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Rheinisches Wörterbuch 
 
Picke II bis Pickelstein (Bd. 6, Sp. 808 bis 812)
 
  PfWB Picke II das Wort, ndl. piek, mndl. piec, pîke, mnd. pîk, nhd. Picke entsprechend, ist im ganzen Geb. vertreten; lautl. liegt teilweise picke, teilweise pieke zugrunde, je nach Geb. u. Bed., so dass die einzelnen Abschnitte genauer zu beachten sind; -k, Pl. -gə(n), –kə(n) f.: 1. Geräte. a. pī:k Spiess Malm-Vith; -ē:- Bülling; pī:kə Lanze Sol 1870; vanne pē:kə an von der untersten Stufe an Elbf. — b. pek Stock mit scharfer Spitze, als Jagdgerät zum Erlegen von Dächsen MüEif. — c. pek Stockzwinge, Eisenspitze am Spazierstock Schleid-Sötenich,

[Bd. 6, Sp. 809]
MüEif, Aach-Stdt; -ē:- Malm, Eusk, Rheinb, Köln, Dür, Jül, Monsch, Aach-Ld, Erk-Körrenz, Grevbr, Düss-Stdt; -e·i.- Eup-Stdt. — d. pek kräftiger, kurzer Stock (es sind deren zwei), mit Eisenspitze (-stift) zum Fortbewegen, Abstossen des Schlittens auf der Bahn Saarl-Wadgassen (-i-), Geld, Jül-Linnich, Neuss-Nievenh, Mörs, Klev, Rees-Milling; sonst -ē-: Rip, Geilk, Erk, MGladb, Grevbr, Neuss, Düss, Kref, Kemp, Mörs, Geld-Leutherheide; -ī- Rees-Binnen; -ī·ə.- Mettm; -īə- Köln-Gleuel, Bergh-Kerpen, Geilk-Frelenbg, Heinsb-Birgelen Wassenbg, Kref-Stdt Stratum; pē:k auch jeder eiserne Stift, in Holz eingelassen Rip; pek Schlitten, den man mit P. 1 d fortbewegt Klev-Calcar. — e. pē:k Stab mit Silberspitze oben, Brudermeisterstab, mit dem bei Prozessionen u. Wallfahrten der Anfang zum Beten u. die Abteilung, die beten soll, durch Heben u. Hinweisen bezeichnet wird Kemp, Erk-Wegbg. — f. pek englische Sense (veralt.); Sichte, die in Frankreich u. Belgien gebraucht werden; Bastertsp. eine Abart der engl. Sense (veralt.) Sol. — g. pek Stock mit Eisenhaken, Maddhaken, zum Zurechtlegen des gemähten Getreides, Secht met de P. Mörs, Geld, Klev. — h. pek Spitzhacke Saarbr-Völkl (-i-), Grevbr, MGladb, Neuss, Kref, Kemp, Geld, Mörs, Klev (Cranenbg -ē-), Ess-Heidhsn; bek Erk-Elmpt Körrenz, Grevbr-Capellen, Kemp-Born; -i- Heinsb-Karken. — i. pek Mühlenhammer, zum Schärfen der Steine Prüm-Leidenborn. — k. pē:k Art Picke zum Aufspiessen der Tonklumpen, beim Verladen Sieg-ODollend. — l. pek Kappe auf der Zehe des Hufeisens Bitb-NWeis. — m. pek, P. of Poəhl (Pfahl) spitz oder stumpf (Kopf), im Wettsp. der Mädchen um Stecknadeln Kemp-Süchteln; P., P., Pohl üm en Nol (Nadel) Dür 1880, Kobl-Stdt. P., Pohl, Raventangk (-zahn), gef dem Bur de flake Hangk (Hand), de Fus (Faust). Wat steht? Dümmke! D., D., e gebacke Prümmke (Pflaume), P., Pohl usf. Fingerratesp. Kref. — n. pīək die eiserne Zentralachse des Kettenbaumes des Seidewebstuhles Kref. — o. pek Treppengeländer Geld-Nieukerk Winternam. — p. -ī- Winkel, meist auszementiert, unten in der Spitze des Schiffes Rheinschiff. — 2. übertr. a. sachl. α. pē:k, en al P. verächtl. altes, stumpfes Messer, bes. Taschenmesser Rheinb-Meckenh, Köln-Hücheln, Bergh-Heppend Hüchelhv, Dür-Frauwüllesh, Grevbr-Ökoven. — β. pik verächtl. Seitengewehr der Soldaten MGladb-Rheind. — γ. pē:k grösserer, spitzer Kreisel o. O. — δ. pē:k verkohlter Lampendocht Jül-Fronhv Langend. — ε. pīkə Pl. Fausthandschuhe Heinsb-Horst. — ζ. -i- Aststumpf Gummb-Kotthsn Marienheideη. pek Schnabel, verächtl. Mund (doch s. Beck) Bitb-Dahlem (-ē:-), Bernk, Koch-Weiler. — θ. pek verächtl. grosse Nase Daun-Strohn,

[Bd. 6, Sp. 810]
Schleid-Dahlem, Wippf-Hardt. — ι. pek Kernobstrest eines abgegessenen Apfels (Birne) [ausgestochen Ketsch] Verbr. nach Wk. IV 18 in Neuw, Altk, Sieg, MülhRh, Bo (Rheinorte), Eusk-Antw [in Altk auch --; OSieg, Waldbr-Dattenf Rossel -ǫ-; Neuw-Etschd, Sieg-Fussh Rott -ē:-; Waldbr-Hurst -ī:-]. RA.: Me kann ken P. on kene Krabbe erhale im Weinberg wird alles gestohlen Sieg-ODollend. A.: P. widder weck! An wen? B.: An den! dann wirft A. die P. auf den von B. Bezeichneten Sieg. — κ. pigən Pl. Kletten Saarl-Bisten. — λ. pikə Pl. Quecken, triticum repens Geilk-Beggend; -e- Aach-Haaren Kohlschd; -ē:- Bitb-Kyllbg, Jül-Barmen Bettend Flossd N u. OMerz, Aach-Ld, Geilk-Oidtw; -īə- Aach-Orsb Vaalserquartier, Geilk-Baesw Puffend. — μ. pikə verächtl. Wirtshaus, wo geborgt wird Elbf. — b. persönl. verächtl. α. pek freche Person Aach-Stdt. — β. pē:k geiziges Weib Koch-Cond Stdt. — γ. pē:k streitsüchtiges W., zimperliches W. May-Stdt. — δ. pē:k vorwitziges Kind, das sich an alles heranwagt Köln-Kalk. — ε. nudəlpē:k Kind mit unsauberer Nase Daun-Tettschd. — ζ. pē:k, en al P. alte Kuh Sieg-Fussh.

pick-grade pīkəγrāt Klev-Warbeyen Adj.: kerzengrade; de For (Furche) es p. Pick-gras pīəkə- Aach-Stdt n.: Quecken. Pick-haue pē:khǫ·u. Sieg-Ägid f.: Spitzhacke. Pick-klüppel pē:kəkløpəl Grevbr-Capellen m.: Picke 1 d, beim Schlittenfahren. Pick-pädde pekpęt Mörs-Orsoy f.: Kröte. pick-recht pīkə- Klev Adj.: senkrecht. Pick-schlitten peklīdə (s. S.) May-Kehrig, Düss-Serm, MülhRuhr, Ess-Werden Kettwig; pekə- Ahrw-Dernau m.: Schl., der mit Picken 1 d fortbewegt wird. Pick-sterz pēkstęrt Remschd m.: Bachstelze. Pick-stock m.: 1. Picke 1 d Saarl-Wadgassen. — 2. pē:kə- Massstab zum Ausmessen der Braukessel u. Maischbottiche Köln-Stdt. Pick-stuhl piktūl Geld-Aldekerk; pek- Rees-Milling; pē:k- Düss-Kaiserswerth; pīəkətø·l.ə Kref-Linn Oppum m.: -schlitten.

Pickee  nach dem Schriftd., frz. piquet Sg. t. m.: 1. ein Baumwollstoff mit Muster; P.weste.2. Eisenbahndistanzzeichen zwischen den Weichen Saargeb.

Pickel das Wort ist Rhfrk, Mosfrk u. reicht lrhn. im N. bis Prüm-Steffeln, Malm-Atzerath Vith, Schleid-Kronenbg, Daun-Gerolst, Aden-Liers, Ahrw-Burgsahr Neuenahr, rrhn. bis Sieg-ODollend Honnef Ägid; n. dieser L. noch bekəl in Eup, Aach, Dür-Stdt, Kemp-Süchteln (pe-); übertr. Bed. gehen weiter nach N. (s. Keil-, Peilhaue); die Grundform des Rhfrk u. Mosfrk ist bigəl, –e- [pi-, pe- Saarbr-Stdt, Saarl-Berus Roden, Kobl-Stdt Urmitz, Daun-Gerolst, Prüm-Steffeln Stdt; -ø- Trier-Stdt; dann noch pekəl an Ahr u. in Sieg (s. o.), Pl. -ələ, –əln m. [an der Nahe daneben auch f.]: 1. einzinkige Spitzhake, zum Hacken in felsigem Grunde (an der Mos bes. zum H. im Weinberge

[Bd. 6, Sp. 811]
u. in den Schieferbrüchen Handwerkszeug des Schieferbrechers); wenns de nit de B. nimmst, kries de de Stän nit eraus; de B. spetze Simm, Allg. RA.: He het en Nas bie en P.; sing Frau äs en Zeckel (Ziege) Neuw-Asb. Dem Stolzen u. Dickköpfigen fehlt weirer nicks als mer em stompigen B. Oder (Ader) geloss Bernk-Thalfang. Beim Bohnenratesp. wendet sich der Fragende an die Mitspielenden: Peckel (1 Bohne), Korsch (2 B.), Gref (Mistgabel, 3 B.), Wopen (4 B.); rät nun der Betreffende P. u. hat der Fragende beim Abzählen der Bohnen von 1—4 noch 1 B. dabei, so erhält dieser alle B.; rät er etwa Korsch, so muss er jenem 2 B. hinzugeben Trier-Tarforst. — 2. übertr. a. sachl. α. pē:kəl Picke 1 d Rheinb-Altend, Bo-Dottend Wesseling, MGladb; -e- Bo-Urf Vilich Volmershv, Sieg-Schreck, Bergh-Berrend, Dür-Poll, Grevbr-Jüchen. Mörs-Kapellen, Rees-Stdt; -īə Erk-Matzerath; b{??A}k- Altk-OWamb. — β. pikəl Zahnrest im Munde Mörs-Veen. — γ. pi- Hafergarbe, einzeln aufgestellt Lennep-Lüttringhsn; Gerste u. Hafer, zu drei Garben Lennep-Beyenbg. — δ. pe-, pi- Kernobstrest von einem abgegessenen Apfel (Birne) Verbr. nach Wk. IV 18 in Altk-Seifen Öttershg, Waldbr-Bladersb Hahn Heide Stdt Wies, Gummb-Berkenr Grunewald, Wippf, MülhRh, OSieg; pē:k- Gummb-Grunewald, Sieg-Eckhsn Marienf, MülhRh-Heiligenhs Romaney; bik- Waldbr-Bladersb. — ε. pe- verächtl. lange Nase Neuw-Ohlenbg, Ahrw-Löhnd Sinzig Walporzh, Schleid-Wollenbg (-ē:-); begəl Kobl-Bend, Neuw-Ockenfels Aach-Stdt, Eup, Dür-Birkesd Gürzenich. — ζ. be- Tontabakpfeife Kemp-Süchteln. — η. pe- Sg. t. Sand Eusk-Lommersum. — θ. pigəl, –e-, pikəl, –e-, Pl. -ələ, –əln, Nfrk -əlts, Demin. -əlχən, -əltən, –əltjə Pustel im Gesicht, Hautbläs-chen, kleines Eiterbläs-chen auf der Haut, Hitzpöckchen; et gamze Gesech voll P.ə Verbr. nach dem Nhd. (mdl. Eiss-chen, Pautsch) Saarbr, Kreuzn, Simm, Goar, Saarl, Trier, Bernk, Kobl, ziemlich allg. Rip, Berg, Geilk, Kemp, Geld, Mörs, Klev, Wesel, Ruhr [-øk- Schleid-Wollenbg, Monsch-Witzerath, Kemp-Stdt]. — ι. Gelenkknöchelchen von Schafen u. Ziegen, im Fangsteinsp. der Mädchen benützt; das Klevld u. SNfrk hat dafür begəl, bek-, ndl. bickel (s. Bickel); südl. der Benr.L. lautet das Wort pikəl, -e-, wobei die Gestalt oder der Klang des aufschlagenden Knöchels im Volksbewusstsein sich deutlich an Pickel u. picken anlehnt, u. zwar in Köln, Bergh, Bo, Rheinb, Eusk, Ahrw, Aden-Stdt Leimb, Mülh-Rh, Sieg, Wermelsk, Ess-Schonnebeck [Neuss-Stdt, Köln-Stdt, Bo-Stdt, MülhRh-Selsheide Sieg-Stield, Eusk-Zülp pegəl; Köln-Mengenich, Sieg-Eitorf, MüEif (-i-), Neuw-Kasb Unkel (-ø-) bekəl; Bitb-Roth ganz abseits beg-; Rheinb-Ollh pē:k-; Jül-Roerd bøkəl; Eusk-Commern, Schleid-Gemünd Reschd pø-; Sieg-Altenböding,

[Bd. 6, Sp. 812]
Schleid-Sistig pǫk-; Bo-Wesseling pekəliŋ; Sieg-Alzenb Merten Mühleip pekəlχə; nach diesen Angaben ist das bei Bickel Gebotene zu vervollständigen]; P.ə schnappe.κ. auch für Bickel 2 ‘Klicker’ ist pikəl überliefert in Erk-Golkr (-e), in Lennep-Dahlhsn Honsbg Radevormwald; pīkəl kleiner Kl. Neuss; pikəlkən allerkleinster Kl. Barm, Elbf. — b. persönl. pe-, en rechter P. grober, ungeschlachter Bauer Kobl-Stdt. — Abl.: dat Gepeckel Flitterkram, Tand Prüm-Zendschd.

Pickel-auge (s. S.) Verbr. wie P. 1 n.: 1. Öse in der Spitzhacke, zum Einstecken des Stiels. — 2. Pustel im Gesicht Aden-Antw. Pickel-ball m.: 1. B., beim Fangsteinsp. gebraucht Sieg-NCassel. — 2. be- Spielball der Kinder, früher gewöhnl. aus acht dreieckigen Lederstücken von verschiedener Farbe angefertigt Siegld. pickel-fest bigəlfęst  Goar, Neuw, Altk Adj.: sehr fest, hart, vom Boden; fest verschlossen, von Türen, Fenstern. Pickel-hacke begəlhak Altk f.: Spitzhacke. pickel-hart begəl-  Saarl-Hüttersd Adj.: sehr h. Pickel-haue (s. S.) Meis-Lauschd, Sieg-Ägid f.: Spitzhacke. Pickel-häuer pikəl- Barm m.: Schnellklicker. Pickel-holz pekələnholt Geld-Kevelaer n.: derber Knüttel. Pickel-kaule pekəltskū:l Eusk-Lommersum f.: Sandgrube. Pickel-knochen (s. S.) pikəl- Eusk-Zülp, Barm, Elbf; pekəlknksχə Grevbr-Schaan m. (n.): Gelenkknochen, beim Fangsteinsp. pickel-recht pikəl- Klev-Calcar Adj.: gerade, aufrecht stehend; p. inne Höcht kerzengrade. Pickel-spiel (s. S.) Verbr. wie P. 2 a ι n.: Fangsteinsp. Pickel-stein pekəltēn m.: 1. ganz ausgetrockneter St. Sieg-Fussh. — 2. Gelenkknochen, beim Fangsteinsp. Sieg-Kriegsd.