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Rheinisches Wörterbuch 
 
privat bis procheln (Bd. 6, Sp. 1119 bis 1121)
 
  NRhWB  PfWB privat -wā:t, –vā:t, –fā:t [-uw- Koch; -of- Mettm] Adj.: nach dem Nhd. (selten); Pr.förster, –schule, –weg.

privatisieren  Trier-Stdt schw.: Rentner spielen.

Priveet -vē:t, Pl. -tə, –tər veralt. u. verstreut Köln-Stdt, Bernk-Bollenb, Kobl-Stdt; brofēt Birkf-Herrst, Simm-Laub, Bernk-Rhaunen; -tər Birkf-Idar, Simm-Stdt Schönborn, zu mhd.  Lexer privêt, privête, privât(e) < afrz. priveit, mlat. privata (camera) m.: Abort.

probarem s. folg.
 
 
probat -ubā:t Köln-Stdt; -obārəm  (probatum) Simm-Stdt (bei Rottm.) Adj.: wie nhd.

probbeln -ob- = brodeln s. brubbeln.
 
 
Probe das Wort wird als Lehnw. empfunden, u. ist deshalb auch im Rip, Nfrk nur wenig eingelautet; der Vokal hier stets -ō:- (nicht --, –ōə-), u. -ō:p, Pl. -bə(n) ist geläufiger als -ō:f, Pl. -və(n) [Eup-Stdt, Aach-Stdt -o·u.f; Kref-Stdt, Mettm-Cronenbg -ū·ə.-; Klevld vielfach -ūf]; im Rhfrk -ūb [im Hunsr auch ; Saarbr-Sulzb -p], Pl. -wə; das Mosfrk fasst das nhd. –ô- als -uo- auf, u. zeigt je nach der Entwicklung des -uo- –ū:f, –ō:-, –o·u.-, Pl. -wə(n); Demin. -īfχən, –ī:-, -ē:- Rhfrk, Mosfrk; sonst -:pχə(n), –:f-, –kə(n) f.: 1. konkret. a. Versuchsstück; gem mer emol e Pr. met; ich well mer e Pr. komme losse, z. B. eine Pr. neuen Getreides, neuer Kartoffeln udgl. Saarbr, Allg.; ebbes op Pr. huəlen (kofen, han, liefern, machen, duhn); enen op Pr. dangen (dingen, mieten) einen Gegenstand (Anzustellenden), z. B. ein Werkzeug, ein Tier, das man etwa kaufen will, vorher zur Pr. erhalten, um ihn auf seinen Wert oder Brauchbarkeit zu prüfen WEif, Allg. — b. Kostprobe; wird man zum Essen genötigt, so sagt der Gastgeber: nemm jo noch e Pröfche; do hätt ech och gern en Pröfche van das möchte ich auch gern kosten Bo, Sieg; en Pr. scheppen NBerg; eine Schlachtprobe vom Schwein, wie man sie dem Nachbar schickt Trier-Osbg Neuhs, Kref-Lank. — Im Klevld gilt Prüfke (Ruhr Pröwken), Pl. -kes; en Pr.kə nähme; doch ist dies wohl eine Abl. zu prüfen, wozu auch Prüf gebildet wird (s. d.). — Proəf m. ein bestimmter Teil Essen im Krankenhause Dür-Stdt 1880. — c. -ūf, Pl. -wən, de Pr.ən holen aus jedem Weinfasse im Keller ein Glas oder eine Flasche zur Pr. holen Verbr. in den Weinbaugeb. von Saar u. Mos. — d. en Pr. Peffer, Some (Same), Papier udgl. nicht nur eine Probemenge, sondern auch eine kleine Menge, z. B. en de Zupp fällt en Pröfche Salz MüEif. —

[Bd. 6, Sp. 1120]
2. abstrakt a. de hät en got Pr. sagt man von einem guten Weinkenner, auch von einem Feinschmecker Ahrw-Sinzig; de Pr. va jet ha nichts weiter von einer Sache verlangen Aach-Stdt. — b. Erfahrung, Begriff, Vorstellung; wen et net erleft hot, den hot noch ken Pr. dervon Prüm-Mürlenb 1860; dau häscht kän Pr. kannst nicht abschätzen, bist unmässig; dau h. och k. Pr. bei de Leiden keinen Takt, Anstand, Mässigung unter den Leuten; dat Framensch elo hot kän Prouf, — as ohne Pr. ist ungebildet Merz, Saarbg. — c. änen uf die Pr. stelle; hen hot de Pr. bestanen Bitb, nach dem Nhd. Verbr. RA.: De hät der Rof (Ruf) un de de Pr. der ist im Stillen tüchtiger als jener, der öffentl. gerühmt wird Eusk-Gymnich. — d. ein Ballsp., die Vereinigung aller Wurf- u. Auffangarten beim Ballsp.; wer eine Pr. beim Spiel zu werfen vergisst, rettet sich durch die Worte: giff, gaff! Saarbr, Aach, Düss-Bilk. — e. Probestunde des Gesangvereins, bei Theaterstücken; gehschde met en die Pr.? Saarbr, Allg. nach dem Nhd.

Probe-budellchen -ū:wə- Mos n.: kleine Flasche zum Verschicken von Weinproben. Probe-gläs-chen ebd. n.: besonderes Gl. zum Weinproben am Fasse. Probe-kirmes -ō:f- Aach-Alsd f.: Herbstkirmes. Probe-letzte -ōwəlęts Bernk-Crummenau (veralt.) f.: schriftliche Prüfungsarbeit in der Schule, vor der Schulentlassung. probe-mässig -b- Saarbr-Sulzb; -ū:f- Trier-Mehring; -ō:f- Koch-Laub, Eusk-Lechenich Adj.: beweiskräftig; dat haste pr. ze machen vor Gericht zu beweisen; ich hau's em pr. gemacht. Probe-mund -ū:f- Ahrw m.: Schmollmund. Probe-stück -ō:f- NBerg n.: Meisterstück; sin Pr. maken (sei Prubst. ableə Wend-Pfeffelb]. Probe-wurst (s. S.) -ō:f- Bitb-Geichl, Koch-Bertrich, Monsch-Vossenack, Aach-Alsd f.: W., die man zur Kostprobe dem Nachbar schickt.

 PfWB proben ist wenig geläufig, dafür fast immer probieren; nur in folg. Anwendung schw.: 1. den neuen Wein pr.; mer gehn de Wein pruwen; hoste den naue scho gepruft? Saar, Mos; den Druw (ersten Brand beim Branntweinbrennen) pr. auf seine Stärke ebd., WEif. — De Faulicht geproft hat der, der bei einer Verrichtung nicht sorgfältig genug war u. nun bei einem dadurch hervorgerufenen Unfall doch noch heil davonkam Bitb-NWeis. — 2. pr. gohn in die Gesangstunde, zur Einübung des Theaterstückes Allg. (meist in nhd. Lautung; dafür auch üben (in nhd. L.), in Bitb dies allein. — Abl.: die Pruwerei, dat Gepruf(s).

probieren steht allg. für proben u. das fehlende versuchen (doch Birkf), -obī:rə(n), –bē:r-, –:r-, –ijərə, –ǫb- [-ab- Prüm-Stdt] Allg.; doch Rhfrk, Hochw, Wittl-Monzel, Zell, Kobl, May-Mörz, Westerw, Siegld vielfach -ow-, –ǫwīrə [-əw- Altk-Flammersf; -owijərə Saarl-Berus] [fərbī:rə neben pro- Elbf; fob- in der Kinderspr. Kref[

[Bd. 6, Sp. 1121]
schw.: 1. kosten, eine Kostprobe nehmen; et Bier, der Weng (Wein) usf. pr. Rip, Allg. RA.: Der Magere hät et Fett nit döck (oft) probiert Mörs-Veen. — 2.a. etwas versuchen zu tun; die hant emol probeert, of et ging (auch gesagt, wenn ein Kind kurz nach der Hochzeit ankommt); he hät emol probeert, do konnt e et Düss, Allg. RA.: Pr. geht üvver et Studiere Rip, Allg., — kos nicks Berg, — es et genauste (on wer et kann, dat is der gaueste (schnellste)) Berg; no däckerem (öftern) Pr. liəhrt mer et Prüm-Steinmehlen; e Geprobierten ös iwer e Gestudierten Prüm-Ihren. He probiert et wie de Bur de Ente; versuppe se, dann v. se NBerg. Me mott alles pr., sagt Hannes (der Hansworscht), du fuhrden se em no der Galg Heinsb, Monsch. Henrich, wat maks de do? Vader, ek studier. H., dat kannsde nich. V., eck pr.! Gummb, Elbf, Rees. Et es net gescheht (geschehen), on et geschüch och net, en al Frau probiert et douch? sie sucht den Faden einzufädeln Aach-Eschw. — b. wagen; ech pr. dat Geschäf ens; he probiert et Hirode net; bes. in Warnungen, Drohungen: probier dat noch ens, mech su ze schänne (schimpfen), dann sollste ens sehn (wat dir passiert); dat probierste net noch emol! Rip, Allg. — Abl.: die Probiererei, dat Geprobier(sch).

 PfWB  PfWB an- probieren: etwas a., etwa ein Kleid Allg. PfWB  PfWB auf -probieren: etwas a., z. B. einen Hut Allg.un -probieren: Part. nicht probiert; onprobiert schmack net Sieg, Köln.

Probier-peter browērpērə Simm-Laub m.: Spottn. für einen bestimmten Handwerker, dessen ständige RA. lautet: dat muss mer mol broweere. Probier-zange -taŋ Klev, Rees f.: Z., mit der der Hufschmied das glühende Hufeisen anpasst.

un-pröbig -ī:w-, –e·i.- Saarbg; -e·i.fliχ Merz-Saarhölzb Adj.: unanständig, unmässig, ungebildet, rüpelhaft.
 
 
 PfWB  ElsWB Probst -ǫps(t) [Merz-Bachem -t; Kemp, MGladb-Viersen -s, –skə]; Pl. -ę-, –- m.: 1. wie nhd., da, wo Domkirchen sind. — 2. übertr. verächtl. kleiner, dicker, behäbiger Mann Mosfrk in Merz-Bachem, Trier-Schleidw, Prüm-Rommersh, May-Kottenh u. in Sieg-Ägid, MGladb-Viersen, Kemp; wat es dat e Pr.!

Probstei -ę·i.ə Aach-Eschw f.: in dem Kinderreim: Der Hahn geng erus freie en de Pr.; do soss en alt Möhnche, dat kevverden de Bönnche (enthülste die Bohnen) usf.

procheln = schüren s. prucheln.