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Rheinisches Wörterbuch 
 
Laster I bis Latenten (Bd. 5, Sp. 150 bis 154)
 
 Laster I -ad-, –ast-, –ā- Sg. t. n.: 1.a. die nhd. Bed. fehlt. — b. schlimme Angewohnheit; de hät allerhand L. a ser Siegld. — c. eine Menge, viele (stets mit dem unbest. Artikel u. Pl. ladərə) spöttisch übertreibend; e L. Leit (Leute), Kenner, Bire; de hat mol en L. geschwätzt Wend, Ottw, Saarbr, Saarl-Hüttersd Bous. —

[Bd. 5, Sp. 151]
2. übertr. von Menschen. a. ein lästiger Mensch Trier-Welschbillig. — b. lasterhafte, liederliche Person, en L. van en Feəg (Fege) Aach; Mensch mit schlimmen Angewohnheiten Siegld. — c. unordentlicher, schmutziger Mensch Trier-Heidenbg, Bernk-Neumag. — d. e langk L. lang aufgeschossener Mensch Wend-Berglangenb, Trier-Stdt, Siegld, Bo, Dür, Aach, Grevbr, Neuss, Kref, Mettm, Ruhr, n. Ruhr. — e. e faul L. Faulpelz Trier, Koch, Daun, Dür, Aach.

Laster-darm Gummb-Homburgisch m.: lästiger Mensch.

 PfWB  ElsWB läster-lich Adj.: 1. frech, unverschämt, rücksichtslos Saarbr-Völkl; gerne schimpfend Sol 1870; e l. Maul Kobl. — 2. Adv. zur Verstärkung von Adj., Adv. sehr, ausserordentlich; l. klein, gross, schwer udgl. Saarbr-Völkl, Birkf-Oberst, Bernk-Rhaunen, Siegld; se han en l. zerschlohn Kobl, Prüm; l. schrajen fürchterlich schreien Trier-Stdt.

 PfWB lästern -ę- schw.: 1. nach dem Nhd. wohl in Gebrauch. — 2. belästigen May-Kollig.

ver- lästern: 1. -ę-, einen v., nach dem Nhd. — 2. verlasdərn, bərl- verlottern, vernachlässigen; on dem Haus, do as äwer alles bərlastert; de Mensch seiht äwer bərlastert aus; mer darf de Sachen eso net bərl. Trier-Eitelsb Mertesd Mehring Fell Kell; -ęd- Merz-Losh.

 PfWB Läster-maul Verbr. n.: de hat e L., — es e L. er lästert gern über andere. Läster-stühlchen Gummb-Berghsn n.: beim Pfändersp. bekommt der Eigentümer sein Pfand zurück, wenn er op dem L. gesetten het; er muss herausgehen, u. die drinnen sagen allerhand Schlechtes über ihn; hereingerufen muss er raten, wer dieses oder jenes über ihn gesagt hat; dann erhält er sein Pfand zurück.
 
 
 PfWB  LothWB Laster II -a-, Pl. -rə Jül, Kemp-Süchteln n.: der elastische Teil der Tabakspfeife; in Kemp-SPeter lasteŋ, in Gummb lastiŋ, in Eup lastik. S. Glaster u. Elastisch.

Latäute = Laterne s. Lateuchte; Latchen, Lätchen, Lat(e), Lät(e) = Lattich (s. d.).
 
 
lat(e) lāt ein nfrk. Wort (spät fehlt hier) n. etwa einschl. Eup, Aach-Breinig, Erk-Körrenz (veralt.), Grevbr-Wevelinghv Wickr Hochneukirch, Neuss-Büttgen, rrhn. Düss-Eller Hilden, Sol-Ohligs Höhschd Stdt, Lennep-Remschd Radevormwald; der nberg. Teil u. Mülh-Ruhr haben lātə [um 1880 lāt aus Dür-Stdt, um 1870 von dem rip. Geb. der uWupp bezeugt]; gesteigert lātər, ət lāts [SNfrk -a-; Kemp -ę-; lātər später, nachher Erk-Elmpt] Adj., Adv.: spät. 1. Adj.; bes en de l.ən Oəvend; et werd det Joəhr ene l.ə Suəmer; ene l.ə Meddag spätes Mittagessen; l.ə Eərpel (Kartoffeln); l.ə Belle dass.; ene l.ə Gas (Gast); dat göf en l.ə Rais von Ovvend das wird eine späte Sitzung oder Tour werden; et es all (schon) l. en den Tit es geht auf den

[Bd. 5, Sp. 152]
Winter zu. RA.: Je l.ər den Owend, je netter de Lü (Leute) Mörs, Geld. Et ös te l., sät de Foss (Fuchs), do wor öhm de Stert fasgefroren Mörs. Nu es et te l., seit de Kreih (Krähe) för en Frosch, do hatt se'n gepackt Barm. Ennen Dag no de Mart (Markt) es e Johr te l. Heinsb. L.ə Haver geht och op ebd. — Von der Stundenzeit; wie l. es et? wieviel Uhr ist es? Scherzh. Antw.: E Vierdel op Fott (Gesäss), — e V. op en Appelketsch (-gehäuse), hät sech der Honjd (Hund) de Fott gepetscht Selfk, — e V. op de Kläpp Mörs; grad so l., wie gister öm desen Tit Allg.; döppelt so l. as de Hälf Rees-Elten; bej Herrdes op den Dess (Tisch) kas do siehn, wie l. et es Dinsl-Bruchhsn; da kase (kannst du) nit drup an, dat wird immer l.ər Dinsl-Oberhsn; Pilatus ös dot! Mörs, Rees. De sät dich, wie l. dat et es er wird dir seine Meinung sagen Allg. Bur, wie l. es et? beliebtes Kindersp., bei denen zwei Kinder eine bestimmte Zeit ausmachen u. dann die andern in einer Reihe aufgestellten K. der Reihe nach fragen: Bur, wie l. es et? Wer die richtige Zeit rät, bekommt Prügel u. muss weglaufen u. spielt danach den Fragenden Rees-Wesel. — 2. Adv. a. spät; s'owes l.; et wor all söve Uhr (Klock) l.; he es völl l.ər komme; he ös e Joəhr l.ər jongk gewes; bes l.ər; te l. kuəme; de Klock (Uhr) geht te l. RA.: S'Owes l. met et Für in de Ass (Asche) sette Klevld. Beter l. as gar niet Rees; beəter l. jet als fröhch nicks MGladb. Wie fruhg fährt, mott l. lope Klev. Fröhch gesaddelt on l. gerejə (geritten) hat der, der etwas unüberlegt anfängt oder das nicht zu Ende führt, was er begonnen hat SNfrk, Elbf. Dat kömmt l. as den Oss (Ochs) de Melk Geld-Nieukerk. Gej kommt ok so l. as de Mostert (Senf) no et Ete (Essen) Emmerich. Titt satt (Zeit satt) es noch nots te l. gekomme Klev. Beter te fruh (früh) (betitts) as te l. Mörs-Xanten, Allg. E betsche te l. ös völl te l. SNfrk, Allg. Gej wett (wisst) wäll, wa'j (was ihr) sägge söllt, as gej te l. in de Schol kommt ihr seid um Ausreden nicht verlegen Klev. Wu kotter (kürzer, näher) bei der Kirken, wu l.ər erin MülhRuhr. Wu l.ər den Omend (Abend) (op den Dag), wu netter de Gäste (wu mojer (schonder) Volk, de Lüj) ebd., Klevld. — b. lātə letzthin, jüngstens Sol; l.ər Allg. sonst; -tə Erk-Elmpt.

Lat-arsch lātā Erk-Körrenz m.: verächtl. einer, der nicht zur rechten Zeit kommt. Lat-petat lātpətāt Eup-Lonzen m.: verächtl. einer, der langsam u. langweilig im Umgang ist. lat-warts lātər- Rees Adv.: späterhin.

ver-laten -lātə Kemp, Geld, Emmerich; -lātərə Erk-Rath, MülhRuhr schw.: sich v., sich verspäten, de Uhr verlatt (verlatert) sech.
 
 
Latei late·i., Pl. -ə, Demin. -kə Heinsb f.: schmale Fensterbank über der einer halben Stein breiten Mauer, auch Fensterl.; sett de Blome op de L.! — In Zs. auch sonst lrhn. Nfrk.

[Bd. 5, Sp. 153]

Latei-bank Erk-Bellinghv f.: dass. Latei-brett MGladb-Rheind, Kemp, Mörs-Rheinbg n.: dass. Latei-holz -hǫlt Kemp [laihōt Kemp-Ld selten], Kref-Anr, Klev n.: dass. [H. über dem Fensterrahmen, über der Türe, das das darüberliegende Mauerwerk trägt Klev].
 
 
 PfWB  LothWB Latein das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk ladain, –ęin; Mosfrk lad-, latęin, –ein; Rip, SNfrk, Berg latīn, –in, –iŋ, –eŋ (im Moullierungsgeb.) [uWupp lǫtiŋ; Erk-Elmpt lətīn; Eup, Selfk latīnə (absol.)]; Klevld latīn  Sg. t. n. [m. Schleid-Hellenth]: wie nhd.; L. spreəke; L. liəhrə; et op L. sage SNfrk, Allg. [Ferkes-, Hohnerl. unverständliches Gerede; s. d. W.; göff, wat du häs, on loss mir dat ming, dat heischt op huhdütsch Paffenl. uWupp; Breyelsch L. die Krämerspr. von Kemp-Breyell, s. auch Krämerlatein]. RA.: Heə sprecht L. wie Wasser Aach, Allg. E kann L. wie e Schwein Trier-Züsch. De sprecht Franzüsch wie de Kouh L. Aach-Stdt. Dat versteəht heə wie de Katz L. ebd. Ita, sät Kemp, du hatt he drej Dag L. geliehrt Geld-Leuth. Jonge, lihrt L., da drönkt er och Weng (Wein) Rip, Nfrk, — wenn de dat net en dehs, moss de ärbede, dat de schwess (schwitzest) Dür-Frauwüllesh, Kref. Liehrschte et Dresche on et Wanne, dann drenks du Water ut der Kanne (ut Schemmelskannen schimmeligen K. Geld-Leuth); l. ävver L., dann drenks du Win Erk-Keyenbg, Geld-Wachtendonk. Wenn de Jonges L. lehre, möge se kinne sure Kappes mehr Duisbg. Seng L. un ebbes verlieren WBitb. Dem geht et L. us er weiss sich nicht zu helfen Aach, Allg.; hen as mat sengem L. um En (Ende) Bitb, Allg. Van Jeses op L. spreche deutlich seine Meinung sagen Dür. Gugucksknecht, seng mer mei Recht, seng mer op L., wei long ech noch Jongfrau sein! Daun-Strotzbüsch. Ev (Eva), schreif mer en Bref, op L., awer net wie en Schwein! Wittl-Greimerath. Evke, schriff mech e Brefke op L., net te fin, net te groəf op Pastuər sinne Kerkhoff! MGladb. En Mad (Magd), die teənge (gegen) spreckt, on en Frau met L. lot net en et Hus erin! Heinsb.

 PfWB Lateiner m.: 1. die Lateiner Geistliche, Ärzte, noch von ältern Leuten so genannt Kobl-Stdt. — 2. Neckn. derer von Bitb-Idesh, Ahrw-Gönnersd.

lateinisch Rhfrk, Mosfrk -daini, –ęi-, ę·i.-, –nə [Bitb -ę·ŋ.ə; Prüm -e-]; Rip, Nfrk -tīn, –i-, –e·ŋ.(k), –i- [Mettm -tinəs]; Klevld -tints Adj.: 1. wie nhd.; l.ə Wöərder; he kann noch su e paar l. Brocke; l. schrive Rip, Allg. RA.: Du setz do, wie en l. S ineinandergesunken, krumm Kobl-Stdt. En l.ə Fönf Riss in einem Kleidungsstück in Gestalt einer l. V uWupp. Manche Jäger versteht better L. as en Hasen te schieten Gummb-Berghsn. L.ə Brocke, zeh a der Glocke, zeh am Seil, da wirschde hail! Neckr. gegen die Gymnasiasten von der l.ə Schoal Siegen. — 2. übertr. gelehrt; L.ə Gelehrte Eup; wat hät de e l. Geseit

[Bd. 5, Sp. 154]
(Gesicht) MGladb; ene l.ə Bur ein B., der als Schüler die höhere Schule besucht hat (aber nicht im Studium vorankam); ein B., der sich andern gegenüber als Studierten zeigen will, dabei aber die Ackerwirtschaft nicht besonders versteht; aber auch ein B., der offenen Sinn u. Liebe für Wissenschaft hat, ohne dabei seinen Beruf zu vernachlässigen, vielmehr in den Wissenschaften Erklärungsgründe sucht für alles, was er sieht u. hört; ene l.ə B. ös nicks weərt SNfrk, Mörs, Düss, Sol; l.ə Koh scherzh. Ziege Aach-Euchen.
 
 
Latenten  Altk-Hamm Pl. t.: Krankheitserscheinungen; dat Könd hat geradement och su L. an wie dat irschte.