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Rheinisches Wörterbuch 
 
Gadder II bis Gadem (Bd. 2, Sp. 970 bis 974)
 
  NRhWB Gadder II von der uSaar, n. Mos, köln. Teil von Neuw, Altk, Siegld reichend bis ins SNfrk (lrhn.) u. OBerg (rrhn.) u. Rees (γadər), u. zwar gdər, –ō(ă)- Merz, Trier, Bitb, SPrüm, Wittl, Bernk, Zell, Koch [-ęd- Saarbg-Borg Eft Tetting Serrig Manneb Faha, Daun-Neroth, Prüm-Gondelsh; -- Saarbg-Wehing]; jā:d- NPrüm, Malm; -ad- Rip [-ā:d- Sülzt, uWupp, Dür; -ę- Aden-Liers, Ahrw-Sinzig Burgsahr, Neuw-Asb, Sieg-Fussh, Waldbr-Rossel, Eusk, Rheinb-Wald, Bo, Köln-Kalk Sinthern Frechen, Bergh-Blatzh Bottenbr Hemmersb, Dür-Stdt Froitzh Pier]; gār, x- Siegld, Waldbr, Gummb [Hellert gǫrər]; jā:r

[Bd. 2, Sp. 971]
SNfrk in Geilk, Erk, MGladb [jā:t Kleinenbr], Grevbr, Neuss, auch NRip in Jül, Aach u. in Eup [γā:r u. γā:rt); Pl. -rə(n) f. [m. Eif, Siegld (u. f.), Eup (Sg. t.); n. Sieg-Ägid]: 1.a. die untere Hälfte, der nach ihrer Breiterichtung quer-, zweigeteilten Haustüre, die meist geschlossene untere Hälfte [in Gummb auch Heck genannt, die obere Hälfte de Bovedör, sie trug den Klöppel], nur noch sehr selten am Hause selbst vorkommend; doch immer noch am Stalle; in Köln noch an alten Bierhäusern, Metzgerläden; geschlossen aber blieb der G., um den Haustieren, bes. Hühnern, den Eintritt zu wehren; die Bovedör war meist offen, um Licht u. Luft hineinzulassen; der untere geschlossene Teil war mit einer breiten Leiste versehen, um sich darauf lehnen zu können; hatte das Haus keine geteilte Türe, so wurde in Köln (u. sonst) häufig die ganze Türe zur Lüftung geöffnet u. eine leichte Lattentüre, eine niedrige Gittertüre eingehängt, de Gädder genannt, im Unterschied zur Gadder; em G. im Hausflur Eusk. RA.: De lig de ganzen Dag op der G. faulenzt u. schaut neugierig aus Köln, Allg. Hät (pack) he de Dör, hät sei de G. ist der Mann zur Tür hinaus, so legt die Frau sich auf die G. u. guckt auf die Strasse u. schwatzt mit den Nachbarinnen Köln; han ich de G., dann hät he de Dür Dür. Bittet jmd. durch die Blume um einen Gefallen, so wird ihm geantwortet: Dat ös: Bur, hang mer de G. an (en)! (auch versteckte Aufforderung, den Besuch abzukürzen) Schleid-Lückerath, Köln; Bauer, hang me de G. an, de Dür es mer ze schwer! Ahrw. Wenn de ze lang blifs, kasde över ne G. kicke! wenn jmd. zu spät zum Essen erscheint Monsch-Strauch. De es met der Brotwurscht noch net ewer de G. Siegld (nur in dieser RA. noch). We en Geiss hät, muss ligge (leiden), dat im de Bock üver de G. süht (de Böck .. sprenge) wer Mädchen im Hause hat Köln, Aden-Kaltenborn. He fällt met der G. en et Hus Eusk-Commern. Donner G ! Fluch; he ös ene D. G. verteufelter Kerl Monsch-Witzerath. — Vielfach werden auch beide Teile G. genannt. — b. Latten-, Stakettüre, oft aus armdicken Stangen, etwa am Garten Aach, Eup, Monsch, Malm, Prüm, Trier (Köln -ę-, s. o.). — c. Scheunentürchen im grossen Tor MGladb-Mülfort, Dür-Pier, Bergh-Blatzh, Bo-Rüngsd. — d. Zaun um eine Viehweide Prüm-Gondelsh (-ę-).2. an Geräten. a. das Rutengeflecht an der Traghotte Wittl. — b. der Teil des Pfluges, worauf der Hinterpfl. mit dem Vorderpfl. verbunden ist Malm-Dürler. — c. Gitter vorn u. hinten am Leiterzaun des Wagens Bitb-Speicher. — d. der vordere, bewegliche Teil der Winde, an welchem über eine daran befindliche Seilscheibe die Treibkette in den

[Bd. 2, Sp. 972]
Schacht hängt Wormgeb. — 3. übertr. a. aufknöpfbare Hosenklappe der trägerlosen Jungenhose Merz, Saarbg, Trier, Bitb, Daun, Prüm, Malm, Monsch. — b. verächtl. Maulwerk; halt deng G.! Sieg-Fussh.

Gadder-buckse -boks Verbr. wie Gadder 3 a f.: Leibchenhose der Knaben mit aufknöpfbarer Klappe. RA.: Den os noch net aus der G. eraus ein grüner Junge. Gadder-ecke -k Bitb-Speicher f.: Strasse, die nach verschiedenen Stellen ins Tal führt. Gadder-fink -e- Sieg-ODollend m.: Frau, die müssig über der Gadder hängt. Gadder-gang Dür-Froitzh m.: in der Wend.: Deə hät de G. den Durchfall, Diarrhoe. Gadder-gänge -ję·ŋ. Bergh f.: schwatzhafte Frau, Müssiggänger. NRhWB Gadder-keiker -kikər m.: Neckn. derer von Aach-Eschw. NRhWB Gadder-klöpfer -p- m.: 1. Klöpfel am Gatter Allg. (veralt.). — 2. Bettler, Handwerksbursche Schleid, Eusk. Gadder-marsch Sieg-Fussh m.: scherzh. Diarrhoe; Gardürmarsch Waldbr. Gadder-maul -ū:- Sieg-Fussh f.: verächtl. Maulwerk; schwatzhafte Person. Gadder-säge (s. S.) f.: nach dem Nhd. Gadder-schlag Köln m.: der untere Teil des Gadders 1 a. Gadder-stein -tē Monsch-Kalterherbg m.: Trottoir. Gadder-tipper Monsch-Witzerath m.: Fechtbruder. Gadder-türe -dȳr Rip f.: die zweiteilige T. insgesamt [die untere Hälfte Gummb-Hombg]. RA.: Die G. sagt: Ich han dich gehauen on kann net derfür Schleid-Hellenth.

Gädderer gędərər Sg. u. Pl. Wittl-Cröv m.: ein Gerüst aus Stangen, das bei kurzem Futter (Grummet, Grünfutter) zwischen die Seitenteile des Wagens vorn u. hinten eingesteckt wird, damit das Futter nicht herunterfalle, de veddere u. hennere G.

Gäddert --, Pl. -də Daun-OElz m.: Klappe an der Knabenhose.
 
 
gaddern I schw.: 1. -ad- schnell atmen nach heftigem Laufe, bes. von Hunden Schleid-Dollend. — 2. -d- lebhaft schwatzen Trier-Beschd. — Abl.: die Gadder(er)ei. dat Gegaddersch, sech zerg.

Gadder -ad-, Pl. -rə Daun-Gerolst, Geilk-Oidtw n.: wildes, ausgelassenes Mädchen.
 
 
 NRhWB gaddern II schw.: 1. gǫrərə Kleinigkeitsarbeiten verrichten, sich zu schaffen machen, z. B. im Garten Unkraut jäten, Pflanzen behäufeln, in der Wohnung den Staub abwischen Zell-Pünderich Senh. — 2. -ad-, etwas g., ergattern, erhaschen Köln-Stdt. — Dieselben Abl. wie bei g. I.

 NRhWB ver- gaddern : schw.: 1. etwas v. a. vollkommen fertigstellen, ordnen, gut versorgen, u. zwar -d-, er hot alles schin vergodert Bernk-Maring; -gārn Siegld; -d- sich etwas v., zurechtmachen, z. B. aus alten Kleidern etwas zusammenrichten Bernk-Wehlen; die zusammengehörigen Teile zusammensetzen, z. B. Karten, Dominosteine Bitb-Dudeld; -ad- etwas

[Bd. 2, Sp. 973]
verarbeiten, z. B. die Milch Bernk-Gonzerath; -ǫd-, de Man kan et Holz v.; de Frau vergoddert et Kund (Kind) wickelt, pflegt es; mer kren os Orbet net mih vergoddert Daun-Tettschd; -ad- die Trauben verarbeiten Zell-Trarb; -ǫd- etwas verarbeiten, bes. recht verteilen, eine zu grosse Menge unterbringen; eich soll en (den zu grossen Heuhaufen auf dem Wagen) vergoddert kriən Daun-Strohn, Koch; -r- Goar-Weiler; -ǫr- etwas gut versorgen, z. B. eingemachtes Obst, Sauerkraut, ungekochtes Fleisch Koch-Ellern. — b.α. -d- einen Vorrat bis auf den letzten Rest verwenden May-MüMaif; -ǫd- etwas verschwenden Wittl-Greimerath; -ad- bei Seite schaffen Kobl-Bend; -ad- die Schuhe v., draufschlappen Saarl-Hüttersd Schaffhsn; -ād- etwas zerschlagen Koch-Lutzerath; -ad- etwas zerbrechen Sieg-Honnef; der Hahn vergadert dat Hohn beim Begatten Koch-Lutzerath. — β. -ad- etwas v., einen Fehler, einen dummen Streich machen; he hät jet vergaddert; dat häste äver arg v. Sieg-Ägid, Neuw-Ohlenbg. — γ. -ar- etwas beschwatzen, verhandeln, besprechen NOSiegld. — δ. -d- etwas öffentlich versteigern Wittl-Manderschd. — 2.a. -ǫr- einen v., durch Heirat gut versorgen (mehr dafür vererdern) Koch-Ellern. — b. sich v. α. -ad- sich versammeln, zusammenkommen Rip, SNfrk (-ād- Selfk), Klevld. — β. -ǫd- sich gut vertragen; sech net v. sich gerne zanken Mos. — γ. -d sich mit allerlei Unpassendem bekleiden, wie es Kinder gerne tun; sich auffällig mustern ebd. — δ. -ad- sich vertun, einen Fehler machen Sieg-Ägid. — ε. -d- sich beschmutzen Wittl. — 3. -ad- die Hühner oder andere Haustiere v., entarten, wenn Inzucht getrieben wird Bo-Ld. — 4.a. vergarert verworren, zerstreut Kobl-Winning. — b. -ad- erpicht Trier. — c. bərgǫdert wurmstichig Trier-Clüsserath Leiwen.

Ver-gadderung -γadəreŋ, –oŋ Selfk, Geld, Klev, Rees Sg. t. f.: sorglose Zusammenkunft, Unterhaltung, Abwechselung.
 
 
gaddern III schw.: 1.a. -ęd- sich knarrend lose in der Angel bewegen, von Türen oder Fenstern Eusk. — b. -ā:d- wackeln, sich im Gefüge oder Gehänge lockern; den Halt verlieren, von Türen oder Fenstern Prüm-Ihren. — 2. -ad- Merz; -ā:d- Prüm-Ihren; gadəln Saarl-Berus: breitspurig, grätschig, schlendernd, watschelnd, unsicher gehen; doherg.; gegaddert kommen. — Abl.: die Gadder(er)ei; dat Gegadder(sch), der Gadderer.

aus- gaddern: usjəjędərt durch vieles Öffnen schadhaft geworden Eusk.

gadderig Adj.: 1.a. -ad- baufällig, von einem Hause, im Gefüge lose, z. B. von einem Stuhle, im Gehänge lose Merz-Becking, Trier-Fell (-əleχ), Prüm-Bleialf Ihren (-ā:d-).b. -ad- ausgeweitet, von Schuhen Merz-Becking.

[Bd. 2, Sp. 974]
2.a. watschelnd, schlendernd Verbr. wie gaddern 2. — b. gaddeliger Minsch langer Kerl Saarl-Berus.
 
 
Gadem m.: 1.a. jadəm, Pl. -mə an einem grossen Hause, bes. an Kirchen angebauter, einstöckiger Kramladen, in dem Kerzen, Rosenkränze, Heiligenbilder udgl. verkauft wurden Köln-Stdt (veralt.); gdəmχən, Pl. -χər n. Verkaufsbude, an die Gangolfskirche angebaut Trier-Stdt; Marktstand Bernk-Stdt (hier veralt.; auch die Verkäuferin hiess G.). — b. jadəm, meist Demin. jędəmχə Haus, das nur aus einem Gemache bestand mErft 1870. — c. xadən Vorhaus, en e G. im Vorhaus Gummb-Hombg. — d. gadə Stockwerk; daher ein-, zweigadig Kobl 1787. — 2. übertr. gdəmχər Pl. n. Gesindel Trier-Eitelsb.