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Rheinisches Wörterbuch 
 
Gälze I bis gammerig (Bd. 2, Sp. 994 bis 996)
 
 Gälze I Rhfrk, Mosfrk, u. zwar gelts uNahe ö. u. südl. des Soonw; n. im Hunsr -i-; Wend, Saar, Mos bis Zell, Wittl, Bitb, Prüm, Daun -ę-, –- [Bitb-Mettend -ø-; Altk-Wissen jlsə], Pl. -tsə(n); im Rip jilts, Nfrk jelt; s. Gilze f. [m. Bernk-Gräfendhron]: 1. weibl. verschnittenes Schwein Allg. — 2. Eierstock des Mutterschweines Merz-Nunk.

gälzen -tsə(n) u. hier u. da -sə(n) ebd.; dazu -ęlts Mayf, Neuw, Altk, Sieg, MülhRh, Sol, Rheinb, Bo [Gälze hier jilts] schw.: 1. ein weibliches Schwein g., verschneiden, damit es besser zur Mast eigne Allg. — 2. übertr. a. Kartoffeln g., ring- oder ellipsenförmig schälen u. dann quellen, wodurch sich nachher die Schale besser abziehen lässt, weil sie die Flichten (Flügel) von sich strecken; im Gegens. zu den gequellten oder gebunzelten Grumpern, die mit der ganzen Schale gekocht sind Saarbr, Saarl, Trier, Wittl, Bitb, Prüm, Daun, Bernk, Koch. — b. Kartoffeln g., beim Ausgraben mit den Zinken des Karstes verletzen Merz-Saarhölzb, Simm-Laub (-i-); ebenso vom Apfel, gegälzt geblutzt Saarbg-Hamm. — c. mit dem dicken, eisernen Schüsser nachwerfen, spielen Zell-Traben. — d. einen g. α. prügeln; den han ech äwer gegälz; dem han ech se gegälz; der hät se gegälz krige Sieg-Thomasbg. — β. einen foppen, ärgern Sieg-ODollend, Köln. — γ. den sieht aus, wie wenn en gegälzt wör so mager, blass Prüm-Ihren.

Gälze II -lts, Pl. -ltsə(n) f.: 1. verächtl. altes, schlechtes Messer Wend-Winterb, Saarbr-Püttl, Ottw-Dirming Eppelborn Burb Uchtelfang. — 2. ringförmig geschälte Kartoffel, meist Pl. Gälzen oder Gälzcher Wittl-Sehlem, Daun-Strohn; Gälzcher Merz-Nunk, Wittl-Hetzerath; G. met Zump Zwiebeltunke; Gegälzcher Trier-Schweich.

Gälzen-schneider -nęirər Nahe; nī:jər Heinsb-Oberbr m.: Kastrierer.

[Bd. 2, Sp. 995]

Gälzer Sg. u. Pl. Allg. m.: Ferkelschneider [der G. Job Birkf-Hintertiefenb].

Gälzert -ərt, Pl. -də(n) Wend-Oberk, Trier-Fell Mehring m.: verschnittenes weibl. Schwein.

gälzen I -- = ranzig schmecken s. bei gelb; gälzen II = verschneiden s. bei Gälze I.
 
 
Gamasche gama, meist ka- , Pl. -ə(n) Allg. f.: 1. wie nhd., die Beinbekleidung Allg. RA.: Hen es su voll (betrunken) wie e. K. Bitb, Prüm, Malm, Monsch, Schleid, Geilk-Oidtw. Wat dat stüft (staubt), Hoəse met K.ə! gegenüber hochtrabenden Bauern Kemp, — Bure met K.ə! Heinsb-Erpen, Erk-Bellinghv. Ich han Hunger en de G.ə Kobl-Stdt. — 2. übertr. a. kleine, schwarze Pflaume Saarl-Ittersd. — b. Respekt, Angst, in Wend., wie: Do han ech K.ə für; für mir hät e äver K.ə en; he hät K.ə kregen Rip, Nfrk, Birkf.

Gamaschen-brühe -br:t Sieg-ODollend f.: verächtl. schlechter Kaffee. Gamaschen-dienst Trier-Stdt m.: strammer Militärdienst. PfWB Gamaschen-maul Kreuzn-Bretzenh n.: verächtl. grosser Mund. Gamaschen-tull Aach 1879 m.: Schimpfn. PfWB Gamaschen-wasser Sieg-Rhönd n.: -brühe.
 
 
Gämchen --, Pl. -χər Saarbr n.: eine Art blusenartiges Oberhemd; Lätzchen kleiner Kinder als Schmuck.
 
 
Gamee game , Sg. u. Pl. Birkf-Idar n.: die Kamee, Gemme aus Achat, vom Grawiər Graveur) grawiərt.

gameln -ā- = schwanken s. gampeln; Gämfer = Ingwer (s. d.); Gamm, Gämm = junger Trieb, Knabensp. s. Gimme I.
 
 
 NRhWB Gammel ga-, Pl. -ələ Simm, Goar, Westerw f.: grosses, steifes, albernes Frauenzimmer, auch junges Weib, das sehr stark geworden ist.
 
 
Gämmelchen -ę- Saarbg-Borg Tetting Sg. t. n.: kä G. rein gar nichts.
 
 
gämmelig ję·m.- Sieg-Ägid, Rheinb-Meckenh, Mörs Adj.: ungewohnt, unbehaglich, sonderbar, ndl. gemelijk; et wuərd mer ganz g. (ze Mot). — G. söt widerlich süss MGladb-Rheind (je-).
 
 
gammeln schw.: 1. xa- das ‘r’ schlecht (guttural) sprechen Gummb. — 2. ja- schimpfen Prüm-Leidenborn. — Abl.: die Gammelerei, dat Gegammel(s), der Gammeler, gammelig.
 
 
 NRhWB  PfWB gammer I ga- Nahe, Hunsr, Saar, Mos; gǫ- Saarl; gā- Trier-Ld n. Mos, Wittl, Bitb, WDaun, SPrüm (jā-); abseits rrhn. ja- Kobl-Mallendar, Neuw-Heddersd Rodenb; xa- Gummb-Hombg; lrhn. ja- Schleid-Scheven; gambər Zell-Raversbeuren, Merz-Mettlach Merching, Saarbg-Wehing, Bitb-NWeis (meist gāmər) Adj.: 1. von Natur fest, kernhaft, gesund. a. vom Menschen, bes. von seinen Wangen, Armen u. Beinen, die sich fest anfühlen; unverwüstlich, abgehärtet; munter, bes. bei Kindern,

[Bd. 2, Sp. 996]
Mädchen u. rühmend noch bei Alten; e g.ə Brocken (Knippchen); e. g. Knetche (Knecht) Kind; e g. Ihmchen (Oheim); e g. Bruder; e g.ə Kerl; e g. Märe (Mädchen); e g. Färf; g.ə Backen; g. Flesch; g. aussehn; hean as schung alt, eawer immer noch recht g.; die as noch g. fir hir Alder; en hält sich ganz g. Allg. RA.: G. wie en Hammer Wittl, — en Holzappel Wittl, Bernk, — en Honappel (Beere des Weissdorns) Wittl-Cröv, — e Kiərsch Merz, — en Tuərsch (Kohlstrunk) Merz-Bachem. Eich on us Anna, mir sein su g.; et es nemes (niemand) su g. wie eich on us Anna Bernk-Hinzerath. — Lüstern, von Mädchen Wend-Offenb, Birkf-Nohfelden. — b. vom Fleisch, Obst, Kohlkopf, Holz, fest, frisch, saftig, schmackhaft, im Gegens. zu weich, schlaff; e g.ə Appel; dat Fleisch es noch g. Allg.; vom Wein, herb, hart Trier; vom Speck, von Eiern Allg. — Wei sieht alles esou g. aus! frisch u. gesund in der Natur Merz, Allg. RA.: En drecke (trocken) Johr, e g. Schor eine gute Ernte Trier-Mehring. — 2.a. zu scharf gesalzen, bitter schmeckend Zell-Raversbeuren, Ottw-Uchtelfang, MüEif (nördl. Ort für das Wort, aber abseits); en g.ə Melezi (Medizin). — b. -amb- zum Essen reizend Merz-Merching; g. ön ön Apel beissen fest u. mit Lust Trier-Stdt. — c. gambər met der Maul vorlaut Merz-Mettlach.

gammerig Wend-Reichw Weierb, Kreuzn-Bretzenh Strombg Adj.: gammer 1.