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Rheinisches Wörterbuch 
 
Mamme II bis Mämmenlutsche (Bd. 5, Sp. 799 bis 804)
 
 Mamme II, Mämme II es sind drei Geb. zu unterscheiden; das eine hat M. für Euter (dies Wort fehlt hier) u. verächtl. für Mutterbrust, das zweite für Zitze des Euters u. der Mutterbrust (Euter ist vorhanden), das dritte nur für Mutterbrust; die Formen unterscheiden sich von M. I dadurch, dass sie nirgendwo Schärfung haben; Pl. -mə(n), Demin. -χə(n), -kə (mit Umlaut); im übrigen s. im folg., wo nach den drei Geb. geordnet ist f.: 1. męm Kuh-, Ziegeneuter Verbr. nach Wk. V 17 im Hunsr (s. auch Dätz) (vereinzelt u. abseits im Süd. Saarl-Wadgassen, Saarbr-Fischb, Ottw-Landsw, Meis-Löllb, Kreuzn-Weiler), uMos im Auder-Geb. Koch-Bertrich Lieg Müden Zilshsn, Kobl-Waldesch, May-Kollig Rüber (mę·m.ər), Westerw, Siegld, dann noch OBerg im Nur-, Nür-Geb. in Gummb, Wippf, Lennep, Waldbr-Wildbg, Sieg-Seelschd Wahlschd, MülhRh (Eder-Geb.) Forsb Herkenr NGrützenb Overath Steinenbrück, dann noch vereinzelt in Grevbr, Neuss, MGladb, Kref, Rees-Vrasselt; die M. wachst vergrössert sich, untrügliches Zeichen der Trächtigkeit; de Koh mächt en schön M. — Derb auch die Mutterbrust; er horrem (hat ihm) de M.ə gedätschelt unsittl. RA.: Schulle (Schollen auf dem Felde) kloppe un Mämmcher fihle sen zwei unnitze Dinger Goar-Weiler. De is froh, dat sei Mudder en M. hat, sust härre (hätte er) am Arsch saufe kinne von einem, der ohne ersichtlichen Grund lacht u. den Gr. nicht auf Frage angeben kann oder will Simm-Laub. — 2.a. Zitze des Euters (neben Striche) Verbr. SSchleid, Malm, Prüm, Bitb, Wittl, Daun, Koch, May, Aden u. im Süd. in Saarl, Merz, Saarbg [abseits Ottw-Schiffw, Altk-Betzd -ę-], u. zwar SSchleid, Malm, NPrüm -a-; SPrüm, Bitb -ā- (-- Pickliessem; -a- Auw Gemünd Halsd Obersgegen Sefferweich), Trier-Gilzem Menning Minden [in WBitb mām

[Bd. 5, Sp. 800]
auch = Mutter, im übrigen Bitb im Gegens. zu ma·m. ‘Mutter’ für 2 a -ā-; Bitb-Rittersd mām, Pl. -mən u. mę·m.ən]; Wittl --, –ę- (-ā- Eckf Seinsf Steinborn); Daun (-ā- Deudesf Meisbg (-məln)), Koch, May, Aden (-a- Bodenb Bongard Borler), Saarl (-a- Bous Griesborn Lisd), Merz (meist -a-), Saarbg (-a- Irsch) -ę-, Pl. -mən; de Koh hat ze kurze (kläne) M.ə; de K. ka mer nemmen (nur) un (an) äner M. streichen (melken); de K. get nemme mat drei M.ə Melch. — Derb auch die Brustwarze der Mutterbrust u. diese selber, meist hierbei Mämmche(r); Bitb sehr selten, alt dafür Spinn, jetzt Brost; get dir dem Kann noch de M.? RA.: Wer eine Glatze hat, hät ze lang de M. getrunk (u. dabei sich die Haare an der M. abgestossen); er hat entzündeten Mund Daun-Strohn. — b. -ę- dass. u. Mutterbrust Kemp-Breyell, Kref, Mörs, Geld, Klev, n. Ruhr, Mettm RA.: He (dat) steht (legg) an de leste (hengeschte) M. (vom Schwein genommen) ist zu kurz gekommen, hat keine Pflege, den Anschluss verpasst, es nicht verstanden, sich eine günstige Stellung zu erwerben, von Personen u. Sachen Rees-Ringenbg, Kref-Linn. Modersch M. sugen Allg. — 3. -ę- heute derb nur Brustwarze, Mutterbrust [nicht derb Bros(t)]; doch früher (1880) kaum derb, kosend Mimm [die Zitze beim Muttertier ist SNfrk Däəm; nur in NWErk, Kref-Linn Fischeln M. als grober, gemeiner Ausdr.; in Heinsb-Millen męm, mamkəs Mutterbrust; mamə Pl. beim Schwein] Aden, Schleid, Malm (-a-), Ahr, Eusk, Rheinb, Bo, Köln, Bergh, Dür, Grevbr, Neuss, MGladb, Erk, Heinsb, Kemp, Kref, rrhn. kurköln. Neuw, Altk (Sieg), Waldbr, Gummb (Homburgisch), Sieg, MülhRh, NBerg, Ruhr; -- Eup, Heinsb-Erpen Dremmen (Pl. mmə); -- NWErk; abseits -ę- Bitb-Speicher, Trier-Mettnich, Saarbr-Sulzb, OOttw [sonst Ottw -a-], Saarl-Roden Berus (-a- u. -ę-) Itzb (u. męnts); -a- Saarl-Hüttersd (hinzu treten dann die Geb. 1, 2 a, b wo M. übertr. die Bed. hat); de M. suge (lutsche); dem Kend de M. gevve; dat K. krig noch de M.; dat K. noch an der M. han; dat K. van der M. afgewänne, — afdohn; dat Mädche hät decke M.ə; dem Mädchen an de M. föhle (unsittlich) Rip, Allg. RA.: Dat ös en Mensch (Weib) wie en hölze Popp, hät ken M. on och ken Fott (Gesäss) Sieg-Braschoss, Waldbr-Wildbg. Der kindische Erwachsene moss de M. noch han; et wör Zeck (Zeit), dat der sech de M. afgewänne däht; he kann net van der M. kunn hat nicht den Mut, von Hause zu gehen, um sich im Leben zu betätigen Rip, Allg. Gangk on säste (sagst du) för di Moder, se soll dech ens de M. geəve! Ausdr. der Verachtung MGladb. Eim de M. en de Mond donn einen Gedanken nahe legen, einem es sehr leicht machen, so dass er bloss zuzugreifen braucht Mettm-Cronenbg, Altk-Birken. Dem es e Mämmche

[Bd. 5, Sp. 801]

[Bd. 5, Sp. 803]
afgegange eine Nahrungs- oder Einnahmequelle verstopft Sieg-ODollend. Weə Buk (Bauch) mäk, m. och M. beim Schwängern Kemp-Dülken. Änn, pack de M. on (in) de Hänn (Hände)! Neckr. May-Rieden. Andräəger, Kottefeəger (Katzenfeger), bi (beisse) de Kott (Mus) die M. af! Spottr. gegenüber einem Anträger Kemp, NWErk. Heə leggt noch ömmer an Mudersch M. er lässt sich von der Mutter unterhalten Kref. Du kas mech an't Mämmke föhle! gewogen bleiben Düss. — 4. übertr. a. sachl. α. -ę- Kuhmilch, bes. aber Muttermilch, in der Kinderspr. (in Trier-Mehring auch Tittmämm), in der Wend.: Dau kreis gleich M.; gef mer M.! Bitb (-ę-, aber -ā- Zitze), Trier-Schweich Mehring, Wittl (aber -- Zitze); -a- Bernk-Dusemond, Birkf; melĭχmęm Saarl-Hütting. — β. męmχər Pl. Ledersorte, Zitzenstück Siegld-Afholderb Kromb; mamχər Pl. Bauchfleisch des Schweines Goar-Weiler. — γ. męmχər Pl. knollige Auswüchse an Kartoffeln Simm-Laub; męm Auswuchs an einem Baumstamme Koch-Leienkaul, uWupp, MülhRuhr; męm(p)χə Unebenheit auf dem Eisen, beim Schmieden entstehend Sieg-ODollend; Ausbuchten, Kerben im Sensenblatt, et sin M.ə dran Emmerich; męm geschwollenes Zäpfchen im Halse Rees. — δ. męm Ausguss eines Topfes Dinsl-Aldenr. — ε. męm, en de(r) sösse (süssen) M. Wirtshausn. (die Wirtin hatte einen üppigen Busen) Düss-Stdt (veralt.); schmerege M. Wirtschaft in Mörs-Drüpt. — b. persönl. męm, α. gel (gelbe) M. verächtl. alte Frau Köln-Kendenich. — β. Feigling Saarbr-Völkl (sonst nicht bezeugt).

Mämmen- in der Zs. [wo ein anderer Vokal als -ę- herrscht, ist dies angegeben]. Mämmen-ditzchen Neuw, Sieg, Siegld-NSchelden n.: kleines Wickelkind, Mutterkindchen, verzärtelt. Mämmen-draut (-gertrud) -drøk Köln, Bergh n.: verächtl. Frau, Mädchen mit stark entwickeltem Busen. Mämmen-ferkel (s. S.) Simm n.: Saugferkel. Mämmen-flatsche -flāt Altk-Eichen f.: verächtl. sehr verwöhntes, verzärteltes Kind. Mämmen-fleisch ma- MülhRuhr-Heissen n.: Bauchlappenfleisch. Mämmen-fratzel m- Eup-Raeren f.: Brustwarze der Frau. Mämmen-füllen -īl- Simm; ma- Zell-Raversbeuren n.: Saugfüllen. Mämmen-geck MGladb-Rheind; m- Eup m.: verächtl. Kind, das sich nicht von der Mutterbrust entwöhnen lässt. Mämmen-gedanken Simm-Horn Pl. t.: scherzh. Heimweh. Mämmen-grete -grit Neuw-Datzeroth (noch verächtlicher mimi-) n.: verächtl. ältere kindisch veranlagte Person. Mämmen-haare męmh·ə.rə MGladb-Kleinenbr Pl. t.: verächtl. Bartflaum. Mämmen-junge -jo·ŋ. Heinsb m.: verächtl. kleiner J., der immer nach der Mutter schreit, Schosskind. Mämmen-käkes -:- Kobl-Stdt m.: dass. PfWB Mämmen-kalb (s. S.) n.: 1. Saugkalb Simm, Koch, May-Kollig, Ahrw-Vettelhv; ma- Saarbg-Greimerath. — 2. verächtl. Muttersöhnchen Koch-Lutzerath, Neuw-Datzeroth, Duisb (weibischer

[Bd. 5, Sp. 804]
Mensch); męm- Eusk-Dirmerzh; maməkęlbχən Saarbr, Ottw. Mämmen-kast -kas Mörs-Neuk m.: verächtl. stark entwickelter Busen. Mämmen-kind (s. S.) Siegld, Elbf n.: Säugling, verächtl. verzogenes Mutterkind. Mämmen-kuh -kō: Rheinb-Kirchh f.: Samenkapsel der Herbstzeitlose. Mämmen-kütt Aach-Walh n.: Saugferkel. Mämmen-labbes Simm-Laub; męm- Birkf-Idar m.: verächtl. ein Kind, das länger als gewöhnlich die Mutterbrust trinkt. Mämmen-latsche -lā:t Erk-Elmpt f.: verächtl. verweichlichte, feige Person. Mämmen-läute męmlt Eusk-Zülp f.: verächtl. verwöhntes Mutterkind. Mämmen-leid Düss-Stdt; męm- Jül-Gevelsd n.: M. han heftig nach der Mutterbrust verlangen, vom Säugling; übertr. Heimweh haben. Mämmen-luppe -lup Simm-Laub f.: verächtl. grosse, schwere Frau mit dicken, vollen Brüsten. Mämmen-lutsche -luts, –o- f.: 1. Saugflasche Duisb. — 2. verächtl. a. Kind, das arg auf das Säugen der Mutterbrust versessen ist Heinsb-Dremmen. — b. Mutterkind Duisb. — c. Stubenhocker Koch-Lutzerath. — d. siewe Joəhr M.ə Pl. Wiesenschaumkraut, in der Kinderspr. Koch-Treis.