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Rheinisches Wörterbuch 
 
knutschen II bis Knutschel I (Bd. 4, Sp. 1079 bis 1082)
 
 knutschen II, knütschen das Wort ist Rhfrk,

[Bd. 4, Sp. 1080]
Mosfrk, Rip, Berg in Waldbr, Wippf, Barm, Elbf, Mettm, Sol, Düss, dann SNfrk (selten Selfk) u. vereinzelt in Geld, Mörs, Klev, Rees verbr., u. zwar Rhfrk -ū-, –u- neben -ō-, –ō:-, u. -ē- oft im selben Orte (s. knotschen), wobei -ō:- mehr 1 d α, 2 a, -u- 2 b, -ē- 1 d α bedeutet; an der Saar in Saarbr, Merz-Becking Keuching Stdt, Saarbg-Stdt Tawern -ū- (sonst an der mosfrk. Saar -ǫu-); Trier-Stdt, Bernk -ū:-; sonst Mosfrk bis Koch -u- [Wittl-Stdt Meerf -u-, aber -ū:- liebkosen; Trier-Mehring -u- u. -ō-]; NPrüm, Daun, May, Kobl, Neuw, Altk -ū:-; Siegld -ū-; Rip, Berg (u. -ūə-) -ū:- [Aden, Ahrw, Schleid, Rheinb, Bergh auch -ūə-; Schleid-Berg Dottel Eicks Kall Keldenich Marmag Vlatten, Eusk-Elsig Firmenich Langend Lövenich OElvenig, Dür-Froitzh Kelz Müddersh Muldenau -ōə-; Monsch -ū:k-; Köln-Stdt -u- u. -ū:-, aber -ū:- liebkosen; Düss-Stdt -u-, –ø-, –ū:-; Monsch-Simmerath Zweifall, Schleid-Freiling, Aden-Stdt, Bergh-Quadr, Jül-Gevelsd Pattern, Geilk-Pummern, Erk-Gerderhahn, Heinsb-Arsbeck -ū:ə, –u-, –žə; Eup -u-]; das SNfrk (schon Jül-Calr Tetz Röding) in Erk, MGladb, Grevbr, Neuss, Kref (u. -ø-) hat -otə, –odžə (-ū:- liebkosen); MGladb, Neuss-Büderich, Kref, Kemp, Mörs -ø- (Kamp -øə), das auch in Düss-Ld, Duisb gilt [Erk-Gevenich Rickelr Körrenz, MGladb-Stdt (-o-, –u-) Viersen, Grevbr-Gierath Jackerath Wickrathbg, Neuss-Vanikum, Mörs-Rheinbg Budbg, Geld, MülhRuhr, Rees-Brünen -ū:-, –u-; Heinsb-Erpen -ū-; Geilk-Puffend Würm, Heinsb-Brüxgen Obspringen -ū·ə.-; Rees-Hüthum -øtsə] schw.: 1. etwas kn., a. kneten, pressen, drücken; wemmer de Bech (Pech) knutscht, werd er wäch (weich) Simm, Allg. (nicht Birkf, wo -at-); gekochte Kartoffeln kn., um zu versuchen, ob sie weich sind Westerw; de Botter (zesomen)kn., dat et Wasser got erausgäht Bitb; en nass Duch kn. auspressen Prüm; jet durchenenkn.; jet onger (unter) jet kn.; jet nidderkn. niederhalten, durcheinanderkneten Rip, Allg.; ebbes an (in) der Hand kn. Bitb; hir doch emol uf se kn.! in Arme u. Beine zu kneifen Saarbr-Krughütte; em Lehm (Dreck) kn., herömkn. kneten; am (em) Essen kn., herömkn. in den Speisen manschen, statt voran zu essen Rip, Allg. (doch ist diese Bed. 1 a im ganzen weniger gebräuchlich wie 1 b). — b. zusammendrücken u. dadurch aus der glatten Form bringen; glatte Stoffe, Kleider, Tischtücher, Papier udgl. so zusammenballen, dass zahlreiche unregelmässig laufende Falten entstehen, etwas zerknittern; auch Kleidungsstücke nicht regelrecht aufhängen, wodurch Falten entstehen; dou hes de ganze Rock geknötsch Kref, Allg., dat geknutschte Fal(d)ehemb kannste net andohn Rip, Allg.; hei dat Zeig (Stoff) ka mer kn., wie mer well, et macht em neist Bernk, Allg.; knutsch dat doch net su! Rip, Allg.;

[Bd. 4, Sp. 1081]
an jet (heröm)kn. herumknittern, unordentlich behandeln; jet zesammekn. zerknitternd zusammenballen; jet heren-, drenkn. ballend u. knitternd unordentlich in einen Behälter pressen Rip, Allg.; jet te Hop (zu Hauf) kn. zusammendrücken SNfrk. RA.: De Fröndschaf es geknötsch ist aus Duisb. — Auch intrans. der Stoff knutsch lech bildet Falten. — c. irgendeinen Gegenstand (Hut, Topf udgl.) kräftig anstossen u. verbeulen Wittl-Meerf, Prüm, Malm, Monsch, Erk-Gevenich. — d. übertr. α. unordentlich, langsam, zögernd, beschwerlich arbeiten; knutsch net su lang (dran); an jet herömkn. Rip, Allg. — β. absol. hinter dem Ofen sitzen, sich krank fühlend, aber doch nicht so krank, dass man ins Bett gehen muss; hen es henner dem Ovven an't kn. Malm-Bütgenb, Koch-Bertrich. — 2. einen kn. a. kleinere Haustiere häufig betasten, umhertragen u. dadurch quälen u. ihr Aussehen schädigen; knutsch doch die Katz net eso! Saarbr, Allg. — b. liebkosend drücken, zärtlich tätscheln, an sich drücken, bes. von Liebespärchen, auch für derbes Betasten u. Drücken; die kn. sich de ganze Dag erim Simm, Allg.; do send sech zwei am kn. Düss, Allg.; dat (Mädchen) löt (lässt) sech kn. Rip, Allg. [hier gilt auch im Geb. von -u-, –o-, –ø- stets -ū:- u. daneben hier u. da -ū-]. — c. einen (sich) stossen, knuffen, dass eine Beule entsteht Wittl-Meerf, Prüm, Malm, Monsch, Erk, MGladb, Düss-Benr, Ess-Borbeck. — d. de es geknotsch durch Schicksalsschläge niedergedrückt, kleinlaut; ene geknotschte (-ö-) Mann; ene geknötschte Kopmann der seinen Verpflichtungen nicht nachkommt MGladb, Kref. — S. knautschen, knotschen. — Abl.: die Knutscherei (auch = Gedränge unter Menschen), dat Geknutsch (auch = Gedränge, Freundschaft, heimlich gehalten, allerlei Heimlichkeiten).

ab- knutschen: ein Mädchen a., sich a., gehörig liebkosen, auch in derbster Weise Allg. PfWB an -knutschen: einen a., anrühren Kreuzn-Boos Seibersb.aus -knutschen: etwas a., ausdrücken, auspressen Allg.; Wäsche a., auswringen Prüm-Winring, Bitb; Sauerkraut bei der Zubereitung ebd.durch -knutschen: sich d., durchklüngeln unter Machenschaften Sieg-Ägid.ein -knutschen: sich onkn. sich einmummen Koch-Laub.ver -knutschen: etwas v., verknittern, verknüllen, derb liebkosen Allg. [unordentlich haushalten, verkommen lassen Geilk-Gangelt].zer -knutschen: etwas z., dass. Allg. (nicht Rhfrk).

Knutsch m.: 1. -ū:- Sg. t. das unordentliche, langsame Arbeiten; auch das unredliche, hinterlistige Arbeiten, Knüngel; sengen Kn. hale Sieg. — 2. -u- Sg. t. Haufen verwirrter Fäden, wirr Durcheinanderliegendes MGladb-Rheind; -ū:- Geilk-Immend; -ū- Schmutz Ottw-Landsw Thalexw, Saarl-Schwalb; -ū:- in der Schüssel Zusammengescharrtes May-Gering; kleines, wenig ausgebackenes Brot May-Trimbs;

[Bd. 4, Sp. 1082]
-ū- kleines Kind Saarbg-Ayl. — 3. -ø-, Pl. -tə eingedrückte Stelle; ene Kn. en de Hot (Hut); en die Fröndschaf es ene Kn. gekuəme MGladb, Kref, Kemp.

 PfWB Knutsch-bäcker -ūt- Kreuzn-Waldböckelh, Simm-Stdt, Goar-Breitschd; -ū:t- Merz-Brotd, Wend-Dörrenb, Saarbg-Hentern, Trier-Stdt, Koch, Kobl, May, Aden; -tə- Trier-Stdt, Neuw m.: verächtl. unreinlicher B. Knutsch-bruder (s. S.) Aach m.: dass. Knutsch-buckel -ū·ə.tpukəl Bergh-Blatzh m.: scherzh. Höcker. Knutsch-buckse -ū:tbuks Westerw f.: einer, der langsam arbeitet. Knutsch-ecke -ū:tęk(əlχə) Sieg f. (n.): Winkel, in dem man ungesehen ein Mädchen derb liebkosen kann. Knutsch-engelchen -ū:t- Köln-Stdt n.: Mädchen, das sich gern derb liebkosen lässt. Knutsch-hände -uthę·ŋ. MGladb-Rheydt Pl.: H. mit Schwielen. Knutsch-kopf -øtkǫp MGladb-Rheind m.: Zögerer, der mit seiner Arbeit nicht fertig werden kann. Knutsch-müller -utmi·l.ər Koch-Leyenkaul m.: geiziger M. Knutsch-peter -ū:tpitər May, Westerw m.: langsamer Arbeiter. Knutsch-sack Allg. m.: derjenige, der gerne knutscht (in allen Bed.).

Knutsche -t, Pl. -tə(n) (Vokal wie bei knutschen) f.: 1. sachl. a. zerknitterte Stelle, unregelmässige Falte in Stoff oder Papier; Kn.ə em Doch (Tuch); ech wöll, ech hätt de Kn.ə us dem Kled Rip, Eup, SNfrk (m. Eusk-Erp, Eup); Eselsohr in einem Buche; mach der en Kn. en et Uhr damit du es nicht vergisst Schleid. — b. eingedrückte Stelle, Beule, etwa in einem Hute, einer Papierschachtel, in Metall, Holz Prüm, Malm, Monsch (s. auch Knutsch 3). — c. mehr übertr. α. Ziehharmonika Neuw, Altk, Siegld. — β. schäbiger, eingebeulter Hut Monsch-Rötgen. — γ. -ȳ:tχə kleines Brot, etwa aus den Teigresten Dür-Langerwehe. — 2. persönl. a. langsam arbeitende Frau Goar, Kobl, May, Neuw. — b. geizige Frau Koch-Lutzerath. — c. kleines Kind Saarbg-Ayl.

knutscheln schw.: 1. -u- etwas kn., knüllen, zerknittern u. beschmutzen Meis-Merxh, Simm, Koch, Merz-Saarhölzb, Saarbg-Weiten, Neuw-Unkel, Ahrw, Bo-Stdt; -ū·ə.- Schleid-Dreiborn, Bergh-Blatzh; -u-, –už- Jül-Gevelsd Pattern, Heinsb-Arsbeck; ebbes zesamme-, eninkn. Simm, Allg. auch intrans. der Stoff knuətschelt Schleid-Dreiborn. — 2.a. -ū:t- u. -udž- hinter dem Rücken anderer geheime Machenschaften, Klüngel treiben, unter mehreren Sieg-Ägid. — b. -it- langsam machen, zögern May-MüMaif. — Abl.: die Knutschel(er)ei, dat Geknutschel.

be- knutscheln: etwas, einen, sich b., beschmutzen Allg.ver -knutscheln: etwas v., verknüllen Allg.zer -knutscheln: etwas z., dass. Allg. (nicht Rhfrk).

Knutschel I -u- Sieg-Ägid, Dür-Froitzh, Jül-Gevelsd (-u-) Sg. t. m.: 1. -ut- Zusammengeballtes, Verwirrtes; dat wor ene Kn.2. -udž- geheime Machenschaften, Familijəkn. Familienklüngel.

[Bd. 4, Sp. 1083]