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Rheinisches Wörterbuch 
 
hau II bis Haubenstechersche (Bd. 3, Sp. 305 bis 308)
 
 hau II hǫu, bei stärkerem Affekte hǫ·u. u. h·y. Allg. Interj.: 1. der Überraschung, Verwunderung; h., wat es dat en grote Appel! Wesel, Allg.; h., dat es äver arg dür! A.: Ech han vill Geld do verdent. B.: H., wann ech dat gewoss hätt, wör ech och dohingegange! Rip, Allg.; Kenger (Kinder), h.! Dür-Birkesd. — Auch Ausruf, wenn jmd. etwas erzählt, was gar zu unglaublich klingt. — Bei der Frage auf Grund einer Überraschung; h., ös der widder do? H., dressig Daler soll dat koste! H., ös dat wohr! Rip, Allg. — Uwe haui un unne faui! Birkf-Idar. — 2. des Bedauerns; h., wie schad; h., dat ös äver net got, dat seng Motter dut ös! Rip, Allg. — 3. Ausruf, bes. von Kindern, wenn ein anderer etwas verbrochen hat Allg.

[Bd. 3, Sp. 306]

 
 häu I hy Sieg Interj.: des Bedauerns.
 
 
häu II hy Saarbg-Freudenbg: Ruf beim Vertauschen, unter Kindern; deint fir meint, häu, h.!

häu III = zu rasch s. hü IV; Hau I = Hieb s. hauen; Hau II = Heu (s. d.).
 
 
Häu h Mörs-Marienbaum Sg. t. f.: Magermilch, die beim Käsemachen übrig bleibt (das Wort jetzt unbekannt, dafür We).
 
 
 NRhWB Haube je nach Geb. mit verschiedener Bed. u. Form f.: 1. Rhfrk haup, –ǫu-, Pl. -wə bis nördl. einschl. Simm-Schneppenb Schwarzerden, Soonw, Simm-Rheinböllen Dichtelbg; n. davon hǫu, Pl. -ə; Mosfrk hǫ·u.f, Pl. -wə(n); Siegld hūf, Pl. -wə; Gummb hūəf, Pl. -wə; Demin. hęibχə, hę·i.fχə(n), hīfχə. a. Frauenhaube, d. h. die aus weissem Tüll genähte u. gebügelte, bis über die Mitte des vorigen Jhdts. übliche Kopfbedeckung der Frau; im Hunsr zunächst die einfache H., der Ulles, von buntem, gewöhnlich blauem Kattun oder Gedrucks mit Samteinfassung, hinten in Falten gezogen u. den Kopf so bedeckend, dass über der Stirn das gescheitelte u. glatt gekämmte Haar nur dreifingerbreit sichtbar war, während im Nacken nur eine kleine Haarwelle aus der H. hervorragte; zur Festtracht gehörte die hohe H., der Schwartemagen, bei der auf eine halbkreisförmige, sich dem Kopfe anschmiegende u. von einem Ohr über den Scheitel zum anderen Ohr reichende Form ein hohes, fast kreisförmiges Gestell aufgesetzt war, das mit Stoff in sehr zahlreichen Falten überzogen war, so dass die H. wie ein breiter u. hoher Fächer auf dem Kopfe sass; mit breiten Bändern wurde sie unter dem Kinn gebunden; dann die sich unmittelbar dem Kopfe anschmiegende H., die Kappe, in mannigfachen Formen; s. Kappe, Kamudchen, Kornettchen, Löcherblauhaube; man unterschied auch Summer- u. Winterh.; im Westerw (Altk) sass bei der H. an einem breiten, quer über Kopf u. Ohren liegenden Vorderteil ein runder Boden hinter dem Kopfe u. eine seitlich über den Hals u. Nacken fallende Rüsche; die H. bestand ganz aus gestärkten, am Vorderrand getollten Spitzen (Klöckelchen); in dem runden Teil waren oft Ranken eingestickt u. an den Seiten bunte Sträuss-chen aus künstlichen Blumen u. Blättern angebracht; eine weisse Seidenschleife im Nacken u. breite, manchmal bunte Seidenbänder, die unter dem Kinn zur Schleife gebunden wurden, vollendeten dieses Staatsstöck; wohl aus Sparsamkeitsgründen kamen auch schwarze Spitzenhauben von gleicher Machart u. solche ohne den runden Teil auf; in der WEif unterschied man die ganz H. von der halwen H., bei der der Teil, der bei jener den Hinterkopf bedeckte, der Boddem, fehlte, so dass die Haarflechten sichtbar waren; en getutert H. mit der Zange in kleine Dütchen aufgebügelte Spitzenh.; s. auch Kinnerheibchen, Schlosshauf [n. des Mosfrk

[Bd. 3, Sp. 307]
ist H. 1 mdl. nicht bekannt, dafür Mötz; aber Häupche (in nhd. Lautung) dringt ein]. RA.: Dat steht dem wei er Sau en iawescht H. Merz-Saarhölzb; e könnt daher wie en Sau mat er gespötzter H. Trier-Mehring. Ich scheissen der op de Kopp! Erwiderung darauf: dat gef en H. ohne Noht (Naht) Saarbg-Soest. Könner ka mer wohl en al (alte) H. opsetzen, awer kan ale Kopp Trier. Wat setzt den en bronkig H. op! was macht er ein trübes Gesicht Merz-Saarhölzb; hen hot ken gut (en schlecht) H. on (om, op) Bitb-Betting Mettend, Saarbg; e hät wei (jetzt) de H. schen ofsetze Merz-Riml. Em (einem) de H. bile (bügeln) ihn schlagen Koch-Poltersd. De Man hot de H. die Frau steht unter seinem Regiment Prüm-Mürlenb. De Flantes do löft allen H.ən no allen Weibern ebd. 1860. Inner (unter) de H. kommen heiraten, vom Mädchen; en Mädchen inner de H. brengen Allg. — In folg. RA. steht H. in leichter Übertragung für ‘Kopf’. Ech haue der ene (en) an (iwer) de H.; dau krigst en an de H.! Drohung von Schlägen Allg. [du kriss jetz di Häubsche geschoəre! Kref-Lank; ich schlonn der op di Häubche! Köln-Stdt]. Et as em net gut (recht) an (in) der H. er ist schlecht gelaunt, hierfür nicht aufgelegt Bitb, Allg., auch et es him net an (in) der H.; wat hos dau an der H.? was hast du im Sinne Bitb, Allg.; der hat einen en der H. er ist betrunken Merz-Wadern. — b. übertr. α. sachl. αα. hūf das obere Innengewölbe des Backofens Siegld; -ū:- Neuw-Buchholz. — ββ. hǫ·u.f das obere am Zugtier befindliche Ende der Deichsel Mos. — γγ. der zweite Magen, Labmagen der Wiederkäuer WMosfrk; Muskellage beim Magen des Schweines Simm. — δδ. Rossbicher Heibche Bergkuppe bei Neuw-Rossb. — β. persönl. αα. hę·i.fχən Huhn mit Schopf Saar, Trier; Haubenlerche Goar-Salzig. — ββ. verächtl. al H. altes Weib Allg.; domm H. dummer Mensch; geckig H. närrischer M. Merz. — 2. OBerg [ö. Ürd.-L. -wə], NBerg, SNfrk [doch hier auch, bes. Kemp, Kref, Geld -u-, –o-] hūf, –ū:-, Pl. -wən, -və; Monsch, Aach, Eup, Jül, Dür, Bergh, Grevbr -u-, hier u. da -ū:- [Köln-Stdt -ō:-; Wermelsk -o-; Monsch-Rötgen -u- u. hǫp], Pl. -və; Klevld -ū-, –u-, Pl. -wə(n). a. das bei einem Fuhrwerk über die runden Eisenbügel gespannte Segel- oder Zelttuch, das Personen u. Waren vor Regen schützen soll; auch das Verdeck bei Kinderwagen, Tuchdach; de H. op de Kar sette die Bügel aufsetzen u. das Tuch drüber ziehen Nfrk, Allg. RA.: Se hät de H. opgesatz sie geht in Strenge umher Dür-Langerwehe. — b. eiserne Auflage oben auf der Öse am Beil, an der Axt, um darauf beim Spalten des Holzes zu schlagen Dür-Frauwüllesh, Sieg-ODollend; -ǫ·u.- Bernk-Merschd. — c. huvə Pl. Schuhflicken auf dem Oberleder Geilk-NBusch. — d. Häubche kleiner Heuhaufen auf der Wiese Gummb-Gimborn. — 3.Rees, Dinsl, MülhRuhr

[Bd. 3, Sp. 308]
hyf, Pl. -wə strohgeflochtener Bienenkorb, Beienh. [s. Häupe (høyp, –ei-, –y-) WMosfrk].

 PfWB Hauben-band hǫ·u.wəbant (s. S.) Allg. verbr. wie Haube 1 n.: Band für die Haube. Hauben-bätzel Hunsr f.: Bindehaube alter Frauen. Hauben-bodem (s. S.) Verbr. wie Haube 1 m.: der die obere Kopfhälfte bedeckende Teil der Haube 1. Hauben-bügel huf- Verbr. wie Haube 2 m.: B. für das Wagenverdeck. Hauben-frau Verbr. wie Haube 1 f.: Fr., die Hauben anfertigte. PfWB Hauben-huhn Verbr. wie Haube 1 n.: H. mit Schopf. Hauben-käppchen hǫuwə- Goar-Boppard n.: Haubenlerche. Hauben-karre hū:f-, hufkār Verbr. wie Haube 2 f.: K. mit Verdeck, ein mit einem grossen Plantuch überdeckter Bauernkarren, der zu sonntägigen Ausfahrten oder auch als Beförderungsmittel bei Wallfahrten benutzt wird; mit Plantuch überdeckter Warenwagen, Botenfuhrwerk [blaugestrichener zweiräderiger Pferdekarren für ein Pferd, hinten mit einer hübsch geschnitzten Rückwand, mit drei Bogen überspannt, auf der die Huf liegt; wenn als Kutsche benutzt, hängen Sitzbänke in Ledergurten dran Rees-Milling]. Hauben-käse hufks Rees m.: Sülze von Schweinefüss-chen und –ohren. Hauben-kopf hǫ·u.wəkǫp Kobl, Trier m.: 1. Unterlage zur Herstellung von Hauben 1, zum Ausstellen von H. — 2. übertr. unbedeutendes Mädchen, das sich wenig betätigt; eigensinniges M. Hauben-lade hǫ·u.wəlt (s. S.) Verbr. wie Haube 1 f.: Schachtel, in der die Haube 1 aufbewahrt war; Hutschachtel. RA.: Die wor den (Branntwein) hanner de H. hollen (holen) gesagt, wenn die Frau einen besonders guten Schnaps auf den Tisch bringt Bitb-NWeis. PfWB Hauben-laken hū:f- NBerg n.: Plantuch. PfWB Hauben-lerche hǫ·u.wənlī:wərikχən Bitb-Wiersd n.: wie nhd. Hauben-mädchen Westerw f.: M., das Hauben 1 anfertigte. Hauben-mütze hūəfmøts Elbf f.: Haube besserer Art bei feierlichen Gelegenheiten (veralt.). Hauben-nähtersche -n:tər Eif f.: Näherin, die vornehmlich die Hauben 1 nähte. hauben-rot hǫuwərōt  Goar-Lamschd Adj.: rot wie eine Haube 1. Hauben-stechersche -tχə Dür-Düren Arnoldsw Birkesd f.: Putzmacherin für Kapotthüte.