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Rheinisches Wörterbuch 
 
Rat II bis geraten (Bd. 7, Sp. 125 bis 132)
 
  NRhWB  PfWB  ElsWB  LothWB  LothWB Rat II das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk rt; Mosfrk [WSaarbg, WBitb -ō:-], Rip -:-; Berg -:-, –ō:-, –-; SNfrk -·ə.-; Klevld -- Sg. t. (doch s. 1 d) m.: 1.a. kluge Einsicht, Überlegung, Entschliessung, nur in bestimmten Wend. u. RA.: R. han klug sein Sieg-Himbg; der näutste (genaueste) R. wesse welle Vertrauliches erfahren wollen Aach-Stdt Breinig Merkst; R. on Dot (Tat) nehmen überlegen; R. on D. meten (miteinander) n. untereinander beraten Elbf, Mörs-Xanten; de hält met dem R. on D. dass. Heinsb-Dremmen; R. leve dass. Kemp; leben, wie es geraten ist, wenn dat schlemmer wiərd, sall ech woahl R. l. mosse Siegld-Weidenau; R. plechte sich beraten, mit der Verpflichtung, die Folgen mit zu tragen Heinsb-Karken; des R. kreien beschliessen Prüm-Birresborn; met sek (selwer) te R. gonn überlegen Elbf, Mü-Eif, Prüm-Mürlenb 1860. RA.: Kemmt Dag,

[Bd. 7, Sp. 126]
k. R. Siegld. Gode R. küt üvver Nach; üvver N. küt R. Köln-Stdt, — könnt no der Doht (Tat) Malm. Et hilf kein Reu un R. no geschehner Dot ebd. Gode R. es dür Sol, Allg. (auch zu 1 d stellbar); wenn de Wan (Wagen) do lit, dann os goden R. d. Malm-Weywertz. Ne goue R. brengt go Sot Eup (auch zu 1 d). Kümmp Tit, k. R. oder möt der T. k. R. Nfrk, Rip. Neue Dag, n. R. Monsch-Witzerath, — os arme Manns Stot Schleid-Reifferschd. R. no der Dot kömmt gewöhnlech te spot (spät) MGladb-Korschenbr. Hetz (Übereilung) em R., Il en de Dot brengk nüs als Schade Bo-Dransd. Woə genge Mann es, doə es genge R.; woə geng Frau es, doə es genge Stoət Aach, Allg. (Vader-Moder Bergh-Blatzh). Der Alen R., der Jungen Dot, der Mäner Hut (Mut) wor allzeit gut (steht nöt emmer gut) Trier-Schleidw, Bernk-Veldenz. Al Lüts (Leute) R., jong L. Dot MGladb. Fraulüts R. on Bockes (Buchweizen) Sot geroə (geraten) alle sieve Joəhr mar ens (nur einmal) Heinsb, Rees. Ene Läffel voll Dot ös beis (besser) als ene Scheffel voll R. Bo-Dransd. Gode R. soll mer nit op der Mart drage Köln-Stdt. Hal R. fir der Dot! Eif (o. O.). — b. Abhilfe, Mittel zur Beseitigung, durch Überlegung gewonnen; do es kene R. mih (für); do wess ech mer kenen R. mih; Rot dohn Massrege'n ergreifen, do moss de flönk R. für dohn, gangk zom Dokter; do mosse mer R. schaffe Rip, Allg.; mer moss sech R. wessen Sieg-Leuschd; he wet dem Dengen immer R. weiss sich zu helfen Wermelsk; he wet nit R. noch Dot Elbf; ik hau je, dat dou keine R. wetts Ruhr, Geld; he wiət der Mule R. weiss zu reden Remschd, Ess; eich wäss mer ken Himmelslebendiger R. keinen Ausweg Saarl-Hüttersd, — des Dingen ke labendige R. Prüm-Mürlenb, Trier-Stdt (leb-), — meines Läds ke R. Birkf; er wäss seines Lewens kä R. vor lauter einstürmendem Ungemach Saarbr, Simm; de wess senger Hänn (Hände) ke R. er weiss vor Arbeit nicht, wo er anfangen soll Prüm, Saarl-Hüttersd; et es deiner kä R. du must dran glauben Merz-Mond; wat do ze R. wär zu geschehen hätte Prüm. RA.: För alle Saken es R. wenn me't mar wösst Elbf. Fir alles es R., bluss fir ka dick (Hawer) sot Bernk-Hundh, Goar-Weiler Waldbr-Bladersb. Wi sech wahrt för de Dot, för Liegers (Lügner) es gut R. wer sich hütet, dass er nicht auf frischer Tat gefasst wird, kann sich wohl herauslügen Emmerich. Höt (hüte) dich der Dot, des Kalles (Redens) es R. nachher musst du dich verteidigen Rheinb-Flamersh. Ener (für en) werve Kroh (hin- u. herlaufende Krähe) os noch R. sie verhungert nicht; ein armer Mann, der fleissig ist, erwirbt noch genug Ahrw, Schleid. — Auch in der Bed. Verwendung bei Überfluss; de wett gene R. möt all si Geld; de hät ene Massa Obs, de soll bald gene R. demöt wüəte Kemp. — c. de Pennege (Groschen, alles) ze R.

[Bd. 7, Sp. 127]
halen zusammenhalten, sparen; etwas gut aufheben, pflegen, schonen Saar, Trier, May, WEif, Monsch, Aach, Bergh, Köln, MüEif, MülhRh, Sieg, Sol, Elbf; de Leit kinne zo neist kumme; se hale neist zr R. May-Hatzenport, Allg.; ech han emmer alles got für en ze R. gehale in bester Meinung für ihn verwaltet Sieg-Rhönd. RA.: Halt alles ze R., dat de Wesserschhemer nöcks krige (Wortsp., Dür-Wissersh u. Rath liegen nahe beieinander), Bergh-Bergerhsn Kerpen, — dann krige se ze Wiederschdörp nöcks! Köln-Poulh. — d. einem andern erteilter R. (hier auch selten Pl. möglich rt, –:-, –:-, –·ə.- [--, –tə; Berg Monsch-Witzerath rī:t]); enem ene (gode, kene g., schlechte) R. gen; ene (gode usf.) R. krige; R. bei enem holle; öm R. frage; folg mengem R.; dohn nüs ohne mengen R.; enem met R. on Dot ze Hangk gohn (beistohn) Rip, Allg. RA.: E gude R. as dack (oft) meh wert wie bor Geld Trier-Mehring, — es de bellegste Medezin Mörs-Rheinbg. Kene R. os och ene R. nicht raten heisst abraten Schleid-Hellenth. All wössen gode R., nummen den net, den en nückdig hat Eif (o. O.). Ech wäss der kenen annern R. we Konrad scherzh. Antw. auf die Frage nach einem guten R. Westerw. Och e schlechte Mensch kann emol e gude R. gön Trier-Mehring. Ek well di en guəden R. giəwen, hangk em en Lüchte in den Stall scherzh. Gummb-Lantenb. We sech wellt helpe lote, de mott R. anöme Eup. Dem ka känen met gesentem (gesegnetem) R. beisteihn Merz-Saarhölzb, Bernk. — e. Ratskollegium u. dessen Versammlung in Städten, Ortsgemeinden, nur Stadt-, Gemenden- (der gemene R.), Scheffenrot [de R. wullt nit ziehe nicht bewilligen Simm, bei Rottm). — f. Rätsel; änem en R. opgin Saarbg-Soest (nur von dort überliefert); Rät heischen Rätsel aufgeben, bei der Heilicht Saarbg-Schoden (veralt.). — 2. Sg. t. n. a. Gesamtheit der Kleidung, Wäsche; eich han kän R.vor anzedouhn; mei Somdes R.; Werdes R.; et R. (Wäsche) wäsche Saarl, Merz. — b. Zierrat, Tand Bernk-Wolf Zelting. — c. kleines Gerät Saarl-Hüttersd. — d. Setzlinge ebd. — e. m. Rest Tabak in der Pfeife, Piferot Aach-Vicht. — f. m. -r:t als zweiter Kompositionsteil in Heirot, Freierot. Wat for eme Rat folge die dickköppigste Mäd? der Heirat Birkf-Kirnsulzb.

Nach- rat: nachträglicher Rat Siegld. RA.: Norots eas der ganze Käner (Ort Kaan) Backes voll! Siegld-Eisern. PfWB  ElsWB Vor -rat: 1. vorheriger Rat Siegld. RA.: V. es besser we Norot (im Wortsp. mit ‘vorheriger R. u. Vorrat’). — 2. wie nhd. (auch -rdiχ u. -r:tska·m.ər). RA.: Wo et os sihr ren, do os der V. klen Schleid-Reifferschd. Un -rat: 1. Ungeziefer an Mensch u. Tier Prüm. — 2. Unkraut im Felde u. Unkrautsamen unter der Saatfrucht WEif, SNfrk; dat Ruər as gut fir Somfrucht, et as ken Unrätchen dran (drin) Bitb-Dudeld.

[Bd. 7, Sp. 128]

Rat-geber r:tjevər Köln-Stdt; rǫtsγeēvərt Eup-Stdt m.: wie nhd. [meist Aufwiegler, Stänker Eup]. rat-halterig tsər:thāləriχ Bitb-Wiersd Adj.: sparsam, haushälterisch. rat-hältig -h:liχ Koch-Leienkaul, Prüm-Steffeln; -hę·l.iχ Aden-Kempenich, May-Kollig; tsər:t- Saarbg-Nennig Adj.: dass. PfWB  ElsWB  LothWB Rat-haus r:thūs (usf.) Allg.; doch -hūs > əs im Rhfrk verbr. rrəs Kreuzn (u. -dəs); rdəs, Pl. -dəsər Simm, Goar, Siegld (veralt.) n.: 1. das städt. R. RA.: Ene Kopp wie e(t) R.; da möt (müsste) ech jo ene K. han wie e R. der alles gut im Gedächtnis behalten soll; wemmer dat ale behale wöll, möt mer ene K. wie e R. han soll LRip, SNfrk; e mächt e Gesit (Gesicht) wie en R. Saarbg, Trier; de hat en Mul wie en R. MGladb-Rheydt; de hät ne Buch (Bauch) wie e R. Dür-Vettweiss. En örndlich R. ziert de Stadt sagt der, der eine lange Nase hat Köln. Wann de Häre vum R. kumme, sin se am klögste Köln-Stdt; me kömmt ömmer klüəker vam R., äs me hengeht Elbf; as gej van et R. kommt, wett (wisst) gej mehr, as wei'j dorhen goht Klevld. — 2. r:dəs jährliche Versammlung der Dorfleute am Fastnachtsdienstag Goar-Weiler.  PfWB Rat-herr r:tsh:r Köln-Stdt m.: Mitglied des städtischen Rates, in Wend., wie: su stif wie ne R.; ich ben keine R. kann nicht alles. rat-leben r·ə.tlēəvə Kemp schw.: haushalten, sparen; möt den Tit r. rat-los -lū:s Trier-Stdt Adj.: nach dem Nhd., auch Rotlusigkat. Rat-präsentchen r·ə.tsprəzęntχər Aach-Stdt (bei Waitz) n.: Münzen, die den Ratsherrn für Beiwohnung der R.sitzung gegeben wurden. PfWB rat-sam rtsam Siegld Adj.: zweckdienlich, –mässig; dat hamer r. engerechtet mit Überlegung, zweckmässig; r.ə Zwewweln ergiebige Zwiebeln. rat-schissig r:tesĭχ Kobl-Bend Adj.: geizig. Rat-schlag m.: nach dem Nhd. angewandt; en Freind met bellege R.schläg der etwas rät, was nichts kostet Kobl-Neuend. PfWB rat-schlagen r:tlē:n Merz-Bergen; -lā:γə Rip schw.: beraten; mer mossen ens drövver r.; se hu R. geschlohn u. bərotschlagt. Rat-zeichen r:tsχən uWupp bis 1824 n.: kölsch R. Silbermünze, worauf ein Kelch geprägt war, 8 Stüber im Wert.

 NRhWB Ge-räte n.: 1.a. gərī:t Achse u. Presse beim Wagen Saarbg, Trier; Schere zum Einspannen für ein Pferd Bernk-Rachtig; jər:t Vorderpflug Bergh-Hüchelhv; -:- Saarbg-Greim rath. — b. jər:t Hausrat, auch Hus- Bo. — Gər:tǫp Schuppen zum Unterstellen der landwirtschaftlichen Geräte Bo-Wesseling Widdig. — 2. übertr. a. jər:t am Lif starker Knochenbau Sieg-Rhönd. — b. gər alles, was zur Wurst verwandt wird, vom Rindvieh u. Schwein; Geräche vom Schaf Siegld. — Sonst heisst das Geräte im nhd. Sinne: Gescherr, Gereide. Ge-rätschaft f.: 1. jər:taf, Pl. -ftə Gerät, Gardegerötschafte MüEif (sonst Gescherr). — 2. übertr. jər·ə.taf Pfoten, Ohren u. Schnauze

[Bd. 7, Sp. 129]
eines geschlachteten Schweines Aach-Stdt 1836 (kann auch zu Gereide gehören).

 PfWB  ElsWB raten das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk rrə, dau rtst, –tst [Birkf, Kreuzn, Simm, Goar auch seltener rtst], Part. gərrə u. gərt; Mosfrk r:də(n), dǫu r:tt (Saar), -tst [seltener -:-, –ē:-; WSaarbg, Trier, Wittl, Bitb, Prüm vielfach -ī:-; Saarbg-Rommelfangen re·i.tst; Wellen re·i.ts; Bitb-NWeis Preist Seimerich Stdt, Prüm-Feuerschd rits; Bitb-Baustert -e-; Bickend, Prüm-Olmschd Ringhuschd rigst; Nimshuschd rī:gs; Prät. im W. rī:t, –ē:- wenn überhaupt vorkommend; in der WEif -ū:-, –ō:-, Part. ger:dən u. gər:t; Westerw (mosfrk.) r:də(n), -:r-, –:l-, dǫu r:tst, –:-, Prät. rī:t, –ē:- [OAltk ; Gebhardthain rei], Part. gər:də(n), –rə, –lə [Altk-Brachb Dauersbg Freusbg Katzenb Selb rnə]; Siegld rrə, rrn, du rtst, hē rt, Prät. rē, (), du retst, he rē, mər rērə, Part. gərrə [du rętst NSchelden; ręst Obersd Riensd]; Rip r:də [Schleid-Bouderath Gemünd -ǫd-], du r:ts u. selten -:-; Aden-Kaltenborn Dür-Girbelsr -:-; in Köln, Bergh, Dür, Jül-Siersd, Monsch, Malm, Eusk-Borr, Sieg Meind -ī:-; Aden-Borler r:s; dann r·ə.st]; Prät. rē:t [Malm -ō:-; MülhRh-Schildgen ]:, Part. jər:də [Schleid-Bouderath Gemünd, Eusk-Wissk, Bo-Vilich -ǫd-]; NMonsch, Aach, WJül r:nə, eχ r:n, du r:nts; Aach-Weiden Würselen, Jül-Gereonsw (u. -:-, r:ts) rnts; Welz, Aach-Dorff, Jül-Freienaldenhv Stetternich r:ts; Monsch-Zweifall r:tst)]; Prät. r:nət (Aach-Eschw Hekhv r·ə.ndənə; Bergr rǫ·n., Prät. rǫ·n.ət, Part. jər:nə; Oberg wie Rip; doch OWaldbr, Gummb rə(n), du rtst, Prät. rēt, –ī-, -ei- [in Gummb-Schwarzenbergisch auch rī, rē], Part. jərən; NBerg rdə, –ō:-, ek rt, –ō:-, du rts, –ō:-, –-, Prät. rīt, –ē:-, Part. jərdən, –ō:-, SNfrk r·ə.nə, eχ rǫ·ə., dü ręts, h ręt, mər r·ə., Prät. rō:, dū rō:ts (rō:s), Conj. r·ə., Part. jər·ə.nə (so Kemp-SHubert); r:nə, eχ r:n, dū r:nts, h r:nt; Prät. r:ndə, Part. jər:nə (so Grevbr-Priesterath) [meist sonst du rǫts, –-; MGladb-Korschenbr, Kemp-Vinkr, Heinsb-Breberen Effeld Neuhaaren rī:ts(t); Kemp-Amern rē:st; Prät. fehlt meist, doch kommt rē:t vor; Kref-Linn, Kemp-Dornbusch rǫdə; Erk-Gerderhahn Koffern r:nət]; Klevld rə, ek r, dou rst, –-, ge rǫt, Prät. rdə, rnə [Mörs-Binsh Lohmühle Kapellen Rayen (u. rndə) rǫdə, Prät. rīt (Calcar) ist sehr selten; Klev-Huisberden rī], Part. γərə, –rt st. (schw. SNfrk, Klevld s. o.): 1.a. sich beraten, entschliessen, nur vereinzelt in folg. Wend.: Gerot on gedot Rat u. Tat gepflogen Sieg-ODollend; mitgerot, mitgedot Simm-Schlierschd; reck r. hin u. her überlegen Mörs, Emmerich. — b. einem (etwas) r., einen Rat geben, etwas anempfehlen; lot dech r.; enem got (schlecht) r.; dem es net te r.; miəhr kann ech dech net r.; ech roən dech gut, dunn et nit; ech kann dech net r. dertu; ech wet net, wie

[Bd. 7, Sp. 130]
mer em do r. sall SNfrk, Allg.; he kann sech selver net r.; ech halen et für gerode ratsam Rip, Allg.; dat well ek dech (nit) te r. gen! tue das (nicht) Elbf. RA.: R. es lechter als selver dunn, — es lechter als helfe, — als folge Köln-Stdt. Al Löck (Leute) r. got Schleid-Hellenth. Wer gern rot, de git nit g. Köln-Stdt. Wöm net ze r. es, döm es auch net ze helpe Aach, Allg.; dem es net ze r. on ze helfe Neuw, Allg. De kann alle r., nor sich selver nit Köln-Stdt. Rot mich got, ävver rot mich net dergege (af)! sagt derjenige, der keinen fremden Rat annehmen will; rot mer, ävver rot mich net dervan! sagt besonders das Mädchen, das um Rat fragt wegen seiner Heirat mit einem Burschen Dür, Allg. Fraulüj lote sech ömmer r., mar in gen Trauwe (Heiraten) Geld. Ene Gesonge kann ene Kranke wahl got r. MGladb, Erk, Köln. Wing (Wein) op Bier rot ich dir, B. op W., dat loss sin Köln, Verbr. Hej hät min an de Galg geroje verkehrt beraten Emmerich. — Ech wet mech net te r. weiss mir keinen Ausweg SNfrk, Allg. — Ech well dir nit r., dat ze dunn! versteckte Drohung, dann hast du es mit mir zu tun, ich warne dich; ech r. der got! nimm dich in acht Rip, Allg.; eich wull em nit gerot hon, dat ze duhn! Simm Allg.; ech well der nicks Gores (Gutes) gerore he! Siegld; ich hätt der et och gerode; dat woll ech der och geroren han; dat wor der ävver och gerode, dat de op de Zeit no Huus gekomme bes! so zu handeln (zu folgen), sonst hätte es etwas abgesetzt Altk, Allg.; dat wor dir och gerode! es war auch an der Zeit, so zu handeln, sonst hätte ich dir was anderes gesagt Rip, Allg. — Et röt em Led (Leid); dat hät em L. gerən es tut ihm leid; das hatte böse Folgen für ihn, dass er das getan hat; für gegessen Broət het mänchene L. geroən Gummb. — 2. etwas r., erraten; rot es, wer dat es; rot es, wivill Lämmer us Gess geworfe hät; dat häste nur su gerode; do kann ma sech zerbarsch r. on krig et doch net erus; dat häste gerode getroffen Rip, Allg.; ek gef ow es te r., wat dat kost Klevld. RA.: Da's mer e Wessen un der e R. Köln-Stdt. Vam R. wiərd mer net klok (klug) Sieg-Ägid. Dat es geroəne on net gewosst es ist eine blosse Vermutung; das Gelingen einer Sache ist zweifelhaft MGladb-Rheind; dau hos et gewosst oder geroden zu einem, der eine Bemerkung macht, die ganz selbstverständlich ist oder schon früher in der Gesellschaft gesagt wurde Bitb-NWeis. Wenn einer hin- u. herrät u. nicht mit dem Richtigen herausrückt oder beim Karten zögert, sagt man zu ihm scherzh.: No rot Bock, rot Gess (Ziege)! Sieg, Köln; roə der Bock (rodder bock), roə der Gess! beim Bockspringen gesagt Aach-Stdt. Hirode es e R. Bergh-Kirchherten; Heirode bedeutet hei rot! May-Trimbs; hei es gut, awwer dat R. Neuw-Kurtsch. — Deə get enge noch jet ze r. der macht noch tolle Streiche u. bereitet dadurch Sorgen; er verspricht nicht viel Aach;

[Bd. 7, Sp. 131]
de get senge Lögge (Leuten) noch jet ze r. op lässt sie über manches im Ungewissen, stürzt sie aus einer Sorge in die andere MüEif. — Auf einen r., einen vermuten, erwarten, meist negat.; nö, op den hätt ech net gerode der nun zu mir ins Zimmer tritt Sieg. — Im Kindersp.; loffe (lasst uns) dröm r. (auszählen), wer anfängt (mutt)! Gummb; nu ro ens, wat ek mi (ut)gedacht han! der andere: Ist es im Tierreich, Mineralreich, hier in dem Dorfe, im Hause; es muss ein sichtbarer Gegenstand sein (en Deng r.); Namen r.; en Wort r. Berg, Verbr.; r. man rät, wieviel Klicker in der zugehaltenen Hand des andern sind; bei unebener Zahl erhält man die Kl. Emmerich; rodches spille dass. Neuw-Dierd; rodəs Kinder stellen sich in einen Kreis um einen Ball; ein Kind, der Vizekönig, sagt, wer werfen soll; trifft das K. mit dem Ball kein anderes, muss es austreten; die andern spielen auf dieselbe Weise weiter; das K., das zuletzt noch allein übrig ist, ist im folgenden Spiel Vizekönig Bernk-Malborn. Egge rodches ein Nachlaufsp. um vier Ecken; wer an einer Ecke gesehen wird, muss nachlaufen Kreuzn; statt Halme zu ziehen, rojt man mit Münzen, ob Kron of Mönt, ob omp (unpaar) of grad Mörs-Orsoy; einer pufft den andern mit geballter Faust auf den Rücken u. stellt dann einen beliebigen Finger auf der Spitze aufrecht, sprechend: rommelderommele roria, roət ens, we do steht! rät der andere nicht, wird weiter gerommelt u. gesprochen: hätts du den Zeigefinger (o. ä.) geroden, wöərschte nit gerommelt worden Sol-Burschd, mit Var. Verbr.; ebbes herausr. (Verstecktes); rode, r. Eier sode, drei E. sin gebrode; ringele, r., Ros, der hat's im Schoss! Saarbr. — Ein Rätsel r.; en Rötsel r., — rech (falsch) r.; enem jet ze r. (op) gevve Rip, Allg.; en Rojes opgewe Mörs; meist haben die Rätsel formelhaft am Ende: ro, ro, wat es dat! Selfk, Allg.; roə, weə dät net riət, es geck! Heinsb-Waldenr; oder am Anfang: Novvend, Häər Boəhne, ich gef üch jet ze r. usf. Aach, Verbr.; rot äs (einmal) dat, wat käner hat usf. Saarbg-Soest; roə, roə Räətsel, r., r. Dristsel; r., r. Kompotart; r., r., wat es dat? die Kaffeemühle Heinsb. — Eine Ortschaft bei Mörs heisst Rayen, mdl. Rn; kommt mal ein Fremder nach R. u. fragt dort einen Bauer: Wie heisst das hier? erhält er zur Antw. Ron; dieser: Wie, rǫn (raten); dat könnt gei mech doch och säggen; er bekommt wieder zu hören: R.; dieser: Wie, ron, wie kann ek dat marr ron; der Bauer: Dit hier hitt (heisst) Ron. — Abl.: die Roderei, dat Gerods.

 PfWB  ElsWB ab- raten: einem etwas a., 1. wie nhd; de let sech ock nit ofroəne; enem dovan ofr. Kemp, Allg. RA.: Rod mer, awer r. mer net of (ab)! Trier, Allg. — 2. einem durch Erraten eines Rätsels, beim Losen etwas abgewinnen Neuw-Rodenb.  PfWB an -raten: einem etwas a., wie nhd. Allg. RA.: En

[Bd. 7, Sp. 132]
angerode Perd eas zwei Mähder (Mäher) wert Merz-Bergen.aus -raten: 1. absol. auszählen beim Spiel Kref. — 2.a. einen a., eine Person bestimmen, die im Gesellschaftssp. ausgemacht worden ist Gummb-Berghsn. — b. etwas a., ausklügeln; wollt öhr och ens mit mir jet urroəne? Aach-Stdt, Neuss-Stdt; ausknobeln Sol. be -raten: 1. absol. u. sich (mit einem, über etwas) b., nach dem Nhd. RA.: Alles geröd, wie mer beröd Schleid-Hellenth. Op got berot (berate) aufs Geratewohl, nach Augenmass Sieg-ODollend, Gummb-Homburgisch; of e Gotts bero! auf gut Glück Siegld; umbr:ts vielleicht Saarl-Hüttersd. — 2. einen b., nach dem Nhd. wohl üblich; enen got (schlech) b.; wer dat Mädche hirot, es got berode Rip, Allg. ein -raten: einem etwas e., einflüstern, anraten; e hat em dat egeroə Eup.ge -raten: 1. etwas g., anraten; dat will ich der ach (auch) g. Simm-Laub, Sol; dem ös net gott ze g. er ist launenhaft Monsch. — 2. (Part. gərt gegenüber gərrə zu anraten Rhfrk), Saar, Mos bis Zell; h γərt u. γərt n. Ruhr. a. gelingen, glücken, vorwärtskommen, wachsen, gedeihen, von erwünschtem Fortgange sein; dat moss g.; et geröt (dir) net; et woll mer net g.; et wor mer (noch es grad) esu g.; dat Bild es got (schlech) g.; dis Johr sen de Erdäppel mol got g.; de Froch (Getreide) es net got g. (usf.) Rip, Allg.; das is dir im Leib gerod damit hast du Glück gehabt Ottw-Landsw. RA.: Wat geriet, as got Bitb-NWeis. Et wär net got, wann alles geret Sieg-ODollend. Wem noch nöcks verdorve äs, dem äs och noch n. g. ebd. Die g., sen de best Bitb-Geichl. Wann et wahl on got geröt, dann git et van drüzehn Eier vierzehn Köche Neuw-Rheinbreitb. Wenn dem Bauer alles geret, könnt der sech ene gölle Plog mache losse Ahrw-Bodend. Et geröt noch es (einmal), de Kirche blift noch es em Dorpe Gummb-Nümbrecht. Et gerät, sät de Bettdrisser, do hatt he en Lake voll Bo-Godesbg. Dat geriet ens, wann de Karthüser de Ferke scherre niemals Köln-Stadt. Weə zwei Sache op emol deht, dem gerät ken got Bo-Dransd. Ba, ba, dat muss g.; en blenn Sau fend jo och ält heiə on do en Echel Prüm-Mürlenb. De Hahn kriht, et Wedder geriet Bergh-Elsd. Frauenrot on Bukweitensot gerot alle siewe Johr ens, — wenn't gerot, gerot et ower de Mot (Mass) Rees, Dinsl. Wat in den Herfst soll g., dat mot de Julisonn broje Klev. Wess (Weizen) henger Bolle (Schollen) geröt im Volle MülhRh-Holweide. Rent (regnet) et op Margrietendag, dann g. de Nöss schlech Köln, Verbr. Hü sind de decke Bunnen jo gutt g. beim Anblick einer Schwangern gesagt Gummb-Berghsn. Frische Fisch, im Butter gebrot, henne un vore krumm gerot Wend-Frohnhsn. — Auch Menschen g. (got, net got, schlech) körperlich u. geistig, im Charakter Allg.; die twee sind gott tesamen geroən einer ist des andern würdig (in gutem u. schlechtem

[Bd. 7, Sp. 133]
Sinne) Gummb. RA.: En ös g. wie en Zaun om't Haus so treu ist er Trier-Mehring. Pärners Kenner on Möllers Veh g. sele (selten) orer ne; wann se awwer g., dat ger et gores Veh Siegld, Verbr. Statt he es net g. heisst es auch ongeroden hinsichtlich der Entwicklung des Charakters, bes. der Kinder u. junger Leute; ongerod(ner) Jong ungezogen Rip, Allg. — In der WEif dient u. ‘über die Massen’ zur Verstärkung der Adj.; u. schin, reich, gruss usf. — b. glücklicherweise, dann auch zufälligerweise irgend wohin gelangen; net weck (weit) g.; dohin g.; anənen g. handgemein werden; dernevver, drüvver, drop, dren g.; he es vam Bett op et Strüh g.; a jet g. etwas erreichen, erhalten; noch ens an e neu Perd g.; do beste an de Verkihrte g.; us dem Hüs-che g. ausser Fassung g.; en en schlechte Gesellschaft g.; en de Ifer (Woll, Harnisch) g. zornig worden; in Deiwels Kich g.; en den Schluff g. nachlässig werden (OBerg); en Tuck g. in Unordnung (NBerg) Allg.; he es no Kölle g.; de es sengem Vatter nogerode nachgeartet Rip. — c. örtl. treffen beim Werfen, Schiessen, Schlagen; den hat de Nogel op de Kopp g.; ech hun en gerot; du hun se alt geschoss, se hun awer net g.; en zidderige Jäger gerickt och olt es nen Has; wo mer enner en Herd Honn wirft, baupst den, de mer gerəit, die aner halen de Maul; auch ‘antreffen, richtig machen,; den hät et gout g. eine gute Heirat gemacht; ich g. immer e Kader jedes Kätzchen, das ich anschaffe, ist ein Kater; eweil hu mer grad de richtigen g. den Rechten bestimmt; eich g. et dis Johr käs (keinmal) mir gelingt es nie; de Schnädder (Schneider) hot dat Kläd ganz just g. ganz richtig getroffen, angefertigt Saar, Trier, Bitb, Prüm. — d. Abl. in den Wend.: α. dat get kei Geröt (-:-) das gerät nicht Neuw-Rodenb. — β. op Gotts Geroa auf gut Glück Siegld; et as eng Gerot ein Zufall Bitb-Geichl; do sett G(e)rot drin Gedeihen Klev.