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Rheinisches Wörterbuch 
 
heulen bis Heulkopf (Bd. 3, Sp. 603 bis 605)
 
  NRhWB heulen Rhfrk -ai-, –ęi- [-i-, –- innerh. einschl. Wend-Hammerst Ausw Wieselb Ehlenb Kirchenbollenb Zaub Dickesb nach N.]; Mosfrk -ę·i.- [Part. vielfach gəhǫ·u.lt]; im Diphthongierungsgeb. der Ahr -ø·y.-; Rip, NBerg -ȳ:- [Sol, Mettm, Düss -y-]; SNfrk -ȳ-, –ȳ:-, dū hylts, h hylt; Klevld, Ruhr -y- [Klev -y- u. -u-]; das Prät. im Rip mit u. ohne Schärfung, se hȳ:ltən, –ȳ-, gəhȳ:lt, –ȳ-; Nfrk hyldə; Klevld hyldə, –lnə, –u- schw.: 1. von Tieren; der Hund, Wolf, Fuchs heult Allg.; wenn den Mond schint, dann hült den Hond wie nit gescheit Mörs-Orsoy, Allg.; wenn des Näəts (nachts) ene Hongk hült, donn störft en de Nobberschoft iəmes Kemp-SPeter, Allg. — 2. vom Menschen. a. wie ein Tier (Hund) h., nur in RA.: Mer moss mot de Welwen h., wou mer bei os Prüm, Allg.; wer onger (bei) den Wölven es, mot met (en) h. Sol, Allg. Den heilt we en Fochs Merz-Erbring, Dür-Gürzenich. — b. anhaltend u. stark weinen (meist in verächtl. Sinne gebraucht); heil doch net so; vor was heilschte donn eso? Rhfrk, Allg.; he heilt von lauter Busent (Bosheit) fir neist un wirer neist Koch; de Jong hült gotterbärms (zom Gotterbarme) SNfrk, Rip; dat al Mädche hülten un kresch, nit zom ansinn (ansehen) Köln; de Dern hät doch so gehült Mörs, Allg.; ech hammech satt gehült Rip, Allg. RA.: Er hat geheilt wie e klen Kind Rhfrk, Allg., — e beschesse K. Birkf; de heilt bi en angestoche Ferkel Koch-Laub, — en jonge Hond Allg. Dat (Kind) lacht, be de Kowelenzer Keanner h. May-Trimbs. Et H. üs üm nöder äs et Lachen MülhRuhr, Allg.; op L. kümmp dückes h. ebd.; es heilt on lacht in en Säckelche Saarbr, Allg.; der hat et L. un H. in änem Sack Saarl, Allg. Et es noch wit vam L., seit de Brut, do fing se an te h. Elbf, Ruhr. Wenn ech ens en de Hell komm, da mott ech dat H. besorge sagen alte, zahnlose Leute MGladb-Rheind. Ech hauen dech, datste heilst! May, Allg. Zu heulenden Kindern: Dau brauchs net esu ze h.; dei Motter wiərd net Zaldat! Ahrw-Sinzig; et sitz en Eul op osem Baum on singt: Häns-che (oder sonst ein Name) Knatschmaul! Neuw-Dattenbg. — Do geht der et Dorf zesamme h. er weint, dass alle Leute aufmerksam werden; du hüls der jet zesamme Rip, Allg.; dat (Kind) heilt sich weg es weint sehr heftig Bernk-Gonzerath; he hüllt Rotz on Water aus Trotz Elbf. Dat Wasser, bat de heils, brauchste net ze pisse sagt die Mutter zu dem Kinde, das gestraft wurde u. deshalb heftig weint May-Trimbs; wat me hüllt, dat huft me nit te pesse Mörs-Xanten. — Et es me hȳlentsmtə (-mass) ich bin nahe daran zu weinen Elbf, Gummb, Lennep. — 3. von Dingen. a. de Rewe h. der Saft tritt aus den Schnittstellen Koch. — b. der Wind, Sturm heult; hör es, wie den Wend dör den Schörrstein hüllt! Mörs, Allg.; hür es, wat et hült (em Ove, Kamin)! Rip, Allg. — c. die Brandglocke heilt Boppard. — d. et hüllt mech

[Bd. 3, Sp. 604]
en et Uhr es pfeift, klingt mir im Ohr Erk, Heinsb, MGladb. — e. et hüllt es dröhnt Heinsb-Effeld, Ottw-Neunk. — f. mit dem Heuldopp (Brummkreisel) spielen; wer gonnt hüle; lot (lass) mech ens h. Heinsb-Arsbeck. — Abl.: die Heilerei, dat Geheil(s) (Gehülls Eup, SNfrk), der Heiler, die Heilersch.

ab- heulen: 1. einem etwas a., durch anhaltendes Weinen eine Gabe (Gunst) erzwingen; de Jung mänt, en kinnt mer dat ofh. WMosfrk. — 2. sich den Hals a., sehr stark heulen Allg. an -heulen: einen a., laut gegen einen hin bellen, weinen Allg. RA.: De hült den Mond an (wie ein Hund) weint seinen Schmerz im stillen Kämmerlein aus Rip.auf -heulen: wie nhd.aus -heulen: 1. etwas a. a. sich von einem Leid durch Weinen befreien Allg. RA.: Lott (lasst) se mer hülen; wat se uthült, dat brukt se nich uttedriten! Ess. — b. sich den Hals a., übermässig h., weinen Allg. — 2. sich a., sich ausweinen; das Leid gehörig beweinen; se hat sech of em Kerchhof nach emol richt ausgehault Koch-Laub, Allg. nach -heulen: nachweinen. RA.: Dej solle se ok nit völl Trön (Tränen) norh.; wenn se sterf, gohn de Blijste (Frohsten) förop Mörs-Wallach. PfWB  ElsWB  LothWB ver -heulen: en verhült Gesich Rip, Allg.

Heul hȳl Sg. t. m.: 1. das Weinen; en ivege H. am Lif han Rip. — 2. private Tanzmusik, Ball; op der H. goəhn Erk-NCrüchten, Kemp-Süchteln SPeter Waldniel, Geld-Straelen (-ūə-) (veralt.).

Heul-abend nach Wk. III 15 -:vənt Bergh-OEmbt m.: der A. des Tages, an dem die Brautleute zum ersten Male in der Kirche aufgerufen wurden; s. –bier. Heul-abraham -ǫbram Elbf m.: ein Kind, das oft heult. heul-ächtig Ess Adj.: et es em so h. te Moute (Mut). PfWB Heul-arsch Birkf-OTiefenb m.: ein Kind, das oft u. gerne heult. Heul-babbes Wittl-Reil m.: dass. Heul-balg Rip m.: dass. Heul-bär m.: 1.a. dass. Wittl-Reil. — b. Bursche, der das H.bier (s. d.) in Empfang nimmt Neuw-Notschd. — 2. Brummkreisel Kobl. Heul-bier nach Wk. III 15 in Aden-Weibern, Ahr, Neuw (Rheinorte), Rheinb, Eusk, Bo, Köln, Bergh, Dür, Jül, Aach, Grevbr, Erk, Heinsb n.: das B., das der Bräutigam den Dorfburschen am Abend des ersten Verkündigungstages (am Vorabend der Hochzeit) geben muss; bes. der auswärtige Freier muss an der Ahr für den Loskauf der Braut u. ihre treue Bewachung das H. geben; für das H. wird auch Geld gegeben, das nachher in Bier umgesetzt wird; et H. hole (geve); es geschieht dies unter Gepolter (Schleifen), Überreichung eines Blumenstrausses, Gesang, Deklamationen u. Vorlesung aus dem sog. Boch Mottekopp (s. d.). Heul-blag Nfrk n.: Kind, das viel u. leicht weint. Heul-bruder (s. S.) Elbf, Mettm m.: Leichenbitter. Heul-dobbel Eup, Geilk-Scherpenseel, Mörs-Neuk; -dbər Heinsb-Erpen m.: 1. grosser Brummkreisel. — 2. übertr. Kind, das viel u. leicht

[Bd. 3, Sp. 605]
weint. Heul-dock ȳldǫk Heinsb-Breberen m.: dass. 1. NRhWB Heul-dopp Zell-Merl, Koch, Kobl, May, Aden, Ahr u. dann Rip, Nfrk (im Klevld mit -toll konkurrierend); abseits Prüm-Mürlenb 1860, Trier 1870; ȳldǫp Köln-Badrf; ȳlən- Wippf-Wipperf m.: 1. grosser Brummkreisel; H.döpp, de werde mit e Kord on em extra Schlössel angeworpe; den H. schmecke Rheinb, Allg. RA.: Er sengt wie en H. Jül; he löppt wie enen H. Sol; en Gesich wie en H. Sieg-OCassel. He hät en H.döppke fort ist bezecht Kemp-Hüls. — 2. übertr. a. sachl. høldǫp eigentümliches, älteres Schnapsglas Klev. — b. persönl. α. Kind, das viel u. leicht weint Allg. — β. Vielschwätzer Erk-Körrenz. — γ. Dummkopf ebd. Heul-dott Meiderich m.: Brummkreisel. Heul-hut -ō:- Elbf m.: Trauerhut mit Krepp. Heul-husten -hō:s Grevbr m.: Keuchhusten. Heul-knopf -knǫp Düss-OLörick, Kemp, Rees-Elten m.: Brummkreisel. Heul-kopf -kap Bernk-Dhron; -ǫ- Kobl-Bend m.: ein Kind, das viel u. leicht weint.