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Rheinisches Wörterbuch 
 
linsen bis linzent (Bd. 5, Sp. 488 bis 489)
 
 linsen das Wort ist durchweg Rhfrk, u. zwar -e- Saarl-Roden; -i- Wend-Pfeffelb, Kreuzn, Simm, Bernk-Andel, Goar-Boppard schw.: absol. jmd. schief u. scharf anblicken (ohne zu schielen), verstohlen blicken, aufmerksam horchen; do hore wiere im die Eck gelinst. — S. auch die RA. bei Linsenfeld u. lunzen, lunken. — Abl.: die Linserei, das Gelins, der Linser.

an- linsen: einen a., schief u. scharf anblicken.

linset = vorhin s. lienster.
 
 
linsig in lauter-linsig = nur, nichts als (s. d.).
 
 
Linster -īnst-, Pl. -rə Ahrw-Rech m.: Misteldrossel u. Star. S. Leister.

Lint I = Leine (s. d.); Lint II = Leinen (s. d.).
 
 
Lint III das Wort, nd. lint, ist Rip, Nfrk, doch Rip heute nur noch vereinzelt (durch Band, Litsche, Schnur verdrängt), u. zwar Rip lint, –e- [-- Sieg-Ägid], Pl. selten -tə in Waldbr, Sieg, MülhRh, Schleid-Blankenh, uAhr, Rheinb, Eusk, Bo, Köln, Aach [in Sieg-Honnef nur Demin. lintχə; Ägid lentχə u. lnt]; leŋk, Pl. -ŋktər uWupp, Bergh-Kirchherten Hüchelhv; -- Bo-Waldrf; lęint Eup; SNfrk allg. lent, –i-, Pl. selten -tər [lint, –e- u. liŋk, –e- MGladb; liŋk Grevbr-Hochneuk, Neuss-Büttgen, MGladb-Kleinenbr, Kemp-Hüls, Kref-Stdt (u. lint); leŋk, Pl. leŋər u. leŋktər Erk-Elmpt, Heinsb-Myhl; -ē- Kemp-Brüggen; lend Selfk]; Geld lent, Pl. -ndər; Mörs lēnt, Pl. -ndər; Klev lint, –e-, –ē- (hier auch f. u. auch in der Bed. ‘Leine’); Rees, Ruhr lent, Pl. lendər(kəs); MülhRuhr -i-; im NBerg lint, Pl. -tən in Mettm, Barm, Elbf (u. leŋk), Lennep, Sol; leŋk Remschd [ganz abseits in einer Wend. Goar-Leining u. in bes. Bed. Goar-NGondershsn], Demin. -tχə, –tə, –tjə n.: 1. schmales Leinenband (wett L.), bes. für Hemden, Schürzen, schwarzes Besatzband für den Saum der Röcke (schwart L.), buntes Seiden-, Samt-, Zierband für Schleifen, Besatz am Hut, Haarschleife Allg.; schwatt verselle L. schwarzes baumwollenes Band, das zum Binden der Schuhe benutzt wurde Meiderich; Papierlender Streifen Papiers u. Luftschlangen Mörs; Spintleint Wachsschnur zum Anzünden der Kerzen Eup; L. auch Baumbast Klevld; sej hät en siə L. an en Hut Mörs, Allg.; si het en rut L. öm den Hals gebonnen Sieg-Ägid, Allg.; en Wong (Wunde) möt L. ömweckele Kref, Allg.; langs de Kler (Kleider) word L. gesotte (gesetzt) Heinsb-Myhl, Allg.; Lenger beihoəle zu Fastnacht beim Reiten durchs Dorf, von den Mädchen an das Pferdehalfter gebunden Erk-Elmpt; Lintche sprenge Seilchen spr., von den Mädchen Geld, Klev; et L. ophale (spanne) Seil spannen, an der Kirche u. beim Eintritt

[Bd. 5, Sp. 489]
des Hochzeitszuges ins Haus; das Brautpaar muss sich durch eine Geldgabe lösen Eusk-Glehn, Köln-Brück. RA.: Dat es Strüəh wie L. Kref. Dat Flesch es so tieh (zäh) wie L. Grevbr-Hochneuk, Kemp-Hüls, Ahrw-Sinzig, Goar-Leiningen (abseits). Alldie, allda, alldortje, wäll dör dat goldene Portje; hier verkope se wett L., schwart L., wor den Bur de Bocks (Hose) mät bend! Spr. beim Brückensp. Emmerich. Schrüər (Schneider), Schr., schreck, alle Dag en Meck (Weissbrot), fif (5) Ele L.! Spottruf auf den Schneider Heinsb, Kemp. Glick geft et L.; glick krigi (du) L.! Prügel Emmerich. Gej mott onse Stock met etliche Lender zieren, damit wej ons können lote siehn! aus dem Hochzeitsbitterspr. Mörs-Rheinbg. Dann komme de Jöfferkes met de kleine Schlöfferkes (Pantoffeln), dann komme de Kinderkes met de moje (schönen) Lenderkes! Klevld. — 2. übertr. a. dünnes Seitenblättchen an Halmen, Kornfruchthülse Dinsl-Aldenr. — b. bongk (buntes) L. Bandgras, phalaris arundinacea v. picta Bergh-Hüchelhv. — c. lønt grüne Schale der Baumnuss Prüm-Stadtkyll (Bed. 1 fehlt). — d. Bachbunge, veronica beccabunga Goar-NGondershsn (abseits, Bed. 1 fehlt). — e. løn Regenrinne Heinsb-Wehr.

Lint-hund lint- Altk-Weitef m.: eigentl. Bandhund, Kettenh.; jetzt Schimpfw. für Mensch u. Haustier; dat es en L.; geh holl emol die L.hunn (fortgelaufenen Schweine). Lint-gasse -jas f.: Strasse in Köln. RA.: Wenn de ganze L. stirf, erve mer noch kein Hiringsnas (die L. war früher der Wohn- u. Verkaufsplatz der Fischhändler). Lint-getau lints- NBerg n.: Bandwebstuhl. Lint-haube lintəhǫ·u.p Sieg-Rheidt f.: alte Bänderhaube. Lint-kasten -kasən Barm m.: Bandkasten. Lint-kläuen Elbf n.: Bandknäuel. Lint-krämer Ess m.: Hausierer mit Lint. RA.: He het ne Mule as en L. Lint-mai lent- Goar-Salzig (abseits) m.: Geissblatt, lonicera. Lint-mütze leŋtərmøt Mettm f.: Bänderhaube für Frauen (veralt.). Lint-nähtchen liŋtntχən Waldbr-Eckenhg n.: Rand des Strumpfes. Lint-seil -ē- Köln-Kierbg n.: deutsche Waldrebe, clematis vitalba. Lint-stock lēndər- Mörs m.: St. des Musikführers bei Musterungen (vor dem Kriege), ein Stab mit vielen bunten Bändern, von den Dorfmädchen gestiftet; Stab, den der Hochzeitsbitter mitführte u. an den ihm jedes geladene Mädchen ein Lent befestigte. Lint-wirker NBerg m.: Bandweber. Lint-wurm -o- Heinsb-Karken; -- Klev m.: Bandwurm.

linten -ø- Prüm-Stadtkyll schw.: Nüsse l., Baumnüsse aus der grünen Schale lösen.

Lint-zeichen = Narbe s. Link-; Linz = Kurzf. für Leonard (s. d.); linzent = vorhin s. lienster, inzent.