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Rheinisches Wörterbuch 
 
Schloss III bis Schlossen-kern (Bd. 7, Sp. 1371 bis 1375)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB Schloss III das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk -ǫ-, –o-, Pl. -ęsər, –e-; Mosfrk -ǫ-, –-, –a-, –ā- (s. o. bei Schlopp), Pl. -ę-, –-, Rip -ǫs [Sieg, LRip auch -ǫzs, –ǫus, -s; Pl. -sər ]-zs-, –ys-, –s-] u. -ǫsər –ǫzs- usf.]; n. Benr-L. im Berg u. an der Ruhr -t [Gummb-Schwarzenbergisch, Lennep -ot], Pl. -tər [-øtər] [Wermelsk -ǫs, Pl. -sər]; Eup -ǫt, Pl. -tər; SNfrk, SMörs, SGeld -ət, –ōət, –ūət, Pl. -ətər, –ət- [Heinsb-Myhl -ət]; Klevld -ǫt, Pl. -tər; Demin. -ęsχə, –e-, –- usf. mit Einsetzung des umgelauteten Vokals; n. Benr. L. -tə, –tjə n.: 1.a. Verschlussvorrichtung an Türen, Koffern, Körben (Vorhängeschloss Klauster), an Halsketten; Düər-, Hausdüər-, Stalldüər-, Kofferschl.; nach der Art Kasten-, Sprengschl. Rip, Allg. Duəbelschl. welches den Schliessriegel zweimal herauslässt,

[Bd. 7, Sp. 1372]
wenn der Schlüssel zw. gedreht wird; verkehrt Schl. das nach links gedreht wird, worauf der Riegel dann heraustritt u. schliesst Bitb; Teile des Schl. Kasten, Dröcker (Klinke usf., s. Wk. IV 21), Feər (Feder), Rigel (Schlüttkam), Nute (Stift, der die Feder hält) Allg.; Schl. on Schlössel beliebte Verb. Bei der rein handwerksmässigen Herstellung der Schlösser in Velbert wurde das Schlossblech mit dem Meissel oder der Blechschere ausgeschnitten, dann zusammengenietet und gefeilt; der Schlüssel wurde geschmiedet, mit dem Drillbohr gebohrt und mühsam gefeilt; im heutigen Fabrikgrossbetrieb werden diese Arbeiten von Pressen, Schleif- und Bohrmaschinen verrichtet. Das Gehäuse des Schlosses besteht aus dem Blech und der Decke, die beide durch Dorne oder Nieten miteinander verbunden sind; die Schmalseite mit der Öffnung für den Riegel heisst Stulpe; die vorstehende Schlüsselführung auf der Decke des S. trägt die Bezeichnung Oppipe (Aufpfeife); im Innern sind Federn, Tag- und Nachtriegel und Zuhaltungen, genannt Striekstöcker (Streichstücke); Arten: Buchstaben-, Hang-, Kasten-, Einlass-, Einsteck-, Tupptuppschloss; ferner sind nach ihrer Verwendung benannt: Bau-, Eisenbahn-, Geldschrank-, Hunde-, Kammer-, Keller-, Korridor-, Möbel-, Neger-, Pult-, Rad-, Schaff- (Schrank-), Speicher-, Tisch-, Teekisten-, Tresor-, Türschloss; nach der Form: Band-, Blumen-, Canis-, Glocken-, Lauf-, Mal-, Ohren-, Platten-, Riegel-, Schnapp-, Spring-, Vexier-, Zylinderschloss; nach dem Erfinder oder Hersteller: Brama- (Josef Brama, 1784), Chubb-, (Jeremiah Chubb, 1818), Damm- (Firma Damm u. Ludwig); ferner sind in der Fachsprache bekannt: Kombinations-, Patent-, Protektor-, Sicherheitsschloss, Berliner, Danziger, Franzos; ferner Fünfkantspringer, Knebeldrücker, Umgebogene. De Dür es em Schl. RA.: Doə soll ech dech ens (einmal) e Schl. fürmaken daran werde ich dich hindern Kemp. Dem han se e Schl. op de Dür gehange er ist mundfaul MülhRh-Rath. Dech mott men och noch e Schl. op de Mull hange du plauderst zuviel aus; sech e Schl. op de M. donn seine Zunge hüten MGladb, Allg. Mer moss vele Schlauser han, für all freiche Minsche de Mongk ze schlesse Bo-Dransd. He hät op jedes Wörtschen (Wörtchen) et Schlöttschen er ist ein Witzbold Kref-Osterath. De hät ge Schl. en't Lif was er isst, geht unverdaut von ihm, er gedeiht körperlich nicht Kemp. Achter et Schl. komme ins Gefängnis Nfrk; henger Schl. on Rigel k. Rip, Allg. — b. sonstige technische Verschlussvorrichtungen; et Schl. an der Flent (Flinte) Allg.; Radlünse Grevbr-Waat; Keil zum Festklemmen des Pflugkulters Altk-Dickend; K., zum Befestigen der Sense am Stiel Eusk-Bürvenich, MülhRh-Marialinden; an der Spannsäge MGladb; keilförmiges Holzstück (meist Pl.), an die Weinfässer geklemmt, um deren Rollen zu hindern Mos; Verbindung zweier Gestängteile durch Bohlen, in der Bergmspr. Siegld, Altk; hufeisenförmig gebogenes Kettenglied mit Schraubenbolzenverschluss,

[Bd. 7, Sp. 1373]
zum Verbinden von Strängen oder Ketten oder dieser mit Ankern Rheinschiff; Holzscheit, in die Strassenrinne gelegt, um beim Überfahren der Str. den Stoss zu brechen; Stein oder Holzstück vor u. hinter das Rad gelegt, damit die Karre nicht weiter gleitet Grevbr-Garzw. — Dat Schlöttje eine den Hals knapp umschliessende Halskette, aus mehreren Reihen Granaten bestehend, die durch ein grosses, rundes, mit Gr. besetztes, nach vorn getragenes Schloss zusammengehalten wurde Klevld (veralt.). — 2. übertr. a. Schläss-che dicke Schiefersteinmasse, lose am Felsen hängend Mayf. — b. Schambeinfuge, Geschlechtsteil bei Kühen, verhüllend auch bei Frauen (Schlöss-chen) Goar-Weiler, Wittl-Cröv, Bitb-Dahlem, Siegld-Afholderb, Sieg, Bo, Köln, Dür, uWupp, So; de Drag (Gebärmutter) steht em Schl. Bergh-Blatzh. — c. Schinkenknochen May-MüMaif. — d. nach dem Nhd. lautend, auch meist n. der Benr.-L., Schl.gebäude. RA.: En Haus wie e Schl. so gross u. prächtig Allg. Rechter (besser) e Seistall allän (allein) als wie e Schl. mer e Gemän (Gemeinde) Bernk-Stipshsn. Schl. Funkenhausen Neckn. für Neuw-F. Et Singelberter Schl. (Waldbr-Singelbert), Hesperter Verdross, Tillkeser (Tillkausen) Geld, dat regiert de Welt Neckspr. auf diese Dörfer von Waldbr. — Reire, r., Ross, do uwe stehr e Schl., do uwe st. e Kuckuckshaus usf. Kniereiterld. Kreuzn-Dörreb. Rode, r., Rässelchen, lo owen stäht e Schlässelchen, lo owen st. en Härenhaus, do kauken drei Madammer eraus; an spennt Seid, de anner weckelt Weid, de a. micht e rode Rock vor use lewen Herrgott Rhfrk, Mosfrk verbr. — Schlösscher baue einen flachen Stein über eine Wasserfläche werfen, dass er mehrfach aufhüpft Neuw-NBieber, — werfe Heddesd Stdt. — Der sitzt im Schl. im Gefängnis (früheres Schl.) Simm; du kös op e Schl. nach Monschau, — op Schl. Mommbeck Mörs-Ginderich.

Schloss- in der Zs. zu Schl. 1, wie blech, –bügel, –decke, –dorn, drücker, –fabrik, –feder, –griff, –kasten, –klicke, –klinke (s. Wk. IV 21), –riegel, –zunge, zu Schl. 2a wie –bau, –berg, –brücke, –garten, –gebäu(de), –haus, –herr, –keller, –park, –turm usf. sind der MA. nicht fremd; dazu: Schloss-dümmel -ø- Klev-Warbeyen m.: verächtl. langer u. ungehobelter Kerl. Schloss-hexe -hęks Neuw-Isenbg f.: Sagengestalt, Schreckgespenst. PfWB  ElsWB Schloss-hund m.: Sagengestalt, z. B. der Schl. von Altk-Schönst. RA.: Krische (weinen) wie ene Schl. Rip, Verbr. Schloss-kätzchen Simm-Corw n.: in der Wend.: Hoffärdig wie e Schl. Schloss-keil -kīl Eusk-Wichterich, Bo-Walderbg m.: Radlünse. Schloss-knecht NBerg (Anfang XIX) m.: Geselle des Schl.schmiedes. Schloss-montag (s. S.) Koch-Stdt m.: M. nach Weissem Sonntag, durch Volksbelustigungen auf der Knipp (deshalb auch Knippm.) gefeiert; nach der Sage erfuhr einst ein Trossknecht der Burg in einem Nachbardorf von einem bevorstehenden feindlichen Überfall; er eilte nach Kochem, warnte die Besatzung u. rettete dadurch die Burg; deshalb

[Bd. 7, Sp. 1374]
soll alljährlich der Schl. feierlich begangen worden sein; heute der Knippm. Schloss-nagel (s. S.) Allg.: grosse N.art. Schloss-päckchen -pękskə Velbert n.: kleines Paket mit Schlössern. Schloss-platte Siegld, Altk, in der Bergmspr. f.: Verbindung zweier Gestängteile durch Bohlen. Schloss-rabe -rwən Pl.: Neckn. derer von Daun-Stdt. Schloss-scheibe -ī:f Eusk-GrVernich f.: Eisenscheibe um die Nabe hinter der Radlünse. Schloss-schildchen -e·l.tə Kemp n.: schildartige Umrandung des Schlüsselloches. Schloss-schmied (s. S.) NBerg m.: 1. Verfertiger von Schlössern 1 a; ebenso Sch.schmiede, –schmiederei.2. Schlosser (neuzeitl.) Mettm. Schloss-stempel Wurmgeb., in der Bergmspr. m.: Firstenstempel. Schloss-viole Birkf f.: Goldlack.

Schlosser wie Schloss lautend; doch mit Umlaut -s- WBitb; -ę- Siegld; --, –zs-, -ys-, –s- vielfach Rip, -t-, –t- Berg; sonst Nfrk nach dem Nhd. -ǫs-, –s-, in den Stadtma., auf dem Lande vertritt die Stelle des Schl. der Schmied m.: 1. nach dem Nhd.; der lehrt Schl. Ottw, Allg. RA.: Et leit (liegt) Schl.s Hindche dəvor die Türe ist gut verschlossen; Schl.s Hund dəvorleə (-legen) gut verschliessen Birkf. Kreizersch Vadder, der Wedderprophet, Schreiner Jakob bläst in de Trompet, Schl.sch machen Näl (Nägel) usf. Litanei über die Dorfbewohner Saarl-Reisw. — 2. -ǫ- Kaminschieber beim Backofen Sieg-Fussh. — Zs. Schlosserschhandwerk, –amboss.

Schlosser-feile NBerg f.: Feile zum Blankmachen der Schlossteile und Schlüssel. PfWB  LothWB Schlosser-hammer NBerg m.: der vom Schlosser benutzte Hammer, meist mit einem langen, spitzen und einem kreisrunden Schlagende, in der Mitte zu einem Schild verbreitert.

Schlosserei wie Schlosser lautend, -ərę·i., Pl. -ə(n) f.: das Gewerbe des Schlossers.

schlössern -ys- MüEif; -ǫs- Eusk-Lechenich schw.: eine Schlosserei betreiben.
 
 
 PfWB  ElsWB  LothWB Schlosse das rhfrk., mosfrk. Wort gliedert sich der Bed. nach in drei dicht aufeinanderfolgende Geb. α. Hagelkorn Rhfrk, Saar, Hochw, Siegld nach dem in Wk. III 4 eingetragenem Geb.; β. heftige Regenschauer, bes. von kaltem Regen mit Hagel oder Schnee NWSaarbg, Trier, Wittl, Bitb, Prüm-Zendschd, Daun-Mückeln Strohn, Bernk-Neumag (u. α.), Goar-NHeimb Trechtinghsn, also durchweg w. vom Geb. α. abseits im N. -ū:s Aach-Stdt; -ū·ə.t MGladb-Rheind; γ. Tauwetter Zell bis Kobl, Goar (n. Bopparder-L.), May, Aden-Arb Kempenich, Ahrw-Brohl Dedenb Sinzig NZissen, Neuw, Altk, Siegld u. Waldbr-Dattenf Hurst Lindenpütz, Sieg-Ägidienbg Herchen Meind Sieglar Winterschd, Bo-Stdt, abseits Monsch-Vossenack; doch ist das Zeitw. häufiger u. geht auch weiter nach Geb. α. hinein; dies Geb. liegt also nö. von α. [ β. Schauf, s. Schaube; α. Kisel]; Rhfrk -ōs [in einigen Enklaven von Kreuzn -ū-]; Mosfrk -ō:-, –ū:- [NWSaarbg auch -o·u.-; Büschd -e·i.], Pl. -sə, –zə(n) f.: 1.a. dickes Hagelkorn [n. des rhfrk. Geb. zwei Enklaven mit Schl.

[Bd. 7, Sp. 1375]
»dickes, grosses H.«, Kisel »kleines H.«; s. Wk. III 4]; Pl. Schl.ə Hagelwetter; et get Schl.ə; es hot Schl.ə gen; et falle Schl.ə; et sen Schl.ə gefall(en) [et hat Schl.ə gefall Ottw-Scheuern Sotzw, Saarl-Berus Eimersd, Merz vielfach, Trier-Hochw, Bernk-Schönbg; et hun Schl.ə g. Merz-Wahlen; et fällt Schl.ən Trier-Geisf; et hat Schl.ə gefahr Zell-Pünderich Sohren] Rhfrk, Saar [der südl. Teil des Geb. hat nur das Zeitw. es schlosst; s. Wk. III 4]; de Schl.ə hon vill Kore niddergemacht. RA.: Schl.ə hon do gele (gelegen), so dick wie Volseier, — Dauweneier Allg. Er micht e Gesicht, as wenn en die Schl.ə verschlahn härre (hätten) Simm, Allg. — b. vorübergehende, starke Regenschauer; dat as nommen (nur) e Schl. Ren (Regen); en gut Schl. WMosfrk (s. o.). RA.: Ovendruət göft Wengk (Wind) on Schlūət MGladb-Rheind. — c. Sg. t. Tauwetter; et get Schl. OMosfrk usf. (s. o.) u. Rhfrk in Zell-Altstrimmig, Simm-Schnellb [et hat Schl. gemach Koch-Landkern, Ahrw-NZissen; et hat Schl. Goar-NFell; gebräuchlicher ist das Zeitw.]. RA.: A.: Et get Schl. B.: (nein). A.: Jo, zweschen Maul on Nos (Rotzfaden) May-Trimbs. — 2. übertr. verächtl. zu dünner Teig Simm-Horn.

schloss -ū:- Goar-Weiler, Kobl-Stdt Adj.: zu flüssig, weich, vom Teig, Lehm; de Taig (Laihm) es esu schl., dat e einem an de Finger klewe bleift.

Schlossen-kern -krə Saarbr-Herrensohr m.: Hagelkorn.