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Rheinisches Wörterbuch 
 
Luther bis Lutschbirne (Bd. 5, Sp. 650 bis 654)
 
 Luther Rhfrk, Mosfrk ludər; sonst -ut- Sg. t. m.: 1. wie nhd. RA.: Dat os L. se Broder er ist streng evangelisch Schleid. Wann L. nit wär, do dähre mer haut (heute) noch Hau (Heu)

[Bd. 5, Sp. 651]
fresse Hunsr. De Elster kiərnt de Botter; de Kroh, die drägt den Mist op et Langd, dat es den Buəren woll bekannt, sät ok der Dokter L. Gummb-Berghsn. Et steht en Männeken in dat Holt (Holz) un röppt (ruft) met L.s Gewalt? der Pfarrer auf der Kanzel Rees-Weselerwald. — Spottverse: Martin L. schlug die Butter; bös an die Flutter os doch M. L.! Koch-Laub. M. L. schlug sin Mutter mät der Stell bes inne Hell! Klev-Calcar. M. L. schmiert de B. fengerdeck of et Steck! Westerw. Hier in dieser weichen Butter liegt begraben M. L. und ein biss-chen tiefer drein liegt Calvin, das dicke Schwein! Rees-Wesel. Einige Frösche (et gewe katholische un evangelische Keckwort) quaken: Pap, P., P. (Papst); andere: Lull, L. L. (Luther)! Klev-Üdem.

lutherisch lud-, lutēri  meist ludəri  Rhfrk; sonst lutə(r) [Sieg-Ruppichteroth lokti] Adj.: wie nhd. (neben e(m)fangelisch); de l.ə Parre (Pastur); de L.ən die Evangelischen Allg.; l. Deitsch Hochdeutsch Saarl 1870. Beste englisch on b. bolisch (polnisch), b. l., katholisch, b. eng on b. brät, gelt, Motter, wat han mir Fräd (Freude)? Wend-Sotzw. — L.ə Deckkopp Spottn. für den Evangelischen Allg.; l.ə Kalfskopp Ahrw. L.ə Ratten, met Botter gebacken, met Mehl geröhrt, vom Düwel in de Höll geföhrt! Ess-Altenessen. L.ə Dickköppe sitten in de Hölle en maken Pisspötte! Lennep-Radevormwald. RA.: Kattollesche Hahn, l.ə Schwan, kavinsche Engel trecke all an enem Schwengel Dür. L. Geld es mer lever als Kapezinesch Dreck ebd.

lütig -ȳ:- = schwer s. lötig bei Lot IV.

luts -ūə- = leicht s. lucht III; lutsch -ū(ə)- = links s. lurz; Lütsch -ȳ- = Schilfrohr s. Lüsch V.

Lutsch I s. bei Lutsche.
 
 
Lutsch II, Lütsch -t, Pl. -tə(n); Demin. lytχə(n), –ø-; s. auch Lusch VI m., f.: 1. verächtl. Schlaffes. a. lut m. alter, schäbiger Hut Mülh-Rh-Dünnwald, Bergh-Mödr Heppend Blatzh, Dür-Birkesd Frauwüllesh Golzh Heistern Morschenich NZier Winden, Jül-Pattern, Grevbr, MGladb (u. lu), Erk-Körrenz (u. lu), f. Aach-Eschw; -ø- Monsch-Rollesbr, Schleid-Hellenth; -ǫ- m. Eup. — b. lut, –o-, meist Pl. -tə(n) m. Pantoffel ohne Kappe, alter, ausgetretener Pantoffel, Schuh, auch hinten bis auf die Sohle abgeschnitten Goar-Weiler, Kobl-Bisholder Güls Isenbg Stdt Winning, Schleid, MüEif (u. -ø-) Dür-Kreuzau, MGladb-Hoven; lutə f. Siegld; løk m. Monsch-Imgenbr; løt Prüm-Mürlenb (1860) Steffeln, Malm, Schleid, Monsch, Sieg-Ägid. Danse, d., Dirmelche! Morer, ech ha kä Schoh! Döht os Varer si Lütschelcher a on dans da wacker zo! Siegld. — c. lotə Pl. t. Lumpen, Fetzen Monsch-Vossenack. — d. lotə Sg. u. Pl. m. losgerissenes Fleisch vom menschl. Körper, bei Verletzungen Sol-Merschd; løtə Sg. u. Pl. f. an den Schuhen hängende Klumpen von Erde oder Schnee, auch zusammengebaltter

[Bd. 5, Sp. 652]
Klumpen beim Heumachen Siegld-Freudenbg; løtə Sg. u. Pl. m. mit Gras durchwachsene Erdscholle Sieg-Leuschd. — e. løtə Pl. t. unedle Eingeweide des Schlachttieres Erk-Genhf. — f. løt f. die Seite des gefärbten Ostereies Jül (u. -o-), Schleid-Hellenth; -o- Düss-Bilk. — g. -ȳə- m. hartes, zähes Fleisch Heinsb-Breberen. — h. -y- m. Schuppe Mörs-Camp. — i. -u- m. breiter Schleimauswurf Sieg-Süchterschd. — k. løk f., in der Wend.: De L. ophalde den Mund aufhalten, Maulaffen feilbieten Monsch-Kalterherbg. — 2. persönl. verächtl. a. lut m. verlotterter, nachlässiger, gleichgültiger, alberner Kerl Schleid-Dreiborn; -ø- Aden-Nohn, Gummb-Berghsn; -o- Heinsb-Erpen; løk Monsch; løt Waldbr, Wippf; -ø-, en armer L. bedauernswerter Kerl Aden-Nohn; en gott Löcksch gutmütiger Mensch Monsch-Rohren; lt schlafmütziger, langsamer M. Altk-Hellert; -ø- Gummb-Homburgisch; ene versaufe Lötsch Trunkenbold Dür-Winden; -ø- f. Maulheld Monsch-Ruhrbg. — b. lut, –o- f. schmutziges, nachlässiges, faules Weib Saarbr, Prüm-Mürlenb (1860) Stdt, Aach-Würselen, Bergh, Grevbr, MGladb, Neuss; lutə, –o- Siegld; løt Prüm-Stadtkyll, Sieg-Fussh, Dür-Birkesd, Grevbr-Hochneuk; --, –- Altk-Bachenbg, Gummb-Elben Homburgisch; lot, Weib, das sich mit jedem aufhält, viel herumläuft Zell-Merl, Grevbr-Allr Wevelinghv, Erk-Körrenz; lotə Koch-Laub; doll L. wildes, ausgelassenes Mädchen Grevbr-Schaan; deck lǫt dicles, watscheliges Weib Ahrw-Hepping.

Lutsch-hut Verbr. wie L. 1 a m.: verächtl. alter, schäbiger Hut. Lutsch-kalb lotkf Heinsb-Erpen n.: 1. ein Unhold, der dem späten Wanderer auf den Rücken springt u. sich tragen lässt. — 2. übertr. verächtl. unordentlicher, ungeschickter Mensch. Lutsch-kappe -kap Dür-Langerwehe, SNfrk (o. O.) f.: verächtl. K. ohne schöne Form. Lutsch-mütze (s. S.) Schleid-Keldenich, Gummb-Dieringhsn f.: verächtl. alte, schlechte M. Lutsch-ohr -ū·ə.r Monsch-Vossenack, Schleid-Blankenheimerd, Ahrw, Eusk, Rheinb, Sieg-Fussh n.: verächtl. weibischer Kerl.

Lutschen-brühe -təbrē Siegld-Weidenau f.: verächtl. fades Getränk, bes. schlechter Kaffee.

lutschen, lütschen schw.: 1. -o- die Kleider im Gehen nachschleppen Kobl-Moselweiss; -ø- in schlechten Pantoffeln gehen, schlürfend gehen, schlendern Monsch-Witzerath, Schleid-Hellenth, MüEif. — 2. -ø- ein Knabensp., wobei ein Geldstück in die Erde gesteckt u. mit einem andern (oder einem Steine) danach geworfen wird; wer die Münze fortschnellt, hat gewonnen Aach-Stdt. — 3. de krig se gelötscht er kriegt Prügel Erk-Stdt. — 4. et lōətscht es taut (vom Frost) Waldbr-Eckenhg, Gummb-Drabenderhöhe. — Abl. die Lötscherei, dat Gelötsch.

ver- lutschen, ver- lütschen: -ot-, etwas v., vernachlässigen Neuw-Altwied;

[Bd. 5, Sp. 653]
Schuhe v., draufschlappen Schleid-Hellenth; -u- Siegld; -- Erk-Vossem; -lōrtsə Klev-Pfalzd.

Lutschert -u-, –o- Schleid-Kall Sg. t. m.: ein in seinem Äussern, bes. in der Kleidung heruntergekommener Mann, Handwerksbursche Schreckgestalt für die Kinder.

lutschig -u-, –ō- Siegld; -o- Sieg-Fussh; -ø- Prüm-Stadtkyll; --, –- Altk-Bachenbg Birken Elben Fischbacherhütte Köttingerhöhe, Gummb-Homburgisch Adj.: 1. nachlässig, unordentlich, in Kleidung u. Arbeit. — 2. --, –- lauwarm, vom Kaffee Gummb-Homburgisch.
 
 
Lutsche das Wort ist nach Wk. V 12 allg. bis einschl. Geld, Mörs, Ruhr, u. zwar lut [im Rip im selben Orte häufig daneben -y-, –ø-, u. LRip --], Pl. -tə(n), Demin. litχə(n), –y-, –ø-, –- [n. des Geb. noch luts u. lutskə, –y- Mörs-Xanten Birten Ossenbg, Klev-Cranenbg Hülm Niel Nütterden Pfalzd Üdem, Rees-Elten; -ø- Haldern (aber noch lut Obrighv Ringenbg Schermbeck); lytskən Dinsl-Spellen; s. noch Lurze] f. [lut m., lutə f. Berg]: 1.a. das früher aus Leinwand u. darin gewickeltem Zucker, jetzt aus Gummi hergestellte Saugpüppchen der Kinder Allg.; dann der Schnuller auf der Säuglingsflasche u. diese selbst Rip, Nfrk, während Rhfrk (nicht Birkf), Mosfrk dafür Lupp steht; dem Kend de L. gevve Rip, Allg. — b. -- Mutterbrust Eup; -o- Düss-Stdt; lytχə Aach-Stdt. — 2. übertr. a. Bonbon Bitb-Wiersd. — b. scherzh. Tabakpfeife, breit gekaute Zigarre; e muss ömmer de L. ön der Maul han Mosfrk, Allg.

lutschen -u- [im Rip, Berg, SNfrk vielfach nur -y-, –ø-; LRip auch --; -- einen weichen Gegenstand, eine Birne, weiches Fleisch fest einsaugen; -u- saugen, vom Säugling Sieg-Rhönd; Kemp-Breyell -ū-; Birkf-Idar, Trier Mehring -ō- (aber lut f.); Wittl-Landschd -e-] schw.: 1. hörbar saugen, an der Lutsche, der Mutterbrust, am Finger (Daumen); doch steht für ‘an der Mutterbrust, an der Saugflasche saugen’ mehr luppen (s. d.); nuggeln, suggeln, schnüggeln, schlubben, während l. allg. mehr für ‘am Daumen saugen, Süssigkeiten s., im Munde zergehen lassen’ steht; am Fenger (Daumen) l.; hoste die Zuckerstäncher (de Klömpcher, de Kamelle, Honnig) ball all gelutscht? Rhfrk, Allg.; op dem Dumen l. SNfrk. RA.: Du kannscht om Stobbe l.! bekommst nichts mit Saarbr. L. de Katz am Schwanz! abschl. Antw. Saarbr-Breb. Dar is grad so vill, als wemmer em dore (toten) Monn on der Zehb (Zehe) lutscht Saarbr-Heusw. — 2. mehr übertr. a. schmatzend essen, zahnlos kauen; an der Prümm l. Kautabak kauen Allg. — b. naschen Allg. — c. langsam trinken, nippen; lutsch net su an dem bess-che Bier; loss mer es en l.! einen trinken; loss mer noch ens l.; der lutscht den Fusel ävver gern; he hät widder ze vill gelutscht Rip, Allg. — d. an de Pif l.

[Bd. 5, Sp. 654]
rauchen Allg. — e. an em Mädche l.; se sen sech widder am l. küssen Rip, Allg. — Abl.: die Lutscherei, dat Gelutsch.

ab- lutschen: 1. etwas a., absaugen Allg. — 2. eine a., abküssen Ahrw-Löhnd. auf -lutschen: etwas a., z. B. Zuckersteinchen, zu Ende l. Allg.aus -lutschen: eine Birne udgl. a., aussaugen Allg. — De Borm es ausgelutscht ausgesogen, erschöpft Koch-Ernst.

Lutsch Sieg Sg. t. m.: das Saugen; sengen L. halen; noch en Lütschelchen, dann böste ferdig.

Lutsch-beutel -ȳd- NBerg m.: Sauglappen. Lutsch-birne (s. S.) Verbr. f.: B.sorte, die sich sozusagen lutschen lässt.