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Rheinisches Wörterbuch 
 
Gammel bis Ganf (Bd. 2, Sp. 995 bis 997)
 
  NRhWB Gammel ga-, Pl. -ələ Simm, Goar, Westerw f.: grosses, steifes, albernes Frauenzimmer, auch junges Weib, das sehr stark geworden ist.
 
 
Gämmelchen -ę- Saarbg-Borg Tetting Sg. t. n.: kä G. rein gar nichts.
 
 
gämmelig ję·m.- Sieg-Ägid, Rheinb-Meckenh, Mörs Adj.: ungewohnt, unbehaglich, sonderbar, ndl. gemelijk; et wuərd mer ganz g. (ze Mot). — G. söt widerlich süss MGladb-Rheind (je-).
 
 
gammeln schw.: 1. xa- das ‘r’ schlecht (guttural) sprechen Gummb. — 2. ja- schimpfen Prüm-Leidenborn. — Abl.: die Gammelerei, dat Gegammel(s), der Gammeler, gammelig.
 
 
 NRhWB  PfWB gammer I ga- Nahe, Hunsr, Saar, Mos; gǫ- Saarl; gā- Trier-Ld n. Mos, Wittl, Bitb, WDaun, SPrüm (jā-); abseits rrhn. ja- Kobl-Mallendar, Neuw-Heddersd Rodenb; xa- Gummb-Hombg; lrhn. ja- Schleid-Scheven; gambər Zell-Raversbeuren, Merz-Mettlach Merching, Saarbg-Wehing, Bitb-NWeis (meist gāmər) Adj.: 1. von Natur fest, kernhaft, gesund. a. vom Menschen, bes. von seinen Wangen, Armen u. Beinen, die sich fest anfühlen; unverwüstlich, abgehärtet; munter, bes. bei Kindern,

[Bd. 2, Sp. 996]
Mädchen u. rühmend noch bei Alten; e g.ə Brocken (Knippchen); e. g. Knetche (Knecht) Kind; e g. Ihmchen (Oheim); e g. Bruder; e g.ə Kerl; e g. Märe (Mädchen); e g. Färf; g.ə Backen; g. Flesch; g. aussehn; hean as schung alt, eawer immer noch recht g.; die as noch g. fir hir Alder; en hält sich ganz g. Allg. RA.: G. wie en Hammer Wittl, — en Holzappel Wittl, Bernk, — en Honappel (Beere des Weissdorns) Wittl-Cröv, — e Kiərsch Merz, — en Tuərsch (Kohlstrunk) Merz-Bachem. Eich on us Anna, mir sein su g.; et es nemes (niemand) su g. wie eich on us Anna Bernk-Hinzerath. — Lüstern, von Mädchen Wend-Offenb, Birkf-Nohfelden. — b. vom Fleisch, Obst, Kohlkopf, Holz, fest, frisch, saftig, schmackhaft, im Gegens. zu weich, schlaff; e g.ə Appel; dat Fleisch es noch g. Allg.; vom Wein, herb, hart Trier; vom Speck, von Eiern Allg. — Wei sieht alles esou g. aus! frisch u. gesund in der Natur Merz, Allg. RA.: En drecke (trocken) Johr, e g. Schor eine gute Ernte Trier-Mehring. — 2.a. zu scharf gesalzen, bitter schmeckend Zell-Raversbeuren, Ottw-Uchtelfang, MüEif (nördl. Ort für das Wort, aber abseits); en g.ə Melezi (Medizin). — b. -amb- zum Essen reizend Merz-Merching; g. ön ön Apel beissen fest u. mit Lust Trier-Stdt. — c. gambər met der Maul vorlaut Merz-Mettlach.

gammerig Wend-Reichw Weierb, Kreuzn-Bretzenh Strombg Adj.: gammer 1.
 
 
 NRhWB gammer II ja- Daun-Neroth Adj.: begierlich nach gewöhnlichen Speisen.

gammern ga- Wend, Saarbr-Sulzb Wellesw, Ottw-Hirzw Neunk Spiesen schw.: sehnsüchtig zusehen beim Essen, von Kindern, Hunden. — Abl.: die Gammererei, das Gegammer.

ab- gammern: einem etwas a., durch Gammern einen andern zur Hergabe des Ersehnten veranlassen Allg.ver-gammert: v. of (no) ebbes lüstern auf Speisen Allg.

Gämmchen Saarbr-Bilzing Sg. t. n.: in der Wend.: Et Gämmchen fällt em eraus dem, der verlangend zusieht.

gammer-lich Saarbr; -əriχ Ottw-Hirzw Adj.: nach etwas, bes. nach dem Essen sehnsüchtig verlangend, dabei begehrend hinschauend, von einem Kinde, das aufs Essen nicht warten kann.

 PfWB  PfWB gammsen schw.: 1. -a·m.- Trier, Wittl; -ā- Bitb-Dudeld; -u- Merz-Bachem. a. nach etwas g., sehnsüchtig nach etwas verlangen, gelüsten. — b. hastig nach etwas greifen, haschen; dau gammst gleich no em döcksten Appel; de Kanner g. no dem Rang (Ring) beim Karussellfahren. — 2. gǫmə stehlen, stibitzen Saarbr-Krughütte. — Abl.: die Gammserei, dat Gegamms, de Gammser.

[Bd. 2, Sp. 997]

gammsig Adj.: sehnsüchtig verlangend, hastig greifend, begierlich aufs Essen.
 
 
gämmern gę- Siegld schw.: flimmern vor den Augen; schmerzhaft prickeln, bei Frostempfinden, am Ellenbogen, bei eiternden Geschwüren; mir g. arg de Hänn; et gämmert im eiternden Finger.
 
 
Gammi ga-, gǫ-  Saarbr m.: der Gehilfe des Glasbläsers, der die Handreichungen macht.
 
 
gampe(l)n gambə(n) u. -bələ Saarl-Roden; -bələ Saarbr; gāmələ Ottw schw.: 1. umherschlendern, bampeln, sich schlecht halten Allg. — 2. betteln Saarl-Roden. — Abl.: die Gampelerei, das Gegampel, en Gampeler(t).

Gampel -bəl, Pl. -ələ ebd., Wend-Heimb (m.) Weierb Sienhachenb, Birkf-Bundenb, Meis-Staudernh Meisenh, Kreuzn-Langenth (m.) Langenlonsh Sobernh Strombg Seesb, Simm-Gemünden f.: hoch aufgeschossenes Mädchen, das sich töricht gebärdet Allg.; unruhiges, flatterhaftes M. Birkf-Bundenb; schmutziges, schlampiges Weib Nahe.

Gampel-traube Mos 1825 f.: Tr., die an den Afterzähnen, Geizen wächst.

gampelig Adj.: bampelnd, sich schlecht haltend; elend, schwach.

Gampen -mb- Saarbr 1833 Sg. u. Pl. m.: müssig umherschlendernder Mensch.

gamper = kernig, gesund s. gammer I; gamsen = verlangen, hastig greifen s. gammer II; gän = gegen (s. d.); ganen -ā:- = gefallen s. gaden bei Gaden; Ganf = Eggenring, Stallring s. Kanf;