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Rheinisches Wörterbuch 
 
pissen II bis Pisshelm (Bd. 6, Sp. 884 bis 888)
 
  PfWB pissen II das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk, Mosfrk pisə(n); Rip pi-, meist pe- [LRip auch pezs-, –eis-, –ē-]; SNfrk -ēs-; Klevld -es-; doch ein Geb. des Rip in Monsch, Aach-Ld, Jül, Dür, Bergh, u. im SNfrk in Eup, Geilk, Heinsb, Erk, MGladb, Grevbr, Neuss, Kref, Kemp, SGeld mit piə, wobei meist pēsə als gröber daneben steht, während -i- als verhüllend gebraucht wird; nur Kref, Kemp, SGeld bevorzugen -i- schw.: 1. Wasser machen, doch im tägl. Gebrauch nur von u. zu Kindern, zaghafter von Frauen, während ein Mann das Wort von sich meidet, da es ihm als kindisch-weibisch vorkommt; im allg. verwenden Erwachsene verhüllende Ausdrücke; wo ihnen dies nicht angebracht erscheint, gebrauchen sie seichen, sicken, seiken, migen (s. d. W.); in RA., meist derber Art, wird p. auch von Männern gebraucht, wie auch in Zs. mit Piss- dies die Zs. mit Seich- vielfach verdrängt hat; p. gohn; huh (nidderig, def) p.; en de Botz (et Hemb) p. usf. — RA.: Eren, en Botteram (Butterbrot), gepischt on dann nom Bett! so ruft die Mutter die Kinder abends spät vom Spiel nach Hause Kref. Gangk hem p.! scher dich heim, zu einem lästigen Kinde Schleid-Hellenth. Kingd, gank

[Bd. 6, Sp. 885]
p., dann früs de nich so (wenn es kalt ist; der sall p. gohn, dat hölpt wärmen) Gummb. Goht p., wo der ühr Ber (Bier) drenkt! Heinsb. Halt, Kutscher, sät de Mad, de Joffer mott p.! Nfrk (o. O.). Pess langsam, dat pess gej lang! Klev. Et kömmt alles wer, sät dem Bur, du pischet he dem Berg op Geld-Leuth. Der (Eingebildete) gäng ach gär mit den grossen Hunnen p., bringt awwer't Bän nit in de Heh Saarl, Mosfrk; wer mit grusse Hong p. geht, moss de Ben huh ophevve Rip. Wenn en Koh piss, hiff de andere der Sterz op Eusk-Lechenich. We pischt on net foərz, däht dem Arschloək te koərz MGladb; wer do piss on löt keine Fuərz, dem es de Pimmel en Zoll ze kuərz Rip (s. weiter bei furzen). Dat is ennen schlechten Hengs, de neit krak, wennt er pisst Heinsb-Millen, Trier-Karths. Bim P. steht mer still: en Mann süht dann luter (immer) för sek raf, en Borg (verschnittenes männl. Schwein) äwwer gradut Gummb-Berghsn. Wenn et Mädche en Jong wiər, küəs et va för p. Eup-Raeren. Weə pess fenger (feiner), ne Jong odder e Mädche? Et M., dat pess op et Höərche Rheinb-Meckenh. Lot den Jong ens p.! der neue Vater soll eine Runde geben Elbf, — et Kend p. Ruhr. Turelure Lis-che us Klappergass, hat dat Kengche dat Hembche esu nass! Hant die schelme Jonge gedoəh, hant dat K. net p. losse goəh Aach-Stdt, Heinsb-Millen (Liske Schlabbergat). Mamma fohrt no Wissen, do muchte der Ewald p., do pisset e in de Täsche, do kom dat ale Tuttelwif un stoppt den E. in de T. Gummb-Bergneustdt. De Engelcher sin am p. bei feinem Staubregen Neuw-Asb. — Einem armen Burschen, der bei einem reichen Mädchen freien gehen will, rät man: Jung, bleif do weg, dat pisst dir ze hih (hoch)! Bitb-Seimerich. Ein hochbeiniges Mädchen, dat pisst hih von owen herof ebd. Wenn en Mädche traue (heiraten) well, dann mott et ene Sten Flosch (Flachs) frenge, en Pongk (Beet) grave on en Perdsspor voll p. könne Kemp-Lobberich. — Gangk on pess op den Bessem! zum Aufgeregten Nfrk, Rip (auch durch, en, övver den B., en ene nüə B.; s. Besen). Den kann schlipen on dreihen (den Schleifstein drehen) tuglick on op de Stein p. dobei der Tausendkünstler Mörs-Neuk. Pisst dau aus dem Loch, eich ho gemänt, et wär en Öchs-chen! zu dem, der seine Meinung ändert Trier-Karths. En et Hemb p. va Wut (Ifer) Allg. Do han ich bal en de Bocks gepisst fir Lache Kobl, Allg. Hä, kiss, k., hät en de Botz gepiss! Spottr. Sieg, MülhRh. Wat sall me saggen, wat sall me duhn, pess me in de Hosen (Strümpfe), löpp (driff) et in de Schuh; pess me dernewen, dann höbben andere Lüt en grot Lewen Mörs. Zinter Klos, pess in den Hos, kack in de Schuhn; ek well et van se Lewe nit wer duhn! Emmerich, Klev. Jong, do haste en der Lapp gepess! da hast du dich vertan MGladb, Erk. Met Mene (meinen) p. de Kenger en't Bett ebd. Wer met Für spellt,

[Bd. 6, Sp. 886]
pisst en't Bett Sol, Allg. Klen Kenger soll mer et iərschte Mol us ene kapotene Wäschkomp wäsche, angersch p. se en't B. Grevbr, Verbr. Jagd gej Pessin'tbett weg, dann kriegt gej Kackin'tbett wer öm entlässt man einen Angestellten um geringer Fehler wegen, dann bekommt man einen andern, der noch viel schlimmere Fehler hat Emmerich. Lot dek nit en de Blotschen (Holzschuhe) p.! dulde keine unberechtigten Eingriffe in deine Angelegenheiten Elbf. Die p. in en Pöttje handeln einträchtig Klev. Die hant von Kengk an in en Külschen gepesst sie halten fest zusammen MülhRh-Immighv, Rip, Mir zwei p. en en Pöhlchen on tratschen et och zesammen us Sieg-Hennef. Wann mer in't Sämehl (Säge-) pisst, git et Fleh Saarl-Berus. Wer ein Gerstenkorn am Augenlid hat, hat en e Karspor gepesst Aach-Verlautenheide. Wenn de Griet en de Nöss piss, werde se ful Rip, Allg. Alle Bettjes bate, sät de Beginn. dor pesste sej in de Rhinn Klevld. Do hät der ene Engel en et Uhr gepess da hast du Glück gehabt Rheinb. Dat es mar in de Moən (Mond) gepesst ein Ding der Unmöglichkeit Geld-Schravelen. Er geht van Luhn no Pötzluhn p. (zwei kleine Dörfer, die ca. 15 Minuten voneinander liegen) er ist ein Umstandskrämer Aach-Eschw. Doə häste ävvel nevve de Bar gepisst! es bei jmd. verdorben Heinsb, Aach, — newer (langes) et Pöttschen gepesst Kref, Mörs-Orsoy, NBerg. De kann em Düstern langes en Pott p. Barm. — Wat me hült, dat huft (braucht) me nit te p. zu dem, der weint Mörs, Allg. (dat Wasser, wat de heilst). Supp Kaffe, da pischte Tiə! MGladb. Men kann got fin (fromm) sin on doch ge Wihwater p. Heinsb. He pesst sin Geld langes de Eckpöste der Trinker Barm. Er meint Eresse (Erbse) te p. der Ungeduldige Neuw-Dattenbg. Bös stell, ek pess dek ok en Bretzel em Schnia (Schnee)! scherzh. Trostwort Barm. Ene Boge p. konne noch jung sein Rip, Allg.; de Jungen p. Bugen, die Alen of de Fiss (Füsse) Trier-Mehring. De kann Löəker en de Erd p. MGladb. — Tiere seichen (sicken, seiken, migen); aber in einigen RA. kommt p. vor: Hong p. on Fraulüt lucken (weinen) grad, wann se wellen Sol. Et gäht ken Hund an den annern p. Trier-Mehring. Wat den Hond met et Lope wennt, dat flüst (verliert) he met et P. Mörs-Xanten. An den pisst käne H. Neuw-Datzeroth. Wenn de irschte H. pisst, dann p. se all Mettm. Wenn de Henne p. unbestimmte Zeitangabe Geld-Hinsbeck. Dau dähs de Heihner p. zu dem, der Unsinn redet Saarbg-Greimerath. De Hihner gehn noch un e p. so einfältig stellt er sich an Trier-Mos. He schwätzt, wie de Sau pisst er spricht bald so, bald so Siegld. Er macht e Gesicht wie e Sau, die in't Wasser pisst Saarl-Hüttersd. Der Überschlaue hirt de Flih p. Daun-Tettschd. De Mücken p. es regnet sehr fein Gummb, Wermelsk, Rees. All de Hölpen baten, sät de Möck, du

[Bd. 6, Sp. 887]
pischet se en de Rhin Geld, Mörs, Kemp, Kref, MGladb, Ruhr, NBerg. Wenn Schöfche am Himmel stihn, fange se an ze p. gibt es Regen May; Schöfcher p. Schleid-Hellenth. Owendsschöfcher hät mer ger, Morgenssch. p. ger Prüm-Schüller. — 2. übertr. a. in der scherzh. Wend.: Do es et widder am p. es regnet wieder Rip, Berg. — b. in der Wend.: Der hät ok dren gepisst sich hineingemischt Gummb. — c. absol. sich aus dem Staube machen Neuw-Heddesd; sich futtp. Aach, Düss, Sieg-Lülsd; sek wegp. NBerg; sech derdürchp. OBerg; sich derlansp. sich an einer Arbeit vorbeidrücken Dür. — Abl.: die Pisserei, dat Gepiss.

ab- pissen: etwas a., seichend von sich geben; den hät en gel Breiht (Brühe) obgepisst Merz-Saarhölzb (selten).an -pissen: 1. etwas (einen) a., dagegen p. Allg. — 2. sich bei einem a., sich einschmeicheln Gummb-Berghsn. auf -pissen: nach oben p., in der Wend.: Den Berg opp. Nfrk. RA.: Et kömmt alles wer, sät dem Bur, da pischet he dem Berg op Geld-Leuth.aus -pissen: 1.a. das Getrunkene a., wieder durch P. von sich geben Allg. RA.: Wat he utgringk (ausweint), bruk he net uttep. Grevbr-Wickr, Rees. — b. einen uspeə ausschimpfen Bergh-Kirchherten. — 2. sich a., zu Ende p. Allg. be -pissen: 1. einen, sich, etwas b., wie nhd. RA.: De Fuchs hot de Traue bepisst wenn die Trauben so reif sind, dass sie schon rötliche Bäckchen haben Goar-Weiler. Zu dem, der müssig da steht, geih, bepiss deim Vatter de Kes (Käse)! Merz. — 2. übertr. de Sake es nu bepisst misslingt Gummb-Berghsn. durch -pissen: 1. das Bettuch, die Windeln d., wie nhd. — 2. sich d., sich aus dem Staube machen Gummb. um -pissen: etwa einen lose steckenden Stock (udgl.) u., dass er umfällt Allg.ver -pissen: 1. in dem Spr.: St Margareth hät de Ness verpisst Neuw. — 2. übertr. sich v., sich aus dem Staube machen, sich ganz unbemerkt von der Arbeit entfernen Siegld, Altk, Gummb-Bielst Nümbrecht, MülhRuhr, Malm-Bütgenb, Eusk-Lechenich.

 PfWB Piss Sg. t.: 1.a. pis, –e-, –ezs, –eis, –ē-, –i m. Menschenharn [Mörs auch Tierjauche; im übrigen kann man auch von Hongks-, Katzen-, Müspiss sprechen]; pisə, –e- f. Berg; pisə f. Altk-Gieleroth, Neuw-Segend; kalden P. Harnverhaltung Klev, Selfk, MGladb, Sol; der Kammerpott steht noch voll P.; et stenk no P. (heute verwendet man Rip, Nfrk P. mehr als Seck, Seik, die man fast ausschliessl. für Tierharn verwendet). RA.: Dat (fade Getränk) schmeckt wie Pisch met Lehm Kemp; was haben wir gekocht Antw.: Lehm met P. Jül-Boslar. Armer Leute Häuser riechen noə full Opnemmer un gebacke P. MGladb-Rheind. Ein, twee, drij, vier, fif, sess, sewen, wo bös dou so lang geblewen? Op de Schwattenberg. Wat häs dou do gedohn? Dück (Tücher) utgewäschen. Wat sot dren? P. on Pupp. On dou bös drut! Abzählr. Mörs-Friemersh.

[Bd. 6, Sp. 888]
Peter Pupp on Anna Pisch, dat send Name, die mott men sech schame, amen! scherzh. Nachahmung des Aufgebotes Heinsb-Dremmen. Wohin gehst du? Antw.: No Karl Pisch, Nommer Loək (Loch) MGladb-Rheind. — b. übertr. α. verächtl. fades Getränk; do häste ävver ene P. opgeschott dünnen Kaffee Allg.; dat ös P. met Lehm Kref, Kemp. — β. kurze Weile Prüm-Mürlenb 1860. — 2.a. pis m. männliches Glied Berg (1 pisə, –e- f.), Mörs (1 pēs). RA.: Kaiser, Könnig, Engelangk het den göulen (golden) P. verbrangkt Sol. De hant se eklich an der P.gekrigt angeführt Düss-NKassel. Wer met nem Schlipersch (Schleifers) P. gemackt es (wessen Vater ein Schl. war), göt auch wiəer nen goden Schliper Sol. Piss-chen steht, P. st.! so schlägt die Hanfmeise Gummb-Berghsn. — b. pis Geschlechtsteil des Mädchens, in der Kinderspr. Trier-Mehring.

Piss-aas -:s Schleid-Marmagen n.: Ameise. Piss-ameise (s. S.) Bitb-Ehlenz, Neuw-Harschb, MülhRh-BGladb, Jül-Stdt, Geld-Stdt Kapellen f.: Ameise (Seich- ist verbr.). Piss-bare -b:r Mosfrk an Mos u. Eif f.: Nachtgeschirr; de B. schwenken reinigen. Piss-bein n.: 1. pēsbein, in der Wend.: Den hät ok en richtig P. O-Bein Mörs-Neuk. — 2. pisbān, im Kinderspr.: Et wor mol e Man, den hies P.; P. hiess en, viele Fürze liess en, anen op den Dösch, de wor frösch; anen op de Schank (Schrank), de wor krank; anen op den Owen, de racht de Klowen (raucht die irdene Stummelpfeife) Trier. Piss-besehner -zī·ə.ndər Heinsb-Höngen m.: Naturheilkundiger, der die Krankheit aus dem Harn erkennen will. Piss-birne (s. S.) Geilk-Brachelen, Sol, Elbf f.: lange, schmale B. Piss-blume (s. S.) f.: 1. Löwenzahn Verbr. nach Wk. IV 13 in Kreuzn, Trier-Stdt, Daun-OBetting, Kobl-Stdt, Düss-Stdt. — 2. Schafgarbe, achillea millef. Kobl-Lützel. — 3. Zaunwinde, convolvulus sepium Düss-Ratingen. Piss-bücks-chen -bøkskə Düss-Stdt; -bøtsχə Köln-Stdt n.: verächtl. altes Kinderhöschen. Piss-deckchen -dękskə Düss-Stdt n.: Wickeltuch des Säuglings. Piss-doktor Allg. m.: verächtl. Naturheilkundiger, der die Krankheit aus dem Harn erkennen will. Piss-dünn -ø- Geld-Nieukerk m.: dat es enen P. ein schmächtiger Mensch. Piss-düppen (s. S.) Simm, Goar, uSaar n.: 1. Nachtgeschirr. — 2. übertr. -debχən Kaulquappe Trier-Karths. Piss-eimer (s. S.) in den Städten m.: Toiletteneimer. RA.: Vermak (Spass) we'n Goldfesch em P. Piss-fass -fat Mörs, Eup n.: Jauchefass. Piss-galopp Kemp-SHubert m.: scherzh., verächtl. magere, wässerige Suppe, dünner Kaffee. Piss-helm Erk-Körrenz m.: Harnröhre.