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Rheinisches Wörterbuch 
 
Fratz II bis zerfratzeln (Bd. 2, Sp. 738 bis 739)
 
  NRhWB Fratz II -a- m.: 1. Sg. t. a. Bosheit; dat ös de schiere (lautere) Fr. Sieg-Much; zom Fr. aus Trotz Waldbr-Rossel. — b. Eigensinn, Hartnäckigkeit Prüm-Steffeln. — 2. Pl. -tsə(n). a. m. kräftiger, untersetzter, kerngesunder, handfester Mensch, bes. Bursche, Junge; aber auch tadelnd, trotziger, störrischer, roher Bursche Sieg, MülhRh, Waldbr, Gummb, uWupp, Sol, Lennep, Elbf, Köln, Bergh, Dür, Bo, Rheinb, Eusk; abseits mSaar 1833; -ǫ- Jül-Tetz. — Ungezogenes, freches Kind uWupp; freche, ungezogene Person Köln; Prahlhans Köln-Ehrenf; alberner, eitler Mensch mSaar 1833; Frätzchen kluges, naseweises Kind Trier-Stdt; dau kle Frätzche Kosew. für kleines Kind Bitb. — b. f. von Frauen. α. eigensinniges, freches, ungezogenes Mädchen; katziges Frauenzimmer Bitb, Sieg-Fussh, Bergh-Glesch, Sol. — β. ausdauernde Frau Koch-Leienkaul. — γ. Scheltw. für junges Mädchen, dau Fr.! Saar, Bitb.

Fratz-börken -- Elbf n.: unfreundlicher Mensch. Fratz-kittel -id- Schleid-Reifferschd m.: kerngesunder Kerl. Fratz-kopf -kǫp Wittl-Dörb, May, Altk-Bachenb, Sieg-Seelschd, Waldbr, Gummb, Lennep m.: eigensinniger Mensch, im Mosfrk (s. o.) eigensinniges Mädchen. Fratz-küken Remschd n.: dass.

fratz -a- Wend-Dörrenb Adj.: keck, stracks in die Höhe gerichtet, in der Wend.: De Näscht (Äste) stehn eso fr. ein Zeichen, dass sie schlecht behangen sind.

 NRhWB Fratze -ats Allg.; -tsə Berg ö. Ürd. L.; Pl. -tsə(n) f.: 1. willkürliche Gesichtsverzerrung, Grimasse; en Fr. schneiden, meist Fr.ə schn., machen (reissen Trier-Schweich) Allg. RA : De schneid e Fr. wie en Aff, de Gadeinen häkelt Trier-Kell, — wie wenn eich him ebbes schellig (schuldig) wär Merz-Bachem (u. a. Vergleiche, s Gesicht). — 2.a. verzerrtes, grobes, hässliches. dummes Gesicht; allg. verächtl. für Gesicht; wat hät der Kerl en Fr.! Rip, Allg.; ich schlahn dir e paar in die Fr.! Saarbr, Allg. — b. Larve. Maske; Fastnachtsnarr Saarbr. — 3. -ętsə, Pl. kleine Holzhefte auf kleinen Böhrchen, ihrer fratzenhaften Gestalt wegen Remschd.

[Bd. 2, Sp. 739]

 NRhWB Fratzen-gesicht Allg. n.: 1. verzerrtes, hässliches, freches G. — 2. Maske zu Fastnacht; Maskierter Saarbr, Saarl-Differten, Merz-Zwalb, Birkf-Idar. — 3. Stiefmütterchen Ottw-Heiligenwald, Wend-Aulenb, Meis-Medard, Bernk-Zelting, Trier-Mettnich.  PfWB Fratzen-michel Neuw-Kurtschd m.: Grimassenschneider. Fratzen-nase -nā:s Altk-Bachenbg, Saarl-Berus: f. –gesicht, Maske. PfWB  ElsWB Fratzen-schneider Allg. m.: der Fratzen schneidet.

 NRhWB fratzen schw.: 1. -ats- trotzen Waldbr, May-OMendig, Neuw-Datzeroth. — 2. -at- mürrisches Gesicht machen; Frattekopp Murrkopf MülhRuhr.

 NRhWB an- fratzen : einen a., anschreien, derb anfahren Saarbr-Nassw, Zell-Traben.aus -fratzen: 1. zu Ende sein mit dem Eigensinn, dem Zanken; hoste eweil ausgefratzt? Bitb-Badem, Verbr. — 2. etwas a., ausklügeln Koch-Lutzerath. be -fratzen: etwas b., begaffen Altk-NHövels.

Fratzert -ərt, Pl. -dən Bitb-Badem m.: katziges, eigensinniges Mädchen.

 NRhWB fratzig Adj.: 1. von Menschen. a. störrisch, trotzig, unfolgsam, eigensinnig, frech Bitb (hier bes. von Mädchen, fr. Dingen), auch von Zugtieren Wittl, Malm, May, Aden, Neuw, Altk, Sieg, MülhRh, Köln, Waldbr, Gummb, NBerg. — b. ausdauernd Koch-Leienkaul. — c. en fr. Gesicht durch Zorn verzerrt, böses Gesicht Allg. — 2. von Dingen, zäh, z. B. vom Fleisch, das nicht gut gar wird; vom Holze, das sich nicht gut spalten oder zerkleinern lässt; vom Ackerboden, der hart, krustig ist u. sich nicht gut bebauen lässt; von Rüben, Knollen, die holzig sind; von sticksigen Birnen Daun, Koch, Kobl, May, Neuw, Ahrw, Schleid, Prüm-Steffeln, Dür, Bergh, NBerg, uWupp. MülhRh, Sieg, Gummb.

Fratzel = Warze s. Fratte.
 
 
fratzeln I Dür-Winden, Aach, Eup-Herbest schw.: 1. sich fr., balgen, ringen, raufen Allg. — 2. unruhig liegen, sitzen; de lett dor hen on her te fr. Geld-Winnekendonk; s. frascheln, fraspeln, frasseln. — Abl.: die Fratzel(er)ei, dat Gefratzel(s), der Fratzeler, fratzelig, sich zerfr.

Fratzel-gat -a- Geld-Winnekendonk n.: einer, der unruhig liegt oder sitzt. Fratzel-janes -jęnes ebd. m.: dass.
 
 
 NRhWB fratzeln II -a- Koch, Kobl, May (uMos) schw.: mit stumpfem Messer ungeschickt kleine, unregelmässige Stückchen abschneiden; am Brut (Schenke) heröm) fr.; dat Brut fr. — Dieselben Abl. wie bei fr. I.

ab- fratzeln: ein Stück (Brot) schlecht, ungeschickt abschneiden [-fratsən Koch].be -fratzeln: etwas b., unordentlich zerschneiden, beschädigen.ver -fratzeln: etwas schneidend übel zurichten.zer -fratzeln: dass. Allg.