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Rheinisches Wörterbuch 
 
schlicken II bis verschlickern (Bd. 7, Sp. 1327 bis 1331)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB  LothWB schlicken II das Wort ist in Bed. 1 Rhfrk, Mosfrk an der Saar, Mos in Trier bis Bernk, Wittl, Bitb, Prüm, WDaun (also WMosfrk), Rip u. Eup, Geilk, Heinsb, u. zwar Rhfrk -ig-, –e-; Mosfrk -eg- [-ø- in Trier-Ld, WBitb; -ę- Prüm-Stdt]; sonst -ek- [-- Sieg-Ägid]; in Bed. 2 -ek- [Berg meist -i-] Siegld, Rip, Berg, Eup, SNfrk, Klevld (im Geb. 1 des Rhfrk, Mosfrk dafür schlicksen, -u-) schw.: 1. etwas schl., schlucken, schlingen; dat Zäppche is noch geschwoll, wenn ich schl. sall, duht's noch arg weh Rhfrk, Allg.; de schleck alles ganz eraf Rip, Allg.; der schleck noch et Glas met eronger Rip, Allg.; den hot de Maul mat erafgeschleckt der Schweigsame Wittl-GrLittgen; hej schleckt met de Tong isst hörbar Geld; den Ärger erof, — heronnerschl. Bitb, Allg. im Geb. 1; sich iwweschl. sich verschlucken Wend. RA.: Do schl. se widder gesagt bei handgreiflichen Lügen Saarbr. A.: Ich hon's em Hals! B.: Schlick's enunner! Saarbr-Sulzb. Der schlickt wie e Wolf schlingt die Speisen in hässlicher

[Bd. 7, Sp. 1328]
Weise, gierig herunter Rhfrk, Trier-Kenn, — en Gans Zell-Sohren. Er kaut wie en Ächert(che) (Eichhörnchen) an schleckt wie e Wolf Rhfrk; he käut wie en Kaning (Kanin) un schleck wie ne W. MülhRh, Saarbg-Nittel. Den isst, als wie wenn en Elefant en Möck schläckt Prüm-Stdt. Pelle muss mer schl., nit käue Köln-Stdt (s. weiter bei Pille). Jö, jö, Peərdche, zo Kölle op dem Mäərtche (Markt) steht e Malder (Malter) Haver, dat sall dat P. lade; do st. e M. Wecke, dat sall dat P. schl., schl., schl.! Kniereiterld. Dür-Stdt, — P., P. no der Möllen; P. drog e Föllen; et F. drog en M. Wecken, dat soll me klei Kendche schl., schl., schl. Schleid-Berk. Wer en Krad (Kröte) schl. wellt, moss se net lang ansehn Dür-Golzh, MüEif. Alle Hölpe (Hülfen) bate (nutzen), sat der Wouf (Wolf), doə schlecket heə en Möck auch das Unscheinbarste kann zur Vollendung eines Werkes beitragen Aach, Heinsb. Hen hat den Angel (Bienenstachel) geschleckt sich einen Schaden zugezogen Prüm, Malm. Den (der sich ganz gerade hält) hot e Blieser (Blasrohr) geschleckt Wittl, Bitb, Prüm. — 2.a. den Schluckser haben, Aufstossen aus dem Magen h., beim Weinen schluchzen; wenn et Kengk arg gekreschen (geweint) hät, muss et derno emmer schl. Sol, Allg. im Geb. 2. RA.: Ek well nit dovan schl. eine unangenehme Sache nicht erwähnen ELbf. — b. nachlassen, schlechter werden; et schleckt met dər Arwət die Arbeit lässt nach, der Verdienst wird geringer Siegld; Freudenbg schlecksə. — Die Schlikkerei; dat Geschlick(s).

ein- schlicken: in sich hineinschlucken WBitb. RA.: Wat mer net aschl. kan, muss mer erausspauzen man soll sich ins Unvermeidliche fügen. Besser e bes (böses) Wort ageschleckt, wie gesot (gesagt); dovan barscht mer net WBitb.ver -schlicken: 1. etwas v., verschlucken Verbr. wie schl. 1. RA.: Wenn ömmes ene Fennek (Pfennig) verschleckt hat, de moss bei N. (einen Geizkragen) gohn, de kann alles eruskriə Monsch-Witzerath. — 2. sich v. a. sich verschlucken u. dadurch in Atemnot kommen ebd. — b. sich leid an einer Speise essen Klev.

schlick Verbr. wie schlicken 2 Schallw.: zur Begleitung u. Nachahmung des Schlickens 2.

Schlick -e-, –i- [-ę- Mettm, Düss, Neuss-Stdt; -ē- Kemp-Boish] Verbr. wie schlicken 2 a Sg. t. m.: Schluckser (Schluckauf), das Aufstossen aus dem Magen, das Schluchzen; ech han den Schl.Wer den Schluckser hat, soll sich die Ohren zuhalten u. dabei einen Schluck Wasser trinken; das Kind soll an Grossvaters Schimmel denken oder nachsinnen, wann es zuletzt einen Sch. gesehen hat; man rät ihm an, einen Segensspr. gegen den Schluckser siebenmal, dreimal in einem Atem so oft, als man Jahre alt ist, zu sprechen: Ek häbb de Schl. sewe Dumme deck! Klev-Cranenbg. Ech han der Schl., ech h. der Schl., ech han alt siəvemol geschleckt! Grevbr-Hochneuk. Ich habb der Heck, ich h. der Schl.; ich h. för veier Penninge Weck! Kemp-Grefr. Du Schl., du Deck, du Dönn, du driffs mich all die Rebben öm! ebd. Ich ha der Heck (Neck Eup, Peps Jül, Erk-Borschemich, Speck Düss-Benr),

[Bd. 7, Sp. 1329]
ich ha der Schl., ich han em sövve Joəhr gehat en han hem noch an engem Stöck! Aach, Eup. Ech han den Schl., ech han den Peck usf. Eup, Aach, Dür, Jül, Geilk, Erk, MGladb, Grevbr, Neuss, Düss, Sol, Mettm, Elbf, Ess. Ich han en Schl., de Hick de Pick! Gummb-Derschlag. Schl. den Pick, den häff ek nich! Mettm-Langenbg. Ech häff en Schl., Schlack, Schluck sewen Johr gehat! Lennep-Haarhsn. Hickeschlick (Schlickkikick, Schlickerikick), ek h. den Schl., der Schl. het mek, ek h. en sewen Johr gehat Elbf, Barm. Ech habb de Schl., de Schl. hät mech, ech habb öm seve J. gehat! Kemp. Ech han der Schl., ech h. der Peck (Meck Geilk-Gangelt, Heck Klevld), ech h. em nu, ech h. em dann, ech geəv em dech, mine leve Jann (Broder J.), — em mine Nobermann (Neəvemann)! SNfrk, Klevld (J., enen alde Mann), — ech han em nu Zint Janne Heinsb-Breberen. Schlick, Schlack, Schluck, bem sewenten Drunk Water besde furt! Barm. Schl., spreng öwern Reck, spr. ö. ale grise (ale Ma (Mann), de der Schl. verdriwe ka! Siegld. Schl., Schl., schick iwer de Rhein; Guguck well net bei mir sein; Schl., Schlack, iwer de Rh., loss dat Schlickse sein! Neuw-Dierd. — RA.: He het de Schl., he es der Motter em Schmanddöppen gewest Gummb-Nümbrecht, — der hät Krut (Obstkraut) geschloəke MGladb. De hät de Schl. en de Küte (Waden), — ene Ben er torkelt, weil er bezecht ist Kref, Kemp.

Schlick-darm Aden-Kaltenborn m.: Speiseröhre des Tieres. Schlick-loch (s. S.) May-Höchstbg, Schleid-Bereschd Üdelhv n.: Schlund, Kehle. Schlick-pick -ekpek  MGladb-Odenk; -kən- Lennep-Windgassen m.: der Schluckser. Schlick-schwarte -ekwā:(r)t Rheinb, Bo f.: verächtl. gieriger Esser, Trinker.

 PfWB  ElsWB  LothWB Schlicke -ik, –e-, –ø-, Pl. -gə(n) Rhfrk, Mosfrk verbr. wie schlicken 1 u. Malm f.: 1. Speiseröhre, Schlund, Kehle, Inneres des Halses bei Mensch u. Tier; en hot en gross (gut) Schl. ist ein guter Trinker; dau hos och dein best Schl. im Hals dass. Allg.; den lo höt ke Schl., den lesst (lässt) et nemmen (nur) lofen dass. Trier-Kenn; ich han (et) an der Schl. ich bin erkältet; ich hon gefror, ich sper et schunn an der Schl. Rhfrk, Allg.; et as mer an (in) der Schl. steche bliewen Bitb, Allg. RA.: Er hot e Schl. wie e Karschdestiel einen langen Hals Ottw-Landsw, — e Kurierstiewel er isst rasch Trier-Conz. En gross Schl. brängt wenig Gleck sie veranlasst zum Saufen Trier-Mehring. He kihrt alles de Schl. erob vertrinkt alles Saarbg, Allg. — 2. übertr. verächtl. a. Rotznase Ottw-Eppelborn. — b. altes Messer ebd.

 PfWB  ElsWB  LothWB Schlicker -ig- Sg. u. Pl. Wend-OReidenb m.: Schlicke.

Schlickert -ikərt, Pl. -tə Aden-Pitschd m.: verächtl. Geizhals.

Schlickes -ekəs, Pl. -əsə m.: verächtl. 1. hastiger, gieriger Esser, Trinker Rheinb-Wald. — 2. unverschämter Mensch, bes. im Fordern Sol.

schlickig -ek- Aach-Würselen Adj.: gierig

[Bd. 7, Sp. 1330]
essend, trinkend, geizig.

Schlicks s. folg.

 PfWB  LothWB schlicksen diese Abl. ist Rhfrk (u. schlucksen), Mosfrk an der Saar in Saarl, NWSaarbg, Hochw, von Mos von Trier bis Kobl, Eif, Westerw, Siegld, Rip (in Jül nur Mersch, Aach-Eschw), Düss-Stdt, Ess, u. zwar Rhfrk -igs-, –e-; sonst -e- [Trier-Stdt u. östl. -ø-], -eksə [in NWSaarbg, Trier, Wittl, Bitb, SPrüm, Daun-Steinborn -a-; NPrüm, Malm -ǫ-; Prüm-Stdt -ę-; kurköln. Neuw -ę-, in Sieg, Waldbr, Altk vielfach --; in Bonn vielfach -ø-] schw.: 1. den Schluckser, Schluckauf haben, Aufstossen aus dem Magen h., schluchzen beim Weinen. RA.: Der schleckst be (wie) e Hohn May-Küttig. — 2. übertr. et schleckst mit der Arbeit geht es nicht mehr so gut wie früher, das Verdienst wird geringer Siegld, Kobl (-ę-; 1 -i-), Koch-Leienkaul (-e-), Goar-Morshsn (-i-), Trier-Clüsserath (-a-); de Kuh schlickst en der Melch gibt weniger Milch Goar-Morshsn (-i-). — Abl.: die Schlickserei, dat Geschlicks.

Schlicks -a- NWSaarbg, Trier-Cordel Heidenbg Schleidw, Wittl-Binsf, Bitb vielfach (sonst -agsərt); -e- Mos von Bernk an, Goar (mosfrk), OEif, Westerw, Rip, Düss-Stdt (sonst im Geb. von schlicksen, Schlickser) Sg. t. m.: 1. der Schluckser, Schluckauf; den Schl. han. — Wenn Kinder den Schl. haben, wächst ihnen et Herz Allg., — werden sie eine Bohne länger u. eine Erbse dicker Koch; man rät ihnen u. a.: gapp (gähne) dreimol övver der Domm (Daumen)! Dür-Pier; dröck ens üvver et Metz (Messer)! Köln-Deutz. Folgende Segenssprüche: Ich han der Schl., ich han der Pecks, ich han en sibbe Johr gehat, un es noch net fort! Jül-Mersch, Rip verbr. Schl., versenk, fall iwer Stihl un Bänk, Schl. v.! Trier-Schleidw. Schl., Schl., höngerröcks, gangk no dem Man, de dich verdrohn (-tragen) kan! Altk-Herdrf. Schl., fahr iwer de Ricks, f. iwer de Rhein, on loss et Schlickse sein! Goar-Boppard, Bernk-Kestert. — 2. übertr. in der Wend.: De hät de Schl. kann auch nicht machen, was er will; er muss sich fügen Neuw-Dattenbg.

 PfWB  ElsWB  LothWB Schlickser(t) -igsər Rhfrk; -igsər(t), –e- Mosfrk in Saarl, Trier, Bernk, Koch-Ernst, Daun, Prüm; -a- Bitb, Wittl, SPrüm; -ǫ- NPrüm Sg. t. m.: Schlicks 1. Schlickser, fahr iwer Rickser, f. i. de Rhein, wo die viele Schl. sein (loss dat Schlickse sein)! Rhfrk. Schleckse, f. weckse, f. v. de Rh., lass dat Kend met dem Schleckse sein! Simm-Rheinböller. — 2. übertr. scherzh. er hat den Schl. ist bezecht Bernk (Hunsr.)

schlicksig -e- Sieg-OLar Adj.: herb schmeckend, von einer Frucht.

Schlicker, schlickerig s. folg.
 
 
schlickern das Wort, mit dem das ablautende schlockern zu vergleichen ist, setzt im Mosfrk im mosfrk. Teil von Goar (n. der Bopparder L.), u. an der uMos in Koch u. Kobl ein, zieht dann geschlossen rrhn. über den Westerw, das Siegld, u. daran anschliessend über den ORand des Berg. in Gummb-Schwarzenbergisch, nfrk. Wippf, Lennep,

[Bd. 7, Sp. 1331]
Barm, Elbf, Mettm-Kronenbg u. dann den Raum n. einschl. Ruhr ganz erfüllend [vereinzelt ausserh., aber nahe des Geb. May-Kruft, Daun-Stdt, Aden-Rodder, Ahrw-NBreisig Sinzig, Sieg-Herchen, uWupp 1870 (RhKlaaf), u. zwar -ik-, –e- (Berg, n. Ruhr bes. -i-) schw.: 1. trans. a. etwas schl., wegschleudern, z. B. Flüssigkeiten, Tropfen von den Händen, Dreck, Kot von den Schuhen, Beinen, von Wagenrädern; mit den Ben schl. um den Schmutz von dem Schuh zu schleudern; dat Blut vam Finger schl.; den schnuddel (Rotz) bisit schl. Gummb, Allg.; die wellen ok den Mist töscher den Klauen dannen schl. verächtl. tanzen Gummb-Berghsn; schlecker mer net den Dreck en't Gesicht Altk-Bachenbg, Allg. — Absol. Spiel der Knaben, die, eine Kette bildend, laufen, der Vorderste bleibt stehen u. schleudert die ganze Kette im Bogen herum; kommt, mer schl.! Ahrw-NBreisig; dem geschnellten Klicker durch einen Ruck Nachdruck verleihen, was verboten ist Siegld-Siegen; de Kuhw schlickert lässt vor dem Kalben Schleim abfliessen Rees-Ringenbg. — b. mit den Schuhen den Kot hinter sich werfen u. so sich beschmutzen; sich mit spritzendem Kot, der auf den Rücken spritzt, beschmutzen; beim Kehren den Kehricht mit dem Besen vorwärtsschieben; du schleckersch jo Westerw, Siegld. — c. met Armen on Ben schl. schlenkern, um sich schleudern Allg. — 2. intrans. a. von lebenden Wesen. α. schlendern, träge gehen, mit Armen u. Beinen dabei um sich schleudern; nicht fest durchtreten; do eromschl., doherschl., geschleckert komme Kobl, Allg.; he schlickerde flüchtig dör de Stroten (Strassen) Ruhr; bes. auch vom Gang der Bezechten Allg.; beim Tanzen sich schön hin- u. herdrehen Koch. — β. (mit »haben«) auf der Eisbahn gleiten Kobl-Moselweis, Merz-Büschf (abseits). — b. mit sachl. Subj. α. der aufgeweichte, lehmige Kot, der vorwärts gefegte Kehricht schleckert spritzt Westerw, Siegld. — β. ein im Gefüge loser Teil schlickert bewegt sich hin u. her Daun-Stdt. — Abl.: die Schlicker(er)ei, dat Geschlick(e), –ks.

ab- schlickern: etwas a., weg, von sich schleudern; et Blut vam Finger a.; den Dreck vam Ben a.; den Ren a. Gummb, Allg.aus -schlickern: den Schuh utschl. Gummb, Allg.be -schlickern: etwas, einen, sich b., mit Schmutz bespritzen Allg. RA.: Er hät de Schess (Schiesse) beschleckert ist bezecht Altk-Bachenbg.ver -schlickern: etwas v. 1. unvorsichtig u. achtlos verstreuen; verschleckeret Kräutchen (Obstkraut) net esu of em Dösch (Tisch)! Westerw. — 2. gegen geringen Preis losschlagen, vergeuden; he hät sei ganz Vermögen verschleckert ebd.; der hot all sei Sach verschlickert un verklickert Kreuzn-Boos (abseits, nur in dieser Wend.).