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Rheinisches Wörterbuch 
 
irr bis irschterlich (Bd. 3, Sp. 1097 bis 1099)
 
  NRhWB irr das Wort ist in allg. Anwendung heimisch Rhfrk, Saar, Mos bis Bernk, in Bitb, im Westerw, Siegld; in der übrigen Eif, im Rip nur in best. Anwendung, u. zwar Rhfrk ęr; Saar von Saarl an, Hochw, Altk ę·r.; uSaar, Mos, Bitb ēr, īər, īăr [Koch-Laub r]; sonst īə(r); in Zs. mit Gans im OBerg, Altk ę·r.-, a·r.-; SNfrk, Klevld bezeugt das Wort nicht Adj.: 1. sich irrend; dau bist err dn irrst dich; do sen er awer err habt eine falsche Meinung; e. weren (gen) verworren werden Verbr. im Geb. der allg. Anwendung; in demselben Geb. err gehn (lafen); ich hatt mich ganz err gang. RA.: Wer lang frot (fragt), geht lang irr Saarbr. Wer weit geht, geht (sich) weit err wer weit geht, um sich eine reiche Frau zu holen, bekommt schliesslich eine arme Kreuzn, Simm-Horn. Dau bes iər em Kolenner nicht recht bei Trost Neuw-Breitschd. Wohin gehst du? Antw.: De Nas no, do geht mer sich ach net err, — dann geht sich der Arsch (Hennere) nit err Nahe, Hunsr; wo sich de Hinnere nit err läft (läuft) Kreuzn-Bretzenh. — Err schwätzen im Fieber phantasieren Nahe, Hunsr, Westerw. — Die attrib. Anwendung im Hauptgeb. in der Wend.: Se es erom gelaf wie en err Hinkel so kopflos; ganz vereinzelt en eren Schirm (udgl.) ein verkehrter, irrtümlich verwechselter Sch.; er wor an (in) em eren Steck (Land) Trier-Mehring. — Im Hauptgeb. diese Anwendung fast ausschliessl. (nicht = irrsinnig); sonst e es (ganz) iər (em Kopp) zerstreut, geistig gestört; dazu du mäs (machst) mech ganz iər dass ich nicht weiss, woran ich bin Rip. — 2.a. ganz err uf ebbes erpicht, versessen Kreuzn-Rüdesh. — b. ęr verdriesslich Sol; s. irkelig.

Irr-apfel -ab- Saarbg-Soest m.: Frucht der Malve. Irr-gang m.: 1. nach dem Nhd. — 2. übertr. die Streifen auf der weissen Frauenhaube (Rotzekäppchen), dadurch entstehend, dass der Grund dicht mit Nähten bedeckt wurde, wodurch er niedergehalten wurde, während die Streifen etwas erhaben standen; sie wurden durch sogen. Irrgänge belebt, die als dobbel I. u. als änletzige I. oder als dobbele I. met änletzigem Drumherum gesteppt wurden Saarbg-Taben (veralt.). Irr-gans nach Wk. III 5 Siegld, Altk, kurköln. Teil von Neuw, Sieg, OBerg, Lennep, u. zwar Altk, Neuw, Sieg īər-, sonst ę·r.- [i·r.- Sieg-Birkenf, Altk-Eichen Michelb OWamb; a·r.- Altk-NFischb Betzd (u. ai-); eăr- Siegld;

[Bd. 3, Sp. 1098]
ēr- Waldbr-Holpe; ēăr- Lennep-Radevormwald; ir- Remschd; ir(ə-) Lennep-Dahlhsn]; der zweite Komponent meist Pl. -ję·n.ts, doch meist -jzən OBerg, Siegld; -øy- Wippf-Lindlar, Waldbr-Hahn; -js Wippf-Thier Egen; -gs Altk-Herdrf; -ję·i.sən Sieg-Wahlschd; -ję·i.s Sieg-Mülld Sieglar Kriegsd Schneffelr, Birkenf; -gǫ·u.s (Sg.) Altk-Dünebusch, Waldbr-Dattenf; -xūs Remschd; -xs Lennep-Radevormwald f.: Schneegans. RA.: De I. brengen em Fröhjohr et Schmantdöppen met, on wann se fortgohn, nemmen se et möt Altk. PfWB Irr-garten irjā:dən Elbf m.: wie nhd. Irr-geister ęrgdər Wend-Remmesw Pl.: unruhige Gesellen; bei de E. kammer net Aue genong han. NRhWB Irr-korn ēărkr, īărkūăr Bitb-Dudeld Fliessem Rittersd n.: Taumellolch, lolium temulentum. Irr-kranen, Irr-krahe nach Wk. III 5 irkrānən Pl. Gummb-Harschd, Sol; irə- Sieg-Ruppichteroth; mit -kr(n), –kr:, Pl. -ən (Krähe) f. sonst, u. zwar ęr- Siegen, Waldbr-Berg Derschlag Eckenhg Odenspiel Wildbg, Gummb-Berghsn Bellingr Faulmert Gimborn Wallef Wiehl, Wippf-Lindlar, Remschd; ęrə- Waldbr-Denkl Dickhsn, Gummb-Drabenderhöhe Harschd Nümbrecht; ir- Gummb-Driesch Grunewald; ar- Siegld-Heisbg; irl- Waldbr-Dickhsn; elə- Sol-Leichl: Schneegans. PfWB  ElsWB Irr-kraut ēr- Trier-Mehring n.: in der Wend.: Dau bas noch mol of E. getreden zu einer Frau, die unterwegs durch eine andere Frau aufgehalten wurde. irr-ländig ę·r.- Altk-Wissen Adj.: ohnmächtig. NRhWB Irr-licht ęr- Nahe, Simm, Birkf, Saarbr n.: wie nhd.; sonst drǫu-, drȳlēχ (s. Trüg-licht). Irr-mensch īər- Dür-Stdt m.: Irre, Narr. Irr-nis īərnes Prüm-Mürlenb 1860 n.: Irrtum, Täuschung; dau bes en em I. Irr-tum ęr-, ēr-, īərdum, –dom (Eup -dǫmə) Verbr. wie irr, aber auch nach dem Nhd. im Nfrk. [īərdom Sol-Gräfr] Sg. t. m.: wie nhd.; em I. sen; meist sich vertan haben (s. auch Abüs). RA.: E. is menschlich, sat (sagte) de Hahn, do hor er uf er Ent gehuckt (versteht sich ohne Brill) Simm, May. De wellt Irtom hon ist streitsüchtig Daun-Katzwinkel. PfWB Irr-weg nach dem Nhd. Verbr. wie irr m.: wie nhd; om I. sen. NRhWB Irr-wisch ę·r.- Kreuzn, Wend, Simm, Eif 1856 Sg. t. m.: 1. –licht. — 2. übertr. unstete, gedankenlose Person; ęrwø munteres Kind Altk-Derschen Gebhardshain.

 PfWB  ElsWB Irre ęr Kreuzn, Wend, Birkf, Simm Sg. t. f.: in de E. (herum)gehn wie nhd.

irren schw.: 1.a. im Hauptgeb. von irr ęrə, ērən, īă- [Trier-Stdt :-] sich i., wie nhd.; bei de Versteiing has de dich awer arig gəerrt. — Sonst sich verduhn; aber in folg. RA. allg.: I. üs minschlich MülhRuhr, Allg.; I. es m., sät de Bur zo singer Frau, wie he em Düstere sin Mäd (Magd) bützte (küsste) Rip, Mörs-Rheinbg, — sat der Hahn, du trot (trat) he en Ent Köln; e. es m., äwer verharren des Deuwels Mettm [ech ha mich gəirrt hört man heute doch schon im Rip]. — b. er errt er spricht irr, phantasiert im Fieber

[Bd. 3, Sp. 1099]
Goar; he iərt Sieg-Felderhoferbrück. — 2. ē·ə.rə, sich i., sich kümmern; me sö sech ent öm aindermanns Affären e. Eup.

 PfWB  ElsWB ver- irren: 1.a. sich v., wie nhd.; Verbr. im Hauptgeb. von irr. RA.: Der Nas no, dass de Hennere sech net vererrt Ottw-Merchw, — de Arsch sech net v. Malm-BurgReuland. — b. bərērt sein im Irrtum, verworren sein Trier-Ld. — 2. einen v., verwirren; verör mich nöt! Trier-Stdt.

irrig īriχ Saarl-Überherrn Abj.: erbittert, missmutig; s. irkelig, irschterlich.

irren I s. o. bei irr.
 
 
irren II i·r.ə Monsch-Rötgen schw.: girren, von der Taube.

irrerichen = wiederkauen s. idderichen; irsch ī:- = soeben, vorher s. erst.
 
 
irschterlich īərdərliχ Birkf-Idar Adj.: 1. zu eilig, unbesonnen, überstürzt. — 2. gierig, erpicht auf etwas. — Das Wort ist II 170 fälschlich zu ernstlich 3 gestellt; Ernst lautet ərt.