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Rheinisches Wörterbuch 
 
krachen bis Krachhannes (Bd. 4, Sp. 1309 bis 1313)
 
  NRhWB krachen Allg., u. zwar Rhfrk, WMosfrk -ax-; OMosfrk, Rip -āx-; Nfrk -āk- [Erk, Kemp -ā:k- intrans., -ā- trans.; Mettm, Ruhr, Dinsl -ak- intrans., -āk- u. -ak- trans.; Elbf -āx-, älter -āk-; NBerg, SNfrk, Klevld zu -āk- et krak(t)] schw.: 1. intrans. einen krachenden, knarrenden Ton von sich geben. a. wie nhd.; der Donner, der Schoss, der Furz, der Knall udgl. krach Rip, Allg.; de Gessel (Peitsche) kracht knallt Mosfrk; der Teig wird durcheinandergearbeitet, bis er kracht Simm. RA.: Dat Heu os su drüg (trocken), dat et kracht Malm; die Appele send so rip, dat se kr Kref. Em Sommer mott men et Tüg (Zeug) wäschen, dat et lacht; em Wenter, dat et kracht Ess-Heidhsn, Merz-Nunk. Et get su vill Grompere, dat de Keller kracht Koch-Lutzerath. De lit (lügt), dät de Balke (de Bodem) kracht Merz. Et es so kot (kalt), dat de Böm kr. Kemp, Allg., — de Sten kr. Heinsb-Rathm; et früst (friert), dat der Steə kracht Aach, — dat et kracht Allg. Wenn et schneit in en Dreck, da friert et, dat et krack Mörs-Pelden. Arbeiden (schaffen, saufen), dat de Schwart krach; ech hauen dech, dat (dir) de Schw. krach! Rip, Allg. (auch im Geb. von -ākən in dieser Wend. oft -axt), — de Knök (Bött) kr. Klevld, — der de Givvel krach Köln-Brauw. Wen den anern auslacht, dem seng Fearscht (First) kracht Bitb-Betting, Trier-Schleidw. He es su düərn (mager), dat e krach Rip, Allg., — so dumm, dass er kracht Ottw-Neunk, Goar-NHeimb, — so arm, dass er kracht Kreuzn, — dat em de Rebbe kr. Jül-Hasselsw; he lüg (lügt), dat et krach (et su kr. dervan) Rip, Berg; ich haə (haue) dich, dar et kracht on kropelt! Birkf-Idar. Wenn de Eifel lach (dort die Sonne scheint), git et Ren (Regen), dat et krach MülhRh-Ensen. Sif, Saf, Sif, schlänger die Pif, schl. die Bach, dat se en allen Ecke kracht! Bastlösespr. Koch-Ernst. — b. neue Schuhe (überhaupt Lederzeug) kr. knarren (scherzh. ein Zeichen, dass sie noch nicht bezahlt sind); der Schni krach knirscht unter den Füssen; die nicht geschmierte Türe, das nicht geschmierte Rad, ein in seinem Gefüge lockeres Gerät kracht; de Trapp (et Gebünn), et Bett krach knarrt; die Finger kr. enem knacken infolge Drückens oder Ziehens Allg. RA.: Krakende (krache) Wagels laupen (gohn, halden) et längs übertr. auf kranke Menschen, von denen man behauptet, sie lebten am längsten Mörs, Nfrk, Rip, Prüm (s. Wagen, Karre); krakende Wäng (Wände) halde et längs MGladb-Rheind; de Müəhlen, die kr., luəpen et längst Kemp-Süchteln. De Kar krakt, et göft drüg Weər (Wetter) Düss-NKassel; wenn de Möbel kr., dat bedüt (bedeutet) jet Düss-Erkr, Allg.

[Bd. 4, Sp. 1310]
Dat es krakende War eine gebrechliche Person Kref. Wer de Grommet well here kr., moss ne om Barthelmei mache Rhfrk. — c. et Feier kracht das Feuer, brennendes Holz knistert Rhfrk, Mosfrk verbr. — d. unter Krachen bersten, aufspringen, zusammenstürzen; et Is (Glas, de Tass udgl.) krach bekommt unter Kr. Risse; de Dür hät de ganze Nach gekrach sprang auf u. zu; de Botz (Hose) krach en allen Nöhten (Nähten); dat al Hus krach och enes goden Dags zesamme (enənen) stürzt unter Kr. zusammen; auch von Menschen, der es zesammegekrach ohnmächtig hingestürzt, übertr. er ist geschäftlich zusammengebrochen; de krach och enes goden Dags zesamme; do böste ävver schün derdurchgekrach hindurchgestürzt, im Examen durchgefallen Rip, Allg.; de Äppel kommen erafgekrach herabgekollert Schleid-Heimb. RA.: Wenn et Water fällt, krakt et Is gesagt, wenn beim Wasserablassen zugleich gefurzt wird Mettm, Nfrk. De Bocks, die kracht, et Häns-che lacht Trier-Stdt. Dat lach, dat si leəre (ledernes) Böcks-che krach Aach-Warden. — e. übervoll hängen, vom Obstbaume; de Bom krach für Obs Neuw-Rheinbreitb, — hängt ze kr. voll Äppel Eup-Raeren Lonzenf. unpersönl. α. et (es) kracht es dröhnt, knarrt, knistert; es blitzt on kracht of äne Schlag Saarbr, Allg.; op der Wahner Hed (Heide, Artillerieschiessplatz) krach et ävver Rip; bei dir hät et en der Botz (Hose) gekrach du hast gefurzt; et krach en allen Nöhten (Nähten), wennste de dech böcks Rip, Allg.; doə hürschte va kr. donnern Selfk. RA.: Et hot gekracht, wie wa mer en Pestul losschesst (-schiesst) bei lautem Schlag, Stoss, Lärm. E lach, dat et krach Dür; ech hauen dech, dat et (su) krach (dervan), Rip; et früs (friert), dat et krackt Kemp, Allg.; de Efel (Eifel), die lach (es scheint von dort Abendröte), dann rent (regnet) et morn, dat et krach Sieg-Rheidt. Jupp (Josef) hät gepupp (geschissen) en der Sack, dat et krackt MGladb; de lit (lügt), dat et kracht Merz-Saarhölzb. Et krach mer em Krütz (Rücken) so schwer war die Last Sieg; et kracht mer im Rücken, as wann mer en Schanze dur däh (täte) brechen Waldbr-OAgger. Holt (Holz) schneje, Klompe make, dat sall kr.; kr. se niet, döge se niet; dögt ok ons klein Hänske niet Klev (s. Klumpen). — β. dem geschäftlichen Zusammenbruch nahe sein; bei dem (do) krach et (üvverall) Rip, Allg. — 2. absol. u. trans., mit persönl. Subj., einen krachenden Ton hervorbringen. a. absol. α. mit der Peitsche knallen Saarbr-Lauterb, Saarl-Überherrn, Trier-Cönen, Wittl-Eisenschmitt Gransd, WEif, Bernk-Berglicht Gonzerath Gutenth Haag Hirzlei Horath Maring Noviand Wederath Wenigerath, Koch-Beuren. RA.: Wen de Schmock (Schmicke, Peitsche) hat, de kracht dermot wer die Gewalt hat, gebraucht sie Malm. — β. schiessen, dröhnend werfen; do hammer (los)gekrach geschossen; nu ävver dropgekrach, dat

[Bd. 4, Sp. 1311]
kener durchküt; se han met Sten on Knöppels op de Dür gekrach Rip, Allg. — γ. stark furzen; der kann der ävver (en de Botz) kr.; do häste der ävver enen gekrach! Rip, Allg. RA.: Kopp schlof, Arsch wach; wann de wat herscht, dann krach! Simm. Dat is ennen schlechten Hengs, de neit krack, wennt er pisst Heinsb-Millen. — δ. met (op) de Zäng (Zähnen) kr. knirschen Schleid-Heimb, Bergh-Elsd, Ess, Saarbr-Altenwald; met de Fengere kr. schnalzen Schleid-Mechernich, MGladb-Odenk. — ε. mit Geräusch zerbeissen; he es am kr. Bo, MülhRh, Köln, Bergh, Dür, Jül, Monsch, Grevbr, Düss, Kref, Kemp, Klev. — ζ. die Krähe krackt quakt Mörs-Niep Utfort Vinn. — η. heftig weinen Koch-Kaisersesch. — θ. polternd lärmen, streiten; do sen se widder am kr.; se kr. metenander Rip, Allg. — ι. sich abarbeiten Eup. — b. trans. α. eine Nuss kr., aufknacken Mos, Eif, Westerw, Rip, Nfrk. RA.: Möt dech häbb ek noch en Nuət te kr. Kemp, Allg. (s. weiter bei Nuss). — β. etwas mit Gepolter hinwerfen; e kracht alles in de Eck eren Goar-Oppenhsn, Allg. — γ. einem eine kr., eine Ohrfeige geben; glich krach ich dich eng! Aach, Eup; ich hun em der awel e poar gehiriger gekracht Bitb-Bollend; ich krach em ene ich versetze dem Klicker des Gegners einen Treffschuss Dür-Geich. — δ. eine Flasche Wein kr., trinken; de kann Schoppe kr. Kobl, Siegld; ein kr. gohn Ahrw-Sinzig. — ε. et kr. es toll treiben; mi hant et gekrack Nfrk (o. O.). — — Abl.: die Kracherei, dat Gekrach(s) (-ä-).

ab- krachen: intrans. unter Krachen zerreissen, von Fäden, Stricken; nau es mer noch de Fodem abgekracht Westerw.an -krachen: intrans. eben anfangen zu brechen Neuw-Datzeroth. auf -krachen: eine Nuss a., wie nhd. Allg. RA.: Dat wor en harte Nuət optekraken Nfrk. — Die Türe a., mit Krachen, Gepolter öffnen Sieg-Ägid.aus -krachen: im Bastlösespr.: Saft, S., Sill, Wasser en der Mill (Mühle), W. en der Bach, dat dat Peifeholz auskracht! Koch-Clotten, — mei Peifchen soll glecklich a. Saarbg-Ayl. Zipp, Zapp, Zina, krauch (krieche) en de Bina, kr. en de Bach; mach, dat mein Flöt got uskracht! Aden-Kelbg.bei -krachen: -jəgrāxt Part. abgetrieben, vom Zugtier; verarmt Prüm-Waxw.durch -krachen: 1. intrans. entzweispringen, bersten. — 2. trans. etwas d., entzweibrechen Allg. ver -krachen: 1. intrans. bankerott werden, von einem Geschäfte oder seinem Inhaber; dat Geschäf (der Kofmann) es verkrach Rip. Verkrachesbodder scherzh. Margarine Saarl-Lisd. — 2. trans. a. etwas v., Geld, Vermögen draufmachen, verschwenden; der verkracht all sing Pfennege Aach-Würselen, Monsch-Witzerath. — b. einen v. α. heftig u. laut auf ihn schimpfen, ihn verleumden (der Betr. kann an- oder abwesend sein); gester bes du bei N. ordentlich verkracht wure May. — β. einen heftig anfahren; wat hat der dene verkracht! Saarbr-Heusw. — c. sich v.,

[Bd. 4, Sp. 1312]
sich zanken Ottw-Wiesb. zer -krachen: etwas z., mit Geräusch zerbeissen Rip.zu -krachen: die Türe z., krachend zuschlagen Rip.

krach [Erk, Kemp -ā:k u. -a-]: 1. Interj., das Krachen begleitend; krach, do fel (fiel) et kapot; kr., dat wor der ävver ene Furz! (udgl.) Rip, Allg. RA.: Krak, saj den Eckster (Elster), dur schet (schiess) en in't Nest Geld-Kavelaer. — 2. Adv., in der Verb. krütz on krach kreuz u. quer; he löt et Veh krütz on kr. dorch et Feld lofen; dat geng krütz on kr.; et Gras lit krütz on kr. dorchenanner Malm, Ahrw (krøuts), MüEif, Sieg-ODollend Lohmar Ägid (krøks); kruts on de kr. Eusk-Commern.

Krach -ax, –ā-, –āk, –ā:- [Eup -ak] Sg. t. [doch Rhfrk für Bed. 1 Pl. -ę-, –e-] m.: 1.a. das Krachen, Donner, Geschützdonner, starker Furz; das Knarren; dat gof der ene Kr.; die Katzehöpp (Böller) machen enen harde Kr.; möt enem Kr. fel et Hus zesamme Rip, Allg.; en Kr. duhn krachen; et hot en Kr. gedohn; et hot Kräch gedohn es hat oft gekracht Rhfrk. — Bes. das Krachen neuer Schuhe; doht mer och för ene Grosche Kr. en de Schohn! sagt der Junge zum Schuster, weil er gern knarrende Schuhe hat, die sich dadurch als neu verraten; me Motter sät, ühr sollt mer gefälligs jet Kr. en de Sonndagsschohn dohn; darauf der Schuster: gewöss dat; holl dir he dat Stöck Lapplödder möt; dat mosste käue; dat get der Kr. Eusk-Glehn; de hät Kr. en de Sch. ist stolz geworden Rip, SNfrk, Klevld; heə hat för zwei Fennege Kr. e jen Schong er ist hoffärtig, eitel Aach; füər en Fettmännke K. on füər twiə Pennenge Hoffart hat der, dessen Schuhe knarren Kemp-SPeter; Kr. en der Schohn on Knip (Kneifen) en der Mau (Ärmel), danze mer op de Lappe Jül-Roerd. — b. in der Bauernregel: Em Krautweschdag kreien de Äppel on Biren de Schmach (Geschmack) on de Ness de Kr. sie können gekracht, gegessen werden Prüm-Ihren (s. Ge.-). — c. Riss, Sprung; et Is hät ene Kr. krig; die Döppen han all ene Kr. mötkrege Rip, Allg. RA.: De Krog (Krug) geht esu lang zo Bach, he brich de Hals on krit de Kr. Rheinb-Meckenh. — 2. übertr. a. Lärm, Skandal, polterndes Geschimpfe, Streit, Hader [im Geb. von -āx meist -a-, u. im Geb. von -āk immer -ax]; do es der ävver ene Kr.; do geng der Kr. los; Kr. mache, — schlohn Rip, Allg., — hauen Wittl-Reil, Kobl-Weissenthurm, Ahrw-Sinzig, — halden Westerw, — wichsen Mettm-Velbert, Barm, — afange Streit anfangen, — metenander han (krigen) Streit; dat git Kr.; stelle Kr. geheimer Hader Allg. RA.: De micht Kr. (Lärm) vor (für) honnert Wend; de Hond makt miəh Kr. äs e gefärlich es Eup-Lonzen; der macht e Kr. wie e Fluh Kreuzn-Waldalgersh. — b. -ax, dat hot de Kr. das Ding ist entzwei; der (Mensch) hot de Kr. ist unheilbar OAltk, Siegld. — In Neckspr. Geckebach (Meis-Jeckenb) hat de Kr., hat de Kuh e Kalb gemach! Allebach (Bernk-Allenb)

[Bd. 4, Sp. 1313]
hat de Kr., enei geschess un zugemach (ebenso von Bernk-Hottenb). — c. -ax Hunger; Kr. hon Wittl-Olkenb. — d. -ax, in der Verb. met Ach on Kr. mit genauer Not Allg. nach dem Nhd. [-ax auch im Geb. n. der Benr-L.; gərax Siegld; ǫx un gərǫx Birkf, Simm-Laub]. — e. -āk, in der Verb. dat hät genn Kr. of Schmak; dor sett gen Kr. of Schm. drin es schmeckt schal, die Rede ist inhaltlos Kemp-SPeter, Mörs, Rees, Duisb, Elbf (jüngst Kraft).

Ge- krach: in der Bauernregel: Zu Krautwischdag kreien, de Niss den G. Prüm-KlLangenf.

Krach-bärbel (-barbara) Wend-Freisen (-ęrw-), Meis-Staudernh, Kreuzn-Wallhsn f.: verächtl. 1. altes Weib. — 2. alte Kuh. krach-beinig -- Meis-Staudernh Adj.: alt, gebrechlich. Krach-beutel -ęid- Saarbr-Sulzb m.: alder Kr. ausgemergelter Mensch. Krach-blume -blō:m Bitb-Wiersd f.: aufgeblasenes Leimkraut, silene inflata. Krach-bruder (s. S.) Wend, Ottw, Saarbr, Sieg, Lennep-Dabringhsn m.: streitsüchtiger Mensch. PfWB Krach-büchse -bigs Kreuzn, Birkf-Bundenb, Simm, Hunsr-Orte von Zell, Bernk [-axdə- Zell-Sohren Enkirch, Bernk-Horbr] f.: Knallbüchse der Jungen aus Holunderholz. PfWB Krach-darm Wend, Meis, Kreuzn, Simm, Zell-Sohren m.: 1. Speiseröhre des geschlachteten Schweines, von den Jungen als Knallblase (s. d.) benutzt; man unterscheidet einen roten u. weissen Kr., letzterer wird gebraucht. — 2. übertr. verächtl. a. schwächlicher, gebrechlicher Mensch Wend-Nahbollenb, Birkf-Fischb, Kreuzn, Goar-Bacharach. — b. unsittlicher Mann Birkf-Hettenr. — c. verhungerder Kr. Geizhals Simm-Klosterchumbd. — d. alte Kuh Birkf-Fischb. Krach-draht -dr:t Schleid-Blumenth Reifferschd m.: die Schlagkordel der Peitsche, mit der der Knall erzeugt wird. Krach-elster (s. S.) m.: 1.a. Elster MGladb-Neuwerk. — b. Eichelhäher MGladb-Odenk, Grevbr-Wickrathhahn. — 2. übertr. a. streitsüchtiges Weib Rees-Elten. — b. putzsüchtiges W. Bergh-Harff. Krach-fixholz Saarl-Berus n.: Streichholz mit Pulverköpfchen. Krach-gutedel Mos 1864 m.: Rebsorte. Krach-hals Schleid-Dahlem m.: streitsüchtiger Mensch. Krach-hannes Saarbr-Camphsn m.: dass.