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Rheinisches Wörterbuch 
 
Leine bis leipen (Bd. 5, Sp. 370 bis 373)
 
 Leine das Wort ist allg., u. zwar lain, –ęi-, –ę·i.-, le·ŋ., –i-, –ę- (Bitb) [Bitb-NWeis lī:n; Mettend N u. Obersgegen Rittersd Wiersd lę·ŋ.t], lī:n, lin [Geld-Twisteden li·ŋ.t; Klev auch lint]; Pl. -nə(n), –·ŋ.ə(n); Demin. -nχə(n), –·ŋ.kχə(n), –·ŋ.skə, –nə, -nəkə, –ntjə [dazu kommt eine Bildung mit m- Suffix auf dem Westerw, im Siegld u. in Waldbr, u. zwar lę·i.m, –a·i.- Neuw-Brückrachd Daufenb Dernb Muschd Rodenb Urb-Kirchd Wienau Woldert, Altk zur Sieg hin; lī:m Neuw-GrMaischd; -ī- Siegld-Littf; -ī:.- Waldbr-Bergerhf Dreschhsn Holpe Mennkausen OAgger Odenspiel; abseits lę·i.m Zell-Merl]; Pl. -mə(n)] f.: 1. hanfenes Seil von mittlerer Dicke (das Seil von mittlerer bis grösster Dicke, Tau), bei dem der Ausgangs- u. Endpunkt in der Spannung übersehbar ist; deshalb auch meist für bestimmte Zwecke gebraucht, als Leitseil (Zügel) beim Spanntier (Perds-, Fahr-, Karen-, Plugl.; en zweispännige, dubbelsp. L. für ein Doppelgespann), als Trockenl. (Wäschl.) Allg.; Längelängt woran die zu trocknende Leinwand aufgehängt wird Bitb-Mettend, als L. zwischen zwei in den Boden zu steckenden Hölzern, an der entlang man grade Furchen im Garten zieht (Gardel.), am Papierdrachen, als Seil des Seiltänzers, als Seil beim S.springen der Kinder (auch Seil) Allg.; als dünnes Seil zum Ziehen des Kahnes vom Lande aus, an de L. sein den Kahn ziehen, de L. oflesen zusammenlegen uMos, Rhein; et Perd an de L. packen; et Perd geht an der L. lässt sich mit der L. lenken Allg.; de L. opmaken sie in einem vielfältigen Ring zusammennehmen Gummb; spann de L. om överschte Söller, dat mer de Wäsch drüge Rip, Allg.; de L. (im Garten) spanne, den Weg strack (grade) te maken Gummb, Allg.; de L. (Lingke) spannen (trecken Ess) bei Hochzeiten zum Aufhalten des Brautpaares, das sich durch eine Gabe an die spannenden Kinder loslösen muss Nfrk (s. Seil); Lingske sprengen Seil springen der Mädchen Aach, SNfrk, Klevld. RA.: Sach (sachte) an, söns breckt (bricht) de L.! Mörs. En (eine u. dieselbe)

[Bd. 5, Sp. 371]
L. trecken gleiche Gesinnung haben Nfrk; en Lintje spannen Emmerich. He hät de L. gezoən (gezogen) hat sich davon gemacht Gummb-Nümbrecht. De L. afloəte beim Drachensteigen, bildl. nachgeben; de hät öwer dem L. afgeloəte hat über ihn gescholten Kref; he hät L. afgel. hat sich davongemacht Geld-Leutherheide. L. kott (kurz)! die L. am Drachen ist zerrissen, der Dr. ist verloren; L. k. gonn wirtschaftl., gesundheitl. zusammenbrechen Barm, Elbf. Einem de L. (jet) langk losse freies Spiel lassen MülhRh, Sol. Wenn de Kobb (Spinne) L.ə spennt, git et got Wedder Sieg-Schönenbg. Lochen (lachen) on Grinen (weinen) hängt döck (oft) an iən (glicke) Linen Heinsb, Kemp-Süchteln, Mörs. De geht an't Lingke ist gefügsam, gehorcht; die Frau hät dem (ihrem Mann) an't L. unter dem Pantoffel Kemp, Kref. De Jong moss mer an de L. dohn in Zucht nehmen Neuw-Dattenbg. Jann en Trin trochten an en L.; J. sag hott, du veil (fiel) Tr. op de Fott (Gesäss) Heinsb, SNfrk, Mörs, Elbf (ek on ming Tring) (s. Jann). An en L. trecke einträchtig handeln Nfrk; wenn me an der L. treck, mott et grad sin Elbf. De hät de Woərt am Lingkche er beherrscht die Rede Sieg-ODollend. Mer mott der Hongk (Hund) su ledden (leiten), dat he nit op de L. schitt (scheisst) man muss jedes Vorhaben so zur Ausführung bringen, dass man keinen Schaden erleidet Mettm. Op de L. gohn nichts zu beissen haben, längere Zeit arbeitslos sein (von der brotlosen Kunst des Seiltänzers) Schleid, Eusk, Rheinb; de loschiert op der L. der Stromer Bergh-Heppend. Ech han mi Pottemenee op der L. hange habe kein Geld Dür-Birkesd. He geiht irschter Dag öwer de L. macht Bankerott, stirbt Sol; engen öwer de L. sprengen loten entlassen Elbf. — 2. übertr. a. der Hosenbund an der Hose des Mannes, die Buckselein; de is ausgescholt (-schult) bis iwer de (Buckse)l. er gebärdet sich überklug Simm. — b. li·ŋ.ə Pl. die Seitenfasern an Hülsenfrüchten, die man abzieht Grevbr, Neuss. — c. le·ŋ.ən Pl. t. Schleimfasern, vor dem Kalben aus dem Uterus fliessend; de L. hangen eraus Prüm-Burb.

Leinen(en)-auge li·ŋ.ənō:x Sieg-Fussh, Grevbr-Belmen Wickr, Erk-Beek, Düss-Volmerswerth; linən- Dinsl-Vörde; lin- Heinsb-Millen n.: Öse am Vorderpflug, durch die die Pflugleine zum Spanntier führt. Leinen(en)-bauer li·ŋ.əbōr Köln-Stdt (veralt.) m.: einer, der Pferde zum Ziehen der Schiffe (auf dem Leinpfad) stellte oder selber das Schiff zog. Leinen(en)-bohnen liŋənbunən Gummb Pl.: B.sorte, ähnlich den Salatbohnen; man kann sie nur jung gebrauchen. Leinen(en)-dreher (s. S.) Heinsb-Tüddern m.: Seiler. PfWB Leinen(en)-eisen le·ŋ.əī:zər Bergh-Blatzh n.: -halter (s. d.). Leinen(en)-halter lę·i.nə- Trier-Kasel, Wittl, Zell-Raversbeuren; lę·i.n- Daun-Stdt, Neuw-Leutesd; li·ŋ.ə- Köln-Weiss; le·ŋ.ə- Schleid-Hellenth, Dür-Derichsw; linən- Ess-Heidhsn Pl.: die beiden

[Bd. 5, Sp. 372]
Führungseisen am Vorderpfluge, durch die die Pflugleine zum Spanntier führt. Leinen(en)-holz li·ŋ.holts, le·ŋ.- (s. S.) Ahrw, Rheinb, Bo, Mettm; li·ŋ.ə- Monsch-Rohren n.: Querholz am Vorderpflug mit zwei Ösen, durch welche die Pflugleine gezogen wird. Leinen(en)-ohr li·ŋ.ū:r Bo-Volmershv Pl.: -auge. PfWB Leinen(en)-pfad lain-, lęinpāt (s. S.) Rhfrk, Mosfrk [an der uMos auch lęim- n.]; li·ŋ.ə-, le·ŋ.ə-, līnə-, linə- Rip, Nfrk m.: der alte L. an schiffbaren Flüssen entlang (an der Mos auch Rittweg genannt). Leinen(en)-pferd li·ŋ.ə-, linəpərt Rip, Nfrk (veralt.) n.: Pf. für den L.pfad. RA.: Ene Pafekouch (Pastorsköchin) on e L., de sen für ene Bur ken zwei Pennek (Pfennige) wert Rip (o. O.). Was haben wir gekocht? Antw.: Alt Gedresse (geschissen) vom L. Köln-Stdt. leinen(en)-richt li·ŋ.ə-rīχt Prüm-Mürlenb 1860 Adj.: aufrecht, ganz grade. PfWB Leinen(en)-ring lę·i.n- Bernk-Monzelf; li·ŋ.əreŋk Sieg, Bergh-Bergerhsn; linə- Klev-Calcar m.: -auge, –halter, –ohr. Leinen(en)-schläupe li.ŋ·əlp Sieg-Uckerath f.: dass. Leinen(en)-schlepper lę·i.nə- Kobl (veralt.) m.: Schiffszieher. Leinen(en)-schnäpper m.: 1. li·ŋ.ə- Pferd, das nach der Zugleine schnappt u. daran beisst Jül-Röding. — 2. linə- Leute, die in einem Nachen den am Stichelseil der Pferde befestigten Schleppstrang an den Kahn oder Dampfer übermitteln, so genannt, weil sie das Ende der Wurfleine auffangen (schnappen), das ihnen vom Fahrzeug aus zugeworfen wird Rheinschiff. Leinen(en)-tänzer li·ŋ.ə(n)-, le·ŋ.ə(n)dęntsər (s. S.) Rip, Nfrk (sonst Seil-) m.: 1. Seiltänzer. RA.: Sprönge wie ne L, Schleid-Hellenth. — 2. übertr. a. persönl. verächtl. α. einer, der tänzelnd geht Köln-Stdt. — β. leichtsinniger Mensch Eusk. — γ. einer, der unsichere Geschäfte treibt Köln-Stdt. — b. sachl. grosser, schmaler Kreisel Rheinb-Meckenh, Monsch-Vossenack. Leinen(en)-teis-chen lę·i.nən-tę·i.sχən (-matthias) Trier-Thörnich n.: Tresterwein (nach einer Sage soll ein Junggeselle sehr oft in seinem Keller Tresterwein getrunken haben; an der Kellertreppe war kein Geländer, sondern nur eine Leine angebracht, an der sich der Betrunkene ans Tageslicht hinaufzog; wahrscheinlich liegt aber eine Umdeutung von Leier III vor). Leinen(en)-zug l·y.nəntsux Koch m.: Aufzugsvorrichtung, Winde.

leinen schw.: 1. li·ŋ.ə, Hülsenfrüchte l., an ihnen die Seitenfasern abziehen Grevbr-Hülchr, Neuss. — 2.a. -e-, de Koh lengt Schleimfasern fliessen ihr vor dem Kalben aus dem Uterus Prüm-Burb. — b. -i-, frischgepflanzte Pflanzen l. oprech richten sich in die Höhe Sieg-ODollend. — c. -e-, eröml. faul umherschlendern Bergh-Blatzh; sech l. sich auf einem Stuhle hin- u. herbewegen, mit dem St. herumfahren MGladb.

ab- leinen: Bohnen a., an ihnen die Seitenfasern, de Ling, abziehen Grevbr-Allr, Neuss-Dormag Hülchr.

[Bd. 5, Sp. 373]

 
 Leiner(t) lę·i.nər Sg. u. Pl. in den Winzerorten in Trier, Wittl, Bernk; -ę·i.- u. -i- Bernk-Neumag; lę·i.nərt, Pl. -tən Bernk-Wolf m.: Fasslager aus Stein oder Holz im Keller, Kellerleiner.

Lein-zeichen = Narbe s. Leim-.
 
 
Leipchen lęibχə Rhfrk in Birkf, Wend, Ottw Sg. t. n.: Liebhaber(in) für etwas, nur im Zs. Hunds-, Kardel. (fürs Kartensp.).
 
 
Leipe lēpə, Pl. -pən Sol f.: Kellerschacht, Kellerl.; meist jəlēp(ə), –lei- Sol, Mettm, Gummb; s. Gleipe u. Läupe.
 
 
leipen -ēp- MülhRh (o. O.) schw.: zur nachbarlichen Unterhaltung gehen.