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Rheinisches Wörterbuch 
 
nähen II bis Nähgeschirr (Bd. 6, Sp. 59 bis 61)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB nähen II das Wort ist allg. (s. auch büssen), u. zwar Rhfrk nə, nēə [vereinzelt njə]; mosfrk. Saar, OMosfrk n·ə.(n) [n. einschl. Altk-NIrsen Birkenbeul Unterschützen Seelb Haderschen Roth zur Sieg hin n·ə.rən]; Siegld n(n); WMosfrk an Mos u. n. Mos nī·ə.n [um Trier-Mehring -ē·ə.-; Prüm-Ihren, Malm-Amel nə·i.ən, nī:dən, jəniχt; WBitt nī·ə.n, hn niχt, Part. gəniχt]; LRip zunächst n·ə.(n); dann von Eusk-Zülp über Rheinb, Bonn, Köln, Bergh, Dür, Jül, OAach, Eup -ī·ə.- [Dür-Stdt Langerwehe nī:də]; nw. davon in Aach, Erk nī:nə, –ī·ə.-; RRip in Sieg n:nə; MülhRh, Düss nī·ə.; Sol nī·ə.nən; Berg nən, –·ə.- [Gummb njən; n. u. ö. Ürd-L. u. in Elbf, Ronsd nęiən]; SNfrk zunächst nī·ə., nī·ə.nə, nīən, nī·ə.n (s. Abgrenzung bei bähen) [Erk-Elmpt nī·ə.nə, Prät. nī·ə.nət, Part. γən:t; sonst nī·ə.nə, du nets, he net, Prät. nedə, jənet u. -ę-]; Klevld nęə, --, –ai()- schw.: 1. wie nhd.; op der Hangk, op der Maschin n.; drop-, dröm-, drövver-, zesammenn. fasn.; met langen Stech n.; enen Stech n., Galopp n., owerhandsn.; en Kled (usf.) n. (s. d. W.). RA.: We geschniəden, so genäht Wermelsk; et as eso geschnieden, et muss och eso geneht gön Trier-Mehring. Schlech geniht on got geklopp, help männichem ärme Schnider fort Bergh, Dür, Kemp-Breyell. De hät genäht wie en Koh schlecht u. weit Schleid-Wollenbg, — dat mer en Scheimleffel drän kann hänke Koch-Greimersbg, — do kammer Kochleffel in de Stich h. Simm-Horn. Dat es genäht sebben (Stiche) op en Öll (Elle) Eusk-Dirmerzh; dat es met Nasewasser geniht Köln-Stdt, Sieg, Ahrw, — met Ogewasser Sieg. So fein n. wie et Kördchen (der Faden des Gewebes) Gummb. De niəht möt Eiterstek (Achter-) hat Hintergedanken, man kann ihm nicht trauen Kemp-Grefr. Dat es met de heite (glöhntege) Nold geneihjt flüchtig Klevld, Mörs, MGladb, NBerg, Bernk-Crummenau. Vit (St. Vit) stek wit, nähj sehr (schnell); et ös för enne fremden Her! um den Vitstag bläst der Schneider die Lampe aus Mörs. Hei mott sinnen Noht (Naht) n. seinen Willen durchsetzen Mörs-Neuk; de nähjt s. N. lässt sich nicht stören, geht seinen Gang weiter Geld-Nieukerk. Grof Säck niht mer nit met Sick (Seide) Köln-Stdt, Sieg, Mörs-Rheinbg.

[Bd. 6, Sp. 60]
Owes sall de Kater genähjt warde abends wird der Faule fleissig Mörs-Wallach. Dubbel (zweimol) geniht hält besser (got) Neuss, Allg., mit der Forts. sät der Schnider, du nädden er de Bockseteisch och va buten tu Heinsb. Jann un Griet anəneingeniht von einem Liebespaar, das stark freit Köln-Widdersd. Weə sich jet niəhnt a je Lif, weərd ze Leəve net rich Oberflächlichkeit bringt es zu nichts Aach-Stdt. Enen wat in de Kler n. einem aus Rache etwas vergelten Geld-Nieukerk. — Volksgl. Wer Karfreitag näht, neiht de Schope (Schafen) den Aechterste tou (zu) Ess. — 2. übertr. a. ein Weib n., geschlechtl. brauchen Rip, Nfrk. — b. einen n., gehörig prügeln; ich hon denne emol grindlich genäht; wann ich denne krien, der gebt genäht, awwer nit ohne Nähz (Zwirn)! Saarbr, Wend, Ottw, Saarl. — c. sich an etwas n., sich ausgiebig an Speise u. Trank befriedigen; do kannschte dich n. dron Birkf, Wend-Dörrenb, Saarbr-Sulzb Heusw, Ottw, Saarl-Diefflen Trier-Mettnich. — d. e Dreigenähter verächtl. ein Faulpelz Kreuzn-Pferdsf, dummer Kerl Simm-Dickenschd. — Abl.: die Näherei, dat Genäh(s).

 PfWB an- nähen: etwas a., wie nhd. RA.: Dat näən mer on! gegen Aufschneiderei Trier. PfWB auf -nähen: 1.a. eine Verzierung, ein Band, ein Stück Tuch a., auf ein Kleidungsstück a. Allg. — b. ein Kleidungsstück a., durch Einnähen eines Saumes kürzer machen; du moss mer de Rock e bess-chen opn., he ös mer ze lang Rip, Allg. — 2. sich die Finger a., wund n. Allg. aus -nähen: 1. de Nähnersch geht usn. Näharbeit draussen verrichten Rip. — 2. übertr. ytnə fortlaufen, auskratzen; mor (aber) hej nähjde gau (schnell) sin Vatter ut Klev, Emmerich. be -nähen: etwas b., wie nhd.durch -nähen: 1. de ganze Nach d.  noch die Nacht zum Nähen zu Hilfe nehmen Allg. — 2. übertr. der es durchniht; de Kerl, dat es ene Durchniehte  ein schlauer, mit allen Kniffen vertrauter Mensch Bergh, Grevbr, MGladb-Rheind.  PfWB ein -nähen: 1. etwas in ein Kleidungsstück n., z. B. Fischbein, Geld Allg. — 2. ein Kleidungsstück e., beim Nähen eine Seite einziehen, so dass die andere länger wird, en Kled am Röcke (en der Talje) e. Rip, Allg. um -nähen: 1. den Saum, das Kleid u., umschlagen u. nähen (). — 2. etwas u. () rings herum n. Allg. ver -nähen: 1.a. Garn, Tuch udgl. v., verbrauchen beim Nähen. — b. etwas v., zunähen; e Loch v.; de Witz (Widder) werd vernäht mit einem Tuch, dass er nicht begatten kann Rhfrk, uMos; de Lamer ge bərnäht Bitb-Dudeld. — c. ein Kleidungsstück mit Band v., Band drannähen Rhfrk. — 2. übertr. einen v., gehörig prügeln Wend, Ottw, Saarbr.  PfWB zu -nähen: 1. etwas z., wie nhd. Allg. RA.: Verdammb on zogenäht! Fluch Bo. — 2. übertr. en (dubbelt) Tougeneihten verächtl. unzugänglicher Mensch Ess.

[Bd. 6, Sp. 61]

Näh nī:n Aach-Stdt 1830 Sg. t. m.: das nötige Nähen; der N. es en der beiste Ordnong.

Näh- in der Zs., wie –faden, –garn, –mädchen, –mamsell, –maschine, –schublade, –schule, –seide, –tisch, –zeug, –zwirn wie nhd. [im Geb. von nī:nə usf. wird -n meist aufgegeben; in Aach-Alsd nī·ə.n-, aber nur nī·ə.kęsχə; Erk-Elmpt nī·ə.nə, aber nī·ə.γārən usf. u. ganz anders nęna·l. Nähnadel]; dazu: Näh-arbeit (s. S.) Rip, Nfrk f., m.: das Nähen, das zu erledigende Pensum beim Nähen. PfWB Näh-büchse -begs, –i- Saarbr-Sulzb, Simm-Laub f.: verächtl. Näherin. Näh-büsse -bī:ts Trier-Schleidw f.: verächtl. dass. Näh-dingen -e- Erk-Elmpt n.: -zeug. Näh-dös-chen Düss n.: verächtl. –mädchen. Näh-duselchen Saarbr-Völkl n.: dass. Näh-falte opn:sfā:l Sol-Burschd f.: F. zur Verkürzung eines Kleides. Näh-fimmelchen Duisb, Ess n.: verächtl. –mädchen. Näh-flitsch-chen Köln, Jül, n.: dass. Näh-flutsche -flut, –flytχə, –kən Köln, Elbf f., n.: dass. Näh-fübbelchen Köln n.: dass. Näh-fuddel Köln, Aach f.: dass. Näh-fummel Düss, Ess f.: dass. Näh-geschirr (s. S.) Allg. n.: -zeug.