Wörterbuchnetz
Rheinisches Wörterbuch 
 
Pütz bis Pützkall (Bd. 6, Sp. 1247 bis 1252)
 
  NRhWB Pütz das Wort ist von Pfütze (pits, pit f. Rhfrk) zu scheiden, da es (m.) zu lat. puteus gehört; es ist im Saargeb. (rhfrk.) u. an der mosfrk. Saar u. an der Mos (südl. bis zur Bopparder L.) u. n. der Mos u. n. einschl. Westerw, Siegld allg. verbr. [Nahe u. Hunsr bis zur kurtrierischen Süd-Grenze haben das Wort nicht, dafür Ziehborn (s. Born), das auch neben pits im Saargeb. gilt; nur Wend im Anschluss an Ottw, Saarbr hat vereinzelt pits m. (im Gegens. zu pits f. ‘Lache’) in Werschw u. petsbrə in Heisterbg u. Saargeb.; wo im Pütz- Geb. auch Born (s. d.) gilt, bedeutet dieser den natürlich fliessenden Quellbrunnen zum direkten Schöpfen; wo Born fehlt, heisst dieser Pötzchen, Sprung; in Röhren ausfliessend Zip], u. zwar Saar, Mosfrk pets [Prüm-Urb, Malm-Aldring -ē-], Pl. -tsə(n) [daneben in Bitb, Prüm, Malm, WSchleid -tsər], Demin. -tsχə(n); Rip pøts [Schleid-Engelgau, Ahrw-Burgsahr bø-], Pl. -tsə, Demin. -tsχə; n. Benr-L. (über Grevbr-Wevelinghv nach MGladb-Schelsen Mülfort Odenk, Neuss-Stdt, Düss-Stdt mit pøts ausbiegend, auch rrhn. in Gummb bis Berghsn) pøt, Pl. -tə(n), Demin. -tχə, –tə, –tjə m. [f. Aden-Kempenich, Neuw-Heddesd, Siegld, Mörs-Neuk]:

[Bd. 6, Sp. 1248]
1. Ziehbrunnen mit tiefem Schacht (6—20 m), bis zum Grundwasser reichend, darüber das P.häus-chen mit Ziehwerk (Haspel) mit Welle (Drilles), die durch den Schwengel oder ein Rad in Bewegung gesetzt, den P.eimer an der P.kette hinunter- u. hinaufwindet (OBerg auch Windel-, Driwp.); man unterscheidet den gebohrde P. von dem gemurde P., dessen Schacht gemauert ist (oft auch ist nur der obere Teil des Schachtes gemauert); der P. ist entweder Gemeinbesitz oder Privatbesitz in der Nähe des Hauses oder gar in der Küche; durch die Einführung der Pumpe, die über dem alten P. errichtet wurde, ist der Bestand der ursprünglichen P.ə schon sehr verringert worden; da, wo Wasserleitung eingeführt ist, ist er beinahe verschwunden; nur in Zeiten der Wassernot im Sommer tritt ein alter P. noch in Tätigkeit, bes. auch dat Pötzche, eine offene Quelle mit Steinen oder Holz eingefasst (auch davor Steinplatten, auf die man sich stellt), aus dem man das Trinkwasser direkt mit dem Eimer schöpft (dies nicht im Born-Geb., wo eben der B. diese Rolle einnimmt); der P. es dep (tief), — voll Wasser, — steht (es) drü (trocken); et es ken Wasser em P.; et W. steht huh em P.; an de P. gohn, Wasser holle (Mosfrk of de P. gohn); der Emer es en de P. gefalle Rip, Allg.; P. ziehe Wasser holen Saargeb.; der P. senke lote (lassen) das Mauerwerk beim P.bau senken; der P. es schef gesonke; der P. aflote den Schöpfeimer herunterlassen; der P. es afgeklattert der Eimer ist in den Abgrund gepoltert Selfk; der kouche P. heisser Quell in Aach-Burtschd; bes. bemerkenswerte P. sind nach den FlN. benannt oder als hl. Brunnen bewertet, z. B. Geselines Pötzche (Sol), Helligembergs Pöttsche (Süchteln), Severins Pötzche (Köln) usf. — RA.: Su dep (tief) wie ene P. MGladb, Allg. Et as ke P. su def, e get emol dref (trübe) Prüm. Et es kene P. suə dep, mer kann öm leəg (ledig) kriege MGladb, Erk, Köln; och ene P. es l. ze kr. Rip; ouch der deppste P. lött sech utschöppe auch das grösste Vermögen ist durchzubringen Eup, Bitb-Dudeld. Dat es ne schleite (schlechter) P., woren me et Water engieten mott Mettm. Am Schwengel lit et net, wann de P. ke Wasser güt am Manne liegt es nicht, dass die Frau kein Kind bekommt MülhRh, Sol; der P. es te deip, en de Koərd es te kurt dass. Eup. Wenn et Kend (et Kalf, der Esel) verdronken (versopen) es (en de P. gefallen es), mäckt mer der P. to (wiərd der P. togeworpe, mächt mer ene Deckel op der P.) MGladb, Allg., — dann wölle se de P. fölle Mörs-Xanten, — schlütte se de P. tuw Klev. Dat dräht (trägt) dem der P. net no die Faulheit eines Weibes geisselnd Jül-Langerw. Am dröge P. setten nichts zu trinken, überhaupt nichts haben Mörs, Kref, Kemp (em), Gummb-Nümbrecht (om). Mer ment (meint), der schef

[Bd. 6, Sp. 1249]
(schöpfte) et aus em volle P. einer, der viel Geld verbraucht Prüm-Burb. De deht (arbet, wöhlt dren eröm) wie en Dier em P. er plagt sich, schafft unaufhörlich Sieg, Rheinb; von Katzen u. Hunden, wenn sie allzu sehr etwas zu fressen haben wollen Altk-Horhsn, — wie en Perd am P. Rheinb. Dat (das Mädchen, die Frau) as de Frau am (im) P. will immer Recht haben (wie die Frau, die ihr Mann in den P. warf, weil sie ihn immer Leisklecker schimpfte, u. als sie schon bis über den Kopf im Wasser stand u. nicht mehr sprechen konnte, immer noch mit den emporgestreckten Händen die Bewegung des Leiskleckens machte) Trier-Mehring. De kennt och, wonn et Kalf om (im) P. legt der kommt mit seiner Hilfe zu spät Prüm. De sett medden en der P. on hät noch ge Water trotz seines Reichtums weiss er sich nicht zu helfen Selfk. De Kaffemboahn (Kaffeebohne) hängk im Pötten! erhält man zur Antw., wenn man eine Hausfrau auffordert, doch einen guten Kaffee zu kochen MülhRuhr. Do hür ech dech en den P. rusche du hast das Richtige getroffen Geld-Hinsbeck. Wasser en de P. schidde (drohn) Überflüssiges tun May, uMos bis Bernk, Prüm. Den Eimer ens en de P. loten, öm te senn, of he schöppt bei einem den Versuch einer Anleihe machen, auf den Busch klopfen Sol. Dem es der Emmer en der P. gefalle er ist mit etwas hereingefallen Grevbr. Dat (Mädchen) es en de P. gefalle es wurde beim Mailehn nicht angesteigert Ahrw-Sinzig. Eweil ös de Kaz ön de P. gefal es ist missraten Trier-Stdt. Do fällt ene Hongk (Hund) en der P. wenn die Uhr 1 schlägt u. die Arbeit wieder beginnt Kref-Osterath. Me mott de Sak op der Grond goəhn, sät der Volle (Bezechte) (de Sterekiker), du fel (fiel) he en der P. Heinsb, Mörs, Rees. Deə es e jene P. gefalle; deə hatt em erusgehoəlt usf. im Fingermärchen Aach, Verbr. Die Mäd (Magd), die wor en de P. gefallen, ich han se hire plompen; ich ment (meinte), ich hätt se beim Kopp (Lepp) gehatt, do hatt ich se bei de Klompen! Köln, Trier-Gilzem. Chres, der Schwamm es mer en der P. gefalle, häste'n nit höre plönsche? He es dris-, drösnass gewore! Spottvers der Kinder auf den Homburger Maurer Barm. Beim Pfändersp. stellt der Eigentümer des Pfandes sich hin u. sagt: ek sin in den P. gefallen; die andern fragen: wie diep? er: 6 Klafter; die andern: wer sall dek ruttrecken? er nennt eine, die ihm nun sechs Küsse geben muss Gummb-Berghsn. Wann en an (in) de P. springt, sprangen de aner em no vom Nachahmungstrieb Prüm. Ech han so völ Lost, jet te ete wie en enen P. te sprenge Heinsb. Den het en diepe Insich (Einsicht), den het in et P. gekike MülhRuhr. Hen hät en Stemm (schlecht zum Singen), för enne P. te krupe (kriechen) Geld-Hinsbeck, — als wenn me ne bedresse Stromp en de P. werf Dür-Stdt, — für en de P. ze drisse (scheissen) ebd. De Kruk

[Bd. 6, Sp. 1250]
(Krug) geht so lang na de P., bes se den Hols breckt Kemp, Erk, MGladb, MülhRuhr. — Rätsel. Ech wet (weiss) en Dengk, dät kannste met ene Wann tudecke, on hongertdusend Perd konnen et net eruttrecke? Heinsb. Ik schmit wat in de P., dat sölle dausend Perd niet herüttrecke? Sand Meiderich. — Volksgl. die Hebamme holt die kleinen Kinder aus dem P. Verbr. (in Köln-Stdt aus dem Severings Pötzche, in Wesel aus dem Söwelemersp. (sieben Eimer-), in Sol aus dem Geselines Pötzche. Sett en Eidechs en ene P., es et Water klor Kemp-Lobberich. — Volksbr. Um Pfingsten wurden die Pützchen (eingefasste Quellen) von den Burschen gefegt u. von den Mädchen mit Blumen geschmückt; darnach Heischegang: Mer komme on han der P. gefeg, vierzehn Eier ongeleg usf. Bo-Ippend; de Jongen han den P. gefeg, ri, ra, Rüs-chen (Rose); de Hohnder han de Eier geleg usf. Sieg-Süchterschd. In dem Orte Pützchen bei Beuel, benannt nach dem Adelheidspützchen, einem gefassten Quell vor der Kirche, gesegnet von der hl. Adelheid, Äbtissin in Vilich, aus dem die Gläubigen noch heute zur Kirmes in P. Wasser gegen Augenübel schöpfen, beginnt am zweiten Sonntag im September der grösste Jahrmarkt (Kram-, Schaubuden-, Viehmarkt) der ganzen Umgegend (Kr. Rheinb, Bo, Sieg), zu dem Gross u. Klein wandert. RA.: Du kanns no P. gohn on ene Klon markiere! du bist nicht recht gescheit Sieg-Stield. Herəs Mart on Pötzches Kirmes! Ausr. der Überraschung Sieg-Leuschd. Dat es füər de Pötzches Mönnech das ist verloren, unbezahlte Arbeit Sieg-ODollend, — 2. übertr. a. sachl. α. Wasserlache, Bachtümpel, Sumpfstelle Eif, Rip, Nfrk. — β. kleine Schachtanlage einer Kohlenzeche Ruhr. — γ. Schiffseimer am Tau, um Wasser aus dem Strom zu schöpfen Rheinschiff (vgl. auch der Pött afloəte Selfk). — δ. die hohle Seite des Spielknöchels MülhRuhr. — ε. Brunnenwasser; gangk jet P. holle; ühr hat gode (schlechte) P.; ene Gangk P. zwei Eimer Wasser; drenk doch net esu vill P., dat dog net Rip, Nfrk (Selfk n., im Gegens. zu P. 1 m.). RA.: Der Kaffee es esu dönn wie P. Jül-Hasselsw. Du kres met P. on Salz gekouch! zu einem unartigen Kinde Sieg-ODollend. — ζ. eine Menge flüssiger Speisen, aber auch fester Sp.; du hes mech ävver ene P. Risbrei gegeve; ne P. Erdäppel Düss-Stdt. — η. am drüge P. Wirtshausn. Neuss-Stdt; en de Pötje Rees. — θ. pøtə Pl. t. verächtl. Augen; de hat de P.ə noch net op Heinsb-Roerkempen. — b. persönl. en drügen P. Mensch ohne Saft u. Kraft Barm.

Pütz- in der Zs. -ts, –t; doch Rip in Sieg, Bo, Rheinb, Eusk daneben -tsə-; Ruhr, n. Ruhr, Mörs, Klev -tə(n)-: Pütz-apfel (s. S.) Bernk-Dhron m.: A.sorte. Pütz-bank Sieg-ODollend f.: B. in der Ecke der Küche, auf der die Wassereimer standen. Pütz-bar Aach-Walh f.: das grosse

[Bd. 6, Sp. 1251]
irdene, bauchige Gefäss in der Bauernküche, in dem das Trinkwasser aufbewahrt wird. Pütz-bäuchen -bøχən Neuw (kurköln.) n.: -häuschen (s. d.). Pütz-baum (s. S.) Koch-Kaisersesch, Bo-Müld Vilich, Geld-Straelen m.: Welle, um die sich die P.kette windet. Pütz-birne (s. S.) MGladb; petsχəs- Koch-Bremm f.: B.sorte. RA.: De hat en Nos (so plump) be en P. Bremm. Pütz-blume (s. S.) Malm-NEmmels, Schleid-Hellenth, Aach-Stolbg f.: Sumpfdotterblume, caltha palustris. Pütz-born (s. S.) Saarbr, Wend-Heisterbg m.: Ziehbrunnen, Pütz. Pütz-dach -tsə- Rheinb-Buschhv, Bo n.: Überbau über dem Pütz; –häus-chen. Pütz-drisser -ēs- Dür-Stdt m.: scherzh. eine niedrige Spielkarte. Pütz-eimer (s. S.) Allg. m.: Schöpfeimer, der in den Pütz hinabgelassen u. dann hinaufgewunden wird, wo er in einen Haken eingreift u. seitwärts gesenkt wird, so dass das Wasser in den P.trog sich ergiesst, vor dessen Auslauf der Wassereimer steht; der P. ist aus Eichenholz, mit breiten Eisenbändern umgeben; denn er muss schwer sein, ongersch schöppet he net; nahm man statt des P. einen gewöhnlichen E., so musste dieser durch ein Gewicht beschwert werden (beim Pützchen, der gefassten Quelle, schöpft man mit dem Eimer, den man mitbringt). NRhWB Pütz-fest Schleid-Kronenbg n.: F. um Pfingsten nach der Brunnenreinigung durch die Burschen, die heischen gehn: Mer gohn ze ener Saufe; wat mer us han verwahrt, gohn mer jetz ze verschmause, mer han et alt mih gedohn. Dröm zau (eile) dech, Fränche, zau dech, nu mach et net zu lang, sös gohn mer en der Garde on roppen dir der Flass (Flachs); dann, wann der Fl. alt rif es, darf er net länger stohn, on wer de Mod (Magd) well wecke, der moss alt fröh apstohn! Pütz-frau Gummb-Marienbghsn Nümbrecht f.: Schreckgestalt, im Pütz hausend, die die Kinder, die sich über den Pütz neigen, hinunterzieht. Pütz-gasse (s. S.) Verbr. f.: G., die zum gemeinen Pütz führt. — Weng (Wein) us dem P.gäss-che scherzh. Wasser Schleid-Hellenth. Pütz-geführe pøtsəjəfȳ·ə.r Sieg-Gielgen, Bo n.: Führung, in der sich die Welle u. Kurbel des Pütz dreht. Pütz-geist -ē- Ess-Stoppenbg m.: -frau, –mann. Pütz-gestell -tsə- Bo-Lengsd n.: Überbau über dem Pütz. Pütz-haken (s. S.) Allg. m.: 1. dreiteiliger Eisenhaken (Wolf) an einem langen Seil, mit dem man den von der Kette losgerissenen u. in den Pütz gestürzten Eimer auffischt u. in die Höhe zieht (auch ein langer hölzerner H., mit dem man einen Eimer Wasser unten aus dem Quellpütz herauszieht Berg). RA.: Kromm wie en P.; hei geht doher (so krumm) as en P. Berg. — 2. übertr. verächtl. krummer Mensch Berg. Pütz-ham -ā:- Geilk-Grotenr m.: Nackenjoch, an dessen beiden Enden Seile (Ketten) mit Haken hängen, in die die gefüllten Eimer eingehakt u. nach Hause getragen werden. Pütz-haspel -tsə- Bo-Gimmersd Ippend

[Bd. 6, Sp. 1252]
Mehlem f.: Seiltrommel am Pütz. Pütz-häus-chen (s. S.) Rip, Berg, SNfrk [pøtəs veralt. MGladb] n.: 1. Gehäuse über dem Pütz. RA.: He hät Enfäll wie e (alt) P. SNfrk. En Nas wie en P. Geld-Hinsbeck; ene Brüək (Leibschaden) wie e ot (altes) P. Heinsb-Erpen; nen Dotz (Beule) wie en P. Sol-Burschd. De deht ene Kall (Geschwätz) wie e alt P. MGladb. Su voll (bezecht) wie e P. ebd., Kemp. — 2. übertr. a. Beule, grosse, bleibende Geschwulst; de hät en P. om Kopp Sol-Burschd. — b. in der Wend.: Ech bön och di P. net! ich will dich nicht immer bedienen Heinsb-Waldenr. Pütz-holz -hōt Geilk-Grotenr Scherpenseel n.: -ham (s. d.). Pütz-käck -ę- Kemp-Hüls m.: verächtl. langweiliges Geschwätz, langweilige Sache. Pütz-kall MGladb m.: verächtl. dass.; he meck ene P. doher.