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Rheinisches Wörterbuch 
 
Land bis Landjoch (Bd. 5, Sp. 79 bis 83)
 
 Land Rhfrk lant, Dat. Sg. lan, Pl. lęnər; Mosfrk lant, Dat. Sg. la·n. [Trier-Stadt vom Felde lant], Pl. lę·n.ər [Bitb, Prüm lānt, Dat. Sg. lā:n, Pl. lēnər]; Rip lant, Dat. Sg. la·n. la·n.t (u. ohne Schärfung), Pl. lę·n.dər; uErft, uWupp -ā-, –ā:-, -:-]; im mouillierenden Geb. des Rip, Berg, SNfrk laŋk, Dat. Sg. la·ŋ., Pl. lę·ŋ.gdər [OBerg laŋkt; im sndfrk. Trübungsgeb. lǫnt, –ŋk, –ǫunt; Eup laint]; Klev lānt, Dat. Sg. lānt, Pl. lndər; MülhRuhr lǫunt, Dat. Sg. lǫ·u.n, Pl. lęinər; n. Ruhr lant, doch -ā- Duisb, um Görsicker; Demin. lęndχə, –tχə(n), -ŋkχə, –kə, –tə, –tjə n.: 1. ohne Gegensatz. a. Sg. t. Bodenart; doə ös schleit L., — gout L. (sompig, fett, locker udgl. L.) [duət L. Sumpf Waldbr] Kemp, Allg.; dafür SNfrk, Klevld meist Grund, sonst daneben Bodem. RA.: Je besser et L., öm su grövver der Bur Jül. — b. Sg. t. ein Stück Feld, Ackerland, Ackerbesitz; e Stöck L. eine Parzelle; do han ech noch en Stöck (Placken, Lappen, Strifen, Ort) L. (ligen); ene Morgen L.; die paar Zibbele L., dat es och jet Rip, Allg.; en Fass L. = 60 Ruten, en half F. L. = 30 Ruten, en Sester L. = 15 Ruten Birkf, Bernk; der Bur hät vill L. (anənen); mi L. schüsst an dem Jann et singt us mein Feld grenzt an das des Johann; dat ös os (unser) L.; et L. leg durchənen (Gemenglage) oder bejenen; ech mott henge dat L. noch baue (pflügen); dem Bur wörd et (ganze) L. verkof (verkauft); loft doch net so övver et L.; ech goəhn (fahre) op (no) et L.; mach, dats de van usem L. kömms; wo send de Üəre (eure Leute)? Antw.: om L. zur Feldarbeit Rip, SNfrk, Allg.; man unterscheidet Acker- (Rhfrk), Brach-, Bösch-, Wise-, Erdäppels-, Koərn-, Haver-, Weiss-, Knollen-, Röben-, Klil.; Pitter hat dat Kor en e Erdäppelsl. (wo vorher Kartoffeln standen) gesät Rip, Allg.; oəpe L. (offen) kleine, nicht umzäunte Parzellen, die mit dem Spaten umgegraben werden Kemp; offen L. bebaut Bernk-Berglicht Wolf, Koch-Ernst; nej (neu) L. gerodetes L. (sonst Rottl.) Klev, Kemp; Onl. unbebautes Feld Klev. RA.: E Stöck L. wie en Wei (Weide, Wiese) schlecht bearbeitet, — ene Grasdresch (-driesch)

[Bd. 5, Sp. 80]
Heinsb. E Gesit (Gesicht) wie e Morgen L. so breit Prüm-Watzerath, Bitb-Dudeld. Dat L. hot Tugend ist gut zu bearbeiten Bitb-Badem. L. is ei seker (sicheres) Pandj; Kaiser, Köninge mit hön Soldote gohn drövver eweg; se nümmen et doch neit mit Heinsb-Millen. Den hät sovel L. on Sand Ländereien Mörs-Xanten, Schleid-Hellenth, Monsch; se han alles verkäft (-kauft), L. un S., Haus un Hoff, Grond un Boddem Saarl. Beister ge (kein) L. äs gene Här (Herr) Monsch-Witzerath. Men mott et L. betrachten on och de Mest man muss ein Ding von zwei Seiten betrachten; erst denken, dann handeln Mettm, Lennep. Dor es gene Vogel so quoəd (böse), of he lött (lässt) et L. si Soət Geld-Nieukerk. Do geht ener L. messe ein Betrunkener Dür. Wenn dat Längche mär Geərsch (Gerste) dreht! Mahnung zur Sparsamkeit Eup-Raeren. Enen Bur ös neit tefriəne (zufrieden); drittste (scheisst du) op et L., ös et te winnig; dr. de em op de Nas, ös et te vüəl Kemp-SHubert. — c. grösseres Gartenbeet, meist Ländche, Lännche, Längchen, Pl. Länner, Länn(g)cher; grab mer s'erscht das ewerscht Ländche Saarbr, Ottw, Saarl, Merz-Düppenw Honzr, Trier-Hermeskeil Höfchen, Nahe (Birkf meist Bord), Goar-Trechtinghsn, Simm, Bernk u. Zell (Hunsr-Orte), Altk, Sieg-Birkenf Erkhsn Eischd Leuschd-Stdt, MülhRh-Federath Marialinden, Siegld (Lanner Pl., Gardel., im Gegens. zu Länner 2 d), Waldbr, Gummb; abseits Rheinb-Iversh; s. Synon. bei Bett, Blä, Bläch, Bord, Deich(en), Endchen, Feldchen, Gärtchen, Gartenfeld, — biss-chen, Häus-chen, Höfchen, Hofbett, Musbett, –garten, Örtchen, Pfädchen, Pfand (Pfändchen), Pferch, Rabatt, Rondell, Ründchen, Spiegel, Stück, Teil, Viertel.d. Sg. t. Hofraum; mach, dats dau vo user L. kemms! Trier-Beschd. — 2. L. im Gegens. zu anderm. a. zu Wasser; Sg. t.; a L. kommen anlangen, zurecht, zuwege k.: beste widder a L. kunn? heimgekehrt Rip, Allg.; e kömmt u ke L. mih treibt ins Uferlose Mos; et as net a L. mat em ze k. man kann mit ihm nicht zurecht k. Mosfrk, Rhfrk; hei sett an't L. er ist bankerott Mörs. RA.: Do sieht mer neist wie L. un Wasser Rhfrk, Allg. Et geht der nörges doller her as te Water en te L. en in de Winterdag op et Is es kann überall tolles Zeug vorkommen Klev. De löt (lässt) Goddes Wasser üvver G. L. lofe der Gleichgültige Rip, Allg. — Wasser un L. ein Figurensp.; in der Mitte der Figur ist das Verbot, wer dahin tritt, darf nicht abgeschlagen werden; tritt ein Zweiter ins V., so muss der erste weichen; um das V. befindet sich das W., in das niemand treten darf; um das W. befindet sich das L., auf dem Nachlaufen gespielt wird Neuw-Dierd. — b. zur Stadt; Sg. t.; op et L. sin (wuəhne); op et L. werke Bauer sein; de ös van et L.; op et L. goəhn von der Stadt auf das platte L.; de es te schad op et L., de mott en de Stadt SNfrk, Allg.; et platte L. Rip. — c. Sg. t. Gegend, Teil eines Reiches, im Gegens. zu den anderen Teilen, z. B.

[Bd. 5, Sp. 81]
et bergische (bersche), Jüleker, Prümer, Trierer L.; et Nidderl. die Industriegegend des Niederrheins, et Ovverl. das L. südl. einschl. Ahrgeb. u. Westerwald; et Flassl. die Gegend um Erk, Heinsb; et Denkell. das Spelzl. der NEif; et Ländche das ehemalige rrhn. Drachenfelser Geb. bei Bo-Wehlem Röttgen; der Westrand der Ville, auch et Klüttelängkche genannt, wegen der Torfklütten; ne richtige Längkches Tölpel; die ehemalige Grafschaft Blankenheim an der Ahr; et Heckenbacher L. an der Ahr; das Grossherzogtum Luxembg; et Ulleser (Ulles Schlafhaube) Ländche Neckn. für Neuw-NBieber; et gelobte L. für Wittl-Seinsf Steinborn. — Overlongk un Ongerl. Verstecksp. zu zweien Heinsb-Birgelen. — AR.: Wonn et rent (regnet) us dem Prümer L., da r. et met Onverstand Malm. Et schmeckt nicks beəter em Jüleker L. als Botter op en Flamkangk (Fladenkante) SNfrk. Bibbchen, B. of der Bank; B., B., inner der Bank, et ös kei Man am (im) Trerer L., de dat B. fänken kan? das Ei Bernk-NEmmel. — d. Staat, Reich, im Gegens. zu andern, wie Holland, Russ-, Engeland usf., nach dem Nhd.; ut wat fer e L. kömmp den? Kemp, Allg. Wat fer Läner ginn (gehen)? De Holläner Trier-Schleidw. — e. Sg. t. Gebiet, im allgemeinen Sinne; Inland, im Gegens. zum Ausland; us L. unser L.; en usem L. Vaterland Rip, Allg.; bei us ze L. Simm; he es widder em L. in der Heimat, aus der Fremde heimgekehrt Rip, Allg.; dat is doch im ganze L. bekannt Rhfrk, Allg.; üt aller Here L. Klev; hie te Laun Mülh-Ruhr, Allg.; Büttelandse ausserhalb Stammende Rees; des Lands verlofen aus dem L. flüchten Bitb-NWeis; en hot et L. quaddeert (quittiert) ist über die Grenze geflüchtet Trier-Mehring. RA.: Jidder L. hät senge besongdere Klang verschiedene Sitten Schleid-Reifferschd. Dat get arm L. on arm Löck (Leute) bei Misswachs Sieg. Arm Leit, arm L.! läuten die Glocken Zell-Pünderich; leit (leicht) Volk, l. L.! MGladb-Holt; nass L., plomp Volk! MülhRh-Herkenr. Der es gen Hangk (Hand) voll, der es en ganz L. v.! zu dem, dessen Geliebte untreu wurde MGladb, Allg. E muss sich e L. v. schumen (schämen) Trier-Mehring. We Gott well strofe on L., hölt e de Lück (Leuten) der Verstangk Monsch. Lever (lieber) L. un Lück verlore, als ne falschen Eid geschwore Köln-Stdt. Der belit (belügt) L. on Leit Merz-Nunk; die dünn mistende Kuh bescheusst L. un Leut Daun-Strohn; L. en Lüj bejen (anənen-)hange (klatsche, quake, prote) durch Hetzen in Streit bringen Klev, Allg. E Man vun meiner Moss (Mass) ziert L. un Stross Trier-Schleidw. De Sonn hat noch kän Bauer aus em L. geschienen Ottw, Verbr. Ehrlich Hand geiht durch et ganze L. Köln-Stdt. Möt der Hot (Hut) en der Hangk kömmpt mer dur et ganze L. MGladb, Allg. Bleif am (im ) L. on nähr deich redlich! Trier. Et deht ken Helligen got a (in ) sengem L.

[Bd. 5, Sp. 82]
Prüm, Verbr. (s. heilig). Va wit (weit) uter Haund (Hand) kommen de Lü en et L. Ruhr. Fall en et L. Unbedachtsamer Neuw, Sieg. Schlecht gəegt es et erschte Dimmerwedder, wat en't L. schläht Saarl-Niedaltorf. Iwer L. gohn betteln gehen May, Allg.; ovver L. en Saind gohne (lope) hausieren, betteln gehen, herumlaufen Eup; ower L. en S. fochse (laufen) Klev; dem sing Schnute driəht (trägt) enen duər L. un S. er schimpft über einen, wo er nur hinkommt Waldbr-Wildbg; L. on S. auslafe (-laufen) vergebens nach einer Braut suchen Goar-NGondershsn. — Ländches ein Kindersp.; mit einem grossen Drahtnagel macht man einen Kreis in das Erdreich, der je nach der Spielerzahl durch eingeritzte Striche in Länder eingeteilt wird (etwa D = Deutschland, F = Frankreich, R = Russland); der älteste Spieler wirft mit dem Nagel in ein feindliches L.; durch den Treffpunkt zieht er eine neue Grenzlinie, entweder von Kreislinie zu Kr. oder vom Schnittpunkt der Länder durch den Treffpunkt bis zur Kr.; der Besitzer des betroffenen Kr. bestimmt, welches Teilstück dem Treffer zufällt oder welches er selber behalten will; im erstern Falle nennt der Eroberer das L. Kolonie u. schreibt es hinein (K); im zweiten F. wischt er die alte Grenze weg u. verleibt ein. So oft der Spieler fremdes L. trifft, darf er weiterspielen; schliesslich bleibt noch ein schmaler Kreisabschnitt übrig, trifft er dreimal hintereinander da hinein, so hat er gewonnen; gelingt ihm dies nicht, wird er futsch; nun darf ein anderer Mitspieler in sein L. werfen u. den Pechvogel aushungern. Trifft der Nagel während des Spieles ins eigene L. oder ausserhalb des Kreises, so ist der Werfer gleichfalls futsch, dasselbe, wenn der N. nicht stecken bleibt; trifft man den Kreisrand, so darf man dreimal werfen; wer jedesmal den Kr. trifft, wird beim dritten Wurf futsch Merz-Conf.

Aus- land: nach dem Nhd. [Neckbezeichnung für Köln-Nippes durch den Kölner].In -land: nach dem Nhd. RA.: Dem sein Bän stihn no em Enl. er hat X-Beine Neuw-Dierd. En Furz es en Tepesch aus em Enl. en't Ausl. Kobl-Bend.Un -land: Onl. 1. unbebaute Felder Klev; nicht anbaufähiges L. Gummb. — 2. in der Kultur zurückgebliebene Gegend Malm-Bülling.

Land- in der Zs., wie –armenhaus, –beien, –brot, –bürgermeister(ei), –dechant, –frau, –gericht, –gut, –haus, –huhn, –lehrer, –leute, –messer, –partie, –pastor, –plage, –regen, –schaft, –schuhe, –schule, –steuer, –strich, –tag, –volk, –weck, –weg, –wein, –wirt nach dem Nhd.; dazu: PfWB Land-abnehmches -abnēməs; L. sein ein Kindersp., wobei ein spitzes Eisen in den Boden geworfen wird (s. o. Ländches) Wend-Offenb. Land-au landǫ·u.  Monsch, Eup (-dǫ), Aach, Jül, Dür, Bergh, Grevbr, MGladb, Erk, Heinsb, Kref, Kemp, Mörs; lantsdǫu Geld; ladǫ·u. MGladb-Hardt f.: 1. etwas verächtl. Gegend, Landschaft, Bezirk, öde Gegend,

[Bd. 5, Sp. 83]
Wildnis; en ärm L.; en schleite L.; en fremd L.; he kickt sech de L. an; dat ös hei ävvel ock en L.; wat es dat för en L.? Allg.; övver jen L. stenke goəh untätig, faul herumlaufen. RA.: Hiej (hier) es gen go (gute) L.! sagen die Bauern, wenn der Klingelbeutel in der Kirche an ihnen vorbeikommt u. sie nichts hineinlegen Heinsb-Breberen. — 2. die Stadt L. in der Rheinpfalz. RA.: So fescht wie L. Saarbr-Sulzb. Land-auer m.: Kutsche, nach dem Nhd. Land-bogen Rheinschiff m.: der dem Lande zunächst liegende B. einer festen Brücke. Land-bote lampət Ahrw-Mayschoss m.: der Jungbursche des Maispiels, der die andern zu Versammlungen einläd. Land-brücke -brek Mos f.: Br., an der die Ponte anlegt. Land-däuessen -d·y.əsə Schleid-Hellenth Pl.: verächtl. –bewohner. Land-draht -drt Emmerich m.: met en L. nähje mit weiten Stichen nähen. Land-eck landęk Grevbr-Elfgen n.: ein Ballsp. zwischen zwei Parteien. land-flüchtig -i- Merz Adj.: l. gen (werden) sich aus dem Staube machen. PfWB Land-flüs Klev-Warbeyen n.: ein Unkraut. PfWB Land-frieden (s. S.) Allg. m.: in der Wend. nach dem Nhd.: Dem L. net trauen. Land-gekrach Malm-Bütgenb Nidrum n.: in der Wend.: Dat get en L. von einem Dorfereignis, das Aufsehen erweckt u. einen schlechten Eindruck macht. Land-getau Elbf (veralt.) n.: grosser Frachtplanwagen, wie er vor der Einführung der Eisenbahn über die fernen Landstrassen fuhr. Land-getäuer ebd. m.: 1. Fuhrmann, der mit einem solchen Wagen den Frachtverkehr vermittelte. — 2. übertr. laŋkjəts·u.ər langer Kerl uWupp. Land-gezöge n.: 1. -jəts:jə –getau Köln-Stdt (veralt.); Treidelschiffahrt mit Pferden Sieg-ODollend. — 2. -jəts:χ verächtl. fahrendes Volk, Korbmacher udgl. Bo-NBachem. Land-gezöger Sieg, Bo (veralt.) m.: -getäuer 1. Land-halde -hal Saargeb. f.: Stelle, wo die Kohlen über Land verkauft werden. Land-hase (s. S.) m.: 1. wie nhd. — 2. übertr. Stöər L.ə Neckn. der von Geilk-Stahe; Walbeckse L.ə derer von Geld-Walbeck. Land-herr -hēr Rees m.: -besitzer, –wirt. Land-joch Rheinschiff n.: das dem Lande zunächst liegende J. einer Schiffbrücke.