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Rheinisches Wörterbuch 
 
Luder bis Ludig (Bd. 5, Sp. 576 bis 578)
 
 Luder das Wort ist Rhfrk, Mosfrk, Rip, Elbf, Mettm, Dinsl, Eup, SNfrk in MGladb, Erk, Kemp allg. nach dem Nhd., aber nur in übertr. Bed., u. zwar Rhfrk lūdər, lūrə(r); Mosfrk mit Schärfung lū:dər, –ō:-, –o·u.- [in Bernk, Zell, Koch vielfach lū:rər, –ō:-, –o·u.-]; sonst lūdər (ohne Schärfung) [-ōd- vielfach in Schleid, Monsch, Rheinb, Eusk, Köln-Stdt, Düss-Stdt; im Rip, Neuss neben -ūd- auch -ǫud-], Pl. -rə(n); Rip, SNfrk -dər n.: 1. die urspr. Bed. ‘Aas’ nur noch in Wend. u. Zs. vereinzelt: Eich kinnt L. fressen! ich kann alles

[Bd. 5, Sp. 577]
essen, bin nicht empfindlich Saarl-Berus. Onger et L. komme verderben, in schlechte Gesellschaft geraten Düss-Stdt (nach dem Nhd. auch sonst mögl.). — 2. übertr. ein sehr scharfes Schimpfw. zu Mensch (ein M. von gemeinem Wesen) u. Tier, bes. auch für ein böses Weib (Rip auch Ludərsch); du (verdammt) L.; aber auch ein Mensch, den man gewissermassen bewundert, weil er klug u. unerschrocken zu handeln weiss, e L. van em Kerl Rip, Allg.; gern mit bezeichnendem Attrib., e domm, ful, kromm, steif, alt, dreckig, störrig, egensennig, bockig, verpasst, rappig, wüst, rosig, geckig, doll, verröckt, verdammt (verdöllt usf.) L. Allg.; wärst dau L. äs emol gebreckt (verreckt)! Bitb; dat L. sall frecke! Rip, Allg. RA.: Dat es e L. e gene Murast, en e gene Stöbb (Staub) kann e neit wijer (weiter) er ist mutig u. entschlossen in Gefahr, in kleinen Sachen oft ratlos u. verzagt Eup. Jann, den Mann, den Bockseknop (Hosenknopf, Knirps) woll sin Frau verkopen, stiet (stiess) se mät de Fut (Fuss) inne Fott (Gesäss), do gong dat L. lopen Dinsl-Vörde. Husched (Prüm-Ringhuschd), dau L.; sackert Jiss Piersched! Neckspr. auf die beiden Dörfer. — En arm L. armes Weib, sei es an Vermögen oder Verstand oder behindert durch Schwäche oder im Leiden, also nicht nur verächtl., sondern auch bemitleidend Allg.; lief Luderchen liebes Mädchen Trier, Bernk.

luder-dick  Mörs (das Subst. fehlt) Adj.: sehr dick, fett, vom Vieh. luder-fett lōrər-  Siegld Adj.: weich, schwabbelig, wie es z. B. fettes Fleisch sein kann. Luder-hexe -hęks Aden-Virnebg f.: verächtl. alte Kuh. Luder-holz Bernk-Rhaunen n.: das bei der Wassermühle am Aussenlager quer überliegende H. Luder-jan lō:driā:n Saarbg-Winchering m.: verlotterter Mensch. Luder-kaule (s. S.) Bitb-Wiersd, Wittl-Schwarzenborn, Malm-Bütgenb f.: Schindanger. Luder-kerl Saarbr-Völkl m.: verlotterter K. PfWB Luder-kob Saarbr-GrRosseln, Ottw-Eppelborn m.: grosse Krähe. Luder-licht Prüm-Dingsd n.: verächtl. schlecht brennendes L. luder-mässig Kobl-Bend Adv.: et es l. kalt sehr, verdammt k. Luder-maul Saarbr-Völkl n., f.: niederträchtiger Mensch, der vor keiner noch so boshaften Verleumdung zurückschreckt. Luder-mensch -i- Saarl-Berus n.: schlechtes Weib. Luder-platz Sülzt f.: Schindanger (veralt.). Luder-schak -ā- Saarbr-Holz m.: -kob (s. d.). Luder-vieh -fe·i. Merz, Saarbg n.: verdammtes V. (im Ärger). Flantermäus (Fledermaus), wöu kuckschte räus, zöu dem heihen (hohen) Tur (Turm) eräus; wat höschte gess? Sauerbroch (Buttermilch)! O L., ewie stenkt dei Loch! Saarbg-Winchering. Luder-volk Trier n.: Gesindel, Pack.

Luderei -ərę·i., Pl. -ən Trier, Bitb f.: Nichtsnutzigkeit, Streiche. RA.: Hen as su voller L. ewe en Hond voller Fast (Fist, Fürze), — de Hell (Hölle) voll Deiwelen.

[Bd. 5, Sp. 578]

Lüderich lē:dəriχ, Pl. -jən Saarbg-Onsd m.: verlotterter, träger Kerl.

luderig lū:dəriχ, –ō:-, –o·u.- Saar von Merz an, Trier bis Koch, Wittl, Bitb, Daun, Prüm, Schleid-Hellenth; -e·i.- Saarbg-Soest Adj.: 1.a. bösartig, abscheulich, durchtrieben in höchstem Grade (im stärksten Ärger ausgesprochen); dat as e l.ə Kerl, e l. Mensch; dat as en l. Perd; auch e l. Weder; dat os jo e l. Geschäft mot esu em schlechte Wedder.b. listig, schlau, schalkhaft, witzig (in z. T. widerwilliger Anerkennung); bei dem l.ə Kerl weiss mer net, ob he Spass oder Erscht mat äm (einem) mecht; hen as l. genog, fir den schlauste Fuchs ze fänken.2. Adv. vor Adj. unangenehm, verwünscht, verdammt, im höchsten Grade; l. kalt, wih, aber auch l. gut, reich usf.

Luderig-keit -kēt, Pl. -tən Bitb f.: 1. Bösartigkeit. — 2. Schlauheit, Schalkhaftigkeit, Munterkeit; de wäss (weiss) vo lauter L. net, wat hen äm (einem) stichten (anstiften) soll.

ludern Merz-Losh, Trier, Bitb, Wermelsk (-ūd- auch nach der Umgangsspr. sonst mögl.) schw.: ein lockeres, unsittliches Leben führen, herumlottern.

be- ludern: 1. -o·u.d-, einen b., aufhetzen Trier-Thomm. — 2. -ūd-, einen b., im Kartensp. betrügen durch nicht richtiges Bekennen Prüm-Burb. ver -ludern: 1. -ūd- usf. Hab u. Gut v., durch wüstes Leben verschwenden Verbr. wie ludern; -ī:d- Zell-Pünderich; -lūrərtsə Zell-Briedel. — 2. körperl. u. sittl. verkommen ebd.
 
 
Ludger m.: 1. lȳərəs, γēr(ə)s der hl. L., der Stifter der Abtei Werden an der Ruhr. Treckt de Procession de säng Lüərsweg, mott de Roggen en di Ohren (Ähren) sin, wenn de Bur säng Lüərsəkermes Bäu (Ernte) well häwwen Ess-Heidhsn. — 2. lutkə Kranich (nach dem Gedenkfest am 26. III., um diese Zeit ziehen die Kr. nordwärts) NBerg (o. O.). — Et lekəfęst Fest zu Ehren des hl. L. Malm-Mackenb.

Ludig = Ludwig (s. d.).