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Rheinisches Wörterbuch 
 
fromm bis frontierlich (Bd. 2, Sp. 823 bis 826)
 
 fromm Rhfrk -o-, –u-; sonst -o-; im Geb. der Schärfung -o·m., seltener -ǫ- [WBitb -ū-; w. Heinsb-Süsterseel Saeffelen, MülhRuhr -u-] Adj.: 1. von Menschen. a. wie nhd., gerne betend, kirchlich gesinnt Allg. [im Rhfrk mehr hailich; fr. scheint das jüngere Wort zu sein]. RA.: De ös so fr. wie e Pader Bernk-Bischofsdhron, — as en Lamm Gummb-Berghsn. Liewen Her, mak mej fr., dat ek in den Hemmel komm! Kindergebet Mörs, Allg. Glabt ihr, der wär fr., das is e Scheinheiliger! Westerw. Die de gruss (grisste) Kreizer an de Kirch machen, sen net de Frommsten Bitb; die sen net all fr., die lang Rusekrinz drohn Bitb, Köln. — Und so gern in aburteilendem Sinne. RA.: Em Alder weərde ze Kölle de Lück (Leute) och fr. MGladb-Rheind. Je fr.ər, je schlommer Schleid-Hellenth. Dat (Mädchen) is so fr. wie Abrahams Geiss Bernk-Merschd, — Butschel-Hannesse Gäss, wie se mit siewe Bick (Böcke) in't Dorf kumm is Simm-Laub; de es su fr. wie Klärn Hond (der vormittags die Kücken u. nachmittags die Henne gestohlen hatte) Siegld-Wilnsd; N. es esu fr., de git sech Freckdags bloss mit Föschwivern af Bergh-Hüchelhv. Die Quisel (Betschwester), die es so fr., die pesst (watert) Weihwater Geld, Mörs, Rees. Je frömmer de Min (Meinung),

[Bd. 2, Sp. 824]
je schleiter der Hongk MGladb-Rheind. De frömmste Lüj häbbe nit ömmer de längste Rosekränz Mörs-Rheinbg. Fr. het en Kuh gestohlen on es (hett heisst, bluf) noch fr. Mörs, Rees, Ess; Fr. hat en Kuw gestohle on hat et Fell ter Ehre Gotts gegewe on du wor e noch fr. Mörs-Xanten; de Fr.ə het ouk es en Kalf gestohlen un het den Strick wiər bracht Ess. — b. die Fr.ə Sektierer, bes. die Baptisten Allg. (vgl. die Finen). — 2. von Zugtieren, Kühen, geduldig, nicht böse; dat es en fr. Dier Rip, Allg.

fromm-artig -ā.deχ Schleid-Hellenth Adj.: sehr a. fromm-sonntag, fromm-woche s. Frone.

frömmeln -- [-- u. -i- Wippf] schw.: nach dem Nhd.

 PfWB  LothWB Frömmig-keit -ø·m.ĭχkēt, –o·m.hēt Allg.; -īmĭχt Bitb Sg. t. f.: wie nhd.

Frommes = Fraumensch (s. d.).
 
 
frondieren -ē:rə  Eup schw.: schmuggeln.
 
 
 NRhWB Frone -ōn u. -- Saarbr-Völkl; -ū- Bitb-Mettend Dudeld; sonst Hunsr -ē-; Mosfrk (Saar, Trier, Bitb, Wittl, Bernk, Zell, Koch) :-; uWupp 1870 ū:- –Sg. t. f.: 1. Frondienst; Zuziehung der Bürger zur Herstellung u. Ausbesserung von Gemeindewegen u. –gräben, anstelle von Steuern, bei armen Gemeinden in gesetzl. best. Weise, ohne dass eine Ablösung erfolgt [heute dafür mehr met der Gemein gehn Birkf]; of de Fr. schaffen; op (en) de Fr. gohn; de Fr. metmachen Allg.; dat wird frinsweis gemacht Prüm-Mürlenb. RA.: Er gehert (gehört) en de Fr. dot geschlah der Nichtsnutz Birkf. Wer of de Fr. schwer schafft, hirt met der Spellomp erschoss Koch-Ernst. — 2. uf de Fr. schaffe jüngst auch gegen Lohn für die Gemeinde arbeiten.

 PfWB Fron-dienst -ū:n- Aden-Liers m.: Fr. dohn. PfWB  ElsWB  LothWB Fron-fasten -u·m.-, –ū:- Eif; -u·ŋ.- Prüm; -o·u.n- Malm-Büttgenb Pl. t. f.: Quatemberfasten. RA.: Wie et Wedder Dostes (Dienstages) no de Fr. os, os et det ganz Vierdel Johr dernot Prüm-Ihren. Ech well ebbes son, hirt meune Rot, van de Fr.sot; be well halen seune Appelbom se Rot, de pleckt sein Äppel en de Fr.sot teschent 11 on 12 Koch-Lutzerath.  PfWB Fron-gasse f.: häufiger Gassenname. Fron-hof m.: häufiger Hofname, z. B. fru·ŋ.ə- Bitb-Mettend; :nhǫvf Rheinb-Meckenh. Fron-leichnam in älterer Zeit nicht gebräuchl., dafür Herrleichnamsdag, Leichnamsdag, Gottsdracht, doch jüngst sich einbürgernd, z. B. frəleiχəm(swoch) Bitb-Mettend. Volksgl. Wie Fr. die gestreuten Blumen trocknen, so trocknet auch das Heu Allg. Düren de Blome Fr. net am Aldor, su get et kän got Johr Altk-Willr. Wenn's Fr.sdag rent (regnet), krein mer ke sche Hauwere (Heuwetter) Bernk-Stipshsn. Wa

[Bd. 2, Sp. 825]
me Fr.sdag e Bei fingkt (fängt), bächt (baut) en en Hochwirdigt (Monstranz) WBitb; e Fr.sbeien eas en Kouh wert Merz-Morschholz. — Die Mädchen schmücken die Altäre, die an bestimmten Stellen errichtet sind; in Trier-Geisf hat ein Mädchen die Verantwortung für das Schmücken (der Ort hat vier Altäre, dem vier Bezirke entsprechen); es sind also vier Mädchen, die et Duch hon (dies der stehende Ausdr. für diese Würde); es verwahrt in ihrem Jahre auch alle Ausschmückungsgegenstände u. ladet am ersten Sonntage nach Fr. ihre Mithelferinnen zum Duchkaffi ein. Fron-sonntag fru·ŋ.zondĭx Prüm-Ihren; sonst Eif fro·m.- m.: einer der vier S. nach den Quatembertagen. Volksgl. Schändung der Fr. bringt Fluch; heit (heute) es Fr., do darf me och net flecke; wen op e Fr. entdämpt (Sauerteig ansetzt), den hot et ganz Johr Fr. Damp Bitb-Hütting; man soll am Abend vor Fr. nicht reisen Koch. Kinder, die auf Fr. geboren sind, sind Glückskinder, können die Geister u. die Toten wandern sehen u. können weissagen; doch dürfen sie ihre Gesichte nur Personen des andern Geschlechtes mitteilen, man nennt sie Fronsonntag-skenner Allg. Der am Fr. geboren ist, kommt an den Galgen Bitb-Hosten, Trier-Orenhf, Prozession an den vier Fr.; wer dabei fällt oder strauchelt, wird krank oder stirbt während des kommenden Vierteljahres Eif, Nahe. Wie das Wetter am Dienstag nach Fr. ist, so bleibt es das ganze Vierteljahr Koch. En Fr.laus brengt honnert en't Haus Koch-Lutzerath. Fron-stück -e- Eif (o. O.) n.: Gemeindeland, das den Bürgern gegen Entgelt verpachtet wird. Fron-woche fro·m.- Koch-Laub, Neuw-Notschd f.: W. nach Maria Geburt (8. IX.); Grombern wern on de Woch no de Fr. gegrowen; dat Kor moss en der Fr. gesät were.

 NRhWB frönen -ē-, –ī- Saar, Hunsr, Mos, Eif; -ō- Birkf (s. Frone) schw.: 1.a. unentgeltlich (statt der Steuer) für die Gemeinde arbeiten, etwa bei Wasser-, Feuer- u. Schneeschäden, Wegearbeiten, Fahrten; auch für den Forstfiskus im Walde, um ein Protokoll für Holzfrevel wett zu machen, em Wald fr.; man frint, hilft fr.b. den Nachbarn in gewissen Fällen aushelfen, hauptsächl. bei Bauten die Fahrten kostenlos leisten. — 2. übertr. dem Maul fr. sein Hab u. Gut durch Essen u. Trinken verprassen.

ab- frönen: eine Protokollstrafe durch Gemeindearbeit ablösen Allg.

 NRhWB  PfWB Fröner Sg. u. Pl. m.: 1. wer frönt Allg. — 2. übertr. hastiger, in der Arbeit sich überstürzender Mensch Schleid.

Frong s. Frung; Frönsel s. Frünsel.
 
 
 NRhWB Front -o- [Merz --], Pl. -tə(n) f.: 1. Vorderseite des Hauses, auch Hausfr. Allg. RA.: De sät et em rond fir de Fr. gerade ins

[Bd. 2, Sp. 826]
Gesicht Bernk-Maring. — 2. Fr. der Truppen. RA.: Lans de Fr. rije (reiten) beim Kartensp. die Trümpfe herausholen Erk-Keyenbg. — Gefechtsfr.; an de Fr. sen, gohn Allg. — 3. Fr. schloəh sich brüsten; Staat u. Aufwand machen Aach.

 NRhWB Front-spitze- bits Birkf f.: Aufbau in der vorderen Dachseite.

Fronten-mächer Aach m.: Stutzer, Elegant.
 
 
frontierlich -o-  Koch-Leyenkaul Adj.: schimpflich: sonst affrontierlich (s. d.).