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Rheinisches Wörterbuch 
 
Nujem bis Nülle (Bd. 6, Sp. 272 bis 274)
 
  PfWB Nujem nujəm Rhfrk in Saarbr, Wend, Meis Sg. t. m.: Arbeit u. Last, Ärger, bes. mit kleinen Kindern; mer hot sei N. met de Kinn. — Änem ei N. anduhn Ärger bereiten, einen bösen Schabernak spielen; das hor uns der Ekel norz wierer zum N. gedohn Meis-Meddersh.
 
 
Nulatsch nūlat , Pl. -tə Saarbr-Heusw m.: verächtl. nachlässiger Mensch. S. Lulatsch.
 
 
Nülbes ni·l.wəs, –ø- OMosfrk in Kobl Sg. t. m.: verächtl. Kopf(wirbel). S. Nülle.
 
 
nulen -ūl- Klevld in Dinsl schw.: einnicken, ein Mittagsschläfchen halten (westf. nounen zu lat. nona; s. None).
 
 
nülen -ȳəl- Erk-Anhv, Kemp-UWeiden schw.: langweilig erzählen. S. nölen. — Abl.: die Nüəlerei, dat Genüəl(s), der Nüəler.

Nüles I nȳələs, Pl. -əsə ebd. m.: verächtl. einer, der nült.

Nüles II -ȳ- = Krug s. Äules bei Aule.
 
 
Nüles III -ȳl-, Pl. -əsə vereinzelt LRip in Bo-Volmershv m.: eine kleine kesselartige Vertiefung in einer grösseren tieferen.

Nül-haupt = Netzmagen s. Neun-; Nüling -ȳ-, –- = Spatz. S. Lüning; Nüll I s. Nülle.
 
 
Nüll II nøl, Pl. -lə Nfrk in Klev-Grieth, Erk-Granterath m.: Kater.

[Bd. 6, Sp. 273]

 
 Nüll III nøl, Pl. -·l.ə Eup m.: Lerche. Wenn et Fröuhjoəhr kömmt, en der N. opgeiht.

Null I = Schnuller s. Nulle.
 
 
 PfWB  ElsWB Null II Allg., u. zwar nul [LRip, SNfrk, Siegld, Homburgisch, Sol auch -o-; Eup, Selfk nolə], Pl. -lə(n), –·l.ə(n); Demin. nilχə(n), –y-, –ø-; nyl(ə)kə, nyltjə f.: 1. wie nhd.; N.ə(n) mache (mole, schrive); mach dar noch en N. henger, etwa mach us der zwölf en hondertzwanzig Rip, Allg. RA.: N.ə maken scherzh. hohe Rechnungen schreiben, Wind machen, aufschneiden Erk-Elmpt. Hen ös de N. fir der Ziffer er hat nichts zu sagen Trier-Stdt; he gelt net meh wie de N. für der Zahl Gummb-Nümbrecht. Dat geht N. vor N. uf Rechnung u. Gegenrechnung heben sich gerade auf; wer sich grade durchzuschlagen vermag, is froh, wenn N. vun N. ufgeht Rhfrk; N. vu N. gäht op von nichts kann man nichts abziehen Bitb. — Im Kindersp.: N.ən fahren zwischen den auf der Schiefertafel gemalten N. (u. Kreuzchen) hindurch von einer N. zur anderen mit dem Griffel fahren, wobei man an keine N., an keinen Strich u. nicht an den Rand stossen darf Gummb; Nüllchen spille (donn) Köln; Krützken on Nülleken Mörs; N.ən krützen ankreuzen Gummb. — Of Nummer N. gehn zum Abort Rhfrk, Verbr. — Enkel (einzelne) N., dubbel N. beste Mehlsorte Dür-Derichsw, Eup; Nummer N. stärkste Flintenschrotsorte Allg. — (En) N. Komma nicks, en er Tit van N. (stets nhd. Lautung) sofort Allg.; em N. komme May-Polch. Das es N. on necks (neischt Hochw) nichtig, nichts wert Saar; da's N. on nichtig MüEif. — De es (setz) Nummer N. hat nichts zu sagen, keine Achtung; he es en N., — bedöck (bedeutet) en N. MüEif, Verbr. — 2. übertr. a. Nüllche wie eine N. aufgedrehte Haarflechte MülhRh-Immekeppel. — b. en Ein-, Twei-, Drei-Nolls Vorhängeschloss, je nach der Grösse Mettm-Velbertc. Nöllche Radlünse Bergh-Kierd Blerichen. — d. Nüllke Kaule beim Klickersp.; N. werpe Geilk-Übch. — e. N. (u. N. uwär) spille im Skat, nach dem Nhd. Allg.

Null-brot Wermelsk n.: Br. aus bestem, zweimal gemahlenem Mehl. Null-punkt m.: nach dem Nhd., bes. beim Thermometer u. Pegel. Null-spant Rheinschiff m.: grösste Querrippe des Schiffes.

nullen schw.: in den Wend.: 1. sin Aler (Geburtstag) nullt sek er wird 20, 30 usf. Jahre alt Gummb, Allg.; eich hon fi fmol (usf.) genullt bin fünfzig Jahre alt Rhfrk, Bitb. — 2. enkel, dubbel genullt vom Mehl, je nach der Ausmahlung Eup. — 3. dat nollt sech das summt sich zusammen Siegld.

be- nullen: etwas b., machen, dass der Erfolg einer Handlung gleich Null wird Saarbg-Wellen.

nullessen no·l.əsə Sieg-Fussh schw.: das Kartensp. Nullo spielen.
 
 
Nulle (vgl. Nülle) nul, –o-, Pl. -lə f. Verbr.

[Bd. 6, Sp. 274]
nach Wk. VI 12 Rhfrk an der Nahe, Saarbr; sonst vereinzelt ny·l. Dür-Nideggen; nu·l., –·l.a f. u. nø·l.əkə, Pl. -kəs n. Düss-Stdt; nula Mörs-Wallach; nu·l. f. Aach-Eilend; nyləkən n. Ess: 1. Saugpfropfen des Säuglings [u. Nölleke Trinkgefäss für Kinder, die von der Brust u. der Saugflasche entwöhnt u. zum Trinken aus Tassen angeleitet werden sollen Düss-Stdt]. — 2. übertr. a. nu·l., meist Pl. -·l.ə Radnägel Saarl-Pachten, Trier-Mettnich. — b. nø·l. scherzh. Tabakpfeife Grevbr-Gierath. — Das Zeitw. ist verbreiteter.

 PfWB  ElsWB nullen, nüllen schw.: 1. -ol- am Saugpfropfen saugen, bes. an den Fingern lutschen Saarl-Stdt Wadgassen, Saarbr, Ottw, Nahe [-u- Saarbr-Malstatt Burb]. — 2. -ø·l.- a. Alkohol trinken (meist aus der Flasche) Sieg-Fussh Ägid, Gummb-Berghsn (-y-), Elbf (-y-), Köln (-ø-), Neuss (-y-), Aach-Stdt (in der Kinderspr.) Herzogenr (-y-) Merkst, Geilk-Baesw (-y-), Heinsb. — b. die Tabakpfeife rauchen Grevbr-Gierath, Eup. — Abl.: die Nollerei (-ö-, –ü-), dat Genoll(s) (-ö-, –ü-), der Noller (-ö-, –ü-).

 PfWB  ElsWB Nuller -o- Sg. u. Pl. Verbr. wie nullen 1 u. Bernk-Rapperath, Kobl-Malendar, May-Cattenes, Altk-Sassenr, Sieg-Dahlhsn, Gummb-Rebbelr [Kreuzn, Saarbr-Emmersw auch nolərt, Pl. -də) m.: Saugpfropfen, Schnuller.

Nulles noləs, Pl. -əsə Kreuzn, Simm-Henau, May-Kell m.: dass.
 
 
Nülle das Wort, ahd. nolle, (h)noll, ags. hnoll ‘Hügel, Kopfwirbel’ entsprechend, vgl. auch Nęlle, ist in Wittl-Meerf, Koch (Mos, Eif) (in einer RA. auch in Zell), Kobl, May als ne·l. [-u- Trier-Conz]; dann als -ø-, –e- in den Rheinorten von Neuw u. in Daun-Bleckhsn Katzwinkel Rockeskyll Strohn; als -ø- Rip in Aden, Schleid, Ahrw, Eusk, Rheinb, Bo, Sieg, MülhRh, Köln, Bergh, Dür, Eup u. vereinzelt im SNfrk in Erk-Baal, MGladb, Kemp-STönis, Mörs-Büderich Rheinbg verbr.; Pl. -·l.ə(n) f.: 1. die Stelle oben auf dem Kopfe, wo sich die Haare nach verschiedenen Seiten legen, Kopfwirbel, Tonsurstelle der kath. Geistlichen, verächtl. Hinterkopf, Kopf; en dubbele N. gilt als Zeichen der Verkehrtheit; de hät ene Kopp met sebbe (7) N.ə einen eckigen Kopf; e hät at de N. geschoəre hat bereits die Tonsur. RA.: Enem de N. krogge (krauten, Unkraut ausreissen) jmd. gründlich vornehmen, mit den Fingerknochen der geballten Faust unsanft über den Kopf fahren, ihm einen Schlag auf den K. geben OSchleid, Eusk, Rheinb, Bo, Köln, Bergh, Dür; de hät (krit) de N. gekrock eine Tonsur Eusk-Zülp, Dür-Disternich. Ech konn dir an de N.; ech holle dech an de N.; ech konn der (hauen dech) op de N.; ech schlohn dech für (öm) de N.! Androhung von Zurechtweisung u. Hieben Rip, Allg.; dem danze se op de N. eröm achten ihn nicht LRip. Den hot enen an (in) der N.

[Bd. 6, Sp. 275]
ist bezecht Wittl-Meerf, Ahrw-Fronr. Hänge (hinten) de Uəhre goəhn se luəre; en de Nacke g. se kacke; op de N.ə g. se brölle? die Kopfläuse Sieg-ODollend, Köln-Brühl, Bergh-OEmbt. — Nellche (-ö-) Schopf des Huhnes May-Kehrig, Aden-Borler. — 2. verächtl. a. unförmliche Nase May-Wassenach, Eusk-Lessenich, Bo, Sieg-Mülld Troisd, Köln, MülhRh-Bensbg, Eup, MGladb. RA.: De N. (rote Trinkernase) es agepepe (-pfiffen) Eup. — b. weibl. Scham Rheinb-Buschhv.