.lappen. Schmacht-lappert -ā- Bitb-Rittersd m.: verächtl. Schmeichler, Schmarotzer. schmacht-lappig Adj.: 1. hungerig, bettelig, sehr arm, schwächlich, elend; schm. Volk Verbr. wie Schmacht im Kerngeb. u. Saarbr-Dudw, Zell. — 2. schmeichlerisch Verbr. Mosfrk wie schm.lappen.  PfWB Schmacht-locke (s. S.) nach dem Nhd. verbr. f.: frei auf die Schultern herabhängende u. durch ein Band lose zusammengehaltene L. der Mädchen (früher). PfWB Schmacht-riemen (s. S.) Verbr. wie Schmacht im Kerngeb u. -axt- MGladb, Eup (-x-); -āx- Köln-Stdt, Sieg-Lohmar Fussh (-χ-); -axt- Prüm-Mürlenb, Bitb-Dudeld, Trier-Geizenbg, Saarbr-Sulzb, Birkf-Stdt m.: 1. Leibgurt; de Schm. enger (faster) schnallen, — antrecke fasten müssen, weniger essen, hungern müssen, — wider (weiter) maken zuviel gegessen haben Nfrk, Allg. — 2. übertr. schmächtiger, hagerer, schwächlicher Mensch Sol, Köln-Stdt. Schmacht-suppe -āətsop Neuw-SKatharinen f.: dünne, fettlose S. Schmacht-tag -dāx Berg m.: Hunger-, Fasttag; en Schm. enlegen.

 PfWB schmachten -āxt-, –a-, –χt-, –t-, –ęit- im Kerngeb. von Schmacht; ausserh. -āxt- Köln-Stdt; -axt- Ahrw-Remag, May-Hatzenport, Koch-Poltersd, Trier-Stdt, Saarbr; -ōχd- Bitb-Mettend schw.: 1. hungern, hungerig u. gierig nach einer Speise sehen. RA.: Hei schmacht van Gitz (Geiz) Wippf. Nen gitzigen Bur woul (wollte) sinen Esel (sin Perd) dat Schm. lihren; äs he (et) et ävver no konn (konnte), do geng he (et) kaput Sol, Berg. He schmät, dat em de Uhren pifen, — langk weren uWupp. Van't Schm. es noch ken Mensch gebarsten Rees-Ringenbg. Den (der Geizhals) schmacht sek et Eten üt den Balg (de Hut), — ut et Lif herut Dinsl, Geld-Aengenesch. Better met er Ül (Eule) satt gegetten as met er Duf (Taube) geschmacht besser ein hässliches Weib, das wirtschaften kann, als ein schönes W., das nicht w. kann Gummb-Berghsn. — 2. in den abseitigen Geb. a. sich andern aufdrängen für's Essen u. Trinken May-Hatzenport; sich bei andern stellen, als ob man etwas haben wollte, betteln (in milderem Sinne); dau brauchs ner (nicht) elo hi schm. ze gih Koch-Poltersd. — b. verlangend nach etwas blicken Ahrw-Remag. — c. nach einem Trunk Wasser schm., dürsten Trier, Bitb-Mettend, Saarbr. — Abl.: die Schmachterei, dat Geschmacht(e).

[Bd. 7, Sp. 1421]

 PfWB  ElsWB  LothWB aus- schmachten: mer send usgeschmät ausgehungert u. heisshungerig Sol-Leichl, Rees, Allg. im Kerngeb.; dat utgeschmachde Pack hungeriges Gesindel Mülh-Ruhr, ebd.; der Boden es ūtgeschm. ausgesogen Erk-Rath.ver -schmachten: am (an't) v. sen am Verhungern; he süht so verschmät drop so heisshungerig Gummb, ebd.

Schmächter -ęχdər Sg. u. Pl. u. -dərχs, Pl. -χər Altk-Weitef (abseits) m. (n.): verächtl. ein Gast auf der Hochzeit, der sich bewirten lässt, ohne etwas zu schenken.

 PfWB schmächterig -χt-, –t-, –ęit-, –ęχt- Berg, n. Ruhr, Mörs-Veen Adj.: 1. sehr hungerig; schm. etten wie en Wolf (Ratte); schm. op wat luren. RA.: Feschen on Jagen, dat göft en schm.ən Magen on klöngelige (lumpige) Blagen (Kinder) Mettm-Dönsbg. Et mem sch.ən Schnider uthaulen (aushalten) konnen Mettm-Velbert. — 2. schwächlich, mager.

schmachtig lautend u. verbr. wie Schmacht im Kerngeb., also -āxt-, –a-, –χt-, –t-, –ęit- [in Rees, Mörs zu -axt auch -ęχtiχ], ganz abseits im OMosfrk an der Mos -axd- May-Löf, Koch-Kaifenh Landkern u. -axt- Bergh-Bedbg Adj.: 1.a. sehr hungerig; auch ein Feldstück es schm. ausgesogen; auch der, der überall etwas sucht u. nicht genug bekommen kann, es schm. gierig, fast geizig Allg.; schm. Zeug fades Getränk Neuss-Stdt. — b. -axd- schmeichlerisch Koch-Weiler. — 2. -axd- heiss, schwül zum Verschmachten; haut (heute) war's schmudig on schm. häss (heiss) Wend-Dörrenb.

 PfWB  ElsWB schmächtig I in nhd. Lautung -ęχd-; -ęχt- Kreuzn, Simm, Saar, Mos, May, Rip ziemlich allg., Altk, OBerg, Remschd, SNfrk in Grevbr, Neuss, Kemp Adj.: nach dem Nhd. hager, schmal, schwächlich; e schm. Kendche; e schm. Jöngelche; ene sch.ə Kerl.

schmächtig II -- = ranzig s. schmäckig bei schmacken II.

schmack s. u. bei schmacken; Schmäck = Schmissregen s. Schmick; Schmack I = Geschmack s. bei schmacken II;