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Rheinisches Wörterbuch 
 
froh bis Frönsel (Bd. 2, Sp. 821 bis 825)
 
  NRhWB froh -ō; –ū:, –ū·ə., –ū·ă., –ō·ă., –o·u. [s. Brot) Adj.: 1. wie nhd., verstärkt golde-, herzlich fr.; fr. sen (werden) üver (met) jet; enen (sech) fr. machen; diese Wend.

[Bd. 2, Sp. 822]
ersetzen durchweg das wenig beliebte Wort ‘freuen’ Rip, Allg. RA.: Immer lustig, immer fr. wie der Mops im Stroh (Paletot) Simm-Laub, Verbr. Fresch, frei un fr. springt de Fluh ohne Sprungbrett üver de Popo Köln. He es stell fr. in sich vergnügt Rip, Allg. Nou ben ech esu fr. we ne Bur, de gebicht hat Eup, Rip, Nfrk, — e Geck, der e Metz (Messer) fend Aden-Kaltenborn, — met emmes wie de Gess (Ziege) mot dem Metz Prüm-Ihren, — en Kend Allg., — e Kineck (König) Bitb, Verbr., — ene Schragdräger (Flachsträger) Kemp-Lobberich, — Voz (Vogts) Tönnes Eusk, — en Mus em Meəhlsack Schleid-Scheven, — en junger Hund Hunsr, Allg., — en Pohahn (Pfau) Kemp, — e Liərch Birkf-Gimbw, — en Groschen May-Trimbs, — Kochen (Kuchen) Daun, — als wenn ech em Hemmel wär Rip, Allg.; eich sin su fr., dat ich manen (meine), Kiniks Katz wer mei Nicht Bitb-Geichl, — ech net son kann, — ech mech op de Kopp stelle könnt, — ech de Kuckelebom schlohn möch, — et mir em Buch wih deht Rip, Allg.; he es fr. we der Fuss (Fuchs), als e met em Püngel (Büschel) Hore dervun kom Köln; se sen so fr., se krin (kriegen) et Maul net sesamme Birkf. — We mech naks (nachts) stellt (stiehlt), es fr., dat e mech am Dag weddebrengk Rip. Do kannste fr. sen, dat de net derbei worsch, — dat de noch et Leven häs, — datste ding Föss unger dem singe Desch stelle darfs Köln, Allg.; he üs fr., dat he selwes wat het Ruhr, Allg.; do kaste fr. sin on bruchs aver net ze lache Malm-Weywertz. He es fr., wenn he met den Dag üver de Hei (Heide) kömmpt er ringt schwer um den täglichen Bedarf Kemp-Dyck. He wor äwer net ganz voll, er wor bluss jet fr. em Bauch (angezecht), sät Schweinberənt Prüm-Daleiden. Der Düvel (d. h. ich) wiərd senges Levens net fr. Bergh-Blatzh, Allg. — Mot er Klenigket ka mer de Könner fr. machen Rip, Allg., — sot de Mann, du luss (liess) hen en Furz Prüm-Ihren. Schmal on houh (hoch) mächt den arme Mann fr. weil er seine Ernte nicht nach dem Gewicht, sondern nach der Zahl der Wagen angibt ebd. Lof (Laub) mach et Langk (Land) dof (taub), Strüh m. et L. fr. MülhRh-BGladb. Mer brut (brauch) net selver fr. ze siə, öm angere fr. ze mache Aach. E mät sech fr. met ener Klenigket; he mät sech met ander Löcks (Leuts) Kenger fr. ist kinderlos, liebt aber die Kinder Rip. — He verzällt (erzählt) sech fr. macht sich selbst was weis MüEif; ist selbst fr. geworden bei der Erzählung Bitb, Prüm; der schwätzt sich fr. er prahlt Koch-Clotten; der kallt sech selver fr. er prahlt MülhRh-UEschb; he lacht sech esu fr. er hat viel

[Bd. 2, Sp. 823]
gelacht, aber auch hen hat sech fr. gekrasch sehr viel geweint Prüm-GrKamp. — Die konn wedder huhter (höher) noch fruhter auf keinen grünen Zweig Daun-Neroth, Schleid, Sieg, Bergh, Aach; he köt net huəhder on wiərd net fruəhder Schleid-Hellenth; er wird net hoher on net froher (— hoərsch on net foərsch veralt.) Birkf; je huhder, je fruhder je mehr Verzehr, desto mehr Freude, vom Leichtsinnigen Schleid. — En fr. Gesich (fr. Oge) mache Rip, Allg. RA.: Fr.ər Senn un gode Mot (Mut) spart dem Kend rech of de Rot (Rute) Neuw-Unkel. — 2. fr. sen matanen (miteinander) (op enanner) sich lieben, von zwei Liebenden; fr. met ömmes sen sich über die Anwesenheit einer Person freuen; ihn lieben Bitb, Prüm, Malm, Simm-Argenth, Goar-Weiler; bes. zu Kindern zärtlich sein Birkf.

Froh-macher -męχ- Westerw m.: scherzh. Schnuller der kleinen Kinder.

 NRhWB fröh-lich Adj.: nach dem Nhd., in RA.: De Fröhlichsten gohn drischt (zuerst) offern (opfern) wenn ein Erbonkel begraben wird Malm-Weywertz. En drauriger Ärsch lesst selden en fr.ən Furz Merz-Nunk. Ene fr.ən Dag on gene (keine) mih! Bergh. Fr. gelef un silig gestorve, hess (heisst) dem Düvel de Rechnung verdorve MülhRh, Rees. Dau bas wohl net recht fr.! nicht recht gescheit Wittl-Meerf.

frollen = wühlen s. frülen.
 
 
fromm Rhfrk -o-, –u-; sonst -o-; im Geb. der Schärfung -o·m., seltener -ǫ- [WBitb -ū-; w. Heinsb-Süsterseel Saeffelen, MülhRuhr -u-] Adj.: 1. von Menschen. a. wie nhd., gerne betend, kirchlich gesinnt Allg. [im Rhfrk mehr hailich; fr. scheint das jüngere Wort zu sein]. RA.: De ös so fr. wie e Pader Bernk-Bischofsdhron, — as en Lamm Gummb-Berghsn. Liewen Her, mak mej fr., dat ek in den Hemmel komm! Kindergebet Mörs, Allg. Glabt ihr, der wär fr., das is e Scheinheiliger! Westerw. Die de gruss (grisste) Kreizer an de Kirch machen, sen net de Frommsten Bitb; die sen net all fr., die lang Rusekrinz drohn Bitb, Köln. — Und so gern in aburteilendem Sinne. RA.: Em Alder weərde ze Kölle de Lück (Leute) och fr. MGladb-Rheind. Je fr.ər, je schlommer Schleid-Hellenth. Dat (Mädchen) is so fr. wie Abrahams Geiss Bernk-Merschd, — Butschel-Hannesse Gäss, wie se mit siewe Bick (Böcke) in't Dorf kumm is Simm-Laub; de es su fr. wie Klärn Hond (der vormittags die Kücken u. nachmittags die Henne gestohlen hatte) Siegld-Wilnsd; N. es esu fr., de git sech Freckdags bloss mit Föschwivern af Bergh-Hüchelhv. Die Quisel (Betschwester), die es so fr., die pesst (watert) Weihwater Geld, Mörs, Rees. Je frömmer de Min (Meinung),

[Bd. 2, Sp. 824]
je schleiter der Hongk MGladb-Rheind. De frömmste Lüj häbbe nit ömmer de längste Rosekränz Mörs-Rheinbg. Fr. het en Kuh gestohlen on es (hett heisst, bluf) noch fr. Mörs, Rees, Ess; Fr. hat en Kuw gestohle on hat et Fell ter Ehre Gotts gegewe on du wor e noch fr. Mörs-Xanten; de Fr.ə het ouk es en Kalf gestohlen un het den Strick wiər bracht Ess. — b. die Fr.ə Sektierer, bes. die Baptisten Allg. (vgl. die Finen). — 2. von Zugtieren, Kühen, geduldig, nicht böse; dat es en fr. Dier Rip, Allg.

fromm-artig -ā.deχ Schleid-Hellenth Adj.: sehr a. fromm-sonntag, fromm-woche s. Frone.

frömmeln -- [-- u. -i- Wippf] schw.: nach dem Nhd.

 PfWB  LothWB Frömmig-keit -ø·m.ĭχkēt, –o·m.hēt Allg.; -īmĭχt Bitb Sg. t. f.: wie nhd.

Frommes = Fraumensch (s. d.).
 
 
frondieren -ē:rə  Eup schw.: schmuggeln.
 
 
 NRhWB Frone -ōn u. -- Saarbr-Völkl; -ū- Bitb-Mettend Dudeld; sonst Hunsr -ē-; Mosfrk (Saar, Trier, Bitb, Wittl, Bernk, Zell, Koch) :-; uWupp 1870 ū:- –Sg. t. f.: 1. Frondienst; Zuziehung der Bürger zur Herstellung u. Ausbesserung von Gemeindewegen u. –gräben, anstelle von Steuern, bei armen Gemeinden in gesetzl. best. Weise, ohne dass eine Ablösung erfolgt [heute dafür mehr met der Gemein gehn Birkf]; of de Fr. schaffen; op (en) de Fr. gohn; de Fr. metmachen Allg.; dat wird frinsweis gemacht Prüm-Mürlenb. RA.: Er gehert (gehört) en de Fr. dot geschlah der Nichtsnutz Birkf. Wer of de Fr. schwer schafft, hirt met der Spellomp erschoss Koch-Ernst. — 2. uf de Fr. schaffe jüngst auch gegen Lohn für die Gemeinde arbeiten.

 PfWB Fron-dienst -ū:n- Aden-Liers m.: Fr. dohn. PfWB  ElsWB  LothWB Fron-fasten -u·m.-, –ū:- Eif; -u·ŋ.- Prüm; -o·u.n- Malm-Büttgenb Pl. t. f.: Quatemberfasten. RA.: Wie et Wedder Dostes (Dienstages) no de Fr. os, os et det ganz Vierdel Johr dernot Prüm-Ihren. Ech well ebbes son, hirt meune Rot, van de Fr.sot; be well halen seune Appelbom se Rot, de pleckt sein Äppel en de Fr.sot teschent 11 on 12 Koch-Lutzerath.  PfWB Fron-gasse f.: häufiger Gassenname. Fron-hof m.: häufiger Hofname, z. B. fru·ŋ.ə- Bitb-Mettend; :nhǫvf Rheinb-Meckenh. Fron-leichnam in älterer Zeit nicht gebräuchl., dafür Herrleichnamsdag, Leichnamsdag, Gottsdracht, doch jüngst sich einbürgernd, z. B. frəleiχəm(swoch) Bitb-Mettend. Volksgl. Wie Fr. die gestreuten Blumen trocknen, so trocknet auch das Heu Allg. Düren de Blome Fr. net am Aldor, su get et kän got Johr Altk-Willr. Wenn's Fr.sdag rent (regnet), krein mer ke sche Hauwere (Heuwetter) Bernk-Stipshsn. Wa

[Bd. 2, Sp. 825]
me Fr.sdag e Bei fingkt (fängt), bächt (baut) en en Hochwirdigt (Monstranz) WBitb; e Fr.sbeien eas en Kouh wert Merz-Morschholz. — Die Mädchen schmücken die Altäre, die an bestimmten Stellen errichtet sind; in Trier-Geisf hat ein Mädchen die Verantwortung für das Schmücken (der Ort hat vier Altäre, dem vier Bezirke entsprechen); es sind also vier Mädchen, die et Duch hon (dies der stehende Ausdr. für diese Würde); es verwahrt in ihrem Jahre auch alle Ausschmückungsgegenstände u. ladet am ersten Sonntage nach Fr. ihre Mithelferinnen zum Duchkaffi ein. Fron-sonntag fru·ŋ.zondĭx Prüm-Ihren; sonst Eif fro·m.- m.: einer der vier S. nach den Quatembertagen. Volksgl. Schändung der Fr. bringt Fluch; heit (heute) es Fr., do darf me och net flecke; wen op e Fr. entdämpt (Sauerteig ansetzt), den hot et ganz Johr Fr. Damp Bitb-Hütting; man soll am Abend vor Fr. nicht reisen Koch. Kinder, die auf Fr. geboren sind, sind Glückskinder, können die Geister u. die Toten wandern sehen u. können weissagen; doch dürfen sie ihre Gesichte nur Personen des andern Geschlechtes mitteilen, man nennt sie Fronsonntag-skenner Allg. Der am Fr. geboren ist, kommt an den Galgen Bitb-Hosten, Trier-Orenhf, Prozession an den vier Fr.; wer dabei fällt oder strauchelt, wird krank oder stirbt während des kommenden Vierteljahres Eif, Nahe. Wie das Wetter am Dienstag nach Fr. ist, so bleibt es das ganze Vierteljahr Koch. En Fr.laus brengt honnert en't Haus Koch-Lutzerath. Fron-stück -e- Eif (o. O.) n.: Gemeindeland, das den Bürgern gegen Entgelt verpachtet wird. Fron-woche fro·m.- Koch-Laub, Neuw-Notschd f.: W. nach Maria Geburt (8. IX.); Grombern wern on de Woch no de Fr. gegrowen; dat Kor moss en der Fr. gesät were.

 NRhWB frönen -ē-, –ī- Saar, Hunsr, Mos, Eif; -ō- Birkf (s. Frone) schw.: 1.a. unentgeltlich (statt der Steuer) für die Gemeinde arbeiten, etwa bei Wasser-, Feuer- u. Schneeschäden, Wegearbeiten, Fahrten; auch für den Forstfiskus im Walde, um ein Protokoll für Holzfrevel wett zu machen, em Wald fr.; man frint, hilft fr.b. den Nachbarn in gewissen Fällen aushelfen, hauptsächl. bei Bauten die Fahrten kostenlos leisten. — 2. übertr. dem Maul fr. sein Hab u. Gut durch Essen u. Trinken verprassen.

ab- frönen: eine Protokollstrafe durch Gemeindearbeit ablösen Allg.

 NRhWB  PfWB Fröner Sg. u. Pl. m.: 1. wer frönt Allg. — 2. übertr. hastiger, in der Arbeit sich überstürzender Mensch Schleid.

Frong s. Frung; Frönsel s. Frünsel.