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Rheinisches Wörterbuch 
 
putschen II bis Putschel (Bd. 6, Sp. 1236 bis 1240)
 
 putschen II das Zeitw., im Ablaut zu patschen, –ut- ist nur vereinzelt in Goar, Kobl, Westerw, Prüm, Malm, Monsch (-uk-), Eup, Aach, MGladb, Mörs bezeugt, in verschiedener Bed. schw.: 1. intrans. a. hervorspritzen durch Druck, unter dumpfem Schall, z. B. das Wasser putscht aus den Schuhen beim Gang durch moorige Stellen; aus dem faulen Apfel putscht bei Druck die breiige Masse Monsch, Sieg. — b. herafp. unter dumpfem Aufschlag herunterfallen MGladb. — c. springen, hüpfend gehen Sol (Kinderspr.), Malm; auch die Vögel p. über den Boden oder durch die Hecken Malm. S. auch butschen. — d. untätig, unlustig dasitzen, kränkeln oder kränklich tun; uns Lis putscht och alt e ganz Johr lorem (daherum) on kann gor net mih of de Bän kumme Zell-Sohren, Goar, Kobl, Westerw südl. Wied, Sieg-Fussh; de Hinkel p. sich baden sich im Sande Simm-Riegenr. — e. der schwärende Finger putscht klopft Mörs. — 2. trans. a. eine weiche Masse drücken, dass sie herausquillt; ene fule Appel p.; auch die gekochten Äpfel zu Mus verrühren, de Äppel p. Sieg. — b. den os flott geputscht leicht beleidigt Malm. — c. ein Klickersp. stucken (s. d.) Sieg-Fussh; mit dem Ball spielen Malm-Amel. — d. -u- Eup-Hergenr, meist -y-, einen p., küssen (derb) Verbr. nach Wk. VI 25 Eup, Aach, Jül-Broich, Geilk-Frelenbg [by- Aach-Brand]. [Das nhd. küssen dringt auch in die rip., snfrk. Sondergebiete ein; es ist dies nicht besonders eingezeichnet; die mdl. Formen herrschen noch vor; im Rhfrk, Mosfrk gibt es dazu noch Bildungen, die zunächst kosend u. in

[Bd. 6, Sp. 1237]

[Bd. 6, Sp. 1239]
der Kinderspr., aber auch für den allg. Begriff gelten, sie sind eingezeichnet; nicht e. sind die Subst. enen Kuss, Butz, Schmatz (usf.), en Mäulchen, Mündchen, Schnütchen gewen.] RA.: En jedder Bur pütscht sing Frau op sing Manier. Geblöuts (Geblüt) tröckt, sat der Jüdd, duə pütschet heə e Kauf (Kalb) dörch en döəre (dornen) Heck. De Eərd p. auf die Erde fallen. — Abl.: die Putscherei, dat Geputsch, der Putscher (1 d).

ab- putschen: abspringen, vom Schosse gleiten, von Kindern Sol, Elbf.auf -putschen: einen a., aufhetzen Prüm-Reuth.aus -putschen: aus den Händen gleiten Aden-Weibern.durch -putschen: durchfallen, durch-, entschlüpfen Aden, Ahrw, Köln-Ld, Bergh.ver -putschen: alle Klicker v., verlieren Sieg-Fussh.

 PfWB putsch put u. -ttiχ Sieg, uWupp, Wermelsk, Düss-Stdt, Eusk, Rheinb, Köln-Stdt, Eup, Geilk-Bauchen Schallw.: 1.a. das Putschen 1 a, 2 a begleitend Verbr. wie dort. — b. pardauz; p., do leggs de en de Kull (Grube) aus einem Kniereiteld. Geilk-Bauchen; beim Springen, p. wor ech övver de Bach Rheinb-Meckenh. — 2. auf einmal, plötzlich Allg.

Putsch Verbalsubst. zu putschen (doch vgl. auch Pautsche, Paute, Putte I, Putz) put (s. Pl. bei den einzelnen Bed.) m. (f. s. Bed. 2 b, c): 1. Schall Sg. t. a. put dumpf schallender Fall, Sprung Sol. — b. -y-, pytχə, –tkə Küsschen (zärtlich), bes. zu Kindern; gef mich noch ene P. (e Pütschje) Aach, Eup. RA.: E Pütschje ohne Bart schmat (schmeckt) wie en Ei ohne Salz. Hüj Pütschjere en Leck (lecken), morge Klöpp (Hiebe) met der Steck nach den Flitterwochen. Man geht in ein Geschäft u. fragt zum Scherz: Hat er Pütschjere, do lot se lofe! Verbr. wie putschen 2 d. — c. en Pütschke make kurzes Schläfchen Kemp-UWeiden. — 2. das durch Putschen Entstandene. a. Sg. t. Apfelmus, auch Appelp. Verbr. nach Wk. VI 23 Neuw-Jungeroth OKarb Wildbg, Sieg; but Bo-Schwarz Rheind Vilich. — b. put, Pl. -i-, Demin. pötχən, –i-, –təlχən eine Handvoll, Büschel; en P. Gras, Kli, Ohren, Heu, Hor, Fädem Merz-Saarhölzb (f.), Saarbg, Trier-Ld, Bitb m. (doch f. Trier, Bitb; doch hier oft unterschieden m. ‘ein Büschel Gras, noch stehend, ein Büschel Haare noch auf dem Kopfe, Schopf, Haartracht’, f. ‘ein Büschel, losgerissen, in der Hand’), Kreuzn-Norh (-e-), dann noch in Saarbr-Lauterb, Meis-Becherb (-o-), Wend-Baumholder, Birkf-Breitenth; but Bernk-Dhron (s. auch Eierputsch, Pl. -petə Löwenzahn, Wk. IV 13); lo stäht jo nömmen (nur) hei on do e P. Gras auf der Wiese; P.ən stohn lossen beim Mähen; hen hot him e P. Hor ausgerass; holl en beim P.! Haarschopf; sech e P. kämmen; en Hohn mat er P. Schopf, Haube; et as bal e Korf voll Grumbern un (an) äm P. einer Staude; de kuckt wie e Köder (Kater) durch e P. Osingen (Schwingabfall

[Bd. 6, Sp. 1240]
des Flachses) (Saarbg-Soest) Allg.; Flachs in Pitsch gemacht Saarbr-Lauterb; e paar Pitsch Zalot Salatköpfe Saarbg-Portz; junger Buchenbaum Birkf-Breitenth. Wisselbach un Ehlenbach, do gehn die Mädche grase, se hupse um die Pitsch erum wie die junge Hase Wend-Baumholder. — Ausserdem put, Pl. -tə, Demin. pytχə, –tkə Handvoll, Strauss, ene P. Gras, Blome, Hor, Wurzelstock mit Kartoffeln Sieg-Süchterschd, Aach-Stdt, Grevbr (Wickr -o-), Neuss, MGladb. — c. -o- f. Blattknospe (s. Potte) Meis-Schweinschd. — d. -u-, en P. am Og Gerstenkorn Prüm-GrKampenbg. — e. persönl. α. put, Pl. -tə Sperling MGladb, Kemp, Kref, Geld. — β. put, Pl. -i-, Demin. pitχə verächtl. u. kosend, kleines Kind Goar-Weiler. — γ. Putsch holl alles verächtl. Nimmersatt Saarl-Stdt. — δ. pūət verächtl. verkommenes Tier, auch wohl vernachlässigter Mensch Gummb-Stdt.

putsch-ab -af  Monsch-Zweifall Adv.: ganz ab, weg. Putsch-ameien Trier-Crettnach Pl. t.: Bartnelke, dianthus barbatus. Putsch-blase -bl:s Wippf-Engelsk; -tə- Dohrgaul f.: Schweinsblase. Putsch-blume s. Putschen-. putsch-faul  Birkf-Herrst Idar Adj.: ganz faul, z. B. von Kartoffeln. putsch-fett  Schleid-Dreiborn Adj.: sehr, wabbelig f. Putsch-finger -e- Bergh-Heppend m.: dünner, zierlicher F. Putsch-gras Saarbg-Helfant n.: Zittergras, briza. Putsch-händchen -hę·ŋ.kχə n.: 1. put- zierliche Hand Bergh-Heppend. — 2. pyt- Kusshändchen der Kinder Eup, Aach. RA.: Dat krig ich met e P. derför für nichts. Putsch-hase -hā:s Kref-Fischeln m.: in der Wend.: Heə hät sech P. gemäckt sich aus dem Staube gemacht. Putsch-könig -kø·n.əkəlχə Eusk-Weilerswist, Köln-Godrf n.: Zaunkönig. Putsch-peter potpitər Düss-Stdt m.: verächtl. am Daumen lutschendes Kind. Putsch-mäulchen pytmy·l.χə Aach, Eup n.: Küsschen, bes. zärtlich, von Kindern. Putsch-nellchen putənę·l.χə Jül-Röding n.: P. werpe einen Stein über eine Wasserfläche hüpfen lassen. Putsch-vögelchen -føjəlχə Bergh-Hüchelhv Kenten Kirchtroisd n.: Zaunkönig. Putsch-zecke puttsk Bitb-Wiersd (sonst Butsch-) f.: Zecke.

Putsche -t, Pl. -tən f.: 1. sachl. a. put Pickel, Eiterpocke Prüm, Daun-Birresborn; s. Pautsche. — S. auch Putsch 2 b, wo m. u. f. gilt. — b. -i- Beule im Hut Goar-Weiler. — c. -u-, in der Wend.: En de P. goəhn ins Bett, in der Kinderspr. Heinsb. — d. pyt- verächtl. Mund, grosser wulstiger M. mit vorstehenden Lippen; de P. hange losse; en P. mache verdriesslich sein; halt ding P.; engen en de P. haue; jet en de P. krige Maulschelle Aach, Eup, Dür-Scherpenseel. — 2. persönl. verächtl. a. -ø- dickes, watscheliges Weib Schleid-Marmag. — b. -ȳə- unordentliches, dickes W. Gummb-Bergneustdt.

Putschel -əl, Pl. -əln f.: 1. -e-, e P. Hai Büschel Heu udgl. Merz-NLosh. — 2. -u- Rute

[Bd. 6, Sp. 1241]
zum Züchtigen; dem han ech er ävver enen met der P. versatzt! Sol-Leichl.