Wörterbuchnetz
Rheinisches Wörterbuch 
 
Hünkel bis Hünkelskäse (Bd. 3, Sp. 984 bis 988)
 
  NRhWB Hünkel n.: 1. hiŋgəl [-ī- Simm-Laufersw] Sg. u. Pl. nach Wk. III 24 bis einschl. Saarbr-Kreuzgraben, Saarl-Friedrichsw Differten Wadgassen Bous Ensd Hostenb Schaffhsn Hülsw Saarwelling Fahlschd Landsw, Ottw-Steinb Hasborn (u. hūn), Trier-Otzenhsn Neuhütten Züsch Dammflos, Bernk-Dhronecken Bäsch Thalfang Allenb Wierschw Bruchw Schauren Stipshsn Hochschd Crummenau, Zell-Hirschf Büchenbeuren Sohren Würrich Altlay Rödelhsn, Simm-Buch Mörz Belth, Goar-Pfalzf Leining, dann die Rheinorte bis Brey [Kobl-Horchh Vallendar Mallendar h. neben hō:n]; in Neuw-Engers Heddersd -i-; Neuw-Dierd -:- [sonst hat der rhein. Teil des Westerw Huhn]. a. das voll ausgewachsene, Eier legende Huhn [das Wort Huhn fehlt diesem Geb.]; H. fisele abtasten nach Eiern Wend-Leitersw; beim Bopparder Nachbarschaftsfest (Orgelbornerkirmes) wird ein H., das seine Eier

[Bd. 3, Sp. 985]
verlegt, zum Tode verurteilt u. auf dem Anger dot geschlahn; dem der Schlag glückt, ist der H.könig. RA. (s. bei Huhn, die dort als allg. angegebenen auch bei H.): Gäns, wo schleife, Med (Mädchen), wo peife, H., wo krehe, de soll mer gleich de Häls erumdrehe Meis. Es H. mirem (mit dem) rore Kopp, dat let (legt) de dickschte Eier Wend-Dörrenb. Dar es e H., dat gäckst, awer net let eine Frau, die keine Kinder mehr bekommt. Die H., die viel gackele, leə kä Eier Allg. Jung H. leə die Eier, un alde Kih gen die Milch Allg. E gescheid H. let ach mol newert Nist (in die Brennessele) Allg. Dem sei H. leə zweimol de Dag un gen noch die Kaffimilch so verspottet man den überklugen Menschen Simm-Laub. Uns H. muss mer besser uf die Schwänz kloppe, se leə net richtig Allg. Die H., wo's grescht (grösste) Gekräsch (Gekreische) mache, leə die wenigste Eier Allg. E geht erim, dat mer mänt, die H. här em det Brot gehult Allg. Er stiehlt so hurdig, wie e H. Gerscht peckt Bernk-Hottenb. Gehe ich mit? Antw.: Jo, wann die H. die Dreck gefresst han Ottw-Wiebelsk. Schreib et in de Schorschte, dat die H. et nit auskratze! Allg. Er schreibt, mer mänt, do här e H. gekratzt Allg. De (Schwächling) hot nore Kraft, um e H. uf die Bankkist ze hiwe Simm-Laub. Wenn de äm (einem) in de Hub (Hof) eninguckt, do frecke die H. Simm-Laub. De hot ach kä H. mehr dot getret der spät nach Hause kommt Simm. Der Ängstliche geht mer em Stecke bei e freckt (dot) H. Allg. De duht käm dore H. ebbes Allg. — Vergleiche. So dumm wie e H. Allg.; so dull wie e H. schwindlig Simm, Goar; de fihrt sich of wie e doll H. Zell-Pünderich; de geht erim wie e brihig H. Allg.; verrickt wie e br. H. mannstoll Meis-Merxh; so ängstlich wie e verscheicht H. Nahe; e isst be e H. May-Ruitsch; e hot e Stimm wie e H. Ottw-Wemmetsw; er läft (läuft) wie e scheel H. Simm-Sargenr; de geht dorum wie e dot H. Kreuzn-Münchwald; dronke (schwindlig) wie e H. Wend, Birkf, Kreuzn; der hot meh Stange wie H. grosse Pläne, aber keine Mittel Kreuzn, Simm. — Kinderld. Heio, bobeio, schla's H.che dot, es let mer kä Eier un frisst mer mei Brot (do ropp ich dem H.che sei Fererche aus un mach meim Kindche e Bettche doraus) Allg. — b. übertr. e dumm (doll, verricktes) H. dummes (tolles, geckes) Weib; en verkaltes H. den es immer fröstelt Allg.; e schneeblind H. wer aus Dummheit nicht recht sieht Simm-Laub. — 2. hiŋgəlχə im Geb. von H. 1; dann hiŋgəl, meist -e- Pl. wie Sg. u. -əln [Sg. -ələn Bernk-Neumag], gern -əlχə(n) Verbr. nach Wk. Küken an der Saar, im Hochw, im Geb. südl. der Mos u. an der Mos, wo für H. 1 Huhn gilt; n. der Mos bis einschl. Malm-Amel Manderf, Daun-Hillesh, Aden-Stdt Kaltenborn Leimb Herschb Blasw Schalkenb, Ahrw-Königsf NZissen NBreisig, rrhn. (etwas

[Bd. 3, Sp. 986]
mehr stromaufwärts beginnend) bis einschl. Neuw-Irlich Rengsd Puderb NWamb, Altk-Almersb Altenk Hilgenr Hamm (in Altk-Birken Wissen Neuhöhe neben Küchelche) Formen, deren Vokal noch deutlich dem ahd. huoniclin entspricht, u. zwar hī:ŋkəl (-e·i.- Saarbg-Faha) Bitb, SPrüm; -ē:- Wittl, Koch, Daun (bis zur Entrundungsl.); -:- May, Aden, NDaun, Malm, Ahrw (s. Grenze oben) [dazu einige MA. mit -n-losen Formen, u. zwar hē:kəl Wittl-Cröv, Bitb-Neidenb Wolsf; -ī:- Prüm-Brandschd Elchr; -:- Aden-Blasw Rodder, Malm-Vith, Ahrw-Hönning; -ø- Ahrw-NBreisig]; rrhn. in Neuw (entrundend) h:ŋgəl, dann --, –:-, wie auch in dem südöstl. Teil von Altk; zur Sieg hin aber -ø-, –y-, wie auch das Siegld -e-, –ø-, –y- [-o- Siegld-Kredenb; -ō- Siegld-Freudenbg] aufweist [h:gəl Neuw-Puderb; -ē- Siegld-Rinsd] [abseits hiŋkəlχən nur übertr. kleine Frau oSülzt; gebratenes Küchlein Aach-Ld 1836; høŋkəl junges Huhn Dinsl-Aldenr, -y- Barm]. a. das Küken, solange es noch des Schutzes der Henne bedarf (dann Püll, dann Huhn); s. Wk. Küken; de Gluck het veier H.(n); us Gl. hat acht H.(ə) ausbracht. RA.: En Goddes Name, zwelf H.ə on ene Hahn! Kobl-Bend. Hoste de zähn gespränkelde Hähnkele net gesehn? so verspottet man die MA. derer von Koch-Bruttig, die bevorzugen. Dat H. is gescheider als de Klucks Neuw-Rengsd. Hal dei Maul, bes et H. kräht! Neuw-Elgert. Do hat och es (einmal) e blend H. en Erbes funn Wittl-Cröv. He bessert sech wie Klörn Hand; erscht fresst he det H. on da de Klucke. Hisch, drett de H.cher net dut! zu einem Spätaufsteher Prüm-Mürlenb. Ich gen doll (schwindelig) wie en H. Koch-Bremm, Bernk-Neumag; esu krank wie en H. Bitb; he kollert op der Stross wie e kr. H. Saarbg-Beurig; su voll (besoff) we en H. uSaar, Wittl, Bitb; dronke wie en H. Prüm-Mürlenb; so nass wie en H. Trier-Mehring; scheel wie en H. Bitb-Hütting; den hat en Otem (Atem) wie en H. einen kurzen A. Prüm-Ihren; de left (lebt) wie die H. im Scheissdreck Bernk. — b. übertr. α. persönl. Hinkelche Kosew. für kleines Kind Trier-Mettnich Mühlf; Schmeichelkätzchen May-Wierschem. — β. Hönkel ohne Grund ängstlicher Mensch, bes. Weib May, Neuw-Rodenb. — γ. Hinkelchen kleine Frau (nur diese Bed.) oSülzt. — δ. einfältiges Weib; auch domm H.; übermütiges, mannstolles W., auch doll (verrickt, geckig) H.; en orm H. bedauernswertes W. Allg.; vergastert (-geistert) H. ängstliches W. Kobl-Winning; dab H. tauber Mensch Kreuzn. — c. sachl. α. in der Birne es e H. dren Edelfäule Neuw, Altk, Siegld, Ahrw-Hönning, — β. H.cher Kiefernäpfel, Tannenzapfen Kreuzn-Bockenau Eckw Winterb Ippenschd, Daun-OBetting. — γ. Butterweck in Form eines Kükens May. — δ. Strudel im fliessenden Wasser Wend-Reichenb. — ε. das Weib hat e H. ist stolz, putzsüchtig Saarl-Piesb.

[Bd. 3, Sp. 987]

Hünkels- in der Zs., wo Allg. angegeben ist, gilt dies für das Geb. von Hinkel 1. PfWB Hünkels-balken Goar-Wiebelsh (s. Wk. III 25) m.: Sitzstange der Hühner. PfWB Hünkels-bein (s. S.) n.: Hühnerbein. Mairen (-regen), mach mich gross; ich bin so klän wie e H. Saarbr. Hünkels-birne -ŋgəlbēr Goar-Werlau; -ŋgəlχəsbīr Saarbr-Feching f.: Birnensorte. Hünkels-brett -ŋgəlbrēt Zell-Hirschf (s. Wk. III 25) n.: Sitzstange der Hühner. Hünkels-bröckelchen -ę- Allg. Pl.: Br., wie man sie den Hühnern hinstreut. RA.: Et Kind micht H.cher es zerbröckelt das Brot, matscht in den Speisen, ohne voranzuessen. PfWB Hünkels-brust (s. S.) Allg. f.: 1. Hühnerbrust. — 2. spitze, schmale Br. des Menschen. Hünkels-darm Kreuzn m.: Fetthenne, sedum reflexum. PfWB Hünkels-dieb (s. S.) Allg. m.: -stehler, von Mensch u. Trier. RA.: Er get Acht wie e H. Ottw-Göttelborn. Schleicher, Schl., H.! Anruf der Kinder an den Fuchs Goar-Trechtinghsn. PfWB Hünkels-dreck (s. S.) Allg. m.: -kot. RA.: Häle (heile), h., H., morge frih is alles eweck! Segensspr. bei Wunden zu Kindern Saar. Der muss mol unner de Nas mit H. un Honig schmere zur Förderung des Bartwuchses Allg. Hünkels-düppen -ŋgəldebən Saarbg n.: einer, der um jede Kleinigkeit weint. Hünkels-fäken Klev in der pfälz. Kolonie (s. Wk. III. 25) n.: Sitzstange der Hühner. PfWB Hünkels-federn (s. S.) Allg.: 1. Hühnerfedern. — 2. scherzh. Bartflaum Bernk-Dhron. Hünkels-flitsch Saarbr-Sulzb: Neckn. für Teile von Sulzb. NRhWB  PfWB Hünkels-fuss (s. S.) m.: 1. Hühnerfuss. RA.: Was haben wir gekocht? scherzh. Antw.: Supp, Gemis un H.fiss Saarbr. Mattes, koch Kappes, k. sauer, k. sess (süss), k. deiner Modder poar H.chesfess! Koch-Laub. — 2. übertr. a. Fetthenne, sedum reflexum Kreuzn-Bockenau. — b. -elches- der Pilz Ziegenbart Koch-Leienkaul. — c. Hinkels- on Hahnefiss mache unleserliches Gekritzel Birkf, Simm.  PfWB Hünkels-futtter (s. S.) Allg. n.: Hühnerfutter. PfWB Hünkels-gerste -gęrt Saarbr-Wehrden f.: Gerstensorte. Hünkels-grümmeln -i- Simm-Laub Pl.: -kot. PfWB Hünkels-habicht -əlhawiχ(t), –hbχ (s. S.) Saarbr, Wend, Birkf, Kreuzn im Geb. von Habicht, s. Wk. III 1 m.: Hühnerhabicht. Spruch zum H.: H., Geier, flie dreimol iwer (um) de Weiher, flie dr. iwer't Bäckerhaus (um de Rosestock), breng mer e Sack voll Weck eraus, mir äne, dir äne, annere Kenner äne (mir e Rock, dir e R., die annere kenne warde)! Birkf, Wend. Hünkels-hahn -əl- Saarl-Guising Wallerfang, Merz-Ficking Haustdt Nunk m.: dass. Hünkels-har nach Wk. III 1 südl. einschl. Trier-Hermeskeil Schilling, Saarbg-OZerf, Merz-Wadrill Noswendel Büschf Nunk Erbring Honzr Becking in Merz, Saarl, Ottw, Wend-Gronig [hiŋgəlār Alsw] m.: dass. H., Geier, flie dreimol iwer de Weiher, brech Hals un Bän, dein Lewen ze wän (?)! Saarl-Hüttersd. H., mach e ronnen Kräs (Kreis), de kriescht mei bescht Hinkel! Wend-Sotzw. H. un Gluck ein Kindersp. Ottw-Aschb.

[Bd. 3, Sp. 988]
hünkels-harvoll  Trier-Mettnich Adj.: h. besoff total bezecht. PfWB Hünkels-haus (selten -ŋgəl-) Hühnerstall. RA.: Wohin gehst du? scherzh. Antw.: In's H., Färz (Fürze) kloppe Meis-Altheckmühl. PfWB Hünkels-haut Allg. f.: 1. H. der Hühner. — 2. wen es fröstelt de hat H. Hünkels-käse -ŋgəltsk:s Merz, Saarbg; -ələ- Trier; -əlχəs- Merz-Losh, Bitb-Bollend m.: weisser, nicht mit Milch angerührter Quark, als Futter für die Küken; dann auch scherzh. der Klatschweichkäse als Speise [stark gebriehter K. es H.].