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Rheinisches Wörterbuch 
 
Knauz(en) bis knawen (Bd. 4, Sp. 903 bis 905)
 
  NRhWB Knauz(en) das Wort, je nach Geb. lautl. u. in der Bed. verschieden, ist allg. verbr. an der Saar von Saarl an, an der Mos von Trier bis Kobl [von Bernk-Longkamp an nach SO entlang der kurtrier. Südgrenze bis Goar-Gondershsn], Bitb, Prüm, Malm, Monsch, Ahrw, Rheinb, Eusk, Bo, Köln, Bergh, Dür, Jül, Aach-Eschw Stolbg Merkst, Geilk, Heinsb-Breberen, MGladb, Erk, Grevbr, Neuss; rrhn. Neuw, Sieg, Waldbr, MülhRh, Wippf (rip.), Sol, Elbf, Mettm, Lennep, Ess-Kettwig Werden m.: 1. -ūts, Pl. -tsə u. -ȳts [f. Eusk-Stdt, Köln-Stdt] Stoss mit den Fingerknöcheln, Puff, Schlag, Kopfnuss; wart, du kris Kn.ə Allg. in dem rip. u. berg. u. sndfrk. Geb., Ess-Kettwig (-øutskən); pass op, du kris e Knüzche, dat de mens (meinst), do hüərts en alle Kerchen Meddag lögge (läuten)! MülhRh; gef em enen Kn. (an de Kopp, en de Seck Seite); do git et Kn.ə; do setz et Knüz af Sieg, Allg. De Hangelarer (Sieg-Hangelar) Jonge, die sen gelonge, die losse sech net uze (foppen), söns gevven et Kn.ə!2.a. das durch Schlag, Stoss Entstandene, Beule; sich (sieh) ens, wat de ene Kn. an de Stirn hät; he hät sech ene Kn. gestusse ebd. (ebenso lautend); -ūtsə m. Koch-Hambuch. — b. Beulen-, Klumpenartiges. α. Geschwulst, Auswuchs am menschlichen u. tierischen Körper, an Bäumen, an der Schuhsohle, Wand udgl.; Haarknoten bei Frauen (gern Demin. -ȳtsχə) ebd. (ebenso lautend), Ess-Werden; angeschwollene Nasenspitze Köln-Stdt; e Knüzche mache beim Schreiben das Gelenk des Zeigefingers winklig herausdrücken Köln, Sieg. — β. -ūts, Pl. -tsə knorriges Stück Holz Bergh-Glesch, Dür-Stdt, Wermelsk, Neuss-Strabg, Erk-Borschemich; -ūtsə Sg. u. Pl. Ahrw-Löhnd; -ǫutsə Sg. u. Pl. Ottw-Wiebelsk; -eitsχə Trier. — γ. -ǫuts, Pl. -tsə grosses Stück Brot (bes. Anschnittstück), Fleisch Goar-Gondershsn; -ū- Waldbr-Wildbg; -ūtsə Sg. u. Pl. Sieg-Rhönd; -ȳətskə Stückchen MGladb; -ȳtskə verächtl. kleines oder schlechtes Brötchen Düss, Neuss. — δ. -ūts, Pl. -tsə, –ȳts, berg. -tsə verächtl. Knöchel der Hand, bes. wo Finger u. Mittelhandknochen zusammenstossen Monsch, Eusk, Rheinb [MüEif f.], Köln, Erk-Keyenbg, Neuss, Sieg, MülhRh, Sol, Elbf, Düss; -ǫu- Koch, Kobl; Kn. hauen ein Klickersp., wobei dem Unterliegenden auf die auf dem Boden geballte

[Bd. 4, Sp. 904]
Faust, auf die Kn.ə (er muss Kn. halen), mit Klickern von den Gewinnern geschnellt wird, mer welle Kn.ə haue spille Sieg-Rhönd, Sol-Burschd; Kn.ə schete (schiessen) Neuss, — schesse Aach-Eschw; Kn.ə kneppe Aach-Stolbg; op de Kn.ə donn Jül-Inden; de kreit de Knauz Saarbg-Tetting; Knauzches Kobl-Stdt; du kris de Knöz Düss-Eller Wersten; Knüz! Zuruf beim Klickersp., der den Rufer berechtigt, von einer erhöhten Stelle zu schnellen, wobei er die beiden Fäuste aufeinandersetzen darf Düss; -o·u.ts Sg. f. Anstand, Malstrich beim Klickersp. Eup. — ε. -ūts, –ȳtsχə Ellenbogenknochen, Bergh-Bedbg, Grevbr, Erk-Holzw, Mörs-Binsh Schwafh. — ζ. -uts, –ou-, Pl. -ęits, –ei- [-outsən Bitb-Geichl Ehlenz], gern Demin. -ęitsχən, –ei- kleiner, verkrüppelter, in der Entwicklung zurückgebliebener Apfel, überhaupt Kernobst, bes. gut schmeckend Saar, Trier, Bitb, Prüm, Malm; -ūts, Pl. -ȳtsə Wermelsk. — η. ebenso lautend, kleiner, im Wachstum zurückgebliebener Mensch, kl. Junge, Knirps, verkrüppeltes Tier ebd., Bernk-Longkamp, Koch-Lutzerath Leienkaul, Kobl-Bend; -ūə- MGladb; -outsəlχi, –eitsχi Trier-Euren. — θ. -ǫuts, sonnerbare Kn. komischer Kauz Neuw-Datzeroth; Waiderschborger Knauze, seid se freh jausse (draussen)! Neckspr. gegenüber denen von Kobl-Weitersbg, ebenso denen von Neuw-Hammerst. — i.- ǫuts Geizhals May-Kirchesch, Aden-Kaltenborn. — S. Knutz(en).

Knauzen-bäcker -ȳtəkəs- Düss-Volmerswerth m.: Schimpfn. für den B., bes. für den Bäckerlehrling. Knauzen-beiner -ǫutsəb:nər m.: im Neckspr. gegenüber denen von Neuw-Hammerst: Hammerstäner Kn., stinken bie de Honn (Hunde), wessen net, bo de Bibel leit (liegt), de B. leit ze Bonn! Neuw-Rheinbrohl. Knauzen-beutelchen -ūtsəbygəlχə Köln-Stdt n.: verächtl. kleine, unansehnliche hässliche oder verwachsene Person. Knauzen-brett -ūtsən- Elbf n.: im Klickersp. 51 Fuss; der Unterlegene wird op et Kn. gestallt; er stellt sich in Schlussstellung auf seinen Ort, den Klicker (Häuer) in der Fussöffnung; die Gewinner suchen diesen vom Knie aus zu treffen; soviel Treffer erzielt werden, so viele Knuzen erhält er von jedem auf die Hand. Knauzen-klas -:- Koch-Lutzerath m.: kleiner dicker Mensch. Knauzen-kopf -ǫutsəkǫp m.: 1. Kaulquappe Daun-Tettschd. — 2. übertr. Dummkopf Koch-Lutzerath; -ūtsk- Dür-Gey.

knauzen, knäuzen schw.: 1.a. -ūts- einen (sich) kn., boshaft puffen, stossen, quetschen, schlagen; den han ech es gehüreg geknuz; du krigs se geknuz; ech han mech geknuz Verbr. wie Knauz 1 u. Koch-Treis [Sieg-Fussh -ū- u. -ou-; Köln-Stdt -ȳ-]; -ū- mit der geballten Faust den Kopf des Namenstagskindes reiben Jül-Inden; de Knoch ens kn. sich nach dem Schlafe strecken Köln. — b. -ūts- das Klickersp. Knuze haue spielen Rheinb-Stotzh, uWupp, Düss-Ld,

[Bd. 4, Sp. 905]
Neuw-Erpel, MülhRh, Wippf (rip.), Sol, Jül-Inden; -ȳ- MülhRh-Immekeppel; -ȳ(ə-)- Mettm-Düssel Tesche; -ȳə- u. -ūə- Gummb-Berghsn. — c. -outs-, einen kn., einen in allem übertreffen Aach-Merkst. — 2.a. -ȳts- das Huhn treten, begatten, vom Hahn; der Hahn knüz et Hohn Eusk, Rheinb, Bo, Köln, Bergh, Dür-Birgel, Sieg; -ū- daneben in Ahrw-Hönning, Eusk, Bo, Sieg, MülhRh. RA.: Jede Hahn knüz seng Hohnder selfs dem Ehemann soll keiner in die Quere kommen Bergh-Heppend. — b. eine Frau kn., beschlafen ebd. — c. -ū-, einen kn., zwingen, meistern können Rheinb-GrBüllesh. — Abl.: die Knuzerei, dat Geknuz, der Knuzer (u. -ȳ-), sech zerkn.

ab- knauzen, ab- knäuzen: -ūts-, der Hahn knuz et Hohn af Rip.ver -knauzen, ver -knäuzen, zer- knauzen, zer- knäuzen: -ūts-, einen (sich) v., z., zerstossen, zerpuffen Rip.

Knäuz-hahn -ȳts- Bergh-NEmbt m.: guter H.

knauzig -outs- Trier-Euren, Bitb-Wiersd, Malm-Vith; -tsəliχ Bitb-Niedersgegen Adj.: 1. knorrig, verkrüppelt, im Wachstum zurückgeblieben, von Holz, Obst, Mensch u. Tier. — 2.a. -ū- trotzig Wippf-Hardt. — b. -ei- wählerisch im Essen Wittl-Krinkhf. — c. -ou- geizig Aden-Kaltenborn.

knauzen I = stossen s. bei Knauz.
 
 
knauzen II ein rip. Wort, u. zwar -outs- in Malm, Monsch, Schleid, Eusk-Schwerfen, Dür-Birgel Birkesd Winden, Aach-Eschw, MGladb-Rheind, Sol schw.: 1. erbärmlich schreien, vom Hunde. — 2.a. eigensinnig bei geringster Veranlassung, ohne rechten Grund weinen, von Kindern; stets klagen, von Erwachsenen, bes. Frauen; de Pute (Kinder) hant emmer jet ze kn. Allg. — b. brummen knurren, nörgeln Sol. — Abl.: die Knauzerei, dat Geknauz, der Knäuzer, sich zerkn.

Knauz Sg. t. m.: das Knauzen; sengen Kn. hale (halten).

Knauz-peter -pit Monsch-Kalterherbg m.: einer, der knauzt. Knauz-pott Aach-Eschw m.: dass. Knauz-sack Allg. m.: dass.

Knauze -ts, Pl. -tsə Allg. f.: eine (einer), die (der) gern knauzt, bes. ein Kind, das wegen jeder Kleinigkeit unzufrieden knauzt.

knauzig Allg. Adj.: gerne knauzend; en kn. Katz von einem Mädchen.

Knavel -ā:- grosses Stück, Bindknüppel s. Knabel; Knävel -ę- = Maikäfer s. Käfer; knävig -ę- = formenschön s. knäbbig bei Knabbel; knaweln -aw- = beissen, knabbern s. knabbeln; knawen -ā:- = kauen s. knauen;