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Rheinisches Wörterbuch 
 
schlabben II bis Schlabbergat (Bd. 7, Sp. 1159 bis 1161)
 
 schlabben II ein sndfrk. Wort (ndl., nd. s(ch)labben) in Kref, Kemp, Geld, u. zwar -ab-; die Bildung -abərn geht weiter schw.: 1. etwas schl., Flüssigkeiten verschütten; Gras, Heu, Stroh beim Tragen, Fahren verlieren; pass op, dat du nicks schlabbs. RA.: Wo nicks es, do schlabbt och n., sät de Frau, du schott se e Fat (Fass) Erzen (Erbsen) övver de Trapp Kref-Osterath. — 2. sich schl., sich besudeln durch Verschütten von Flüssigem. — Abl.: die Schlabberei, dat Geschlabb(s).

Schläbbchen -ępkə, Pl. -kəs n.: Schlabberlätzchen.

 PfWB  ElsWB  LothWB schlabbern das Wort, nach nd., ndl. s(ch)labben, engl. slabber, ist allg., u. zwar labərə(n) [doch -aw- vielfach oder meist Saargeb., Nahe, Birkf, Simm-Schlierschd, Bernk-Allenb Hellertshsn, Merz-Nunk, Wittl-Manderschd, Zell-Trarb, Koch-Kaifenh Laub, May-Hatzenport (-ā-) Daun-Gerolst, Aden-Weibern, Siegld-Eisern Heisbg; -ab- u. -aw- Elbf, Mettm-Vohwinkel; Geld-Veert (-ā-); –ab- u. -āb- Bitb-NWeis; -āb- Erk-Rath; -av- Jül-Linnich; -ǫb- Heinsb-Dremmen; in Dinsl, Rees, Klev, Mörs-Xanten neben -ab- auch -ob- (s. schlubbern) schw.: 1. trans. u. absol. a. etwas schl., mit Flüssigem, Breiigem unachtsam umgehen, davon einen Teil vergiessen, verschütten; beim Essen verschütten, Tisch u. Tischgerät begiessen, auch Speisen aus dem Munde fliessen lassen; die Kleider dabei besudeln; dat Kend schlabbert; schlabber ävver net; net schl. losse; du häs de Melch (us de Kann) geschlabbert; du häs vill Wasser (us dem Emer) g.; du häs et Esse g.; du moss necks üvversch.; du häs dir et Kled beschlabbert u. du häs dech voll g. — Man schlabbert Heu (vam H.), das nicht sorgfältig gebunden war; ebenso von zu voll geladenem Wagen Rip, Allg. Futter aus der Krippe werfen u. beschmutzen, von der Kuh Monsch. — De Kuhw es an't Schl. der Schleim fliesst vor dem Kalben ab Geld-Veert. — RA.: Kinger (Kinder) un al Lü (Leute) dürwen schl. Gummb-Berghsn. Hej kann niet es Papp ete sonder Schl. Rees. De Engele schl. es regnet bei Sonnenschein Aach-Vicht. Os Hannes schlabbert net sagte eine Frau, deren Manne man eine Serviette anbot, ein geflügeltes Wort, mit dem man eine angebotene S. ablehnt Eusk, Verbr. Ber en Leffel hät, kann met schl.! scherzh. Einladung, mitzuessen Kobl-Kaltenengers. Hei es te domm, för Papp (Brei) te schl. Duisb. Den hät de Düvel geschlabbert er ist ein Taugenichts Schleid-Malzbenden. De es vam Poswagen

[Bd. 7, Sp. 1160]
g. ein armer Kerl Wermelsk. Den hant de Zigeuner von de Kar g. ein armes Kind wurde geboren Düss-Stdt. — b. scherzh. einen schl., im Gedränge verlieren, in einer animierten Gesellschaft zurücklassen; den häbbe we geschlabbert Duisb, Allg.; auch etwas schl., nicht tun; wat mag dem fähle, dat e dise Meddag et Esse schl. well; de Mess schl. die Messe versäumen Köln, Rip. — c. Kleidungsstücke dropschl. abnutzen Jül-Linnich. — d. absol. α. scherzh. trinken Dür-Langerwehe 1890, Aach-Stdt 1836. — β. bluten Geilk-Würm. — γ. lallen, von kleinen Kindern Birkf-NEisenb. — 2. intrans. a. verschüttet werden; dat Wasser (der Emer) schlabbert, — sch. üvver, — herus Rip, Allg.; de Bitt es vull bis zum Iwerschl. Kreuzn, — es geschlawwerd(e) un geschliwwerd(e) voll Saargeb., Nahe, Birkf, Simm, Bernk (Hunsr), Daun-Gerolst. RA.: Wo nicks schlabbert, do ös och nicks MülhRh, Düss, Neuss. Et schlabbert all eso es sind nur schwache, unregelmässige Einkünfte vorhanden Grevbr-Wickr, Verbr. — b. et schlabbert oder der Brei (Deig, et Fett) schl. schwankt hin u. her, von einer nicht festen Masse Saarbr, Saarl, Bernk, Zell, Koch, May-Hatzenport; der Fisch schlabbert, wenn er aufs Trockene kommt Trier-Mettnich. — c. et schlabbert, — es am schl. es regnet u. schneit durcheinander Siegld. — d. langsam, müde, nachlässig gehen, sich eben fortschleppen, wegen Körperschwäche; do kennt e geschlabbert; e schlabbert alt noch doher; e schl. sech alt derdurch durch Kümmerlichkeit u. Krankheiten Bitb, May, Jül-Tetz, Gummb-Osbghsn, Siegld (UWilden -ę-). — Abl.: die Schlabber(er)ei, dat Geschlabber(sch), der Schlabberer, die Schlabbersch(e).

be- schlabbern: 1. etwas, einen, sich b., durch Schlabbern besudeln Allg. RA.: Waröm dreht de Pastur Bäffkes? Domet hei sech niet beschlabbert Meiderich. Do sas (sollst) de dek woll b. darin sollst du dich wohl täuschen, auch abschl. Antw. Gummb-Schwarzenbergisch. Unbeschlabbert! scherzh. unberufen, vorbeugender Ausdr., wenn man etwas lobt Gummb-Stdt. — 2. übertr. sich b., sich betrinken; gestern han mer ous schro beschlabbert Altk-Wissen. ver -schlabbern: etwas v. 1.a. verschütten Allg. — b. Kleidungsstücke v., auftragen, abnutzen Bernk-allenb, Siegld-Salchenb. — c. etwas ohne Absicht verschleppen Siegld. — 2. sich v., sich beschütten u. besudeln Wend.

 PfWB  ElsWB Schlabber -ər, Pl. -ərn, ərə f., m.: 1. verächtl. a. -ab- f. verschütteter Wasserspritzer Saarbg-Wellen (s. -ęb- 1 c), anhängender Schl.streifen Trier-Stdt. — b. -ab- f. ein verdünntes Getränk oder Löffelgericht, etwa sehr schlechter Kaffee, dünne, magere Suppe oder Tunke. — c. -ęb- m. breiiger Strassenschmutz Saarbg-Wellen. — d. -aw- m. kleiner Regenschauer Koch-Kaifenh. — 2. -ab-, –aw- m., gern Demin. -abərχə(n), –awərχə, –ę- (Nfrk -ębərkə) n. a. Geifer-, Seiberlätzchen der Kinder, scherzh. auch Serviette der Erwachsenen u. Bäffchen der evang. Geistlichen Rhfrk, Bernk, Zell, May, Siegld, Eusk, Sieg, MülhRh, Gummb,

[Bd. 7, Sp. 1161]
NBerg, MGladb, Kemp, Kref, Mörs. — b. -ab- ein Stück Tuch, oben an der Schürze befestigt, das die Brust der Frauen bis zum Halse bedeckt (veralt.) uWupp, Kemp-Süchteln. — c. -ab- Klappe der Knabenhose uWupp. — 3. mehr übertr. a. sachl. α. -aw- f. verächtl. Mund; ech hauen der gleich an (eine) of die Sch.! Koch-Laub; -ab-, dät es jet füər de Schl. de Schnüss das ist lecker, bekommt gut Heinsb-Breberen. — β. -ab- f. eine Zugabe von Flüssigem, z. B. von flüssigem Honig Trier-Stdt. — γ. -ab- f. Halblast, Weinfass Kobl. — δ. -ęb- f. verächtl. Zunge Jül-Röding. — b. persönl. verächtl. α. -aw- f. Klatschbase, schlampiges Weib Meis-Meddersh, Saarbr-Sulzb. — β. -ab- f. plumpes Weib Heinsb-Hilfarth. — γ. -ęb- m. Halbnarr Bergh-Glessen.

Schlabber-arsch Sieg-Fussh m.: verächtl. einer, der schlabbert. Schlabber-bäffchen -bęfkə Mettm-Wülfr n.: Geifer-, Seiberlätzchen der Kinder. Schlabber-bart Jül, Mörs m.: verächtl. 1. einer, der verschüttet. — 2. geschwätziger Mensch. Schlabber-bier -ē:r Heinsb-Dremmen n.: verächtl. abgestandenes B. PfWB Schlabber-brühe -brī Saarbr f.: verächtl. fades, dünnes Getränk. Schlabber-buckse (s. S.) Köln, Elbf f.: verächtl. einer, der sich beschlabbert. Schlabber-buttermilch (s. S.) -abərs- Geld-Leuth f.: verächtl. Buttermilchsuppe. RA.: Türe, lüre, Lüttsche, wie rommelt dech dat Bückske (Bauch)! Dat deht die Schl. on dat Eierkückske (-kuchen). Schlabber-dänchen -d:nχə Köln-Stdt; -ə Elbf –n., -dnkə Kref-Stdt; -d:nəs m. Bergh, Jül : verächtl. –lätzchen der Kinder, Vorhemd (s. Laberdan 2b). Schlabber-danes -ā:-  Köln-Stdt m.: verächtl. einer, der sich beschüttet. Schlabber-dares -ā-  Aden-Virnebg m.: verächtl. nachlässig gehender Mensch. Schlabber-dozies -dotsīəs  Koch-Poltersd m.: verächtl. unordentlicher Mensch. Schlabber-dünn  Kobl m.: verächtl. 1. verwässerte Suppe. — 2. willenloser Mensch. Schlabber-düppen -ø- Wippf-Biesf n.: Schneeglöckchen. Schlabber-dutz  Sol 1870 m.: Scherz. Schlabber-fass Kobl-Arzh n.: Köcher, in dem der Mäher den Wetzstein trägt (auch lūdər-). Schlabber-ferken OBerg n.: verächtl. einer, der sich beschlabbert. PfWB schlabber-fett  Saarbr, Wend, Birkf, Kreuzn, Simm Adj.: sehr f., schlotterf. Schlabber-futte -fot Mörs-Friemersh f.: verächtl. einer, der sich beschlabbert. Schlabber-gasse f.: 1. -jas der Streifen verschütteter Speisen von der Schüssel aus bis zum Munde uWupp 1870. — 2. -gās die belebte Dorfstrasse mit ihren Einwohnern, Ortsvierteln Bitb-Mettend. Schlabber-gat Heinsb-Millen n.: im Kinderreim: Ture, lure, Lisske, Schl.; Mäjdje, wat höbbs du dät Hümmeke (Hemd) so nat? Dat höbbe mich de Schelme va Junge gedoəhn, die leite (liessen) mich neit ut pisse goəhn!