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Rheinisches Wörterbuch 
 
schlaudern bis Schlauderes (Bd. 7, Sp. 1263 bis 1268)
 
  PfWB  LothWB schlaudern (s. Schlader) das Wort, in der Bed. oft unterschieden, ist Rhfrk u. Mosfrk lrhn. bis einschl. Prüm, Daun, Aden, rrhn. im Westerw bis zur Diphthongierungsl. mit Ausnahme von kurköln. Neuw; Siegld -ūr- [n. dieser Geb. -ud-, –o-, –ūərə; auch Saarbg, Trier, Bitb, Prüm haben neben -oud- noch -ūd- in besonderer Bed.], u. zwar Rhfrk -aurərə, –ǫu-; Mosfrk -ǫud-, –ǫ·u.-, –ou-, –au- (Westerw) [-ǫur- in Koch vielfach, Altk-Wissen, Neuw (ONeuw -aul-)] schw.: 1. intrans. a. langsam gehen, nachlässig schlendern, unter Hin- u. Herbewegung der Arme, die Beine nach auswärts werfen (so auch von der Gangart der Kuh), torkeln, vom Betrunkenen; doherschl. (heran)geschlaudert kommen; der schlaudert iwerall erum; kuck emol, wie de Kerl met den Armen schlaudert, wenn en dorch et Dorf gäht; auch mit sachl. Subj. de Perpendikel (Pendel) schlaudert vun äner Seit of die anner; die nicht fest sitzenden Räder des Wagens schl. Allg. — b. Ähren nachlesen gehen Goar-Hirzenach. — c. durcheinanderreden Birkf-Hattgenst. — 2. trans. a. einen Stein schl., schleudern; de Bue hon sich Stän geroff, vor ze schl.; en St. weit schl. Rhfrk, Trier-Stdt, Koch (sonst nach dem Nhd. schlädern »schleudern«); ebbes fort-, wegschl. von sich werfen ebd. — b. einen Stein über eine Wasserfläche hüpfen lassen Saarl-Fremersd, Trier-Kirsch, Bernk-Dhron, Koch-Treis (nach dem Nhd. -eid- Wend-Baumholder, Saarl-Wallerfang, Merz-Mitlosh). — c. einem eine schl., eine Ohrfeige versetzen; eich schlauderen der an Trier-Stdt. — d. etwas (einen) schl. hin- u. herschütteln Bitb-Wiersd; durch unvorsichtiges Tragen eines Gefässes die Flüssigkeit verschütten Trier-Mehring.

[Bd. 7, Sp. 1264]
e. den Honig schl., schleudern ebd., Rhfrk, Saarbg-NLeuken, Trier-Abtei, Zell-Tellig, Koch, Bitb-Irrel, Daun-Strotzbüsch (u. -ęi-) Utzerath (sonst im Geb. nach dem Nhd. -eid-). — f. verschwenderisch sein Bitb-Wiersd. — Abl.: die Schlauder(er)ei; dat Geschlauder(sch) [dat Geschlauder wirr Durcheinanderliegendes, z. B. von Stroh Bernk, Kobl], der Schlauderer.

ver- schlaudern: etwas v., verschleudern; die hon jo ehr Feld verschlaurert Rhfrk, Bitb-Speicher (sonst -eid-).

 PfWB  ElsWB  LothWB Schlauder f., m.: 1. sachl. a. laurər, –rə, Pl. -rərə, –rə f. die Schleuder als Kinderspielzeug Rhfrk; -ǫud- Saarl-Berus (u. -ęid-) Koch, Neuw (sonst -eid-, –:d-); -ǫur- dicker Klicker Altk-Nauroth. — b. -ǫud-, Pl. -ərn f. Armschlinge; de gebrochen Arm en der Schl. drehn (tragen) Saarl-Berus. — c. -oud-, –ǫud-, Pl. -ərn f. Seilanlage, die das Fährschiff hält, dass es nicht abtreibt; ein Seil, über den Fluss gespannt, woran ein anderes S. mittels eines Wirbels vorbeiläuft; an dem zweiten S. hängt die Fähre; de Pont (Fohr) fährt met der Schl. uSaar, Mos. RA.: Wen derlängst left (lebt), kriet et Schwacher (Trier-Schweich) Föhr met der Schl. Trier-Stdt. — d. ebenso, schwingende Seilschaukel Wittl-Gipperath NScheidw OÖffl Platten Wengerohr, Bernk-Commen Kesten Stdt. — e. ebenso Honigschleuder Rhfrk, Trier-Igel Kenn (sonst -eid-). — f. ebenso, Wetzsteinbehälter am Gürtel Wittl-Landschd; s. Wk VII 33. — g. ebenso, Tannenzapfen Koch-Laub. — h. -ǫ·u.d-, Pl. -dərn Ohrfeige; dau kries en Schl. Trier-Stdt. — i. -ǫud- Sg. t. α. f.: unten beschmutzter Rocksaum Merz-Stdt. — β. m.: Sauerampfer, rumex Goar-Dommershsn. — γ. m.: gestampfte Kartoffeln mit Essig, Eəpelschl. Altk-Birken. — δ. f.: Spur von verstreutem Heu, Stroh, Laub Neuw-Datzeroth; et es alles of der Schl. alles vernachlässigt Birkf. — ε. f.: grosser Umweg Trier-Mehring. — ζ. m.: -ǫurər usf. αα. schleppende Gangart, Schlendrian, die gewöhnliche kennzeichnende Gangart, durch die einer sich von andern unterscheidet; lässige Art u. Weise zu gehen u. zu arbeiten; ech han meine Schl. engehalle (eingehalten); de hat sech en komische Schl. angewinnt (angewöhnt); ech kenn en am Schl. (an seinem Schl.); mer muss en en seinem Schl. gihn losse; de kömmt noch emmer en seinem ale Schl. May, Allg.; er es emmer of em ale Schl. in seinem Schlendrian, in seiner Manier; der es of er falscher Schl. auf dem falschen Wege, — er rolicher (rauhlich) Schl. auf Abwegen; Rhfrk, Allg. — ββ. die rechte Art u. Weise etwas zu tun; Lust, Neigung für etwas; hen hat gor ke Schl. zur Orbicht (Arbeit); de Schl. fir ebbes hon; den hot en Schl. drop ein grosses Geschick für eine bestimmte Arbeit Trier, Bitb, Prüm; er is noch uf dem Schl. beharrt bei seiner verrückten Ansicht Saarbr-Völkl; beschde wedder of dem Schl.? wenn einer etwas anders angefangen hat Saarbr-Sulzb; wie beschde dann uf die Schl. komm?; uf wel Schl. kemmt dann das eraus? Wend-Dörrenb; hen os

[Bd. 7, Sp. 1265]

[Bd. 7, Sp. 1267]
immer un seinem ale Schl. beharrt bei seinem gemächlichen Wesen Daun-Tettschd; den hat et am (im) Schl. im Griff Bitb-Wissmannsd; em Schl. sein den richtigen Anfang machen bei irgendeiner Leistung; wenn ech emol em Schl. sein, gaht et bie geschmert May-Hatzenport; ebbes em Schl. hunn vorhaben, um andere zu ärgern Merz-Merch; e mächt alles no seinem Schl. nach seiner Art, Fähigkeit Neuw-Datzeroth. RA.: Et hot alles en Regel, awer et Dungspreden (Mistspreiten) hot e Schl. Bitb-Dudeld. — γγ. f.: der rechte Weg, die rechte Art u. Weise; of der Schl. sin; of de (richtige) Schl. komme; of der Schl. bleive Simm, Saar, Mos, Neuw; ich hon se of e gut Schl. bracht Saarbr-Sulzb. — δδ. f.: er es von der Schl. von der Gewohnheit, vom Thema; nau bal wer ich vom Schl. (m.) komme Goar-Morshsn. — 2. persönl. -ǫud-, Pl. -ərn f., nachlässiges, träges Weib Saarl.

Schlauder-baum (s. S.) uMos von Zell an m.: einer der beiden hohen eisernen Maste, je einer auf beiden Seiten der Mosel, zwischen denen das Fährseil befestigt ist, an dem die Fähre pendelt. Schlauder-bein -bn Zell, Bernk-Dhron n.: beim Gehen nach auswärts geworfenes B., bes. der Kuh. Schlauder-brühe -bre·i. Bernk f.: verächtl. schlechtes, fades Getränk, bes. Kaffee. Schlauder-düppen -debə Wend-Aulenb, Birkf-Eckelhsn, Trier-Braunshsn n.: Wetzsteinbehälter des Mähers, am Gürtel getragen; s. Wk VII 33. Schlauder-erdäpfel -ǫurərrbəl Altk-Wissen Pl. t.: gestowte Kartoffeln. PfWB Schlauder-fass Verbr. nach Wk. VII 33 im Rhfrk, Mosfrk in Saarl-Überherrn, Hochw, Trier-Euren Mehring, Bitb-Seimerich Stdt, Wittl-Binsf, Bernk-Lieser, Zell-Briedel Enkirch, Koch, Kobl [-aid- Saarbr-Wehrden, Wend vielfach, Meis-Stdt, Kreuzn-Breitenh; -airər- Wend-Wiesw, Meis-Abtw Staudernh; das ganze Geb. durchsetzt mit Schlotter-, Schlodder-] n.: Wetzsteinbehälter des Mähers, im Gürtel getragen. RA.: En as so diər (dürr, mager), mer kinnt en an (in) e Schl. dohn Bitb-Seimerich. Schlauder-gang Bernk-Dhron m.: e Schl. hun die Beine nach auswärts werfen, bes. von der Kuh. Schlauder-hächse -hē:s Bernk-Gräfendhron f.: verächtl. Kuh, die beim Gehen die Beine nach auswärts wirft. Schlauder-horn (s. S.) Wend-Berglangenb Freisen Leitzw Oberk Reichenb (überall neben -fass), Birkf-Dienstw Hattgenst Kronw Leisel Nohen n.: — fass; s. Wk. VII 33. Schlauder-jan -jā:n May-MüMaif m.: verächtl. saumseliger Mensch. Schlauder-kump Saarbr, Ottw-Fürth Lautenb, Wend-Dörrenb Furchw NLinxw Steinb Urexw Werschw m.: -fass. Schlauder-männchen May-Polch n.: eine Sagengestalt, Schreckgespenst für die Kinder. Schlauder-maschine -in Wittl-Meerf (sonst -ęid-) f.: Honigschleuder mit Handbetrieb. Schlauder-milch Merz-Bergen f.: Buttermilch. Schlauder-mus -mō:s Altk-Wissen n.: Weisskohl, mit Stampfkartoffeln gemischt. Schlauder-nickel -ø- Saarbg-Schoden m.: verächtl. Kuh, die die Beine nach auswärts wirft. Schlauder-niles -ī- Wittl-Heidw m.: verächtl. Mensch mit bummeligem Gang. Schlauder-ponte -pont Mos f.: Fähre, an einem Seile pendelnd. Schlauder-seil (s. S.) n.: 1. S., an dem

[Bd. 7, Sp. 1268]
die Fähre pendelt. — 2. Hilfs- oder Sicherheitsseil im Bremsberg Saargeb. Schlauder-tasche -t Merz-Saarhölzb f.: verächtl. Frau, die sich beim Gehen durch den Morast den Rock sehr beschmutzt. Schlauder-wasser -ās- Merz, Saarbg, Trier n.: verächtl. schlechtes, fades Getränk, bes. dünner Kaffee. Schlauder-wurf Trier-Beuren, Wittl-Binsf, Bernk-Berglicht Merschd, Simm-Schlierschd m.: besondere Art des Sensenbaumes, im Gegens. zum Spitzw.

Schlauderes -dərəs, Pl. -əsən Bitb-Dudeld Bickend m.: verächtl. e dire, lange Schl. magerer Mensch mit langen Beinen, der beim Gehen schwankt.