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Rheinisches Wörterbuch 
 
Pfarre bis Pfarrerstunde (Bd. 6, Sp. 677 bis 679)
 
 Pfarre mdl. ist das Wort nur an der Saar n. einschl. Saarl, in Trier, Bitb, Daun-Strohn, Prüm, Malm u. im Siegld bezeugt, u. zwar Saarl pā:r; sonst WMosfrk (s. o.) p·ə.r; Siegld par u. NOSiegld -ę-; Pl. -rən; sonst ist Mosfrk, Rip, SNfrk das nhd. Wort als fār, Pl. -rə(n) eingelautet; doch empfindet man f. als Eindringling u. gebraucht mehr jəmē:n (Gemeinde); Rhfrk kīərjəgemain (hier aber viele Zs. mit par-) f.: 1. die Pfarre, Pfarrgemeinde; en gruss, klän, gut (schlecht) P.; en Bauerepoər; en Pärchen WMosfrk, Allg. (s. o.); dat (Gerücht) geht dorch de ganze Far Rip, Allg. RA.: Dat Mädche härren gore P. kräge ist als Magd oder Schwiegertochter in ein gutes Haus gekommen Siegld-Dreisb. — 2.a. Prozession; Morksdag (Herrleichemsdag) gäht de P.; de Herrleichemspor; de P. as iwer Land losgangen; de P. kennt last os Haus; de P. as alt last; auch bei einem Leichenzuge gäht de P. mat; mat der P. gohn WMosfrk (s. o.) RA.: De kan ze Hof lädden un och mat der P. gohn er hat genug Leute, um zwei Arbeiten zugleich zu machen, etwa zugleich mähen u. einfahren Bitb-NWeis. — b. sei ginn an (in) äner P. in einer Reihe, im Gänsemarsch Bitb; do kennt de Kettelbacher P. eine schlecht geordnete, viel gekrümmte Reihe (nach den vielen Krümmungen des Kettelbaches); mer ment, de K. P. kiem Bitb-Dudeld; gesagt von einer herankommenden, bes. Prozession spielenden Kinderschar Prüm-Ihren. — c. Menschenhaufen, Zusammenlauf Bitb-Speicher Wiersd.

 PfWB Pfarr-acker par- (Pfarre fehlt) Rhfrk m.: Gemeindeland, zur Besoldung des Pfarrers gehörig. PfWB Pfarr-dorf p·ə.r- Bitb n.: en gruss P. Sitz des Pfarrers, im Gegens. zur Filiale. PfWB Pfarr-garten (s. S.) Rhfrk; p·ə.rgrt Bitb-Mettend m.: G., vom Pfarrer bewirtschaftet. Pfarr-geld par- Simm (bei Rottm.) n.: Kirchensteuer. PfWB Pfarr-haus par- Rhfrk (auch gelegentl. Här-; Wend-Dörrenb daneben es Herr P.); p·ə.r- Trier-Stdt, Bitb-Mettend, sonst Herenhaus, Pastorat (s. d. W.) n.: Wohnung des Pfarrers; Pfarr-häus-chen parhęisχə Birkf-Idar, Meis-Bärenb, Bernk-Andel Lückenbg; parə- Birkf-Algenr n.: Sakristei. PfWB Pfarr-hof noch vereinzelt an der uMos, u. zwar p:rhōf Bernk-Neumag; par(ə)f Zell-Briedel (früher), Kobl-Winning; parb Goar-Weiler m.: nur in der Wend.: En de P. guhn um die Eheschliessung anzumelden, von zwei Verlobten [pfarramtl. Religionsunterricht Kobl-Winning]. PfWB  LothWB Pfarr-kirche (s. S.) fār- Rip f.: nach dem Nhd. RA.: Laufe de Mannder övver Dag de Kapellchere (Wirtshäuser) noə, des

[Bd. 6, Sp. 678]
Ovends könnt jedderenge wörm geər e sing F. (Familie) Aach-Stdt. PfWB Pfarr-land par- Rhfrk n.: das L., zur Besoldung des Pfarrers gehörig. Pfarr-messe (s. S.) fār- Rip; p·ə.r- Trier-Stdt f.: nach dem Nhd., Hochamt. Pfarr-ochse s. Farr-. Pfarr-pastor fā:rpastū·ə.r MüEif m.: Pfarrer. Pfarr-schule p:rū:l Trier-Stdt f.: Volksschule. PfWB  PfWB Pfarr-stelle pardęl Rhfrk f.: wie nhd. PfWB  PfWB Pfarr-stück pardik Rhfrk n.: Acker, zur Besoldung des Pfarrers gehörig. PfWB Pfarr-stuhl par- Simm, Nahe; parə- Birkf-Göttschd Hamb Leisel Wilzenbg, Kreuzn-Gehw, Wend-FohrenLinden Buborn Herrensulzb, Ottw-Berschw Stdt; pardeilχə Kreuzn-Simmernunterdhaun; parədīlχə Wend-Ausw m. (n.): Platz des evang. Pfarrers in der Kirche. PfWB  PfWB Pfarr-stunde pardun Rhfrk; parədon Saargeb. f.: in de P. gehn in den Konfirmandenunterricht. PfWB Pfarr-widdem -rəwidəm Saargeb. n.: Pf.haus u. –garten. PfWB Pfarr-wiese parwīs Rhfrk f.: W., zur Besoldung des Pfarrers gehörig.

Pfarrei fa·r.ę·i., Pl. nach dem Nhd. Rip; paręi Saarbr-Sulzb f.: wie nhd.

pfarren in øgəp·ə.t sein Trier-Stdt; gəpart Saarbr-Sulzb schw.: zu einer Pfarrei gehören; de N.Hof es no N. geparrt!

Pfarrer nur für den evang. Pf. (der kath. Pf. ist der Här, Pastor), u. zwar Rhfrk parə [-rər Ottw-Tholey, Wend-Stdt; Goar-Weiler -rər, Pl. -rə] Sg. u. Pl.; Mosfrk an der Saar, in Trier, Bitb-Speicher, Zell, Koch Prüm-Kopp, Neuw pa·r.nər (soweit in dem durchweg kath. Geb. der evang. Pf. bekannt ist; immer aber im Munde des Kath. etwas ironisch klingend; auch heisst er hier wohl den evang. Här [Altk pę·r.nər; Prüm-Heckhalenf Ihren, Schleid Baasem pa·r.(ə)lər; Schleid-Udenbreth pę·r.lər Sg. u. Pl.]; sonst gilt auch für evang. Pf. Pastor m.: 1. der evang. Pfarrer; er geht bei de P. ist dreizehn Jahre alt u. geht in den Konfirmandenunterricht Rhfrk. RA.: Der kann redde (predige) wie e P. Rhfrk. De P. sat's ach (auch) nor ämol in de Kirch; der mosst ofpasse! zu dem, der etwas nicht recht verstanden hat u. noch mal fragt Birkf. Hannes, duck dich (komm, Spitz), de P. (Herr) stichelt! gesagt, wenn einer anzüglich in seiner Rede wird Kreuzn. De P. kimmt un schleht der en Nal (Nagel) in de Kopp! damit will man den Kindern Furcht vor den Geistlichen beibringen, damit sie sich ehrerbietig benehmen Rhfrk. Wer war das? Antw.: De P. von Sittersch Meis. Der hot's noch besser wie Parresch Katz, die brauch noch kä Meis ze fänge wer nicht zu arbeiten braucht Nahe, Simm. Parre(r)sch Kenn on Mihlersch Kih gerore (geraten) selde orer nie (wenn se g., gir et gut Keh) Rhfrk. Der war dem P. an de Griewe er hat Ausschlag am Munde Rhfrk. — Disteln, Dornen u. Spitzgras, die wachsen brav auf. Do bezahlt ehr eire P. mit aus; do schlah en Dunnerwerrer drin, der Deiwel mag eier P. sin! oder Dort, Rad un Vogelwicke, die sollt ehr nit dem

[Bd. 6, Sp. 679]
P. schicke; der predigt dat Wort Gottes rein; so soll auch eier Korn un Hawer sein! beide Sprüche wurden denen vorgehalten, die schlechte Frucht als Naturalleistung dem Pf. ablieferten oNahe 1840. — Im Kinderld. Eich un dau, Mihlersch Sau, Parre(r)sch Stier sein er sesamme vier! Abzählr. Rhfrk. De P. harr e Sau geschlacht, se hänkt in user Harscht (Kamin); de P. hat bei der Magd geschlof, dat wäss mei Vatter ach (auch)! Saarbr-Heusw. Zwei Mädcher gehn Wasser hole, zwei Buə duhn en pumpe; da guckt de P. zum Fenster eraus un sat: gun Dag, der Lumpe! Hunsr. — 2. übertr. ludderische P. Beerenwanze Kreuzn-Hergenf.

Pfarrer-haus, pfarrerstuhl, Pfarrerstunde s. bei Pfarr-; dazu