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Rheinisches Wörterbuch 
 
Kloss II bis klössteren (Bd. 4, Sp. 769 bis 772)
 
  NRhWB Kloss II in zwei Geb. mit je besonderer Bed., weshalb beide getrennt m.: 1. -ōs, Pl. -ē- Rhfrk [Birkf -ō:-, Pl.-ē:-; Goar-Weiler Sg. nur -ī:sχə, Pl. -ī:s]; dies geschlossene Geb. geht an der Saar über die nass.-saarbr. Grenze (Merz-Büschf, Saarbg-Borg) mit besonderer Bed.; auf dem Hunsr reicht Kl. in den trier. Hochwald hinein, erreicht bei Zell-Enkirch Briedel die Mosel schickt Ausläufer nach Koch-Laub Leienkaul, u. May-Allenz Trimbs, Kobl-Stdt SSebastian; der Westerw im nicht kurköln. Teil von Neuw u. Altk (südl. Horhsn), Siegld, Gummb (nach dem Nhd.), u. zwar haben die mosfrk. Orte -ū:s, Pl. -ī:-; Neuw, Altk Sg. u. Pl. -ī:-, Siegld -ēə-; Gummb -ōs, Pl. -sə; im Rip ganz vereinzelt in besonderer Bed. -ū:-, Pl. -ȳ:- Schleid-Scheven, Dür-Bürvenich, Langerwehe, uWupp 1870; für die Grundbed. hat das nördl. Geb. Knedel, Knudel m. a. Knödel aus geriebenen Kartoffeln, Mehl; Grumbere-, Weissmehls- (Wasserspatze), Hawermehls-, Gries-, Reis-, Lewer-, Hiebkl. (Hefe-); gerappte (geriewene) Kl. aus geriebenen Kartoffeln; gestompte Kl. aus Stampfkart.; gefillte Kl. aus Kart. mit Füllsel aus Speck, Lauch, Weck udgl.; ausgescheppte Kl. aus Kart., mit dem Löffel ausgeschöpft Rhfrk, Hochw, Zell, Koch, Kobl, May (s. d. Orte oben), Westerw, Siegld. RA.: Dat Brot is reine Kless nicht ausgebacken Kreuzn. Der (gefrässige) Kerl hot e Kl. im Maul, e Kl. im Au (Auge) un e Kl. uf der Gawwel Birkf-Oberst. Dat micht mer alles änt no dem annere, wie die Bauere det Klessesse Simm-Argenth. De micht e Gesicht, as härr er de Bauch voll Kless Bernk-Crummenau. Mer mänt (meint), de hätt en Kl. em Hals so schlecht singt er Neuw-Dierd, Kreuzn. Kless, die mache

[Bd. 4, Sp. 770]
bes Saarbr, Bernk. Beste bis (böse), dann gih en de Borgewies, do steht en Schottel voll Kliss! Neuw-Dierd. Beste got, beiss en de Hot (Hut); beste bis, beiss en de Kliss; beste geck, beiss en de Weck! Neuw-Mendt Altwied. Ühmche von Froht, de Klüss sein got; Ü. von Fahr, de Kl. sein gar! Altk-Willr. — En Kl. im Hals han nicht schlucken können, geschwollene Mandeln haben Allg., auch Gummb. — Äletzig Kless esse eine Tour im Fangsteinsp.; man wirft zunächst alle Steine auf den Boden, ergreift einen u. wirft ihn empor; den zweiten holt man u. gappst den ersten; von den beiden in der Hand nimmt man einen in't Maul, wirft den andern hoch, nimmt den ersten aus em Maul u. gappst wieder den andern; hierauf wird der eine dieser zwei Steine weggelegt, u. das Spiel wiederholt sich mit dem andern u. dem dritten, dann mit dem vierten u. endlich mit dem fünften Stein (verwickelter ist das dobbel Kles esse) Simm-Laub. — b. -ēs Pl. männliche Geschlechtsteile, Hoden; der unsittliche Kerl muss de Kl. erausgehult krie Rhfrk. Do druwen om Berg, do stehr e Schines, der hot zwen Backstän on rebt (reibt) sich die Kless! Birkf. — c. Tonklumpen, zilinderförmig, nach oben ein wenig sich verjüngend geformt, in der Töpferei Westerw. — d. -ō- lange (grosse) Dynamitpatrone, in der Bergmspr. Altk, Siegld. — e. Pferdekot Zell-Enkirch, Koch-Leienkaul. — f. -ū:- Butterweck Schleid-Scheven, Dür-Bürvenich Langerwehe. — g. -ū:-, Pl. -ȳ:zə dicke Knolle der Rübe uWupp 1870. — h. -ī:s kleine Knüppel Saarbg-Borg; -ī:sχən Zweig voller Kirschen Merz-Büschf; -ū:s Merz-Erbring; -os mehrere Haselnüsse an einem Stiele Malm-Deidenbg. — i. -ū:s drive Sausp. (s. d.) (de Sau en de Kl.bötz) Jül-Schaufenbg. — k. -ȳ:s Pl. Neckn. derer von May-Kottenh. — 2. das zweite Geb., rip., nfrk., weist unverschobene Formen auf, je nach Geb. mit verschiedener Bed., u. zwar -ū:t Rip; -ū·ə.t SNfrk; -ōt Klevld, Pl. -tə(n) [die einzelnen Orte, je nach Bed. angegeben]. a. ū·ə.t, Pl. -ȳ·ə.- Klumpen, Kloss, bes. Botterkl. Erk, Heinsb [sonst Nfrk -ūt(ən), Pl. -tə auf -ût zurückgehend; s. auch Klütt(en); ene Kl. Dreck, Zucker (Hutzucker) MGladb-Rheind; -ū:t f. zu kleinen Ballen gekautes Papier Köln-Stdt; -ū·ə.- Wischabfälle aus Seide MGladb-Rheydt; -ū·ə.- Schneeball MGladb-Hockst, Sol-Pattschd. — b. Hode, bei Mensch u. Tier, u. zwar -ōt, Pl. -tən m., f. Klevld, Geld, Mörs; -ū·ə.t, Pl. -tə m. Geld-Hartef, Kref, Heinsb-Karken Millen, Eup, MGladb. Aach-Stdt Merkst; -ū:t, Pl. -ȳ:tən Sol, uWupp; -ȳ·ă.tə Pl. MülhRuhr; -·ă.- Elbf, Barm, NBerg; -- OBerg; -ō:t, Pl. -:tə Köln-Stdt; -o·u.ət, Pl. -tə Eup-Raeren [sonst im Rip, Nfrk Sack, Klotz, Beutel, Dotz]; de Kl.ə ütnemme kastrieren. RA.: Leck de Kl.ə! Ausruf der Verachtung Klev. Du kanns mich genge Kluət för en Zitruən verkaufe! mich nicht überlisten,

[Bd. 4, Sp. 771]
übervorteilen Aach-Stdt. Ich kumm em an de Kl.ə; ich hoəl em de Kl.ən af sagt man, wenn man jmd. für eine Sache heranholen will Heinsb-Millen. Wei höbben ene Farsch (Stier) geschlach; roj (rate) es, wat de Kl.ə wugen (wiegen)? rät der Gefragte irgend etwas, so wird ihm zugerufen: Kl.əschätzer! Mörs. — c. übertr. α. sachl. αα. -ū·a.t Kartoffelfrucht Remschd; -ōt Rübe Barm (veralt.) — ββ. -ū·ə.- Gelenkknöchelchen beim Fangsteinsp., s. Kote Jül-Broich. — γγ. -øtjən kleines Ackerstück Duisb. — δδ. -tjə, Kl. lege, haut (halte) fas to, wat de has; schött der Schuət (Schoss), de necks än (in) hat! ein Kind versteckt in seiner Hand ein Stäbchen, ein Kind muss raten, wer das Versteckte hat Eup-Stdt. — β. persönl. αα. -ū:t, Pl. -tə frecher, gemeiner Mensch, einer aus dem Gesindel, frecher, junger Bengel, Raufbold Sieg, MülhRh, Bo, Köln (die kölsche Kl.ə Herumtreiber am Rhein, auch scherzh. von ulkigen Kölnern), Düss-Stdt; -ū- Gummb; -ū·ə.- Eup, Aach-Stdt (von Kölnern). — ββ. -ū·ə.t, Pl. -tə dummer, einfältiger, grober, ungehobelter, steifer, schwerfälliger, ungeschickter Mensch, Tölpel Dür, Jül, Eup, Aach, Geilk, Erk, MGladb, Heinsb; -ōt Klev; domme, groəve Kl.; du bös e Klüətche [eigensinniger Mensch Heinsb-Altmyhl Arsbeck; Betrüger Jül-Linnich]. — γγ. -ōt, Pl. -tən scherzh. Spatz Mörs-Vynen; -øt Klev-Üdem.

 PfWB Kloss-auge -ēsā Kreuzn; -ōtōx Klev n.: verächtl. geschwollenes A. Kloss-bäcker -ēsbęgər Simm; -ī:s- Zell-Briedel m.: Spottn. für den B., dem das Backwerk nicht gerät. PfWB Kloss-brühe -ēsbrī Rhfrk [-ōs- Saarbr-Völkl; -ū:s- Kobl-Stdt] f.: nur in RA.: So klor wie Kl.; domm wie Kl.; faul wie Kl. Kloss-dingen -ū·ə.teŋə Grevbr-Kapellen n.: Rübsamen. Kloss-junge -ū·ə.tjo·ŋ. Geld-Stenden m.: Aschenbrödel. Kloss-kopf -ēs-, –ī:skǫp Verbr. wie Kloss 1 m.: verächtl. 1. dicker K. — 2. übertr. a. eigensinniger, trotziger Mensch. — b. -ȳ:skp Neckn. derer von Altk-Borod. Kloss-nase -ū:tənā:s Sol f.: klobige Stumpfnase. Kloss-panz m.: 1. -ī:s- einer, der gerne Klösse isst Neuw-Elgert. — 2. ēspęnts Neckn. derer von Simm-Klosterchumbd. Kloss-saat -ō:tz:t Düss-Hucking Serm; -ū·ă.t- MülhRuhr; -ot- Mörs-Neuk; -ū:t- Mörs-Hombg f.: Rübsamen. Kloss-sack -ōt- Klevld, Geld, Mörs m.: 1. Hodensack. — 2. übertr. a. nachlässiger, ungeschickter Mensch Klev; -ū·ə.tsǫk Heinsb-Karken Millen; -ū·ə.tsak grober Kerl, Tölpel Eup. — b. scherzh. Spatz Rees. Kloss-sacker -ōt- Klev-Calcar m.: unselbständiger Mensch, der sich alles gefallen lässt, langsamer Arbeiter; ein langsam u. gezogen sprechender Mensch. Kloss-sackerei ebd. f.: 1. verächtl. Beischlaf; ek häbb nauw de Kl. satt; ek well gen Blage mehr.2. übertr. eine Arbeit, die nicht vorwärts geht; dat es en Kl. bej den. Kloss-samen -ū:tz:m Düss-Ld, Bergh, Dür; -ū·ə.t- Grevbr; -ȳ·ə.tə- Jül m.: Rübsamen. Der Buchfink singt Si-si-sieste

[Bd. 4, Sp. 772]
(säst du) bal Kl.? Dür-Morschenich. Kloss-schätzer -ōtə- Mörs m.: s. Kloss 2 b. Kloss-streich -ū:tətrēχ Verbr. wie Kloss 2 c β αα m.: gemeiner Bubenstreich. PfWB Kloss-suppe -ēsup (-o-), –ī:s- Verbr. wie Kloss 1 a [-ī:sχəs- May-Trimbs] f.: Brühe, in der die Knödeln gekocht worden sind. Kloss-volk -ū:tə- Köln-Stdt n.: Pöbel.

klossen schw.: 1.a. -ī:s- den Ton kneten, zu Klössen 1 c formen Westerw. — b. -ø·y.ən kastrieren Düss-Kaiserswerth. — c. -ēs- Klümpchen bilden; das Sämehl (Sägemehl) hat geklesst Saarbr-Sulzb. — 2. übertr. a. -ōt- zwecklose Arbeit verrichten Klev; -ū·ə.- Geld-Stenden; herömklū·ə.tə herumtasten (auch obszön) Kemp-Vorst. — b. -ū·ə.t-, einen kl., übertölpeln, betrügen, übervorteilen; etwas kl., entwenden Erk, Geilk, Aach-Stdt Berensbg. Eup, Jül-Linnich, Dür-Kreuzau Winden. — c. -ū·ə.t- plump herankommen Kemp. — Abl.: die Kluəterei, dat Gekluəts, der Kluəter.

be- klossen: einen b., betrügen, beschummeln Verbr. wie kl. 2 b u. Jül, Heinsb, Grevbr, Schleid-Hellenth; der bekluət dech op de hongert (100) Foss Aach-Merkst.ent -klossen: -tə kastrieren Kemp-UWeiden; -ød- Gummb-Marienbghsn.

Klosserei -ū:təre·i., Pl. Verbr. wie Kloss 2 c β αα f.: gemeine, freche Gesinnung.

Klosses -ū·ə.təs Geilk, Kemp-Amern, Erk-Rickelr, Geilk; -ȳ:t- Monsch-Hammer Kalterherbg; Pl. -əsə m.: dummer, ungeschickter Mensch, Tölpel.

klossig -ōs- Kreuzn, Simm, Saarbr-Güding; :-Kobl-Niederbg; -ī:z- Wittl-Bengel; -ȳ:s- Altk-Leingen Adj.: nicht ausgebacken, vom Backwerk; fest, lehmig, vom Ackerboden.

Klosst -ū:st, Pl. -stə Malm-Bütgenb m.: 1. ein Butterkloss in rundlicher, abgewogener Form. — 2. übertr. scherzh. das Gesäss.

klössteren schw.: -ȳ:st-, der Schnee, die Klösse lassen sich kl. zu Klössen formen, ballen Waldbr-Bladersb.