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Rheinisches Wörterbuch 
 
marsch bis märschen (Bd. 5, Sp. 900 bis 902)
 
  NRhWB marsch ma(r) [Klev n. -r/rs- L. mars, -ǫ-] Allg.: 1. Interj. Befehl zum Gehen, zur Eile; m., mach dich ab! Hunsr, Allg.; m., den hölzen Berg erop! zu Bett, zu Kindern Rip, Allg.; daneben alləmarsch! (alə- u. alē:- Mörs-Rheinbg) u. al- () Mosfrk, Rip, Nfrk u. (alə)ma(r)tiχ, –təχ, z. B. m. en et Bett! Rip, Nfrk. — 2. Adv. mar a. sofort, schnell; ek komme m.; ek hau di m. enen; wie mutten gohn, sös es et m. düster; so m. drägste dat wiər fort! Gummb, Wippf, Lennep, OSieg, OMülhRh. — b. nachher, später ebd. — c. (alə)martĭχ-, təχ schnell, plötzlich, direkt, grade davor; et enem m. fier de Schnüss (Schward) sage; m. für de Bom lofe; ech geng m. en et Hus; do geng et m. en et Dörp eren; su m. drüvver schnell, in einem Sprunge drüber; jet m. hinwerpe; dat geht bei dem m. eweg Rip, Nfrk. — 3. Adj. präd. a. weg, fort, verloren, verdorben; dat (hej) es awer m. Klevld, Selfk: su geiht ein Deil vom annern m. Altk-Mudersb. RA.: M. was de Katt mät den Eckster (Elster) Emmerich. — b. verrückt, nicht recht bei Trost; gej sit m.! Klev-Üdem.

[Bd. 5, Sp. 901]

Marsch -a-, Pl. -ę- Allg. m.: 1.a. im militärischen Sinne; als Soldat hommer Märsch gemach, dat is druf un dr. gang Simm, Allg. — b. längerer Gang zu Fuss, Gangart, zurückgelegte Strecke; dat wor ene düchtige (gehürege usf.) M., den mer gemacht han Rip, Allg.; den hat en flantəssege M. bummelige Gangart Prüm-Burb; wat fehrt den en M.! geht schwerfällig Hunsr, Bernk, Altk; de fehrt e brede (breiten) M. geht breitspurig, gewichtig einher Bitb-Dahlem, — e fette M. Trier-Köwerich; luter (immer) op M. sen auf der Reise, im Gehen; sich op M. gevve eine Fusswanderung antreten; he es om M. fort; arg em M. sen, — en M. gerode in Eile, Aufregung; enen en den M. jage in Angst, Aufregung versetzen Rip, Nfrk; an (in) de M. kommen schnelle Arbeit leisten müssen Bitb. — c. Diarrhoe; ech han den M. a mer Rip; de Marschmarsch Saar (o. O.). — 2. militärisches Musikstück; e flodder M. spiele Hunsr, Allg. RA.: Enem de M. blose (mache) ihm derbe Vorwürfe machen, scharf die Meinung sagen, — mache Rip, Allg, — gout m. Merz-Zwalb, — weisen Merz-Becking.

Ab- marsch: in der Wend.: Äm de A. blose ihm die Meinung sagen Simm-Schlierschd.Aus -marsch: nach dem Nhd. PfWB Durch -marsch: Durchfall, Diarrhoe; den D. han Saar, Mosfrk, Rip.

Marsche mar, Pl. -ə(n) Kref, MGladb, Kemp-Süchteln f.: Tretlatte am Handwebstuhl; de lang on körte M.ə; die obern Schachten des Webkammes sind nach oben hin mit starken Kordeln an den körte M.ə, schmalen, kräftigen Latten (auch Weppe genannt), angebunden; sie werden in ihrer Mitte durch einen in der Wippenleiter (wepəlędər) befindl. runden Eisenstab (Spill) zusammengehalten u. bewegen sich um diesen hebelartig; die Weppeledder steht seitwärts auf dem Webstuhle; die untere Kammschachte sind nach unten mit den lange M.ə verbunden, die sich in der seitwärts stehenden Marschelędder ebenso bewegen, wie die körte M.ə oben, u. ihrerseits an den Aussenenden mit den körte M.ə durch Kordeln wieder verbunden sind; die letzte Verbindung ist die zwischen lange M.ə u. den Tretlatten.

Marschen-leiter -lęd- s. o.

märschen -ęr- Bitb-NWeis, Wittl-Binsf schw.: marschieren; en as der dan dahergemärscht

ver-marschen fərmart Neuw-Datzeroth Part.: streng, energisch, verwegen.zer -marschen: sech tərmatə sich sehr freuen Heinsb-Breberen.

marschieren ma(r)ērə, –ī:r-, –ē:r-, –ę·i.ər-  Allg. schw.: wie nhd.; weit, stramm, daher-, fort-, weg-, druf losm. Allg.; mascheer dech furt! pack dich Heinsb; die Sachtmaschier scherzh. Laus Siegld-Obersd. Paternoster, Schenkeben, sett de Schottel (Schlüssel) op den Dösch, nicks dren, n. drut; Klos (Nikolaus), marscheer dich de Dür erut! scherzh. Gebet zum hl. Mann

[Bd. 5, Sp. 902]
Kemp-Grefr. Ich wess e Dierlein, dat hesch (heisst) Maschierlein; dat D., dat ich wess, dräht de Knouche övver dem Flesch? Rätsel vom Krebs Dür-Stdt. — Abl.: die Marschiererei, dat Gemarschiers (selten).

ab- marschieren: wie nhd. Allg.; scherzh. weggehen; derb, sterben.auf -marschieren: nach dem Nhd., in militärischem Sinne. PfWB aus -marschieren: nach dem Nhd.durch -marschieren: nach dem Nhd.nach -marschieren: absol. u. einem n., nach dem Nhd.um -marschieren: den Rückweg m.

 NRhWB Marschier-porze -pəts Aach-Stdt f.: das M.tor. RA.: Weə et längste leəft, krit M. (för ene Stipp ‘Stütze’). Du kanns mich ens henger (hinter) M. treffe! Drohung. Marschier-stecken Goar-Trechtinghsn m.: Spazierstock. Marschier-steinweg -tēəviχ Aach-Stdt m.: in der RA.: De vergeəht sich (irrt sich) wie der Mann a M. Marschier-stich -e- Düss-Stdt m.: weiter Nähstich.
 
 
Marschall  Dür-Golzh, MGladb-Giesenk m.: Rufn. für ein Pferd.
 
 
Marschandel , Pl. -əln Siegld f.: verächtl. en decke M. dickes Weib.
 
 
Marschang maa·ŋ.dəmū:t  Trier-Stdt m.: Modehändler, frz. marchand de modes.
 
 
Märsche mēă, Pl. -ən vereinzelt Trier-NMennig f.: stets kränkelnde Person. S. Marschke.

märschen ebd. schw.: stets kränkeln.