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Rheinisches Wörterbuch 
 
Huddel V bis Huddelmina (Bd. 3, Sp. 881 bis 883)
 
  NRhWB Huddel V Allg. n. Ahr, Malm, Westerw bis Geld-Schravelen, Mörs-Binsf Schwafh u. rrhn. Ruhr, u. zwar Siegld -ud-, –o-, horəl [Hellert hul]; Sieg -ud-; Wippf, Gummb -ud-, –o- [Gummb-Lantenb Hesselb hūəl]; NBerg -ud-, –o- [daneben in Elbf, Barm, Sol, Lennep hu·l., –o-]; LRip -od-, –ǫd-, seltener -u-; SNfrk -od-, –ǫ- [in der Selfk in Geilk-NBusch, Heinsb-Aphv Breberen Höngen Karken Kirchhv Kempen Lümb Roerkempen Waldfeucht hūəl(ə); Heinsb-Porselen Schleiden hūγəl; Geilk-Brüxgen Gangelt Kreuzbg huwəl(ə); aber hodəl on vodəl in Heinsb gegenüber hūəl (für sich stehend) u. dät es hodəl taugt nicht Heinsb-Roerkempen]; abseits nach Süd. hodəl Goar-OHeimb, Prüm-Gondenbrett; et as all hūdəl a fats tsəras (zerrissen) Bitb-NWeis; ebbes zu hudəl on fętsə fərlān Saarbr-Sulzb; im N. -od- Rees-Schermbeck; -ud- Dinsl-Sterkr, Rees-Stdt; Pl. -ələ(n); Demin. hydəlχə, -kə, –ø-, –- m.: 1.a. alter, zerrissener u. verschlissener, schmutziger Lappen, Lumpen; altes, wertloses Stück Tuch; verächtl. auch schlechtes, dünnes Gewebe (ohne also alt u. zerrissen zu sein) Allg. RA.: Zom Dükesch (Teufel) H.ə noch! Fluch Aach-Stdt; zom H. zo! Jül-Pattern; H. on Foddel Lumpenzeug, Lumpenpack Erk, Heinsb; H. on Fuddel wertloser Kram Sieg; H., schlag dech möm F.! gesagt, wenn Gesindel sich streitet Grevbr-Aldenhv. Dij hät de H.ə voll hat sich die ganze Aussteuer verdient u. gespart Geld-Schravelen. Wie en naten (nasser) H. Elbf. Dat es de Armot en e bongk (bunt) Höddelche gedriəhnt wenn ein armer Mensch sich fein ankleidet MGladb-Rheind; dat es net schlemm, en wenn et schl. wäər, da driəhne vür e Höddelche dröm Aach. Wenn de dat hürt, krit he e Kengk (Kind) va H.ə möt ne höltern Kopp! MGladb. H.ə, H.ə, Hert! Ruf hinter den Fastnachtsnarren Erckofferen. — b. zu besonderen Zwecken. α. Aufwischtuch, Putzlappen, auch Schrupp-, Afweschh. genannt Berg; H. am Bönnschen (Söller) Abtreter Elbf. — β. an einer Stange befestigter Lappen, der, nass gemacht, dazu dient, den Backofen nach dem Herausscharren der glühenden Kohlen auszuwischen Westerw, Sieg, Mühl-Rh, Sol (hier auch Owesh.). — γ. Stück Tuch, etwa um das Schaufenster zu verhängen Eusk. — δ. f. ein weisses, leinenes Tuch, gewöhnlich Windel oder Kopftuch Siegld; hylχe Siegld-Salchend;

[Bd. 3, Sp. 882]
hul Altk-Hellert Wissen; Kopftuch Gummb-Hesselb; hūəl Gummb-Lantenb; hulən Mettm-Velbert. — c. verächtl. α. Pl. t. Kleider; Hüdelche leichtes, fadenscheiniges, altes Kleid; et hat mär noch H.ə a jen Lif; a H.ə woərd ger Geld gelat (gelegt) Aach, Allg.; enen öm de H.ə schlonn; du kris jetz ein henger (hinter) de H.ə, — för de H.ə; ech hauen dech, dat der de H.ə falle! Allg. Et kleəd (kleidet) en (in) e Höddelche von einem gut gewachsenen u. sonst anziehenden Mädchen, das in der einfachsten Kleidung nett u. sauber aussieht Aach. — β. Pl. t. Bettlaken, in der Wend.: Sich e jen H.ə faue (falten, döije, driəhne) zu Bett gehen; en de H.ə legen Aach-Stdt. — γ. verächtl. auch, je nach dem Affekte, für Taschentuch, Schürze udgl. Allg. — δ. altes Gerümpel jeglicher Art Allg. — 2. übertr. a. sachl. α. Pl. t. H.ə Masern MGladb-Liedbg. — β. die Seite des Eies, so genannt, wenn beim Ostereierkippen Spitze und stumpfes Ende (Arsch, Pu) zerschlagen sind; dann bietet man noch zum weiteren Kippen den H. an May-Stdt (sonst fehlt hier das Wort in den anderen Bed.), Neuw, Altk, Sieg, MülhRh, Bo, Rheinb, Eusk, Dür-Bürvenich, Düss-Benr. — γ. H.ə die Samenkapseln der Herbstzeitlose Schleid-Üdelhv. — b. persönl. H. on en Fuddel liederliches Weib Westerw, Sieg; H. schmutziges, nachlässiges Weib, das die Kinder u. den Haushalt verkommen lässt Gummb-Berghsn (f.), Düss-Hilden, Erk; unordentlicher Mensch Remschd; Huddelche leichtfertiges Weib Ahrw-Neuenahr; du klen H., beste stell! zu einem Mädchen, das die Mutter stets quält Malm-Nidrum. — Abl.: alt Gehuddels Gerümpel Köln-KlKönigsd.

Huddel- in der Zs. -əl(ə)- u. -əlts-; in best. Zs. geht Huddel weiter nach Süd. bis in den Hunsr. Huddel-bach hodələbāx Aach-Stdt f.: jetziger Annunziatenbach, früher Johannisb., wo früher der Trödlermarkt abgehalten wurde; Name des Strassenzuges auf dem Annunziatenb. Huddel-birne -əlbīr Sieg-Fussh f.: schöne, graue B. zum Einmachen. Huddel-düppen hudeltsdøpə (o. O.) n.: Schimpfw. NRhWB Huddel-fing hodələfiŋ Aach-Stdt n.: eine Lumpenverkäuferin (-josefine). Huddel-karre hūələkār Selfk (u. sonst mögl.) f.: K. des Lumpensammlers, ebenso -kęrf –korb. Huddel-keller hodəlts- Elbf m.: K. für Lumpen, Gerümpel. Huddel-kerl m.: 1. hodəlts-, ho·l.tskl Lumpensammler NBerg. — 2.a. hodəlts- schmutziger Kerl Aach-Eschw. — b. hodələ- charakterloser Mensch Aach-Verlautenheide. Huddel-kipe hodəltskīp(ə) NBerg f.: Rückentragkorb für Lumpen. Huddel-kiste -əlts- Allg.; -ələ- Aach f.: Lumpenkiste. Huddel-kram -dəltskr:m Allg.; -ələ- Aach m.: Lumpenkram; altes Gerümpel. Huddel-krämer -əlts- NBerg, SNfrk; -ələ- Selfk, Aach, Dür m.: Lumpenhändler, dann Trödler, Althändler überhaupt. Huddel-kuchen -əltskō:kə Mettm-Haan m.: Kartoffelkuchen aus gekochten (nicht geriebenen rohen) Kartoffeln.

[Bd. 3, Sp. 883]
Huddel-küster hodələkstər Eup-Lonzen m.: zerlumpter Kerl. Huddel-lise -əltslis Monsch-Witzerath n.: Mädchen mit wirrem, ungekämmtem Haar. Huddel-ludwig -əlubiχ Sol-Merschd m.: zerlumpter Kerl. PfWB Huddel-lump bis ins Rhfrk verbr., u. zwar hūrəlumbə Simm; hudəlombə Saarbr-Sulzb; hūdəlump, hu-, –lo- Trier-Ld, Wittl, Bernk, Zell, Koch, Kobl, May, Westerw, Ahrw, Sieg-ODollend Honnef [hilump Koch (o. O.); hul- Westerw] m.: nasser Lappen an langer Stange, zum Reinigen des geheizten Backofens. RA.: De H. mache sich den niedrigsten u. schwierigsten Arbeiten unterziehen Simm. Ich losse mich doch net fir en H. hale (halten) Kobl-Bend. Huddel-mann hodələ- Aach m.: ein M., der von den Kindern Lumpen, Knochen udgl. in Empfang nimmt u. dafür Spielsachen, die er auf einem Karren bei sich führt, in Tausch gibt (veralt.). Huddel-mannskram -əl- May-Trimbs m.: dat eas H. schlechte Ware. Huddel-mannswerk ho·l.-, hodəl- Berg n.: Lumpenkram, –arbeit; verpfuschte Arbeit. Huddel-marie hodələ- Geilk-Oidtw n.: zerlumptes, liederliches Weib. Huddel-markt hodələmāt Aach-Stdt m.: Trödlermarkt, - bach (s. d.). Huddel-matante -dəltsmătant  Neuss-Kaarst f.: zerlumptes Weib. RA.: Er sett als H. wird gehörig ausgeschimpft. Huddel-maul -dələmū:l Aach-Stdt f.: loses M.; Plaudertasche; -mülche ein Kind, das viel u. lebhaft plaudert. Huddel-mina -dəlts- Sol-Ohligs n.: zerlumptes, unordentliches Weib.