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Rheinisches Wörterbuch 
 
quackeln bis zerquacken (Bd. 6, Sp. 1262 bis 1264)
 
 quackeln das Wort zu quacken III, aber von quabbeln beeinflusst, -ag- (mosfrk.), sonst Rip, Nfrk (s. u.) -ak-, meist aber -ag-, ist lrhn. zunächst an der Mos (Trier-Stdt Welschbillig Mehring), Kobl, May-Polch heimisch, steigt dann am WRande über Bitb, WDaun, Prüm hinab u. ist dann n. einschl. Schleid, Ahrw bis einschl. Heinsb, Erk, Kemp, Mörs allg.; rrhn. n. einschl. Siegld, Altk (Sieg), berg. Süd-Grenze allg., in der Bed. freilich je nach Geb. wechselnd schw.: 1. sich hin- u. herbewegen, u. zwar a. hin- u. herschwanken, von quabbeliger Masse (Fett, Gallerte), von losem Gegenstand; et quaggelt alles an em; he is esu fett, dat he qu. Heinsb, NWErk, Kemp Mörs-Rheinbg. — b. beim Pflügen nur teilweise wenden Dür-Pier. — c. auf kurzen, schiefen Beinen langsam herankommen, bes. von dicken Menschen, Kindern; sich (sieh) es, wat e (heran)gequaggelt küt Sieg, Schleid. — d. -ā- nachbrodeln, von Hülsenfrüchten, die, nachdem sie gar gekocht sind, auf die Seite des Herdes gesetzt werden, damit sie breiig werden Trier-Mehring. — e. schnell, flüchtig, unleserlich schreiben; sinnloses Zeug schreiben u. zeichnen; mit dem Griffel auf der Tafel hin- u. herfahren, wie die Kinder es tun Berg, MülhRh, Ruhr. — f. unbeständig, unstät. unschlüssig, unzuverlässig sein, zögern, hinhalten, nicht voranmachen, vor Überlegen nicht fertig werden; sich in seinem Geschäft nicht helfen können, da man es schlecht versteht u. mangelhaft besorgt; beim Kaufen u. Verkaufen knausern Kobl, Neuw-Dierd, Siegld, Altk (Sieg) Bitb, Prüm, Rip, Eup, MGladb, Grevbr, Neuss, Heinsb, Kemp (auch -ǫg-), Mörs, Rees, Sol, Mettm, dies auch abseits Birkf [Rheinb-GrBüllesh -ag- u. -ęg-]; der quaggelt sich jet zerech arbeitet ohne Sinn u. Verstand, auch er redet dummes Zeug; auch das Wetter quaggelt ist veränderlich, es friert bald u. taut bald, bald Regen, bald Sonnenschein Verbr. wie oben, aber nicht in dem mosfrk. Geb.; qu.ə Sommer unbeständiger, vielfach feuchter S. Mörs (hier auch -ę-). — 2. mehr übertr. a. (zu 1 f) sich mit Mühe, armselig durchbringen; mer hot ze qu. Trier-Welschbillig, Verbr. wie 1 f; haggele on qu. Schleid-Hellenth; der Nachkömmling es so henneno gequackelt komm Merz-Bardenb (abseits). — b. bald krank, bald gesund sein; kränkeln; hinfällig sein, von alten Leuten; de quaggelt vill;

[Bd. 6, Sp. 1263]
et Könd hält sech om qu.; he quaggelt su herim Saarbg, Trier-Stdt, Rip [-ā- Eusk-Zülp], Sol, Grevbr, Eup, Mörs, Dinsl. — c. unzufrieden nörgeln, kritteln, eine Sache immer u. i. im Werte heruntersetzen Sieg-Fussh Ägid, Aach, Heinsb. — d. bei einem Unternehmen, bes. Handeln um Vieh, immer neue Schwierigkeiten in den Weg legen, Ausstellungen machen, allerlei Einwendungen über Wert u. Preis der Ware m. u. nicht einig werden können, genau handeln, feilschen u. sich dabei zanken [Streitigkeiten, Prozesse nicht scheuen Prüm-Mürlenb 1860]; er moss (am Preis, Luhn) emmer ebbes qu. Kobl, May-Polch, Bitb, WDaun, Prüm, Schleid, Ahrw, uWupp 1870, Sieg-ODollend. — e. andauernd weinen, von Kindern Kobl-Kapellen. — f. -ęg- andauernd sprechen, bes. von kleinen Kindern Kemp-Grefr Stdt. — Abl.: die Quaggel(er)ei [auch Kleinigkeit, Tändelei, die man heute kauft u. morgen wegwirft Rip], dat Gequaggel(s), der Quaggeler (-ä-).

ab- quackeln: einem etwas a., abfeilschen Verbr. wie qu. 2 d u. Goar, Sieg.an -quackeln: kränkeln Mörs.be -quackeln: einen b., betrügen Sieg-Fussh.durch -quackeln: sich d., nach langer Krankheit wieder genesen Ahrw-Sinzig.ver -quackeln: 1. einen Gegenstand v. a. verschleppen Sieg-Fussh. — b. unnütz verderben, z. B. Papier schlecht beschreiben Sol, Kemp-Süchteln. — c.Geld u. Gut verschwenden Dür, Aach, Eup. — d. verquaggəlt Part. nicht voll ausgewachsen, ausgereift, zu klein geblieben, verkrüppelt, von Früchten u. Menschen, Tieren; v.ə Froch; v.ə Appel; ene v.ə Kerl Ahrw-Remag; -g- Wittl-Reil. — 2. ein Kind v., verziehen Mörs-Rheinbg.

Quackel m.: 1.a. Sg. t. Streit, Misshelligkeit; ech han Qu. en der Küək (Küche) ehelichen Zwist MGladb. — b. -ak-, Pl. -ələ α. verächtl. schlotternder, nicht gesunder Mensch; schwammiger Gegenstand Schleid-Hellenth. — β. Kotklümpchen, an den Haaren des Stallviehs haftend Heinsb-Effeld. — 2. -ęg- α. Sg. t. Rachitis Eusk-Firmenich. — β. -əl, Pl. -ələ kleiner Plauderer Kemp-Grefr Stdt.

Quackel-arsch Sieg m.: einer der quackelt. Quackel-beck -əlts- Kemp-Grefr m.: ein Schwätzer, der immer dreinredet. Quackel-fett -kələ- uWupp 1870; Wachtel. Quackel-jon -kəljō:n  Barm: scherzh. Quadrillion. Quackel-kram -əltskr:m Köln-Stdt m.: verächtl. Kleinigkeitskrämerei. Quackel-pfeife -əltspīp MGladb-Rheind f.: verächtl. versutterte Tabakpfeife. Quackel-sack -əl- u. -əlts- Allg. m.: einer, der quackelt. — Im Wiegenld.: De Weg (Wiege), die gaht jickeljack; schlof, dau klaner Qu! May-Trimbs. Quackel-schuld -ękəlts- Neuss-Dormag; -ęgəl- Sieg-Bergh f.: Plackschulden. Quackel-wetter -əltsw·ə.r Aach, SNfrk (s. o.) [Kemp auch -ǫgəl-] n.: verächtl. unbeständiges, nasses W.

quackelig Adj.: quackelnd, in jeder Bed.,

[Bd. 6, Sp. 1264]
wozu die Verbr. dort nachzusehen ist (u. Saarbg-Wellen); vielfach in der Bed. ‘kränklich’ mit quackelig ‘im Wachstum zurückgeblieben’ bei Quack VI zusammentreffend; also wackelnd, lose; wackelig gehend; kritzelig, unleserig, von der Schrift; unschlüssig, unzuverlässig; veränderlich, nass, vom Wetter (auch Gummb-Berghsn); kränkelnd; nörgelsüchtig; feilschend, scharf handelnd, knauserig. — Dazu: widerlich süss Heinsb-Erpen (s. quabbelig); uneben, holperig, vom Wege Waldbr-Eckenhg, Gummb-Berghsn; schräg, schief, dat al Hus es so qu., dat fällt bal enen (ineinander) (diese beiden Bed. zu quackeln 1 e); quackig dickflüssig (zu qu. 1 a) Düss-Stdt.

Quackert -agət, Pl. -tə Eusk-Lechenich m.: verächtl. kränkl. Mensch.
 
 
Quackelter -akəltər, Pl. -rə, –rs SNfrk in MGladb-Mülfort Odenk m.: Wachtel; vgl. ndl. kwakkel.
 
 
Quäckelter -ęgəltər, Pl. -rn WMosfrk in Saarl-Berus m.: Wachholderstrauch (auch Wäckelter).

quacken I -ǫ- = verdienen s. bei Quack V; quacken II -a- = ein Nest zerstören; -ę- = aufpäppeln s. bei Quack VI.
 
 
quacken III ein lautnachahmendes, auch nd., mnd. verbr. Wort (s. auch quaken) α. von Tieren, β. vom Hinfallen schw.: 1. -a- von Tieren. a. vom Frosch; der Frosch quackt (u. -ā-, –ā:-) Rip, Nfrk. — b. grunzen, vom Schwein Barm. — c. aufschreien, vom Hunde Heinsb-Bocket. — d. übertr. lallen, von den ersten Sprechversuchen der kleinen Kinder Mörs-Xanten. — e. in der Wend.: Wenn de Ende Water siehn, dann quackt öhr et Gat (Loch) ebd. — 2. beim Hinfallen, Gestossenwerden. a. absol. -a- einen quackenden Ton von sich geben; he fiel dohin, dat et quackte; he schmet et hen, dat et so qu.; dat al Hus quackt bal enen (ineinander); he fällt, dat et quackt; ech han en gehaue, dat e gequack hät Schleid, Siegld, Berg, Sieg, MülhRh, Ruhr, Erk; MGladb-Schiefbahn, Kemp, Kref, Geld; -a- Klev; abseits Merz-Rimling. — Wenn et schneit en den Dreck, do früs (friert) et, dat et quäckt Kemp, Kref. — b. trans. -a-, etwas, einen qu., hart, heftig, auf die Erde, gegen etwas werfen; op de Erd (tegen de Mur) qu.; etwas (do)hinqu. ebd. (-ę- s. o.; -a- u. -ę- Klev) u. Siegld; en Frosch för de Welt qu. gegen etwas Mettm-Cronenbg; abseits, etwas herenqu. in einen Behälter pressen Koch-Wirfus. — Abl.: die Quackerei, dat Gequack(s).

aus- quacken: etwas a., zu unrechter Zeit ausschwatzen Allg.ver -quacken: einen v., beim Lehrer (udgl.) antragen Rees-Elten.zer -quacken: 1. immerfort, zur Last anderer qu. Rip. — 2. etwas z., mit Geräusch zerbeissen Prüm-Wetteld (abseits).