Wörterbuchnetz
Rheinisches Wörterbuch 
 
Purpel II bis purschen (Bd. 6, Sp. 1222 bis 1225)
 
 Purpel II, Pürpel das aus lat. purpur entstandene Wort ist ein rhfrk. Wort u. erstreckt sich für Bed. 1 nach Wk. VI 19 über die Nahe, das Saargeb. einschl. Saarl, über den Hunsr bis

[Bd. 6, Sp. 1223]
zur Bopparder L.; darüber hinaus vereinzelt in besonderer Bed. noch an der Mos u. in der Eif verstreut (s. 2), u. zwar an der Nahe bis einschl. OWend purbəl, –o- [Kreuzn-Bockenau Braunw Genh Hüffelsh Langenlonsh Laubenh Münchwald Treisen, Wend-Erzw -a(r)b-; Kreuzn-SchlossBöckelh -erb-; Kirn -urw-]; Birkf -ūərb-; Meis auch -ōrb-; Hunsr -(r)b-, –ō- [Simm-Bieber Nannhsn -rw-; Bernk-Woppenr -urw-; Crummenau -ørb-; Stipshsn -erb-]; WWend, Ottw, Saarbr, Saarl -irb-, –e- [Wend-Stdt, Ottw-Merchw, Saarbr-Quierschd Sulzb -ęrb-; Wend-Mauschb Dörrenb (-e-), Ottw-Heiligenwald Neunk, Saarl-Wadgassen (-e-) -ęrw-], meist Pl. -ələ, Demin. -əlχə (mit Umlaut) f.: 1.a. Blatter des Menschen, des Schweines (Bräune), der Kuh, Wasserp. Wasserpocke, auch Pustel, Pöckchen auf der Haut; bes. aber die Pocke bei der Schutzimpfung (im Gegens. zu den ongepossde P.ə Simm); einem Kinde de P.ə posse Allg., s. Wk. VI 20 [— setzen Saarl u. Simm neben p., — mache Ottw-Stdt, Wend-Ausw Dickesb Ilgesh Langw UJeckenb, Birkf-Göttschd Griebelschd, Meis, Kreuzn-Boos Hochstädten Monzing Nussbaum SchlossBöckelh, Goar-Bardenhard Bieberich Manneb Odieb, — steche Kreuzn-Dörreb Wallhsn, Goar-Trechtinghsn Steeg, Simm-Argenth Ebschd Külz NChumbd Schnorb]; de Kinner krieə de P.ə; de P. sin angang Allg. — b. Pl. Masern Kreuzn-Bingerbrück, Saarl-Stdt 1870, Bernk-Allenb. — 2. im nicht rhfrk. Geb. a. po·r.bəl, meist Demin. pø·r.bəlχən, –e- kleines, festes Pöckchen, Pustel auf der Haut, Ausschlag Trier-Stdt, Wittl-Meerf; pērbəlχə Prüm-Mürlenb 1860; pōrbəl, pērbəlχən Daun-Tettschd; -u- (-i-) Koch-Lutzerath; -ǫ- (-ę-) Bernk-Neumag, u. ganz abseits bo·r.bəl, bø·r.bəlkə Geilk-Scherpenseel, Heinsb-Kirchhv; -u- Millen. — b. pirbəln bunte Flecken im Gesicht Merz-Saarhölzb. — c. -u- Runzel, krankhafte Stelle am Baum Daun-Strohn; -ǫ- an Früchten Bernk-Neumag; -e- Zell-Bullay. — d. -ū- Holunderbeere Koch-Lutzerath. — e. -u- Wasserbläs-chen Bernk-Stdt, Aden-Herschb Stdt. — f. -e- Sg. t. scherzh. Tresterwein Zell-Bullay.

Purpel-bladern bęrbəlbl:dərn Saarbg-Faha Pl. t.: Mundfäule. Purpel-gesicht Wend n.: blatternarbiges G. PfWB purpel-löcherig -ę- Simm-Riegenr Adj.: blatternarbig. PfWB Purpel-posser -əl- u. -ələ- Verbr. wie Purpel 1 a m.: Impfarzt.

pürpelig Adj.: 1. in ursprüngl. Bed. pörbəliχ bunt, gefleckt, gesprenkelt; mei Rock es p.; p. Buhnen, en p. Huhn Merz [-ę- Bergen]; -ər- Saarbg-Wellen; -īăr- Trier-Schleidw, Bitb-Speicher; gəpørbəliχ Saarbg-Winchering; -īăr- Bitb-Geichl; pīărbəliχ me·l. Feuersalamander Bitb-Pickliessem Usch; peb- Neuerbg Malbg; pølbliχ Gemünd. — 2.a. -irb- pockennarbig Saarl-Berus; -- Zell-Hirschf Raversbeuren; -ǫ- Bernk-Neumag; -ū- Koch-Lutzerath (in

[Bd. 6, Sp. 1224]
beiden letzten Orten auch von Früchten). — b. -u- gefleckt, bei Masern Daun-Neroth 1860.

pürpeln schw.: 1. gepirbəlt, –e- bunt, gefleckt, gesprenkelt Saarl-OEsch, Merz-Saarhölzb; -ər- Saarbg-Wellen; -īăr- Bitb-Geichl. — 2.a. -i- impfen Ottw-Eppelborn. — b. -e-, e geperpelt Gesicht pockennarbig Trier-Mehring. — c. et purpelt, et Wasser p. Wasserbläs-chen steigen auf Bernk-Stdt, Aden-Herschb Stdt.

purr, Purr s. bei purren II.
 
 
Purre pur, Pl. -rə Rhfrk an der uNahe in Meis-Jeckenb Meddersh Staudernh; -o- Kreuzn-Bockenau f.: trockner, sandiger oder felsiger Streifen in sonst gutem, fettem Acker, auch Stänp.; do sin P.ə drin; vun weirem (weitem) kannschde schunn seihn, wo die P. läft.

Purree = Breitlauch s. Porree.

purren I -u-, –o-, –ǫ- = stochern s. porren.
 
 
purren II das Wort purə(n) –u·r., seltener -o- ist zunächst im Rhfrk in Kreuzn (bu- Kreuzn-Dorsh u. Saarbr-Völkl), Goar-NGondershsn, Simm, Zell-Raversbeuren, dann vereinzelt in Bitb-Mettend, Koch-Wirfus, Schleid-Hellenth (-ø-) u. dann geschlossen Sieg, Waldbr, Wippf (rip.), MülhRh u. schliesslich geschlossen in Jül, Erk, Grevbr, MGladb, Heinsb, Kemp, Kref, Geld-Leutherheide u. noch in Düss, Elbf verbr.; s. auch purnen, purlen schw.: 1.a. plötzlich mit Schall auffliegen, von Vögeln (auch wohl von Insekten) Allg.; ut gohn p. zum ersten Male aus dem Nest fliegen, von flüggen Vögeln Geld-Leutherheide. — b. stossweise laufen u. dabei grunzen, vom Schwein; se p. fort Simm. — 2.a. laufen, rennen, hastig hin- u. herrennen, vom Menschen; wat purrt dat (Mädchen) nore lorim; dat purrt lorim wie e Willsau Simm; langsp. vorbeigehen, ohne rechts u. links zu sehen Erk-Körrenz. — b. auch ein geworfener Stein, Kugel purrt Kreuzn. — c. murren, böse sein Birkf. — Abl.: die Purrerei, dat Gepurr.

 PfWB auf- purren: mit einem purrenden Geräusch aufflattern Allg.

purr -u-, –o- Schallw.: 1. das Purren 1, 2 begleitend; de Vügel mache p. Sieg, Allg. [purt Koch-Wirfus]; on p., dann sen se (die Vögel) fort Allg. — 2. Lockr. für die Hühner; p., tick, t.! Wippf-Pütz, Mülh-Rh-Immekeppel (s. Wk. IV 4 u. pr.

Purr Sg. t. m.: 1. die Vögel make eme Purr purren auf Klev-Goch. — 2. de mät Purr Aufwand Bergh-Elsd.

Purr-as pu·r.as Kref-Fischeln m.: verächtl. Aufschneider. Purr-baum purbōm Klev-Wissel m.: P. schieten Purzelbaum. Purr-futte pu·r.vot Kemp-AmernSAnton f.: verächtl. aufbrausender Mensch. Purr-hans pu·r.- MGladb m.: dass. Purr-sterzchen pu·r.tętskə Grevbr-Wickr n.: Pfautaube.

Purres purəs, Pl. -əsə Simm-Kludenb m.: verächtl. wildes, ausgelassenes Mädchen.

[Bd. 6, Sp. 1225]

purretzig pu·r.ətsiχ Prüm-Mürlenb 1860 Adj.: schnell aufbrausend, unfreundlich.

purrig -u·r.- Adj.: 1. scheu, von den Hühnern MGladb, Kemp-Dülken. — 2.a. übertr. leicht aufbrausend, widerspenstig ebd.; pu·r.ətiχ Heinsb-Millen. — b. murrend, knurrig Birkf.

Pursch pūə(r) = Bursche (s. d.).
 
 
purschen ein klevld. Wort in Mörs, eine Abl. zu purren (s. porren), u. zwar -u·r.ž- Mörs-Neuk, Geld-Sevelen; sonst Mörs -ož- schw.: 1. stochern; en den Owen (en't Für) p.; en wat herömp. z. B. mit einem Stecken im Wespennest. — 2. einen p. a. kitzeln; do motts mech nit (en de Sitt) p.b. einen reizen, necken; hei blef mech eigals an't p. — Abl.: die Purscherei, dat Gepursch, der Purscher.