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Rheinisches Wörterbuch 
 
Galle I bis Galmschnute (Bd. 2, Sp. 987 bis 989)
 
 Galle I gal, im Geb. der Schärfung ja·l.; uSaar, Trier, Wittl, Bitb gāl Sg. t. f.: 1. wie nhd., bes. in Wend., die den Begriff ‘Ärger, Wut’ umschreiben; de G. löf mer üver; mer soll sich ärgere, dat enem de G. üvergeht Rip, Allg.; dem schiesst gleich de G. iwer Rhfrk, Mosfrk; dem sprengk de G. wie en Ert (Erbse) Geilk-Brüxgen; eich hon meich geärgert, dat mer de G. en et Himb (Hemd) es geschoss Trier; der es de G. geknappt wenn ein Weib vor Wut in Ohnmacht fällt Aach; heə deəht enge (va Gef Gift) de G. baschte (bersten) er ärgert mich ohne Massen Aach; de G. usschödde sich austoben Aach-Merkst; den spet (speit) G. er ist zornig Geld; Gift on G. har er gespauzt Rhfrk; he wor Gef on G. Rip, Allg.; keng G. am (im) Leif hon sich nicht leicht aufregen Bitb. — Eich hun neist wie G. gebroch Mosfrk, Allg. — Et wor de reinst G. von einem bittern Getränke Mosfrk, Allg.; better wie G. on Russ (Rut) Rip, Allg. — Der gift's von der G. eweg ist mildtätig Ottw-Gennw. — 2. übertr. a. mittleres Schwanzblättchen beim Krebse mit anhängendem Darm, de G. roppen Saar, Trier, Bitb [Ottw-Eppelborn gęl; Merz-Michelb -:-]. — b. Hode Bitb-Dahlem Mettend. — c. Auswurf, Sputum Trier-Waldrach.

 PfWB  PfWB gallen-bitter,  PfWB  PfWB Gallenfieber,  PfWB  PfWB Gallenstein : wie nhd. Gallen-stück -ø- Grevbr-Wevelinghv, Heinsb-Lümb n.: Fleischstück von der mageren Aussenseite am Oberschenkel des Schlachtviehs.

gallen schw.: 1.a. -ā- Bitb, Wittl; -- Merz-Michelb: den Krebs g., mit der mittleren Schwanzflosse den Darm des Krebses ausziehen, um ihn zum Rohessen fertig zu machen. — b. -- einen Hengst g., kastrieren Merz-Michelb. — c. -ā-, von einem Rinde, einem Mädchen mit schmalem Leibe (hochgeschossen, mager), et as wie gegalt; et sieht aus wie g.; det kimmt doher wie g. d. h. et sieht aus, als hett et kan Treipen am Bauch Bitb, Wittl. — 2. -a-, sich g. on ebbes, sich viele körperliche Mühe mit etwas geben Saarl.

[Bd. 2, Sp. 988]

 PfWB  LothWB gallig Adj.: 1. -ę- bitter schmeckend Goar-Boppard, Klev-Rindern, Rees2. -a- zornmütig Trier-Stdt, Kreuzn-Bretzenh; empfindlich, alles übel auffassend Kemp-Stdt.
 
 
Galle II wie G. I lautend, Pl. -·l.ə(n) f.: Geschwulst. 1. wasserhaltige G. über dem Hufe der Pferde; dat Perd hät en Gall oder Gallen Allg. S. auch Steingalle. — 2. die teilweise überwachsene Stelle an einem Baume, wo früher ein Zweig abgehauen wurde uWupp, Wippf.

 PfWB  LothWB Gall-apfel m.: nach dem Nhd.
 
 
 NRhWB  PfWB  ElsWB Galle III wie G. I lautend, Pl. -·l.ə(n) Eusk, Bo, Bergh f.: nasse Stelle im Erdboden, wo das Wasser hervorquillt, auch en nass G. genannt Allg.; auch Stelle im Acker, die nach Regen sehr feucht u. bei Trockenheit sehr trocken ist, steinichte Stelle.

 PfWB gallig Ruhr Adj.: das Gebirge ist g. fest, Bergmspr.
 
 
 NRhWB Gallei jale·i. , Pl. -le·i.ə(n) s. Allee, dazu Dür-Birgel, Kemp, Klev, Rees (in Klev, Rees auch γəl-, γle) f.: Allee.
 
 
 NRhWB Galleier Eup 1842 Sg. u. Pl. m.: Nichtswürdiger.

gallefährt = schreckhaft, robust, gewalttätig s. er-fähren bei fahren III; gallen I = heiss verlangen s. galen; gallen II = kastrieren s. Galle I.
 
 
Gallera, Gallerei galəra  uNahe, Westerw; -ləręi Meis, Birkf, Simm, Saarbr, Hunsr-Orte von Zell, Bernk, Trier; -lərī Saarbr-Kölln; gęlərę·i. Trier-Geisf, Bernk-Merschd, Zell-Raversbeuren; garəręi Wend-Remmesw; galat Saarbr-Feching Sg. t. f.: gallertartiges Fleischgericht aus Ohren u. Füssen des Schweines, Sülze, auf dem Hochw. nur zu Fastnacht genossen, wozu der Bauer das ganze Jahr hindurch die Fleischteile trocknet, um an dem Tage G. zu haben.
 
 
Gallertchen galərdχə, Pl. -χər Saarbr-GrRosseln n.: Goldammer.

Gall-gorsch = Goldammer s. Gürsche; gällig = rein, pur s. gellig; Gegälling = Geschwister s. Gädling bei Gaden; Gallong = Loch im Eise s. Galong II.
 
 
 NRhWB Gallus m.: Name des Heiligen. Bauernregeln zum G.tage (16. X.): Galles, schaff häm alles Hunsr. Of St. Gall bleibt de Kuh im Stall Saarbr; St. G. dreift et Veh ön de Stall Altk-Horhsn. Op St. Gallus moss jeder Appel in sengen Sack Bergh, Wend, Mos; öm zent Gallendag mott den Appel van den Bom heraf Mörs-Rheinbg, Rees. Galles han de Drauwe alles Bo-Liessem. »Soll der Winzer sich eines guten Weins erfreun, muss St. Gall noch sein ein Sonnenschein« Mos. Willste nit de Kappes hule (holen), more is jo G. schun Hunsr.
 
 
 NRhWB Galm I galəm Trier bis Koch; -ā- Bitb; Wittl [-a-, aber Dat. Sg. -ā- Trier-Kenn]

[Bd. 2, Sp. 989]
jaləm, Dat. Sg. -a·l.- Daun, Prüm, Malm, Rip (südl. rrhn. bis Neuw-Datzeroth; nicht bezeugt in Schleid, Malm, Monsch), SNfrk [-ǫ- im Trübungsgeb.], Klevld, NBerg in Sol, Mettm, Elbf, Barm; Eup γaləmə Sg. t. m.: 1.a. unsichtbarer Dunst, bes. dicke, dumpfe, auch stickige Luft im Zimmer, warme, mit allerlei Düften durchtränkte Luft, bes. in einem Krankenzimmer; ba, wat kom mech do ene G. integen! Mörs, Allg.; de G. schlog mer glich op de Bros Rip, Allg. — Ausdünstung, Hauch aus dem Munde von Mensch u. Tier, mit dem Nebenbegriff des Unangenehmen für die Empfindung desjenigen, der den Hauch ins Gesicht bekommt; über Geruch aus dem Munde, bes. nach vielem Alkoholgenuss. — Die warme, heisse Luft, aus dem Backofen strömend. — Die Gärgase der jungen Weine Allg. — b. Qualm, bes. von Lampen, Tabak Allg.; in Bitb, Trier auch im Plur., Galme machen starken Rauch mit der Tabakpfeife entwickeln. — 2. Schall, Ton, Lärm Geräusch Geilk, Heinsb, MülhRuhr.

 PfWB Galm-loch -lk, –ōə- Verbr. wie Galm 2; xalmə- Heinsb-Kempen Roerkempen n.: Schallloch im Kirchturm. Galm-schnute Elbf, Barm f.: ein Mensch, der übeln Geruch aus dem Halse verbreitet.