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Rheinisches Wörterbuch 
 
Lett IV bis letz I (Bd. 5, Sp. 405 bis 407)
 
 Lett IV das Wort mhd.  Lexer lette entsprechend, reicht vom Süd. lrhn. bis Geilk-Brachelen, Erckörrenz, MGladb-Giesenk, Grevbr-Belmen, rrhn. bis Düss-Volmerswerth, Sol-Gräfr, Mettm-Cronenbg Haan, Lennep-Wermelsk [doch fehlen für Saarl, Merz u. für Wippf, Waldbr die Belege], u. zwar Rhfrk let, –ę- [in Saarbr vielfach wie im Siegld lędə m.], sonst lęt [-- Aden, Ahrw, vielfach Bo, kurköln. Neuw, Sieg-Honnef; -ə- Daun-Tettschd; lętə Gummb; lęt –ē- u. lętiχ Kobl-Stdt; lęt Goar-Boppard, Neuw-Datzeroth] Sg. t. m. [f. Ottw]: 1. der rasch getrocknete steife, sandige Schlamm, der nach Überschwemmung auf dem Acker, der Wiese bleibt, der nach Regengüssen auf der Strasse liegt, toniger Niederschlag in Gewässern, bes. im Teiche, aufgewühlte, schlammige Erde, schliesslich steifer, fester Lehm (Ton) in gewachsenem Boden, mit Sand durchmischter Ton; so steif (zeh) wie L.; et Wasser hot es (uns) de Wis voll L. geflizt (geflösst); em L. steche bleiwe Eif,Allg. — Zwischen den Bimssteinschichten lagernde Schicht von Lehm oder Löss Mayf. — 2. übertr. a. Rückstand auf dem Bierkühlschiff u. unter

[Bd. 5, Sp. 406]
dem Maischbottichsenkboden Köln-Stdt. — b. Lettche Neckn. für Ahrw-Dedenb.

 PfWB Lett-bodem (s. S.) Allg. m.: steifer Lehmboden im Acker, am Ufer der Flüsse. Lett-bohr Altk, Siegld n.: Bohrer, mit dem in nassem Gestein das Bohrloch gebohrt wurde; dies wurde bei der früheren Sprengarbeit, bei der das Sprengpulver trocken gehalten werden musste, vor dem Fertigmachen des Schusses mit Lettnudeln (-klöss, –stoppen) gefüllt u. diese mit einem Spitzeisen durchschlagen, so dass man ein nässefreies Bohrloch erzielte. Lett-gefach Sieg-Honnef n.: Lehmgefach im Fachwerkhaus. PfWB Lett-klicker Kreuzn-Bockenau m.: Kl., aus Ton gebrannt. Lett-nudel Saargeb., in der Bergmspr. f.: Lehmpropfen, der zum Verschliessen des Bohrloches, wenn es mit Pulver gefüllt ist, benutzt wird. Lett-schicht Altk, Siegld f.: die häufig zwischen Eisensteingang u. Nebengestein vorhandene Lette.

letten I Birkf-Fischb Adj.: e lettne Klecker Klicker, aus Ton gebrannt.

letten II yvərlęt Jül-Röding Part.: et Land es ü. mit steifem Schlamm bedeckt.

ver- letten: fərlęt Sieg-Fussh; -ts- Prüm-Mürlenb 1860 Part.: voll Lette seiend, verschlammt, etwa vom Brunnen, von Äckern u. Wiesen.

Lettig = Lett (s. d.).

 PfWB  ElsWB  LothWB lettig Adj.: 1. schlammig, lehmig, aufgewühlt; l.ə Boddem lehmiger, toniger Ackerboden; de Weg sen all l. van all dem Ren (Regen) Rip, Verbr. wie Lett (aber nicht allg.). — 2. übertr. a. lędĭχ unausgebacken, vom Brot Wend-Pfeffelb. — b. lətəχ schwach gewürzt, schal Aach-Merkst.

Lette = Alette, Adelheid (s. d.).

letten I s. o. bei Lett IV; letten II -ę- = schaden s. letzen II.
 
 
letten III das Wort, ndl. letten entsprechend, in der ndl. Nachbarschaft, u. zwar -ęt- Eup (auch Aach-Stdt Merkst), Heinsb-Kirchhv Lümb Karken Millen, Erk-Elmpt, MGladb-Viersen, Geld-Straelen Schravelen Winnekendonk, Klev, Emmerich schw.: auf etwas l., aufmerken, aufpassen, sich danach richten, darauf rechnen; do koste op l.; do mosste ens op l.; ich lett op der Brefdräger; lett ens drop, deə traut sich (heiratet) Allg.; lett ens op ming Wöərt! auf das, was ich gesagt habe, ob das nicht zutreffen wird; op de Pönk (Punkte) l. genau auf etwas achten, zusehen Aach-Stdt; we do drop lett (vertraut, sich danach richtet) de es a jen Heck wird sich täuschen Aach-Merkst.

auf- letten: 1. aufpassen Aach, Heinsb-Kirchhv, Emmerich. — 2. aufbrausen, widersprechen ebd. ver -letten: de Tit v. vertreiben Kemp-Waldniel.

Letten-blatt, Lettenblume = Huflattich s. Lattich.
 
 
Letter I das Wort, ndl. letter, frz. lettre, lat. litera, ist als letər, –i-, Pl. -rə(n) [Klevld -tərs]

[Bd. 5, Sp. 407]
vereinzelt noch im Rip, SNfrk, NBerg in best. Wend. (sonst Buchstabe) (s. u.) bezeugt; in allgemeiner Bed. noch in Geld, Mörs, Klev, Rees f.: 1.a. Buchstabe; de hät vell L.ə fresse (freəte) hat viel studiert Eusk-Billig, MüEif, Köln-Stdt, Bergh-Hüchelhv, Aach-Berensbg, Kemp, Klev; de es ken L. geliehrt kann weder lesen noch schreiben Sieg-ODollend, uWupp, Sol, Mettm-Haan; de kann kene L. schrive Bergh-Blatzh; heə kennt geng L. op en Schnell (steinerner Krug) Aach-Stdt; en grof L. eine grobe, nicht feine Arbeit, schwere Aufgabe Eusk-Stdt, Bergh-NEmbt, Aach-Stdt Berensbg, Eup; hej es mät twee (2) L.s beschreve er ist wirtschaftlich ruiniert Klev [nur noch vereinzelt Sätze allgemeinen Inhalts, z. B. ech kann de klen L.ə ohne Brell net mih lese; dat Betboch hät gruəsse L.ə Bergh-Hüchelhv 1890; e schrif noch met altfränsche L.ə; latengsche L.ə MüEif 1900; doran kann me gen L. leəse Heinsb-Roerkempen; im Klevld allg. z. B. grote, klen L.s]. — Lętərχə Inschriftseite der Münze, im Gegens. zum Krünche oder Kopp Köln-Stdt, uWupp; letər n. Jül, Erk-Körrenz; lętərs, im Gegens. zur Spenn Klev (im Münzsp. hötzele). — b. lidər m. Spielkarte ohne Bild Birkf-Idar (abseits). — 2. übertr. zu Buchstaben geformtes Gebäck aus Blätterteig in Rollen, gefüllt, auch L.stöcksken SNfrk.

lettern -ęt- Mörs-Neuk schw.: zeichnen, von Hemden, Taschentüchern udgl.; dat Hemb ös fein gelettert; die Täschendük sind gelettert.
 
 
Letter II lętər, –e-, aus lat. lectorium entstanden, mhd.  Lexer lecter, nur noch vereinzelt Eusk-Stdt Lommersum, Bergh, Dür, Neuss-Büttgen 1880, Erk-Elmpt Körrenz Wegbg, Heinsb-Roerkempen, Kemp-Born, Geld-Straelen Sg. t. n.: Chorstuhl, eine hohe, mit Schnitzwerk versehene, für Geistliche u. Kirchenvorstand bestimmte Kirchenbank im Chor, zu beiden Seiten des Altars.

Letter-bank -bǫuŋk Heinsb-Kirchhv f.: dass.

Lett-lot = Längenmass s. Lid- bei Lid II.

letz I = letzt (s. d.).