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Rheinisches Wörterbuch 
 
Kohl III bis Kohlpflanzen (Bd. 4, Sp. 1111 bis 1115)
 
  NRhWB Kohl III das Wort ist allg. verbr., doch je nach Geb. von verschiedener Lautung u. Bed. hinsichtlich der Kohlarten; auch hinsichtlich des Gebrauches von Sg. u. Pl. u. des Geschlechtes: 1. Kohlarten u. das daraus bereitete Gemüse (geordnet nach Geb. von Süd. nach N.) a. uNahe, Birkf kōl, -ū- Sg. t. m. Kohlsamen, Rapssamen, aus dem man in der Ölmühle Öl schlagen lässt u. kēl Sg. u. Pl. m. Grün-, Krauskohl, auch Winterkēl; kēl Pl. t. Saargeb. [Wend-Dörrenb kōl u. häufiger -ē-]; dazu Nahe, Hunsr rēmi (rēm) kēl Rübenmangold, beta vulg. cicla; wīsəkēl Wiesenknöterich (auch als Gemüse gegessen); fręəkēl (Frosch-) Froschlöffel, alisma plantago [in Birkf blūmə-, rōsəkōl; in Simm-Laub kēl Pl. t. Weisskohl in jugendlichem Zustande, wenn ausgewachsen kabəs, węisk.] RA.: Wenn de Kehl geraden, dann bederft et Hei (Heu) Bernk-Schönbg, Simm. Dem kammer de Kohl wische da ist nichts zu holen, er hat nichts Simm-Argenth. — b. Sg. t. m. Raps, Rübenkohl, brassica rapa, u. zwar kōl, –ū- Nahe, Hunsr; -ū:- Merz-Nunk Schweml; -ō:- Merz-Krettnich; ku·l. Goar-Morshsn, Kobl-Dieblich Stdt, Aden-Weibern; -ū·ə.- Aden-Hümmel; -y- May-Wiesenh. — c. im LRip, SNfrk kȳ:l, –ȳ·ə.- Pl. t.; Geld, Mörs -ō:-, meist Pl. -:-; uWupp, Sol -ū:-, Pl. -ȳ:-; Düss -:- Pl. t. Kraus-, Grünkohl, brassica acephala, in Eusk, Rheinb, Bergh, Sol auch jr:nə oder lətə (-ęi-) (schlechter) K. genannt, hier u. da auch krūs-, krūk. [in Eup kȳ·ə.l, praktisch kaum vorkommend; wohl botərkȳ·ə.l, sonst avǫ, wit mū:s, rū·ə. mū:s, ī:ə.vəx m.; kružəlm. (Krauskohl)] [kȳ:l Sg. f. Aach-Stdt; n. Schleid-Hellenth; m. Kref-Stdt; ko·u.əl m. Aach-Alsd; SNfrk auch vielfach neben Pl. t. der Sg. kū·ə.l m.]; dazu ī:vəχ kȳ:l Pl. t. (auch RRip) von welchem man mehrere Jahre die Blätter erntet; auch die andern Kohlarten, die keine feste geschlossene Köpfe bilden (diese nennt man Kappes, rude (bloə), wisse K., Schafugel ‘Wirsing’), werden mit bezeichnenden Beiwörtern kȳ:l Pl. t. genannt, wie Blome- (auch RRip), Botter-, Ruse- (dafür mehr Sprutemus, Brüsseler Sprute), Pengs-, Summer-, Wengterk. (doch kommt auch der Sg. -kū:l m. vor); plēskȳ:l die Blätter des ewigen Kohls u. das daraus bereitete Gemüse Aach-Walh; plīətkȳ·ə.l Heinsb, Erk; krǫlk:l Wirsing Heinsb-Althaaren; Kühl röste Grünkohl zum Kochen vorbereiten MGladb-Hockst; vər hant dese Meddag Kuəhl gekockt: K. befrüst (erfriert)

[Bd. 4, Sp. 1112]
net MGladb, Allg.; die Küəhl mösse ene Früs (Frost) fort han, wenn se schmecke solle MGladb, Allg.; nor de Fr. schmeckt de Kūəhl et beəs Kref. RA.: Wann et für Kathringen (Katharinentag) schneit, dann verkalen de Kühl Köln-Poulh, — donnt de Küəhl befrese Erk-Gevenich, Allg. Wo de Stronks (Wortsp. zwischen Stronks Stengel u. Strongks Prahlen) gruss ös, do ös de Kuhl klen bei vielem Prahlen ist die Grundlage oft dürftig Dür-Golzh. Wo geinen schleite Kuhl em Garden es, es ouch gein Nähnaul (Nähnadel) em Huse Sol. Dem send och de Küəhl opgegange er ist ein steifer Mensch Grevbr-Wevelinghv. Wann de K. ut der Gart sind niemals Heinsb. K. es e got Eəte, mar dann mott iərscht et Ferke (Schwein) derdurlope Heinsb. Wenn Grünkohl gekocht wird, heisst es: kuərte (kurze) Kühl on lang Brotwuərsch; bei K. gehürt Br. LRip, SNfrk. K. un Br. stopp der Hunger un läsch (löscht) der Dosch (Durst) Köln-Stdt. Dem geht et wie de Katt (Katze) e gen Küəhl es geht ihm gut (wie der Katze, wegen der vielen Wühlmäuse) Heinsb. He schliəpt (schläft) wie der Has en (henger, eiter, onder) de Küəhl er tut, als ob er scheinbar schlafe u. nichts merke, u. gibt dann mit doppelter Aufmerksamkeit acht Heinsb-Karken, SNfrk, Bergh-Blatzh; he hüərt wie ene Has henger de Kuəhl MGladb. Doə hant se sech der Has en der Kuəhl gesatt den Bock zum Gärtner gemacht Heinsb-Wassenbg. Us jen Küəhl! Achtung, aus dem Wege, ruft man bes. beim Eisbahnschlagen; us jen K. goəh zur Seite treten, aus dem Wege gehen; enge us jen Kühl haue (halten) ihm etwas nicht anvertrauen Aach-Haaren; döm sou (sollte) me net us jen K. jage ((schloəh) (wie den Hasen) durch seine Feigheit hat er jegliche Achtung verloren; er sieht aus, dass er als Vogelscheuche dienen könnte Aach; dem jüəg me net ut de K. mit dem wird man nicht so leicht fertig Geilk-Gangelt; de ös te oseleg (armselig, schwächlich), öm ut de Köhl te jage Mörs-Asbg; ene us de Küəhl holle einen überraschen Aach-Merkst, — hevve Köln-Weiss. De geiht drop los we der Bock op de Kühl Köln-Stdt. — d. RRip u. OBerg heisst der Grünkohl Mos (Mus), Krusmos, dazu Botter-, Sprutemos, aber iwege Kühl u. Blomekühl (Pl. t.) [Gummb kōəl, Pl. -ə-; Krus-, Rosen-, Kappes-, Brung- (Braun-), Wengter-, Blumenk.; grünen K. (Kraus-), gelen K. (Botterk.); blo Kühl Pl. t. der grosse blaue Futterkohl Wippf-Binsf]; der Kohl mit fest geschlossenen Köpfen heisst Kappes, Schafugel Wirsing. RA.: Der hät dir en de Köəhl gehut (gehütet) ist dir bei deinem Schatz, Mädchen zuvorgekommen; loss der net en de K. höən! OBerg. — e. im NBerg bedeutet kō·a.l Elbf, -ū·ā.- Barm; -ū·ə.- Wermelsk; -ō- Lennep, Pl. -·ā.- usf. m. den Botter-, Krus-, Brun-, Ruəsen-, Blomen-, Bladerk.; Koahlmos Grünkohl. — f. Klevld ist kōl sehr selten; statt dessen Mūs, Brummus (Brun-), Spruttjes-, Surmus (Sauerkraut). RA.:

[Bd. 4, Sp. 1113]
En Lus (Laus) en'n Kouhl es better as gar kein Fett Ess. — 2. kē:l Pl. t. Pflänzlinge von sämtlichen Kohlarten (also auch vom Kappus) u. Runkelrüben [von Salat Ahrw-Brohl, Neuw-Dattenbg] Saarl; -ī:- Merz, Saarbg, Trier, die Mos südl. bis zur kurtrier. Grenze, Eif, Westerw [der Sg. -ū- m. kommt vor, ist aber selten; -o·u., Pl. -e·i.- Prüm-Ihren; ku·l., Pl. ki·l. May-Polch; Pl. t. ki·l. Trier-Welschbillig, Bitb-Mettend NWeis Wiersd, Prüm-Mürlenb Willwerath Waxw Burb, Wittl-Meerf SpangDahlem, Koch-Hambuch; kē:lχən Bitb-Beiling; kī:lχər Trier-Schleidw]; Rip, Eup kȳ:l, –ȳ·ə.- Pl. t., der Sg. m. -ū:- selten [ky·l. Neuw-Rheinbrohl; ku·l., Pl. -y- Aden-Weibern]; OBerg kəl, zum Rip hin -ȳ·ə.- Pl. t.; NBerg -ȳ:-, -·ā.-, –ȳ·ă.-, –-; SNfrk -ū·ə.-, Pl. -ȳ·ə.-, n. davon in der Bed. geschieden, in Mörs, Geld -ō:-, Pl. -:- u. Klev-Üdem -- Pl. t. für Grünkohlpflanzen; man unterscheidet also ein Geb., wo K. die Setzlinge sämtlicher Kohlarten bezeichnet, Kappes- (wisse K.-, rude K.-, spetze K.kühl), Krus-, Botter-, Wörschings- (Schafugels-), Kollerave-, auch Rummele-, Knolle- (Runkelrüben-), Breitlauf-, Zellereikühl (K. van Br., Z.); Kühl säe, setze, planze; de K. moss mer setze, wann et gerent (geregnet) hät; de K. gohn got (net) an; Besserei bei de K. schüdde; de K. met Pohl dränke Rip, Allg.; de Kihl picke die Erde um sie lockern Zell-Enkirch, — hickele Wittl. RA.: Jusepsdag as et Zeit zom Kill siən (säen) Bitb-NWeis. Wenn em Mai de Kuckuck schreit, es de Bauer zom Köhlsetze beret (bereit) Daun-Katzwinkel. Fir Jokobsdag de Preis, derno de Scheiss Bitb-Dudeld. Om Kerkever (Heinsb-Kirchhv) Bronk (Frühkirmes) es got Küəhl poəte (pflanzen) an diesem Tage soll es in der Regel regnen Heinsb. Mekouhl, ke K. im Mai gesetzter K. ergibt keine Köpfe Prüm-Ihren, Wittl, Bergh-Blatzh. Ne gebrode Kuhl, en gerode K. eine in der Hitze gesetzte Kohlpflanze gerät Sieg-Eudenb. De Reb (Rübe) es be (wie) Kill saftlos May. Leck mech am (em) Garde, am (op mingem) Arsch han ech Kühl gesät (stonnt K.)! abschl. Antw. Rip. Der K. poəte (pflanzen) Purzelbaum schlagen MGladb-Neuwerk Donk. Äs et renden (regnete), säit der Jong: dat es wall Wedder für mi Morsch (Mutters) Köhl, ävver nit für mi Varsch (Vaters) Heu Sol. Dät es e got Weər för de Kühl, ävvel net för et Heu, sät de Jong, wie et rengende Heinsb. Pitter, hol Köahl! singt die Goldamsel, dann gibt es Regen Elbf; Pitter, got Küəhl, et gift Ren (Regen)! Grevbr-Wevelinghv. Jupp (Joseph), J., J., de Bock es do, löft en dingem Garden, frisst der all die Kühlen op on ding Kolleraben! uWupp (o. O.). Dat geht üvver de Kühl (wie das Unkraut über die Setzlinge wuchert) das überschreitet alle Grenzen, ist unglaublich Sieg-ODollend. — 3. die nhd. Bed., die sich auch auf Kappus erstreckt, nur in wohl dem Nhd. entnommenen

[Bd. 4, Sp. 1114]
RA.: He wässt (wächst) wie ne Kohl em Garden Kref-Osterath. Potts du de Planten öm zent Johann, dann kriste Köhl wie ne Wann (Getreideschwinge) ebd., SNfrk. Dat mackt den Koahl nit fett Elbf. — Dem Mosfrk, wo die Bed. 2 allein herrscht, fehlt also die Beziehung auf eine bestimmte Kohlart (mit Ausnahme von 1 b); dem RRip, OBerg (mit Ausnahme von Gummb) ist Mus geläufiger u. Bed. 2 herrscht vor; Klevld zieht auch Mus vor. — 4. übertr. a. von Pflanzen. α. ękərkū:l junge Buche Schleid-Marmag. — β. pøtskȳ·ə.l Sumpfdotterblume, caltha palustris Malm-Bütgenb. — b. persönl. ky·l. Neckn. derer von May-Kottenh.

 PfWB Kohl-äpfelchen kōlębəlχər Meis Pl.: A.sorte. Kohl-bauern kȳ:lbū:rə Pl.: Neckn. derer von Köln-Fischenich Kendenich. Kohl-blatt kēl-, kȳ:l- usf. n.: Bl. vom Grünkohl. Kohl-boke kī:lb:k Bitb-Herforst Speicher, Wittl-Gransd OKail m.: Vogelscheuche im Felde, wo Kohlsamen gesät ist. Kohl-blech kōəlblk Gummb n.: -beet. PfWB Kohl-dampf -damp u. damf Verbr. aus der Soldatenspr. m.: Hunger; K. han (schieben). Kohl-deichen kī:l- Wittl-Binsf m.: Beet mit jungen Kohl- oder Runkelrübenpflanzen. Kohl-gang Sieg-ODollend m.: Einrichtung in der Wasser- u. Ölmühle, wobei zwei Steine aufrecht nebeneinander liefen, zum Schälen der Gerste u. zum Mahlen des Rapses. Kohl-garten kī:l-, ki·l.gărt, –gərtχən Bitb, Prüm m.: Gartenabteil für die jungen Kohlpflanzen, die später ausgesetzt werden. Kohl-gemüse k:ljəm:s Düss n.: G. von Grün-, Krauskohl. Kohl-gräs-chen kōl- uNahe n.: jähriger Knäuel, sceleranthus annuus. Kohl-händchen kū:l- Neuw-Leubsd n.: e K. mache drohen. Kohl-hase -hā:s m.: 1. kē:l-, in der Wend.: Der lauert wie 'n K. gibt scharf acht Saarl, Saarbr; -ū:l-, Oge we ene K. Mülh-Rh-Brück. — 2. übertr. a. kū·ə.l- scherzh. Marktkehrer; verächtl. Strassenjunge Aach-Stdt. — b. Neckn. derer von Wittl-Dörb. K., spetzt de Nos (Nase)! Kohl-hatscher kȳ:l- Pl.: Neckn. derer von Bo-Sechtem, Köln-Kendenich. Kohl-häuchen kī:lhę·i.χən Prüm-Burb n.: eine kleine Hacke mit Karst, mit der man die Kohlsetzlinge im Garten bearbeitet. Kohl-hof ko·l.əf Eup-Ld, Monsch-Rötgen; kū·ə.ləf Heinsb-Waldenr, MGladb; ko·u.ləf Heinsb-Wehr m.: der Garten schlechthin (veralt.); e jen K. — Zs. Kollefsdreck gedüngter Boden, Komposterde, -gar (-gadder, –türe), -hag –hecke, -mus Wühlmaus, -reichen –rechen, -weg. Kohl-holz kī:l- Koch-Ediger; kū:l- Ahrw-OWinter, Neuw-Rheinbreitb; kȳ:l- Sieg, kurköln. Teil von Neuw n.: Setzholz, mit dem die Löcher zum Setzen der Kohlpflänzlinge in die Erde gemacht werden. Kohl-karst ki·l.kat Prüm-Willverath m.: Jätehacke, mit der man die Kohlsetzlinge im Garten bearbeitet. Kohl-kause kū·ā.lkū:s Mettm-Neviges f.: -strunk. Kohl-kopf kū·ə.lkǫp Kref m.: verächtl. Wasserkopf. Kohl-linger k:liŋkər Sol-Leichl

[Bd. 4, Sp. 1115]
m.: Schmetterling, Kohlweissling. Kohl-mus kū:lmō:s (s. S.) uWupp, Sol, Mettm; kō·ă.l- Elbf; kū·a.l- Barm; kōəl- Lennep, Gummb; kū·ə.l- MGladb-Geneiken, kȳ·ə.l- Kemp-Boish Amern SAnton n.: Gemüse von Grün-, Krauskohl. RA.: Dat es Brotwoascht em K. das ist etwas Feines Elbf. Kohl-müsche kū·ə.lm Aach-Stdt f.: die Heckenbraunelle. Kohl-öl kūlēl, –ūliχ Birkf n.: Öl aus Raps. Kohl-pflanzen kē:lblantsən Bitb-Dudeld; kū·ə.lplantsə MGladb; kū·ə.l- u. kȳ·ə.lplntə Erk-Elmpt; kōəlflantsən Gummb Pl.: Kohlsetzlinge.