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Rheinisches Wörterbuch 
 
Hengst bis Henkel (Bd. 3, Sp. 509 bis 512)
 
  NRhWB Hengst Rhfrk, Mosfrk bis zur t / st - L hęŋgt, dann hę·ŋ.gst, –·ŋ.kst, –·ŋ.ks; doch -e- Saarl-Diefflen Nalb Bilsd Bettstdt Piesb; -:- Trier-Ld (Mos, n. Mos), Wittl, Bernk; -a- Wittl-Meerf; hę·ŋ.əs NBergh, Grevbr; hi·ŋ.st, –e- Selfk; heŋs(t), –i-, -·ŋ.(k)st, –ē:- Mörs, Geld; heŋ(k)st, –ē- Klev; hi·ŋ.s MülhRuhr; heŋs(t), –i-, –ŋks Rees; hęŋnest Wippf-Stdt; in Schleid, Rheinb, Eusk, Sieg noch vielfach veralt. hę·i.s(t) [bei älteren Leuten nur noch in der Zs. klǫphę·i.s Schleid-Marmag; Bergh-Hüchelhv h:s]; Pl. -də, –stə(n) m.: 1. wie nhd.; ech fohre mat dem Perd bei den H. ich lasse die Stute decken Mosfrk; et P. (de Stutt) bei de H. dohn Rip, Nfrk. RA.: Den as su stark wie enen H. WEif, Allg.; well (kollerig, wüst, geck, verrückt, scharf,

[Bd. 3, Sp. 510]
freid) wie enen H. Allg.; su schwor wie ne H. Aach-Vicht; flott wie ein H. Altk-Herdrf; so fett wie drei H.ə Simm-Schlierschd; den os poleert we en preussische H. Prüm-Hallschlag; den as noch schlemmer (geschlechtl.) wie en H. Trier-Welschbillig; sur (sauer) wie ennen H. Mörs. He sprengt (schlägt aus, feuert aus, tritt) wie enen H. Allg.; er kräht (haljert, wängert usf.) wie en H. Allg.; er schafft wie en H. Wittl-Gransd; er stampt wie en H. Kreuzn; hej schnüft (schnaubt) as nen H. Klev; er schnauft wei'n H. Saarl-Berus; de leift (läuft) wie en H. Altk-Weitef; de kömmt wie en H. Merz-Morscholz, Meis-Bärenb; hen fuərzt wei en H. Merz-Losh, Trier-Geisf; de geht dran wie en H. Duisb; de Osse (Ochse) geht an der For (Furche) wie en jungen H. Gummb-Mühle; de stellt sech op de Hännerbein bie en H. der Querkopf Neuw-Asb; de geht wie en H. en der Kar unregelmässig Prüm-Stadtkyll; de hat ne Kopp (Hals, Mähn) wie enen H. Allg.; dat es ene Kerl wie enen H. Allg. Früh H., fr. Wallach von einem, der früh durch Geschlechtsgenuss abgelebt ist Duisb; fruhg H., fr. Rünn Klev-Warbeyen. En H. möt em langen Schwanz, en Mihr möt em dicken Panz so soll es sein Saarbg-Eft. Klene H. on gruəsse Stut, dat gevve de beiste Fölle Rheinb-Queckenbg. Seck (seicht) die Mähr, da futz (furzt) de H. gegen die Nachäfferei Dür-Geich. Dat es enen schleiten (schlechter) H., der geinen Schlag van er Mähr verdragen kann Schläge der Frau sind doch Liebesschläge Sol, Düss-Mündelh. De krit de H. gebändig er leistet seine Aufgabe Monsch-Vossenack. De lo grault keiner Mäus, wenn et och en H. es er ist sehr ängstlich Trier-Thomm. Bei Gott es alles möglick, sei den Bur, du ging he met de Runn no den H. Mörs. — 2. übertr. a. persönl. α. Schafbock; Hes dä! Bergh-Hüchelhv. — β. männl. Hirschkäfer, Rosskäfer Wittl-Bengel. — γ. ein in geschlechtlichen Dingen wüster Mann; dat es en rechten (goden, ärgen, scharfen) H. Rip, Allg. — δ. leidenschaftlicher Kartenspieler Eusk-Lövenich; s. auch Kartenh.ε. en därrer H. magerer Mensch Westerw. — ζ. ene läuen H. lauer Kerl Klev-Rindern; faulen H. Daun-Gerolstein. — η. blödsinniger H. Schimpfw. Grevbr-Schaan; do krommen H. Rees-Wesel. — S. Brillen-, Brot-, Büro-, Floh-, Gold-, Klopf –, Pfeifen –, Pomaden –, Pinnhengst. — b. sachl. α. weisses Moos Sieg-Strombg. — β. scherzh. Birkenrute Prüm-Burb. — γ. de Holzhauer hadden gester en H. am (in) Bosch wenn zwei Stämme beim Fällen übereinanderfallen Trier-Welschbillig; ne H. machen beim Haspeln des Garns ein Horn überspringen lassen Zell-Raversbeuren.

Hengst-beere -bs Mörs-Veen f.: B. des Weissdorns. Hengst-beien hę·i.sbe·i.ən MüEif Pl.: ein Bienenvolk, das die Königin verloren hat, bei dem aber eine Arbeitsbiene die Eierlege

[Bd. 3, Sp. 511]
übernahm, die aber nur männliche Bienen ergibt. PfWB Hengst-füllen (s. S.) Allg. n.: 1. männl. Füllen. — 2. übertr. wildes, ausgelassenes Mädchen Wippf-Thier. Hengst-hund -o- Altk-Engel Forst m.: männl. H., Rüde. Hengst-kopf -kǫp Düss-Volmerswerth m.: struppiger Pferdekopf. Hengst-pferd -pęət MülhRh-Herkenr n.: Hengst. RA.: Su frech wie en H. PfWB Hengst-schnitter -id- Eif m.: Kastrierer des jungen Hengstes. Hengst-zahn (s. S.) Allg. m.: der Eckzahn im Unterkiefer des Hengstes.

Hengsten-kerl Kemp m.: Gestütwärter. Hengsten-kopf -kǫp Bitb-Mettend m.: übertr. eine recht auffällige, stolze Haarfrisur bei Frauen. Hengsten-mann heisə- Rees-Damm m.: männl. Fohlen.

hengsten schw.: 1. die Stute hat gehengst ist begattet Ottw, Dinsl. — 2. übertr. eich lossen et h. sagt der Gewinner im Kegelsp., wenn er den Gewinn im Spiele lässt, wofür jeder Mitspieler die Hälfte des Gewinnbetrages beisetzen muss Trier-Aach.

 NRhWB hengstig Wend, Saarbr, Ottw, Saarl, Saarbg, Klev; hę·ŋ.s Schleid-Scheven, Kemp Adj.: brünstig, von der Stute. S. rossig.

henk = gestern abend s. hint.
 
 
henke -ę- Geld-Straelen: im Auszählr.: H., menke, terəkə, tenke; filli, falli; dobbel, talli; golde Min, decke Trin, Nommer sesstihn (16).
 
 
 NRhWB Henke hęŋk Nahe, Saar (doch hier mit andern Formen vielfach wechselnd), Mosfrk, Rip, Berg, Neuss-Glehn, MGladb-Rheind; -e- Saarl-Diefflen Bilsd Nalb Bettstdt; -i- Hunsr n. Soonw, Hochw (trier.), WBitb; -- Malm, Schleid-Dollend; -a- Aach-Merkst; hęŋgə, –ŋkə Siegld, Berg ö. Ürd.-L.; Pl. -ŋgə(n), -ŋkə(n); dazu folgende Ablaut-Formen: hiŋ, –e- in Saarbr (u. hīn, –ē-), Ottw, Saarl, Merz, Saarbg, Trier, Bernk verstreut, Zell-Briedel Enkirch, Goar-Weiler; -ī:- Saarl-Diefflen, Saarbr-Heusw Püttl Scheidterbg; -a- Saarl-Hemmersd; -ē- in Saarl, Merz hier u. da, Saarbg, Pl. -ŋə(n); hīn, –ē-, –ī:- Birkf-Oberst, Wend-Aulenb Bergw Baumholder Grünb Freisen Pfeffelb Steinb, Saarbr-Stdt Feching Göttelborn Güding, Ottw-Merchw Uchtelfang Wiebelsk, Saarl-Diefflen; -ei- Birkf-Idar; Pl. -nə(n); im SNfrk, Klevld fehlt das Wort, dafür Hängel u. aus dem Nhd. Henkel [doch heŋ Ess-Werden, MülhRuhr-Dümpten, Mettm-Wülfr; -i- MülhRuhr-Fulerum] f.: 1. Henkel zum Anfassen, Tragen, z. B. an Töpfen, Gläsern, Krügen, Körben, Kesseln, Eimern, Koffern, Kisten [Öse an Bildern, Kleidern zum Aufhängen Merz-Merching, Gummb-Berghsn; Öse am obern Ende des Peitschenstieles Saarbr-Sulzb]. RA.: Dat lo hot en H. es ist eine Lüge Bitb-Wiersd. Wann (wenn) ene Wann (Fruchtwanne) en H. hätt, da wär e ene Korf demjenigen gesagt, der Luftschlösser baut Schleid. Zu einem, der über Leibschmerzen klagt: Komm got op den Ämer (Eimer), besudel de H. net, stuss den Lak nit of! Bitb-Seimerich. Do kanns ens (einmal) an de H. ruche! bekommst nichts

[Bd. 3, Sp. 512]
vom Essen mit Köln-Stdt. Dat as awer och än (eine) mat er H.! das ist eine Lüge Bitb. Hast du auch etwas mitgebracht? Antw.: En Dreckelchen met er H. (ohnen H.)! Saarl, Saarbg. Dat geft Knäpp (Knöpfe) ohne H.ə Prügel Trier-Züsch. — Henkel (m.) ist vielfach ins Geb. von Henk aus dem Nhd. eingedrungen; auch ins SNfrk, Klevld, wo ursprüngl. Hängel gilt; oft finden wir eine Unterscheidung in der Bed., so Henk am Eimer, sonst Henkel Meis-Meddersh; H. am Eimer, Korb, eisernen Kochkessel (Bogenbügel, Ohren die beiden Griffe), am Rock, Henkel am Krug, Milchtopf Gummb-Berghsn; Henkel in Scharnieren, Ösen, der drehbare Bogenbügel an Kesseln, Körben gegenüber Henk dem einfachen Griff Sieg-Ägid; Hängel bei Kesseln, sonst Henk(el) Monsch-Röttgen.

Henke-düppen (s. S.) meist hęŋkəl(ts)- n.: Topf mit Henkel. RA.: Dem es ener no met zwei Pennige aus em Hinkelsdeppe dem Furchtsamen Wend-Marping. Henke-glas Rhfrk, Mosfrk hęŋgə- (usf.), sonst hęŋkəl(ts)- n.: Glas mit Henkel im Gegens. zum henkellosen Köppchen. Henke-kanne -ka·n. Köln-Stdt f.: Henkelkanne. Henke-korb Rhfrk, Mosfrk hęŋgə- (usf.) [Prüm-Rommersh hęŋk-] doch auch hier wie sonst stark mit hęŋkəl(ts)- durchsetzt; hęnkə- Köln-Stdt m.: K. mit bügelartigem Griff, der sich quer darüber spannt. RA.: E Gesicht wie e verressene H. Kreuzn-Rummloh. Henke-krug hęŋgə- Rhfrk, Mosfrk m.: Kr. mit Henkel. Henke-mande hęŋkəma·ŋ. Köln; hęŋkəlma·n. Neuw f.: M. mit Henkel. PfWB Henke-mann hęŋgə- Hunsr; hęŋkə- Sieg, Wippf, Eusk, Köln, Düss; -i- MülhRuhr; sonst hęŋkəl- Neuw, Rip, Berg, MGladb-Rheind, Kref-Stdt, Düss-Stdt, Neuss, Mörs-Neuk (-ē-), Ess, Rees; hŋgər- Wittl-Eisenschmitt m.: 1. Doppelbehälter aus Blech (jetzt meist emailliert) mit Griff zum Tragen; die Arbeiter, die mittags nicht nach Hause zum Essen gehen können, nehmen sich darin ihr Mittagessen mit, das sie nur zu erwärmen brauchen; auch wird ihnen wohl von Hause in diesen Essenträgern das Essen von den Frauen oder Kindern gebracht; frür (früher) wor dat enem Bur, nou mott hei met den H. gohn Mörs-Neuk; he löppt mem H. ist Fabrikarbeiter Düss-Serm, Allg. RA.: He kallt (redet) enem ne H. en de Täsch nötigt mir etwas ab Eusk-Lechenich. Met de Schöpp, met de Hack en de Bahnekapp, met ene H. voll Rissepapp (Reisbrei)! Rees. — 2.a. Steinkrug in Form einer menschl. Figur Köln-Stdt. RA.: De steiht do we ne H. der die Arme in die Seite stemmt oder die Hände in die Hosentaschen steckt. — b. Ramme der Pflasterer ebd. — c. H.männke böuje in eine Kaule mit Klickern spielen Geld-Straelen. Henke-pöttchen hęŋkəl(ts)- Rip n.: Topf mit Henkel.

Henkel -ę- bezeugt aus dem Rhfrk, Mosfrk (wo hęŋk gilt) aus Kreuzn, Saarbr, Ottw, Birkf, Trier, Bernk, Koch, May, Kobl, Goar, Altk;

[Bd. 3, Sp. 513]
vielfach Siegld, Berg, Rip; aus dem übrigen Nfrk, wo Hängel gilt, gleichfalls vielfach neben diesem [-i- Zell-Merl, Bernk-Stdt Rhaunen, MülhRuhr; hiŋəl Ottw] m.: wie nhd. Zs. s. bei Henke.